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Nachspiel

Eine Niederlage, die nur wenig schmerzt

Ein bärenstarker Frederik Sörensen sorgt für einen Negativrekord des FC Bayern – der allerdings trotzdem alle drei Punkte aus Köln entführt. Schade eigentlich.

Foto: PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images

Nur drei Tage nach der magischen Nacht in der Champions League gegen den italienischen Rekordmeister aus Turin gab sich der FC Bayern München beim Auftritt im Müngersdorfer Stadion gegen den nächsten Verein mit internationalem Renommee (sic!) die Ehre. Der effzeh erzwang mit einer couragierten Leistung zwar einen Negativrekord der Bayern, verlor aber trotzdem mit 0:1. Eine Niederlage ist zwar immer blöd, doch diese schmerzt nicht allzu sehr.

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Manuel Neuer being Manuel Neuer
Foto: PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images

Man kann viel in eine einzelne Spielszene interpretieren, ihren Wert auf das gesamte Spiel übertragen und dadurch irgendwelche herbeifantasierten Interpretationen vollziehen. Doch wenn der FC Bayern München in einem Auswärtsspiel gegen eine Mannschaft aus dem Tabellenmittelfeld nach 78 Minuten auswechselt, um das Ergebnis abzusichern und nicht etwa einem verdienten Offensivspieler, der neben drei Torvorlagen auch noch zwei Tore selbst erzielt hat, den Applaus der Zuschauer zu gönnen, dann muss etwas anders gelaufen sein als sonst. Philipp Lahm, Weltmeister und Eckpfeiler der perfekt funktionierenden Bayern-Maschinerie, hatte sich an diesem Nachmittag in Müngersdorf eigentlich auf eine entspannte Sitzung auf der Ersatzbank eingestellt, kurz vor Frühlingsanfang wollte er von den Rotationsmaßnahmen seines Trainers Guardiola profitieren, um für den im April anstehenden Endspurt der Saison fit zu sein. Doch die Bayern-Elf auf dem frisch verlegten Müngersdorfer Grün erweckte nicht den Eindruck unantastbarer Souveränität und fast übermenschlicher Würde, wie das normalerweise in Bundesligaspielen der Fall ist. Dementsprechend rief Guardiola seinen kampferprobten Kapitän, um in den letzten zwölf Minuten der Partie die zwar nicht fahrige, aber irgendwie doch nervöse Münchner Elf zu stabilisieren. Lahm kam dann für Sebastian Rode in die Partie und sollte mit seiner Erfahrung und Cleverness helfen, dass defensive Mittelfeld des Rekordmeisters zu stabilisieren, da die Kölner Mannschaft irgendwann im Laufe der zweiten Halbzeit ihren eigenen Mut entdeckt hatte und plötzlich sogar anfing, Fußball zu spielen. Es sind die kleinen Dinge wie diese, an denen man sich in Duellen gegen den FC Bayern erfreuen muss – Lahm sah wegen eines taktischen Fouls die gelbe Karte.

Peter Stöger hatte vor Anpfiff betont, dass das Einbremsen der unglaublichen sportlichen Qualität der Münchner schon eine Ausnahmeleistung seiner Schützlinge erfordern würde, weswegen er wenig überraschenderweise eine defensivere Ausrichtung wählte, um das Risiko möglichst gering zu halten. Die Nominierung von Dominic Maroh für Kevin Vogt markierte auch die Rückkehr zur Fünferkette, vor der eine Viererkette das Ballbesitz- und Positionsspiel der Bayern zum Stocken bringen sollte. Dieser eher reaktive Ansatz überraschte deshalb nicht, da Guardiolas Elf mittlerweile Lösungen gegen Mannschaften aller Geschmacksrichtungen gefunden zu haben scheint. Ein hohes und intensives Pressing gegen den FC Bayern kann man nur spielen, wenn man sich seiner Sache sicher ist und das Risiko liebt. Eine Mannschaft wie der effzeh, trainiert von einem pragmatischen Realisten aus Österreich, tut gut daran, die Vermeidung von Fehlern und die Verkleinerung von bespielbaren Räumen als oberste Prämissen in einem solchen Spiel auszugeben. Die Dominanz des FCB sorgt dann immer noch dafür, dass die Roten gefühlt zwei Leute mehr auf dem Platz haben. Auch die These, dass eventuell Champions-League-müde Münchner aufgrund der hohen Belastung etwas wenig konzentriert sein könnten, bröckelt relativ schnell (immerhin konnten die Bayern bisher alle sieben vorherigen Spiele nach einem CL-Auftritt unter der Woche gewinnen – mit einem Torverhältnis von 22:1).

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Überragend: Frederik Sörensen
PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images

Genauso ging es dann auch herein in die Partie, die dem Neudeutschen nach ja zur Kategorie der „Bonusspiele“ gehörte. Die Bayern ließen den Ball laufen, der effzeh konzentrierte sich auf sauberes Verteidigen direkt vor dem eigenen Strafraum. Man hatte sich frei nach Thomas Häßler vorgenommen, kein Gegentor zu kassieren, was bis zum Gegentor auch gut geklappt hatte. Bei jenem spielte Thiago einen an sich misslungenen Pass, doch auch die Abwehraktion von Dominique Heintz sollte misslingen. Der Ball fiel Lewandowski vor die Füße und der macht, tja, das was er eben so macht – ein Tor (10.). Lange die Null zu halten war also schon relativ früh im Spiel obsolet geworden.

Doch der effzeh blieb stabil, ließ wenig zu, obwohl die Bayern nach wie vor mit dem Spielgerät machen konnten, was sie wollten. Zu Abschlüssen kamen sie allerdings kaum, was an der erstaunlich guten Zweikampfquote des effzeh lag. Nach einer Viertelstunde gewannen Lehmann und Co. starke 78% der Zweikämpfe, während die Bayern auf genauso viel prozentualen Ballbesitz kamen. Im gesamten Spiel sollte der effzeh nur sechs Torschüsse zulassen, was seit Erfassung der Statistiken ein Negativrekord für die Bayern ist. Deswegen kann man den Kölnern schon ein Kompliment aussprechen, ob das allerdings für den Briefkopf reicht, ist fraglich. In diesem Zusammenhang stellte Peter Stöger im Interview mit NetCologne FC-TV seinen feinen Sinn für Humor unter Beweis, als er sagte, dass der effzeh gerade mal so viele Torschüsse zugelassen habe, wie manche Mannschaften in letzter Zeit Tore gegen den FC Bayern kassiert haben. True that.

Die konzentrierte Defensivleistung des effzeh kulminierte in der überragenden Statistik von Frederik Sörensen, der nicht nur die meisten Zweikämpfe auf dem Platz gewann, sondern auch mit 15 Grätschen einen fünf Jahre existierenden Bestwert pulverisierte. Damit eroberte er sich das Herz des Verfassers, selbst ein leidenschaftlicher Grätscher, doch nicht annähernd so erfolgreich.

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Anthony Modeste verpasste den Ausgleich
PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images

Apropos erfolgreich: die Angriffsversuche des effzeh waren nicht von Erfolg gekrönt, obwohl man in der zweiten Halbzeit etwas mutiger wurde und mit mehr Risiko verteidigte. Nach der Einwechslung Yuya Osakos, der viele Akzente setze und gut ins Spiel fand, stellte der effzeh auf eine Viererkette um, Jonas Hector ging ins Mittelfeld. Bittencourt setzte mit einem Abschluss den Startschuss für eine kleine Schlussoffensive (ja, nennen wir es mal so), in der sich die Mannschaft bewusst wurde, dass sie mit dem Mute der Verzweiflung auch die großen Bayern vielleicht würde ärgern können. Dazu gehört natürlich eine ordentliche Portion Mut, die kein noch so guter Trainer von außen einfach injizieren kann. So etwas ergibt sich meist von selbst, eine Emotionalisierung des Spiels hatte für den effzeh im Dezember gegen Dortmund auch dazu geführt, einen an sich übermächtigen Gegner zu besiegen. Gegen die Bayern fiel das Ganze naturgemäß etwas kleiner aus: Modeste verpasste eine Risse-Flanke nur knapp und scheiterte dann in einer aussichtsreichen Position an David Alaba. In der Nachspielzeit fiel der Ball noch einmal Bittencourt vor die Füße, der allerdings auch nur schwerlich aus dieser Position hätte treffen können. Dass sich die Bayern allerdings auch nicht komplett verausgabten und mit Lewandowski und Coman gegen Ende auch noch zwei Chancen zur Entscheidung hatten, soll an dieser Stelle auch nicht unter den Tisch fallen.

Alles in allem ist es natürlich immer noch ein blödes Gefühl, ein Spiel in der Bundesliga zu verlieren. Doch eine couragierte Leistung über weite Strecken der zweiten Hälfte lindert ein wenig den Schmerz. Der effzeh zeigte sich konkurrenzfähig, stellte die Bayern zumindest ansatzweise vor Probleme und hat damit schon mehr erreicht als in den bisherigen Bundesligaduellen gegen Peps Maschine. Dementsprechend heißt es, das Positive aus diesem Spiel mitzunehmen, die österliche Länderspielpause gut zu nutzen und dann im Duell mit 1899 Hoffenheim mal wieder gegen einen Gegner aus der eigenen Gewichtsklasse zu fighten.

Hier die besten Fotos vom Spiel anschauen: 

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