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Nachspiel

Der 1. FC Köln trennt sich 1:1 von Mainz 05: Den Sieg vergeben – das Remis verdient

Trotz eines starken Auftritts und besonders im ersten Durchgang großer Chancen holt der 1. FC Köln beim 1. FSV Mainz 05 nur einen Zähler. Mit großer Leidenschaft verdienen sich die “Geißböcke” diesen Punkt, der allerdings nicht zufrieden stimmt.

Dejan Ljubicic im Zweikampf mit dem Mainzer Jean-Paul Boetius (Foto: Alex Grimm/Getty Images)

Schon als Spieler war Kevin McKenna nicht dafür bekannt, im Zweikampf gerne zurückzuziehen. Von 2007 bis 2014 gewann er in seinen 140 Spielen als Innenverteidiger für den 1. FC Köln mit genau dieser Einstellung viele seiner Duelle mit gegnerischen Mittelstürmern. Er war nicht im Übermaß mit fußballerischen Begabungen gesegnet, aber er zeigte, was man mit Herz, Leidenschaft und der richtigen Mentalität in diesem Sport alles erreichen kann. Er liebte den Wettkampf, auf dem Spielfeld und auch jenseits des grünen Rasens. So auch gestern in Mainz.

In der 63. Spielminute geriet er zunächst mit Bo Svensson, Trainer von Mainz 05, und dann mit dessen Assistenten, Babak Keyhanfar, verbal aneinander. Es waren keine Nettigkeiten, die die Kontrahenten da austauschten und so schien bei dem Kanadier nach dem Schlusspfiff die Anspannung der Freude über den Punktgewinn zunächst nicht recht weichen zu wollen. Einige Handshakes später huschte dann ein Lächeln über sein Gesicht, vielleicht ausgelöst durch die Erkenntnis, dass sein Team, der 1. FC Köln, in Mainz mit Herz und Leidenschaft gespielt und – genau wie er – eben nicht zurückgesteckt hatte und deshalb mit einem verdienten Punkt im Gepäck an das Geißbockheim zurückreisen konnte.

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Vergebene Chancen, ein vermeidbares Gegentor und Özcans Premierentreffer

Nach einer Kopfballchance der Mainzer durch Moussa Niakhaté (4.) bestimmten die Kölner in zunehmendem Maße das Spielgeschehen und kamen zu einer Reihe von Einschussmöglichkeiten. Nach Vorarbeit von Mark Uth bot sich Ondrej Duda eine Großchance, als er nach Zentners Abwehr das leere Tor nicht traf (22.). Nach einer Ecke von Florian Kainz verfehlte Luca Kilians Kopfball den Mainzer Kasten lediglich um Haaresbreite (31.) und auch Anthony Modestes Versuch alleine vor Zentner führte nicht zum Torerfolg (38.). Den Treffer erzielten dann die Mainzer durch Jonathan Burkardt, der einen Ballverlust von Florian Kainz ausnutzte, Kilian mit einer Körpertäuschung verlud und Timo Horn in die falsche Ecke schickte (42.). Zu allem Überfluss verletzte sich Modeste bei einem Foul von Mainz-Innenverteidiger Stefan Bell so schwer, dass er ausgewechselt werden musste (45.).

Anthony Modeste im Zweikampf mit Stefan Bell (Foto: Alex Grimm/Getty Images)

Nach der Halbzeit führte dann ein von Uth perfekt geschossener Freistoß zum Ausgleich, den Salih Özcan mit seinem ersten Bundesligator per Kopf erzielte (47.). Der Treffer war kein Zufall, wie Özcan hinterher verriet: “Über Wochen hinweg studieren wir das schon ein, und dass es jetzt geklappt hat, freut mich natürlich für mich und fürs Team – wurde langsam auch Zeit”, freute er sich über den erfolgreichen Standard. Bis zehn Minuten vor Schluss behielt Steffen Baumgarts Team die Spielkontrolle, ohne jedoch zu weiteren Chancen zu kommen. Erst zum Ende hin bauten die Mainzer den Druck auf, den man eigentlich über das ganze Spiel hinweg erwartet hatte. Kilian musste einmal per Grätsche retten, Horn einen Schuss von Adam Szalai parieren, bevor Schiedsrichter Deniz Aytekin die Partie abpfiff.

Erkenntnisse: Gut gespielt, nur mit dem Toreschießen hapert’s

Trainer Steffen Baumgart hätte eigentlich allen Grund gehabt, mit der Leistung seiner Mannschaft hochzufrieden zu sein. Sie hatte den starken Mainzern und deren intensivem Spielstil Paroli geboten, mehr noch: Sie waren über weite Strecken der Partie das bessere Team gewesen. Und doch ärgerte er sich: “Wenn wir gesehen haben, wie wir in der ersten Halbzeit gespielt haben, welche Torchancen wir hatten, dann kannst du über 90 Minuten nicht zufrieden sein. Wir schaffen es einfach nicht, solche Spiele – und von denen gab es zuletzt mehrere – mal für uns über die Ziellinie zu bringen und nicht nur Unentschieden zu spielen,” gab er zu bedenken.

“Wir schaffen es einfach nicht, solche Spiele – und von denen gab es zuletzt mehrere – mal für uns über die Ziellinie zu bringen und nicht nur Unentschieden zu spielen.”

Und doch gab es Erfreuliches: Die gute Leistung von Salih Özcan zum Beispiel, der sich deutlich gesteigert hat und mit seiner Zweikampfstärke aus dieser Mannschaft kaum noch wegzudenken ist. Die geschickte Abwehrarbeit von Benno Schmitz, der es versteht, trotz seiner Tempodefizite die meisten seiner Zweikämpfe zu gewinnen und dann auch noch in der Offensive Akzente zu setzen. Und die guten Standards von Florian Kainz und Mark Uth. Der 1. FC Köln ist auf einem guten Weg, spielerisch und kämpferisch passt es inzwischen, wenn nur das leidige Toreschießen nicht wäre. Um ein Bonmot von Stephan Engels aus seiner Zeit als Bundesligatrainer der Kölner zu zitieren: “Wir müssen gewinnen – und Tore schießen.” Gerne auch in umgekehrter Reihenfolge.

Der Ausblick: Das einzig wahre Derby steht vor der Tür

Am nächsten Samstag (15.30 Uhr) ist es wieder so weit: Das Derby steht vor der Tür. Noch in den 50ern benutzte man diesen Begriff in erster Linie für die Begegnungen des FC mit den Westrivalen Borussia Dortmund und Schalke 04, präzisierte aber, indem man von einem “West-Derby” sprach. Interessierte Kreise sprechen gar den Spielen gegen Fortuna Düsseldorf und gegen die Werkself eines rheinischen Chemiegiganten diesen Charakter zu. Viele Kölner schütteln sich bei diesem Ansinnen und auch allen Fans vom Niederrhein ist bewusst, dass es nur ein richtiges Derby im Rheinland geben kann: das zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach.

Die letzten Heimsiege gegen Bayern München im Pokal und gegen Fürth in der Liga zeigen, dass Adi Hütters Team seine spielerische Leichtigkeit wiedergefunden hat und die Leistungskurve der Borussia deutlich nach oben zeigt. Das letzte Auswärtsspiel bestritten die Gladbacher bei Mainz 05 und trennten sich ebenfalls 1:1 von den Rheinhessen. Allerdings benötigten sie eine gehörige Portion Glück und die überragende Form ihres Keepers Yann Sommer, um den einen Punkt zu ergattern. Die Kölner erreichten gestern das gleiche Resultat, ihr Punktgewinn war jedoch völlig verdient und basierte auch auf einer guten Leistung der Defensive, die kaum Chancen der Mainzer zuließ. Mag sein, dass dies ein gutes Omen für die Partie am nächsten Samstag ist. Wir werden es sehen.

1 Kommentar(e)

1 Kommentar(e)

  1. Avatar

    Frank Buschmann

    22. November 2021 an 16:55

    Die Ansicht Kurt Ludwig finde ich banal.
    Falls Mc Kenna den Trainer der Mainzer beleidigt hat, ist es seltsam, das als Heroismus zu stilisieren.

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