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Interviews

Dirk Lottner über das Pokalduell: „Die Ausgangssituation gibt etwas her“

Dirk Lottner steht für den 1. FC Saarbrücken an der Seitenlinie und freut sich ganz besonders auf das Pokalspiel gegen den 1. FC Köln. Was der einstige FC-Spieler zu sagen hat, lest ihr in unserem Interview mit „Lotte“.

Foto: Andreas Schlichter/Bongarts/Getty Images

Wenn der 1. FC Köln am Dienstag im DFB-Pokal auf den 1. FC Saarbrücken trifft, ist es für einen ein ganz besonderes Spiel – FC-Legende Dirk Lottner ist seit 2016 Chef-Trainer beim derzeitigen Tabellenführer der Regionalliga Südwest. Wir trafen „Lotte“, der zwischen 1998 und 2004 insgesamt 161 Einsätze für den 1. FC Köln absolvierte, zum Interview. Der Linksfuß sprach mit uns über die Chancen seines Vereins, die Unterschiede zwischen Saar- und Rheinland und die derzeitige Situation beim 1. FC Köln.

Was war dein erster Gedanke, als das Los gezogen wurde und feststand, dass Saarbrücken gegen den FC antritt?

Große Freude mit einem lauten „Ja!“ – ich habe mich wirklich riesig gefreut und jetzt kommt langsam die Vorfreude.

Ist ein Traumlos, weil es gegen die große Liebe geht oder eher ein Trauma, weil entweder dein Verein oder deine große Liebe ausscheidet?

Auf jeden Fall ein Traumlos. Unabhängig vom Ausgang des Spiels ist es für uns natürlich ein tolles Event, wenn du den 1. FC Köln zu Gast hast.

„Wir wissen alle, dass du als Regionalligist nicht den Anspruch hast, den Erstligisten an die Wand zu spielen und vom Platz zu fegen.“

Wie stehen die Chancen?

Minimal, aber wir sind auch nicht chancenlos. Wir wissen alle, dass du als Regionalligist nicht den Anspruch hast, den Erstligisten an die Wand zu spielen und vom Platz zu fegen. Es ist aber schon so, dass die Ausgangssituation ein bisschen was hergibt. Unsere Situation als Tabellenführer macht es vielleicht auch interessanter im Vergleich dazu, wenn wir als normaler Regionalligist in ein solches Spiel gehen würden. Wir treffen auf eine Mannschaft, die im Moment auch so ihre kleinen Problemchen hat. Dann rechnet man sich immer ein bisschen was aus, aber es müssen natürlich viele Faktoren zusammenkommen, wenn du als Sieger aus dem Spiel hervorgehen willst.

Vorzeitig Herbstmeister: 1. FC Saarbrücken dominiert die Regionalliga Südwest

Bei Saarbrücken läuft es diese Saison ja sehr gut, ihr seid gerade vorzeitig Herbstmeister geworden. Woran liegt das?

Mit Sicherheit die Konstanz erstmal. Wenn du ganz vorne mit dabei sein willst, ist es wichtig, dass du eine gewisse Konstanz in deinen Spielen hast. Darüber hinaus musst du immer wieder sehen, dass du an dein Leistungsoptimum drankommst. Das haben wir bislang ganz gut hinbekommen. Hinzu kommt, dass wir bislang den ein oder anderen Ausfall ganz gut verkraften konnten und auch in der Breite ganz gut aufgestellt sind und Dinge immer wieder kompensieren konnten. Das sind letztendlich die wichtigsten Faktoren, um auch als Tabellenführer dazustehen zu diesem Zeitpunkt.

Möchtest du lieber aufsteigen oder den FC schlagen und in die nächste Pokalrunde einziehen?

Definitiv lieber aufsteigen. Unser Ziel ist es nicht, den DFB-Pokal zu gewinnen, sondern ganz klar in die 3. Liga aufzusteigen.

Was schätzt du generell an den Saarländern?

Generell die Offenheit, ähnlich wie bei den Kölnern, auch die Nähe und Geselligkeit. Im Saarland hat man viele Möglichkeiten mit der Angrenzung an Frankreich und Luxemburg, es gibt viel Grün um einen herum. Ich bin seit dreieinhalb Jahren hier und fühle mich total wohl – das hätte ich damals nicht gedacht (lacht).

Lottner über den 1. FC Köln: „Wieder in die Spur kommen“

Wann vermisst du das Rheinland?

Ab und zu, gerade in der Karnevalszeit – gerade wenn die Session jetzt bald wieder beginnt. Da merke ich schon, dass die kölschen Hormone wieder aktiviert werden müssen. Ich hatte das zuletzt bei „Kölle singt“ in der Kölnarena. Wenn 20.000 Kölner dort kölsche Lieder singen, dann ist das etwas sehr Emotionales, und das erinnert mich dann daran, dass ich auch ein Kölner bin.

Foto: effzeh.com

Freust du dich auf die FC-Fans?

Definitiv, ich freue mich darauf, die Stimmung mitzuerleben, auch wenn nur 1.100 Fans mitkommen, weil die Kapazität hier etwas geringer ist. Aber ist es schon so, dass man diese Stimmung aufsaugt. Das Schöne ist einfach, dass wir im Moment als Tabellenführer in einer Situation sind, dass wir in dieses Spiel mit einer gewissen Freude hineingehen können. Da kann man manche Dinge vielleicht etwas bewusster wahrnehmen. Da freue ich mich wirklich drauf.

Jetzt läuft es beim 1. FC Saarbrücken gut, beim 1. FC Köln eher nicht so – wie schätzt du die Situation in Köln sportlich ein?

Ja, schon eher schwierig, sie hatten sich sicherlich den ein oder anderen Punkt mehr ausgerechnet, gerade beim Spiel in Mainz und nach dem Sieg gegen Paderborn. Sie haben es versäumt, das 2:0 und damit den Deckel auf das Spiel zu machen. Sie haben das Spiel dann aus der Hand gegeben. Grundsätzlich macht das die Sache aber für uns nicht einfacher, weil der FC am Dienstag hierher kommt und die Chance nutzen will, um vor dem nächsten wichtigen Spiel bei Fortuna Düsseldorf wieder in die Spur zu kommen. Hinzu kommt, dass der ein oder andere Verletzte wie Drexler vielleicht ein wenig Spielpraxis bekommen wird. Das macht die Sache nicht leichter, weil sie konzentrierter und fokussierter werden.

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Der Freistoßkünstler ist zuversichtlich, was den Klassenerhalt des FC betrifft

Was hat sich beim 1. FC Köln denn verändert, seitdem du nicht mehr da bist?

Es verändert sich von Jahr zu Jahr immer wieder alles, der Fußball ist so schnelllebig geworden. Die handelnden Personen wechseln ganz schnell immer wieder durch – egal, ob Trainer- oder Funktionsteam oder Vorstand. Von den Spielern kenne ich noch drei oder vier, Timo Horn, Jonas Hector und Thomas Kessler sowie Simon Terodde in Abstrichen. Mit drei, vier Jahren Abstand kennt man aber niemanden mehr.

Wenn FC-Fans an Dirk Lottner denken, denken sie an spektakuläre Tore – welcher Spieler aus dem aktuellen Kader kommt dem Dirk Lottner von früher am nächsten?

Schwer zu sagen. Die Position, die ich damals beim 1. FC Köln gespielt habe, stirbt so langsam aus – es gibt nicht mehr so viele Zehner in den meisten Spielsystemen. Fakt ist: Jeder Trainer ist froh, wenn er einen Mittelfeldspieler hat, der auch Torgefahr ausstrahlt. Das wünscht sich jeder Trainer. Diese Dinge habe ich damals eingebracht. Beim 1. FC Köln ist es aktuell vielleicht Louis Schaub, weil er ein sehr kreativer Spieler ist, der viele Vorlagen gibt und selbst torgefährlich wird – ein Spieler, der für den besonderen Moment da sein kann. Das betrifft auch Drexler, der nach seiner Verletzung jetzt zurückkehrt und vorher eher vom Flügel kam. Er macht auch Dinge, die man vorher nicht vorgeben kann.

Was wünscht du dem 1. FC Köln und den Fans?

Für diese Saison wünsche ich ihnen, dass sie es schaffen, schnellstmöglich aus der Zone kommen, die die Abstiegsplätze bedeuten. Mittelfristig wünsche ich ihnen, dass sie es schaffen, komplett aus dem Gefahrenbereich herauszukommen. Das sollte mit dem aktuellen Kader auch möglich sein. Ich bin zuversichtlich, dass sie das schaffen, wenn sie nicht in einen Negativtrend kommen.

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