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Nachspiel

Fasanenpark und zurück

Durch einen 2:1 Sieg in der Münchner Vorstadt zieht der effzeh in die nächste Runde des DFB-Pokals. Analyse und Stimmen zum Spiel.

München, „Weltstadt mit Herz“ wurde sie mal von den Eingeborenen selbst genannt. „Mia san mia“, ein typisches bayrisches, vor allem Münchner Denken. In der Reihe der Sehenswürdigkeiten Nymphenburger Schloß, Olympiapark, Hofgarten, Marienplatz und neues Rathaus mit dem wohl bekanntesten Fußballbalkon Deutschlands, Maximilaneum, englischer Garten wirkt unsere heutige Sehenswürdigkeit etwas ländlich. Der Sportpark Unterhaching bietet uns das Spiel der ansässigen Spvgg gegen den effzeh. Von der S-Bahn-Haltestelle Fasanenpark durchquert man ebendiesen, um zu der schmucken Anlage des Vereins zu kommen, der auch berühmte Bobfahrer hervorgebracht hat. Weniger freundlich ist der Empfang des Ordnungspersonal, wenn man die mitgeführte Tasche nicht von selbst öffnet und das „Bidiomoidiedoschnöfn“ nicht versteht. Der Bayer nennt das granteln und es ist tatsächlich nicht so böse gemeint wie es sich anhört, sondern eine bayrische Höflichkeitsformel.

Personelle Lage

Die Muskelfaserrisse häuften sich und bevor Kritik am Trainingsbetrieb aufkommen konnte, wurde die fitnesstechnischen Versäumnisse des letztjährigen Trainers als Grund angeführt. Wenn man sich die konditionellen Leistungen der letzten Saison anschaut, ist das aber auch ein allzu dankbarer Grund. Akute Probleme haben Matuschyk und Chihi, noch nicht wieder fit sind Clemens, McKenna und Kessler. Eigentlich sollte sich die Mannschaft von selbst aufstellen, dachte man. Da hatte man aber die Rechnung ohne unseren Trainer gemacht. Der sorgte mal für eine faustdicke Überraschung und ließ mit Eichner, Tese und Ishak gleich 3 erfahrene und erprobte Spieler auf der Bank. Dafür brachte er Pezzoni, Hector und Przybylko. So manchem effzeh-Fan war dadurch schon vor dem Match ein wenig flau im Magen. Pezzoni sollte die Bedenken trotz einer insgesamt recht ansehnlichen Partie gegen Ende des Spiels noch ein mal unterstreichen, zum Glück ohne Auswirkungen. Und auch Przybylko konnte die Erwartungen nicht wirklich erfüllen, einzig Hector hat seine Chance nach anfänglicher Nervosität genutzt.

Spielverlauf

Der effzeh begann sehr nervös, das Bauchgrummeln wurde etwas größer. Natürlich sind die Hachinger auch eine sehr junge Mannschaft, und ja, wenn nicht jetzt wann dann die jungen Wilden mal ins kalte Wasser werfen. Aber ein Erstrundenaus nach solch einem Risiko? Da würde sich Stani einige Vorwürfe anhören müssen. Aber nach der ersten Chance für die Spielvereinigung bekam der effzeh das Spiel immer besser in den Griff. Hinten wurde nichts mehr zugelassen und mit jeder Minute wurde man vorne gefährlicher. In der 28. Minute ließ Thomas Bröker einen Schuss los, den ihm wohl kaum jemand zugetraut hätte. Flankenwechsel von rechts nach links vorne in den Strafraum, Bröker nimmt den Ball an, geht rechts an seinem Verteidiger vorbei und schlenzt die Kugel ins lange Eck. Ein Traumtor. Das gab dem effzeh Sicherheit und auch die jungen Spieler legten ihre Anfangsnervosität komplett ab. Allein Pritsche wollte nicht viel gelingen. Annähernd jeder Ball versprang ihm von Fuß oder das anschließende Abspiel war zu ungenau. Hector war jetzt richtig drin in der Partie. In der 39. Minute ein Angriff über rechts, kurze Flanke von Brecko auf Bröker, elegante Ballannahme und Doppeltunnel (!) ins Tor. Jetzt schien das Spiel entschieden, vor allem als es mit 2:0 in die Halbzeit ging.

Allerdings kam der effzeh ähnlich nervös wie in der ersten Halbzeit aus der Kabine. Vor allem Jajalo schien stehend KO, die Ungenauigkeiten im Passspiel häuften sich wieder. Aber diesmal hatte man sich nach ein paar Minuten gefangen und erarbeitet Chance um Chance. Die zweite Halbzeit verging wie im Fluge ohne das etwas Offizielles zu vermelden gewesen wäre. Bröker mit einer weiteren Chance, der eingewechselte Ishak derer gleich 2 und Tese versuchte sich aus der 2. Reihe. Alles ohne Erfolg. Und so musste es kommen wie ich es anfangs geahnt hatte. Nach einem Ballgewinn spielt Pezzoni anstelle eines kurzen, risikoarmen Passes einen langen Querpass genau in die Füße des Gegner, die jungen Hachinger schalten schnell um und kommen 2 Minuten vor dem Ende zum Anschlusstreffer. Allerdings spielt der effzeh diese 2 Minuten plus derer 2 Nachspielzeit souverän runter. Pflichtaufgabe erfüllt.

Ein Lob an unsere Auswärtsfans. Das war ganz große Klasse. Anfangs wollte ein einheimisches Blasquintett für Stimmung sorgen, aber das zweite Lied wurde einfach durch unsere Hymne überstimmt und die Unterstützung während des Spiels war herausragend. Es gab keinerlei Vorkomnisse, die für negative Schlagzeilen sorgen könnten. Die Ordner der Spvvg Unterhaching bedankten sich mit ausgiebigen Bewässerungsmaßnahmen, was die großartige Stimmung noch verbesserte. Eine absolut freundschaftliche Stimmung mit Rivalität, aber auch hier war der Heimverein deutlich unterlegen.

Fazit

Verdienter Sieg, wenn auch knapp, knapper als notwendig. Dieses Spiel war eine große Chance für eine Reihe junger Spieler Erfahrungen zu sammeln, und das haben sie, mehr oder weniger erfolgreich, aber das spielt eine untergeordnete Rolle. Diese Erfahrungen werden allen helfen. Die Verbindung effzeh und Pezzoni steht unter keinem günstigen Stern. Er ist ja nicht der einzige der Fehler macht, aber er ist immer derjenige, dessen Fehler Folgen hat. Das mag unglücklich sein, aber es gibt einfach Beziehungen, die passen nicht, so sehr man es sich wünschen mag.

Spieler im Fokus

Jonas Hector: nach anfänglicher Nervosität kam er immer besser ins Spiel, die Pässe kamen genauer, er hat gezeigt eine echte Option im Mittelfeld zu sein, nach Strobls Einwechslung ein bischen offensiver aber konditionell schon ziemlich geschlaucht also ohne große Wirkung

Thomas Bröker: 2 schöne Tore, mit etwas Glück, aber auch mit dem Mut solche Dinger zu machen, und er mit etwas mehr Glück hätte er noch 2 Tore mehr gemacht, man sieht, man kann das Glück erzwingen, dann springt auch was dabei rum, manch einer mag Zweifel an seiner Verpflichtung gehabt haben, die dürften jetzt weggewischt sein.

Sascha Bigalke: bei der Hertha keine Chance mehr, weil er unerlaubt in den Urlaub flog, war er auf Seiten der Unterhachinger Man of the Match. Wenn es für uns gefährlich wurde, war er beteiligt. Ein Talent, das man im Auge halten sollte. Und im Münchener Vorort hat er größere Chancen die Flausen aus seinem Kopf zu bekommen. Damit aber auch kein Mann für den effzeh, Flausen im Kopf und Köln, das verträgt sich nicht.

Stimmen zum Spiel

Jonas Hector: Ich war genau so fokussiert wie bei der U21, deswegen war es für mich kein großer Unterschied. Wir haben etwas gebraucht um reinzukommen, aber als wir das 1:0 gemacht haben sind wir immer besser ins Spiel gekommen. Anfang der zweiten Halbzeit waren wir wieder etwas unkonzentriert, hatten genügend Chancen das dritte Tor zu machen, machen es nicht und hintenraus kriegen wir dann noch einen, mussten kurz zittern, ist aber gutgegangen. Wenn wir in Aue noch mal so viele Chancen haben, werden wir sie einfach nutzen und das wird das schon.

Thomas Bröker: Ich bin froh, dass wir eine Runde weiter sind. Ich denke, wir haben es unnötig spannend gemacht am Schluss, wir müssen vorher das dritte Tor machen. Schön, dass ich zwei Tore aus dem Spiel machen konnte, aber wir haben heute als Mannschaft eine Superleistung abgeliefert, was auch nicht ganz einfach war bei diesen Temperaturen. Ich bin froh, dass wir uns die Chancen herausspielen, aber so langsam müssen wir auch daraus mal Kapital schlagen.

Holger Stanislawski: Ich glaube, dass wir verdient eine Runde weitergekommen sind. Ärgerlich ist, dass wir aus einer Vielzahl von Torchancen nicht frühzeitig das dritte Tor gemacht haben und dann auch Ruhe haben im Spiel. Und wie es im Fußball dann so ist, eine Situation und 2:1 und paar Minuten noch zu spielen und völlig unnötig noch mal Gefahr gelaufen dieses Spiel aus den Händen zu geben. Die Jungs waren engagiert, die Jungs waren bemüht. Wir haben nicht alles richtig gemacht, aber wir haben dieses Spiel angenommen gegen eine sehr starke Mannschaft, die uns alles abverlangt hat. Dementsprechend sind wir froh, dass wir eine Runde weiter sind. Wir müssen weiter am Torabschluss arbeiten, unterm Strich sind diese 2 Tore einfach zu wenig. Wir haben jetzt ein wenig Luft, bevor es am Montag im Ligabetrieb in Aue weitergeht. Unterhaching wünsche ich mit ihrer jungen, interessanten Mannschaft, die sehr, sehr guten Fußball spielt im Ligabetrieb weiterhin viel Erfolg. Entsprechend sind wir froh, dass wir diese schwere Aufgabe haben bewältigen können.

zu den jungen Spielern: Jonas Hector hat eine sehr engagierte Leistung gezeigt. Das was er im Training angedeutet hat, konnte er jetzt auch im Spiel usmetzen. Pritsche hat vorne nicht den einfachsten Stand gehabt. Das war für uns anfangs auch sehr mühsam sich vorne Torchancen zu erspielen. Wenn wir aber durch dieses Arbeiten das Feld so bestellen, dann müssen die Jungs die wir hintenraus noch bringen das auch abernten. Wenn wir dann so viele 1:1 Situationen so viele Torchancen haben dann brauchen wir halt auch mal Tore. Ich war aber mit beiden sehr zufrieden. Sie waren beide sehr engagiert und ewntwickeln sich stetig und sind noch lange nicht am Ende. Und mit Kübler haben wir noch einen der im Moment richtig gute Leistungen bringt. Schrittweise werden wir diese Jungs jetzt hin und wieder einbauen.

zu Eichner: grundsätzlich dürfen ja immer nur 11 spielen und wir müssen ja auch schauen, dass wir uns einen gewissen Matchplan zurechtlegen. Wir wussten dass Unterhaching eine sehr spielstarke Mannschaft ist, aber das ein oder andere Problem hat bei Standardsituationen, dementsprechend ist Kevin Wimmer da der etwas bessere Kopfballspieler im Offensivbereich. Insofern lag das gar nicht an Eiches Leistung sondern ganz einfach an unserer taktischen Ausrichtung.

zu Bröker: wir wissen Bröki hat eine wahnsinnige Physis, eine wahnsinnige Körperlichkeit und Durchsetzungsvermögen, auch da sind noch viele Kleinigkeiten die noch nicht so ganz passen, aber er arbeitet sehr für die Mannschaft und hat diese Durchsetzungskraft im 1:1, was ich bei dem ein oder anderen immer noch vermisse, er sucht solche Situationen und hat sich heute dafür belohnt. Das ist glaub ich der richtige Weg für ihn, das wird ihm Auftrieb geben. Dementsprechend wissen wir um seine Qualität und auch um seine Vielseitigkeit. Von daher sind wir sehr froh, dass wir ihn haben, zumal wir momentan ja auch nur 16 gesunde Spieler haben

zur Frage nach dem späten Gegentor und Pezzoni: nein, ich möchte hier gar nicht die Jungs im einzelnen bewerten, und zum Gegentor auch nicht, ich hab mich vielmehr geärgert, dass wir keine Tore machen. Wir müssen viel mehr die Antennen draußen haben, dass wir ein Vielzahl einfacher Spielsituationen nicht hergeben, das haben wir nicht gemacht, nicht nur Pezzo sondern einige.

abschließend: und so freuen wir uns dass wir eine Runde weiter sind. Und auch über das ein oder andere Ergebnis auf den anderen Plätzen.

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