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Nachspiel

Auswärtsniederlage in Dresden: Hochmut kommt vor dem Fall

Von wegen Aufstieg an Ostern: Der 1. FC Köln verliert völlig verdient mit 0:3 in Dresden und muss sich nun einigen Fragen stellen.

Foto: Thomas Eisenhuth/Bongarts/Getty Images

Vielleicht war es die Ausgangslage, vielleicht war es das Wetter, vielleicht war es aber auch eine alles in allem desolate Leistung des 1. FC Köln – die deutliche und verdiente 0:3-Niederlage des effzeh bei Dynamo Dresden wirft in jedem Fall einige Fragen auf. Nach einem Zwischensprint von sechs Siegen in Folge verhinderten späte Gegentore bei den Spielen gegen Duisburg und Hamburg, dass der Aufstieg gar schon früher hätte realisiert werden können – aufgrund der Ergebnisse der Konkurrenz ist die Situation aber (leider) immer noch sehr komfortabel. Vielleicht sogar zu komfortabel, wenn man sich die Herangehensweise der Mannschaft am Ostersonntag ein wenig näher anschaut.

Dass Markus Anfang in der Startelf Veränderungen vornehmen musste, war von vornherein klar: Christian Clemens fiel mit Muskelproblemen aus. Die Frage, wer ihn ersetzen würde, wurde im Vorfeld heiß diskutiert: Aufgrund Marcel Risses aktueller Formschwäche und der fehlenden positionellen Eignung Louis Schaubs tat der Kölner Coach dann genau das richtige und holte mit Florian Kainz den einzigen Wing-Back auf die rechte Seite. Für ihn spielte Jonas Hector auf links. Im Mittelfeldzentrum entschied sich Anfang für die Variante mit Geis, Drexler und Schaub, in der Sturmspitze agierten Modeste und Terodde zum ersten Mal gemeinsam.

Defensiv schwach, offensiv immer mit der falschen Entscheidung

Gleich zu Beginn der Partie konnte man sehen, dass Dynamo dem 3-4-1-2 des effzeh mit vielen Mannorientierungen entgegen trat. Der effzeh schaffte es nicht, durch ruhige und flache Kombinationen Torgefahr zu erzeugen, sondern versuchte es viel zu häufig mit Flanken aus dem Halbfeld oder Distanzschüssen. Anstatt sich auf die eigenen Stärken zu besinnen und den Ball in den eigenen Reihen zu halten, auf die entstehenden Räume zu warten und dann die individuelle Qualität auszuspielen, trafen die Kölner Spieler eigentlich durchgängig falsche Entscheidungen.

Foto: Thomas Eisenhuth/Bongarts/Getty Images

Und wenn dann zu den offensiven Problemen noch eklatante defensive Schwächen hinzukommen, wird es schwer mit einem Punktgewinn: Die ersten beiden Tore entstanden jeweils nach langen Bällen der Dresdener, als beim effzeh die Absicherung nicht passte und Czichos und Meré ihre Eins-gegen-Eins-Duelle gegen die schnellen Stürmer Duljevic und Berko verloren. Zuerst traf Berko nach zwölf Minuten, danach erhöhte Duljevic nach einem Doppelpass der beiden Angreifer (35.). Zwischenzeitlich hatte der Bosnier noch eine weitere Möglichkeit gegen Horn vergeben, als er einen langen Ball vor Meré erlief und am Kölner Keeper scheiterte. Beim effzeh lief von einigen Standards und Distanzschüssen relativ wenig zusammen, nach etwa 27 Minuten versuchte dann Jorge Meré, den gegnerischen Spielaufbau am Sechzehner von Dynamo zu stoppen. Bei einem Abstoß. Als Innenverteidiger.

Wirkte das Gerede um einen vorzeitigen Aufstieg lähmend?

Eine Reaktion auf Seiten des Tabellenführers gab es keine, Modeste fiel eher durch Fehlpässe auf, Hector holte sich nach mehr als einer Stunde frustiert eine gelbe Karte wegen Meckerns. Den zweiten Durchgang begann der effzeh dann zumindest ein wenig konzentrierter, ohne allerdings auch nur annähernd eine normale Leistung abzuliefern. Ganz im Gegenteil: Atik hätte nach 54 Minuten und einem Tiefenball bereits das 3:0 erzielen müssen. Den Gastgebern reichte es in dieser Phase, den Rhythmus der „Geißböcke“ durch kleinere Foulspiele zu unterbinden – selbst war man dann nach 67 Minuten erfolgreich, als Berko einen Halbfeld-Freistoß von Kreuzer per Kopf einnickte.

Die restlichen 20 Minuten gingen dann bei hervorragenden äußeren Bedingungen einigermaßen ereignislos zu Ende, beim effzeh kamen noch Koziello und Hauptmann – allerdings ohne einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen. Wenn es überhaupt einen Eindruck an diesem Tag gab, war dieser durchweg negativ. Das Gerede um einen vorzeitigen Aufstieg schien der Mannschaft nicht gutgetan zu haben, sodass Dresden völlig verdient den zweiten Sieg im Jahr 2019 feiern durfte und etwas Luft im Abstiegskampf holen kann.

Doppelspitze Modeste und Terodde – wirkungslos!

Es wäre auch zu einfach, die Niederlage daran festzumachen, dass Modeste und Terodde zusammen im Sturm agierten – die Frage jedoch, warum der 1. FC Köln Modeste erneut unter Vertrag nahm, hat allerdings nach wie vor durchaus seine Berechtigung. Modeste und Terodde sind sich insgesamt zu ähnlich und beide mit herausragender Abschlussqualität gesegnet, die eine Mannschaft allerdings nur schwerlich tolerieren kann, wenn sie gleich zwei Spieler in ihren Reihen hat, die sich aus den fußballerisch-kombinatorischen Elementen weitestgehend herausnehmen. Zusammen kamen beide auf 55 Ballkontakte und 34 Pässe – vernichtende Werte für Offensivspieler. Terodde selbst hatte gar keinen Abschluss zu verzeichnen, Modeste deren sechs – allerdings war davon keiner so richtig gefährlich. Erst mit der Einwechslung von Jhon Cordoba kam ein wenig spielerische Qualität dazu, der Kolumbianer machte Bälle vernünftig fest und spielte zwei gelungene Tiefenbälle.

Wir haben heute alle keine Normalform erreicht und das von der ersten Sekunde an.

Markus Anfangs Fazit nach der Partie sah gegenüber „Sky“ folgendermaßen aus: „Man muss ehrlich zu sich selbst sein, wir dürfen die Schuld nicht hin- und herschieben. Wir haben heute alle keine Normalform erreicht und das von der ersten Sekunde an. Dann wird es schwer, Dresden hat es gut gemacht. Wir müssen an unsere Stärke glauben und jeder Spieler muss eine gute Leistung abrufen, dann werden wir auch gute Spiele absolvieren. Heute war ein gebrauchter Tag.“ Auf die Frage hin, was genau diese Niederlage jetzt bedeute, sagte der Fußballlehrer: „Wir haben das erste Mal seit acht Spielen verloren. Schwarzmalerei ist nicht so mein Ding. Ich glaube, dass die Jungs sich heute wahnsinnig viel vorgenommen hatten, um unbedingt diese drei Punkte zu holen, die uns dazu berechtigt hätten, wahrscheinlich ganz nah am Ziel zu sein. Wir sind nicht in unser Spiel reingekommen, jeder hat seine Form verloren.“

Foto: Thomas Eisenhuth/Bongarts/Getty Images

Der 1. FC Köln muss sich den Fragen stellen

Es dürfte zwar nach Lage der Dinge immer noch für den Aufstieg reichen, weil auch die Konkurrenz momentan nicht wirklich zu überzeugen weiß. Die Leistung in Dresden und die mittlerweile fast 40 Gegentore werfen allerdings jede Menge Fragen auf, mit denen man sich auseinandersetzen sollte – das Beharren auf der Doppelspitze und der Dreierkette scheint mittlerweile eher dem Umstand geschuldet, dass der effzeh zu viele gute Zentrumsstürmer hat. Ob sich die Mannschaft wirklich damit nachhaltig wohlfühlt, erscheint fraglich – die Tempodefizite in der Defensive waren jedenfalls ebenfalls offenkundig. In der Analyse der aktuellen Saison werden hoffentlich die richtigen Lehren gezogen, weil sich der effzeh wohl schon in der ersten Liga wähnt. Bis das allerdings rechnerisch soweit ist, könnte es noch ein paar Spieltage dauern.

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