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Nachspiel

Effzeh-Heerenveen 2-0 (1-0)

Der neue effzeh erstmals in Aktion. Dabei wurde die Kapitänsfrage beantwortet und auch erste Rückschlüsse auf die mögliche Startformation galt es zu ziehen.

© effzeh.com

Als ich mich mit meiner Frau auf den Weg machte, um das Testspiel unseres effzeh zu besuchen, stand der graue Kölner Herbsthimmel tief. Er kniete geradezu auf dem nassen Asphalt. Es gibt gemütlichere Tage, um das Haus zu verlassen. Selbst wenn es eigentlich Juli ist. Aber unverhofft gab es die Gelegenheit, die neue Mannschaft bei der Arbeit zu bewundern und diese wollten wir uns nicht entgehen lassen.

Die Bahn hielt und wir schlenderten dem schönsten Stadion der Welt entgegen. Vor uns Zeugen einer nicht weit zurückliegenden Vergangenheit. Menschen mit Namen Geromel, Podolski und Rensing auf ihren Rücken.

Der effzeh hatte lediglich die Südkurve geöffnet und so kam es, dass die 4.000 Zuschauer auf ein ansonsten leeres Stadion blickten. Links saßen ein paar Journalisten auf der Westtribüne, rechts ein paar Polizisten und gegenüber, Nordost Unterrang, hatten sich die Fans des Gegners verirrt. Der Gegner, das war heute der SC Heerenveen aus der niederländischen Eredivisie. Heerenveen hat knapp 44.000 Einwohner. Davon hatten sich 30 in unser Stadion begeben. Ich habe mitgezählt.

Ausgangslage

Langsam ging es los und als die Spieler schließlich in ihren schicken neuen Trikots den Platz betraten, beantwortete sich die erste Frage: Es war angekündigt worden, dass der künftige Kapitän auch heute die Binde tragen würde und die Ehre wurde letztlich Miso Brecko zuteil. An dieser Stelle möchte ich kurz einwerfen, wie angewidert ich eben die BILD-Letter ertragen musste, die unseren neuen Capitano als Promille-Profi bezeichneten. Daraus sprach wahrscheinlich der pure Neid.

Clemens war ja zuletzt auch als möglicher Kapitän gehandelt worden. Ich bin ganz froh, dass er es nicht geworden ist. Man darf sein Alter nicht vergessen und wir wollen ihn ja nicht verbrennen.

Kurz vor Anpfiff kam es dann zu den ersten Highlights: Zunächst einmal kam plötzlich die Sonne heraus. Wie aus dem Nichts. Als wollte sie unseren neuen effzeh in die neue Saison küssen.

Zudem spielte nach der Platzwahl der Gast in der ersten Halbzeit auf unsere Tribüne zu, was bedeutete, dass Timo Horn in seinem ersten Spiel als Nr. 1 im RES zu Beginn die Fans im Rücken haben würde. Als er auf sein Tor zusteuerte, wurde er frenetisch gefeiert – ich bekam eine Gänsehaut.

 

Zum Spiel

Viel möchte ich auf den eigentlichen und eher unauffälligen Spielverlauf nicht eingehen, da man ein Testspiel nicht überbewerten sollte. Der effzeh war insgesamt bemühter und engagierter und siegte verdient mit 2:0 nach einem Doppelpack von Chihi, der insgesamt viel herumwirbelte, manchmal aber weniger fummeln könnte. Dem zweiten Treffer vorangegangen war ein spanisch anmutender Tanz unseres neuen Kapitäns durch des Gegners Abwehr, bei dem er 3-4 Gegenspieler hinter sich ließ (so habe ich das zumindest wahrgenommen).

Taktisch fiel auf, dass die Außenverteidiger offenbar angehalten sind, sehr weit nach vorne zu gehen. Das hat dann schon einmal zur Folge, dass man Brecko (der insgesamt sehr agil war) an der Torauslinie des Gegners zu finden ist, um einen Ball ins Zentrum zu löffeln. Wenn die Außen nach vorne stürmen, rücken die Defensiven Mittelfeldspieler tendenziell zurück und weichen auf die Positionen der defensiven Außen aus, um die Abwehr dicht zu halten.

Ansonsten war spürbar, dass der effzeh auf das direkte Spiel setzen möchte, was jedoch noch nicht immer gelang. Auch waren einige Flankenwechsel zu sehen, um das Spiel in die Breite zu ziehen. Horn ist – wie zu vermuten war – erste Station des Offensivspiels, das er durch recht gute Abstöße und weite Abwürfe ankurbelt.

Zusammenfassend eine homogene Partie des effzeh, ohne ganz große Glanzlichter. Aber wer mag das zu diesem Zeitpunkt einfordern wollen.

Zu den Mannschaftsteilen

Welche Rückschlüsse lässt die Aufstellung auf die Formation für den Saisonbeginn zu?

Im Tor hatte Timo Horn kaum die Möglichkeit, sich auszuzeichnen, reagierte aber 2-3 sehr gut und zeigte, dass auf ihn Verlass ist, wenn es darauf ankommt. Zudem bringt er gute fußballerische Fähigkeiten mit und wird uns helfen können, das Spiel schnell zu machen.

Abwehr: Sollte die Innenverteidigung künftig das Duo bilden, das gestern begann, habe ich ein gutes Gefühl: Maroh und Wimmer haben ihre Sache in meinen Augen gut gemacht. Sie hatten zwar nicht viel zu tun, da die Gäste kaum Bemühungen zeigten, ein Tor zu erzielen, aber es war erkennbar, dass die Abstimmung zwischen den beiden gut funktioniert. Maroh spielt zwischendurch einen wirklich feinen Ball und Wimmer macht einen ziemlich souveränen Eindruck.

Links hinten spielte Eiche, rechts hinten unser neuer Kapitän. Auf links durften sich später noch Wimmer und Kübler versuchen, wobei mir Wimmer innen besser gefiel und Kübler einen starken Eindruck hinterließ.

Das Defensive Mittelfeld werden wohl Lehmann und Matu bilden. Während letzterer seine gewohnte Geschmeidigkeit am Ball andeutete, aber ansonsten nicht strukturiert genug spielte, stach Lehmann zumindest insofern heraus, als dass er überall zu finden war, Bälle forderte und einen hohen Aktionsradius an den Tag legte – auch wenn sein Spiel von einigen Ungenauigkeiten geprägt war.

Die offensiven Außen waren mit Clemens (links) und Chihi (rechts) besetzt. Mitte der ersten Halbzeit musste Clemens verletzt (Innenbandriss) durch Royer ersetzt werden. Zunächst einmal an dieser Stelle gute Besserung, Christian! Wir hoffen, Du bist schnell wieder dabei!

Royer war ein engagierter Ersatz und bildete ein sehr aktives Duo mit Chihi. Manchmal blitzten sehr schöne Pässe auf, insgesamt war sein Spiel aber auch von vielen Fehlpässen gekennzeichnet.

Im Sturm begannen Tese und Bröker, wobei auffällig war, dass Bröker in der ersten Hälfte tatsächlich oft vorne zu finden war, während er sich im zweiten Abschnitt mehr zurückfallen ließ. Tese und in der zweiten Halbzeit Ishak waren präsent, ohne wirklich gute Chancen herauszuspielen. Tese leitete allerdings schön das 1:0 durch Chihi ein. Bröker unterliefen einige Fehler, aber er macht das durch unbändigen Willen, ein gutes Tempo und Feuer wett. Bröker war – vor allem in der zweiten Hälfte ein klarer Aktivposten und ein belebendes Element. Er büffelt bis zur absoluten Erschöpfung über den Platz und wird seine Mitspieler in kniffligen und engen Spielsituationen mitreißen können.

Fazit

Wie gesagt, man sollte das alles nicht überbewerten. Aber grundsätzlich war das zufriedenstellend. Ich bin zuversichtlich und was mich am meisten freute: Diese Mannschaft lebt offenkundig. Die Spieler unterstützen sich gegenseitig und strahlen eine angenehme Bodenständigkeit aus.

Stimmen nach dem Spiel

Diese Bodenständigkeit machte sich auch nach dem Spiel in den Interviews gegenüber FC-TV bemerkbar. Sowohl Chihi als auch Brecko warnten davor, aus dem 2:0-Erfolg zu positive Schlüsse zu ziehen (Brecko:„wir müssen trotzdem auf dem Boden bleiben“) und wiesen (zurecht) darauf hin, dass das Spiel gegen Braunschweig nicht vergleichbar sein wird – wieder Brecko: „das wird ein heißes Spiel“. Unser Trainer wiederum gab zu bedenken, dass es schwierig sei, nach einem derartigen Test „ein Formbarometer wiederzugeben“, auch wenn er mit einigen Dingen schon recht zufrieden war – vor allem in der ersten Hälfte, als der effzeh „nach dem Ballgewinn schnellen Fußball gespielt“ habe.

Stanislawski begründete seine Entscheidung für Brecko damit, dass dieser „aufgrund seiner Art der beste ist, der diese Mannschaft führen kann“. Brecko hätte ihn durch seine „ruhige, sachliche Art“ sowie seine „fußballerische Qualitäten“ und seinen großen Erfahrungsschatz überzeugt.

Unser neuer Capitano ist sich indes der Bedeutung dieser Aufgabe bewusst. Er empfinde es als eine „große Ehre, Kapitän bei einem so großem Verein wie dem effzeh zu sein“.

Die kommenden Tage bis zum Saisonstart werden nun laut Stanislawski davon gerprägt sein, den „Feinschliff“ vorzunehmen, weswegen er viel in Gruppen trainieren lassen wird. Dadurch hoffe er auf eine gute Vorbereitung, „so dass wir was Zählbares aus Braunschweig mitbringen“ – das hoffen wir auch!

So schließe ich meinen Spielbericht zu dem Test gegen Heerenveen mit einer kleinen Beobachtung. Nach dem Abpfiff war es, als die Spieler zur Südkurve liefen, um sich von ihren Fans zu bedanken. Sie wurden beklatscht, von vielen Anhängern mit Trikots, die wie Zeugen einer nicht weit zurückliegenden Vergangenheit wirkten. Namen waren darauf zu lesen wie Geromel, Podolski und Rensing. Und mittendrin ein kleiner Junge. Vielleicht sechs Jahre alt. Er trug ein gelbes Trikot, auf dem ein anderer Name stand: Horn.

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