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Nachspiel

Der 1. FC Köln spielt 1:1 in Fürth: Verdientes Remis an einem denkwürdigen Tag

Der 1. FC Köln holt beim Tabellenschlusslicht SpVgg Greuther Fürth in einer umkämpften Partie einen verdienten Punkt. Die Gedanken drehten sich aber zumeist auch bei diesem Bundesliga-Spiel um ein anderes Thema.

Ein bisschen Karneval und ganz viel Wunsch nach Frieden beim Spiel in Fürth (Foto: Sebastian Widmann/Getty Images)

Es war Bundesliga, es war Karnevalssamstag, doch wer freudige Erwartung und ausgelassenen Frohsinn erwartet hatte, sah sich getäuscht. Dafür war an diesem Tag nun wirklich kein Platz. Und so war zwar nicht alles, aber doch vieles anders an diesem 26. Februar 2022. So etwa vor dem Anpfiff auf dem Rasen des Sportpark Ronhof, wo die beiden Teams und das Schiedsrichter-Trio Flagge zeigten gegen einen Krieg, den der russische Präsident Putin gegen die Ukraine angezettelt hat. Aber auch auf den Rängen wurde reagiert. Betroffenheit war spürbar und eine Erkenntnis, dass der Krieg auf einmal nicht mehr abstrakt ist, irgendwo auf dieser Welt und weit entfernt stattfindet, sondern in Europa vor unserer Haustür. Im Bewusstsein vieler wurde der Fußball an diesem Tag das, was er eigentlich immer sein sollte, zur Nebensache. Einer schönen, manchmal packenden, aber eben zu einer Nebensache, die hinter dem Wunsch nach Frieden deutlich zurückstehen muss.

Nach der Partie allerdings setzte man sich allerdings zunächst mit dem auseinander, was die 90 Minuten geboten hatten. Steffen Baumgart etwa war angefressen, das konnte man unschwer erkennen. Unmittelbar nach Ende der Begegnung entledigte er sich schwungvoll seiner Schiebermütze, um schnurstracks Schiedsrichter Robert Schröder anzusteuern und diesem gestenreich die Gründe seines Ärgers mitzuteilen. Ein nicht als solches gewertetes Foul gegen Salih Özcan gehörte wohl dazu und eine nicht gegebene gelb-rote Karte gegen den Fürther Spieler Timothy Tillman. Inwieweit sich sein Ärger auch auf den Auftritt seiner Mannschaft beim 1:1 gegen die SpVgg Greuther Fürth, den Tabellenletzten der Bundesliga, bezog, machte er jedenfalls nicht öffentlich, sondern sprach nach der Begegnung davon, dass “Fürth ein sehr, sehr gutes und intensives Spiel gemacht hat, dementsprechend meine Mannschaft auch”, so der FC-Coach. Nicht wenige waren von dieser Einschätzung doch ein wenig überrascht.

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Chancen auf beiden Seiten – Kainz trifft, Griesbeck auch

Der bessere Start in die Partie gelang den Franken, die bereits in der 5. Minute zu einer Großchance durch Branimir Hrgota kamen, die von Luca Kilian im letzten Augenblick vereitelt werden konnte. Die Kölner fingen sich und erarbeiteten sich Chancen im Minutentakt. Jan Thielmanns Schuss ging knapp vorbei (14.), Anthony Modestes Kopfball wurde vom Fürther Torwart Andreas Linde pariert (15.), der nur eine Minute später chancenlos gewesen wäre, als Özcan per Hacke nur die Latte des von ihm gehüteten Tores traf. Sehenswert kratzte er Florian Kainz’ Freistoß aus dem Torwinkel (23.), bevor die Partie bis zum Pausenpfiff verflachte und Marvin Schwäbe nur noch einmal durch Tillmans Schuss gefordert war (41.). Nach der Halbzeit wirkte der 1. FC Köln entschlossener als in der Schlussphase von Hälfte eins und kam folgerichtig durch ein kurioses Tor von Florian Kainz zur 1:0-Führung (52.).

Mark Uth im Zweikampf mit dem Fürther Max Christiansen (Foto: Sebastian Widmann/Getty Images)

Danach wurde der 1. FC Köln seltsam apathisch. Auch Mannschaftskapitän Jonas Hector mahnte dies hinterher an: “Wir müssen die Phasen abstellen, wo wir zu passiv werden, wo wir dann wieder Druck auf den Ball machen müssen,” sagte der ehemalige Nationalspieler, der in Fürth sein 300. Pflichtspiel für den 1. FC Köln absolvierte, nach dem Spiel. Die Kleeblätter stemmten sich energisch gegen die drohende Niederlage und Marvin Schwäbe musste sein ganzes Können aufbieten, um die Doppelchance durch Havard Nielsen und Jamie Leweling unter tätiger Mithilfe von Timo Hübers zu vereiteln (58.). In der 69. Minute war jedoch auch er machtlos, als der Fürther Sebastian Griesbeck nach einer Ecke wuchtig zum 1:1 einköpfte. Kurz vor Schluss verfehlten die eingewechselten Louis Schaub und Dejan Ljubicic das Fürther Tor mit ihren Abschlüssen nur knapp, so dass es schlussendlich beim leistungsgerechten Remis blieb.

Erkenntnisse: Standards – stark verbesserungswürdig

Es ist lange her, dass dem 1. FC Köln ein direkter Treffer nach einem Eckball gelang. Am 7. November war dies Anthony Modeste geglückt, als er nach der Ecke von Florian Kainz zum 2:2 gegen Union Berlin einköpfte. In Fürth bekamen die Kölner nicht weniger als elfmal die Gelegenheit, auf diese Weise zu treffen. Die Ecken wurden jedoch samt und sonders leichte Beute der Fürther Abwehr, sie waren einfach schlecht getreten. André Pawlak ist im Kölner Trainerteam für die Standards zuständig, er sollte Zusatzeinheiten anberaumen, um mit dem Team an deren Ausführung zu feilen. Aber auch das Verhalten bei gegnerischen Standards sollte genauer unter die Lupe genommen werden. Griesbecks Kopfballtor ähnelte dem Treffer von Amadou Haidara beim 1:1-Heimspiel gegen die Leipziger bis auf einen Unterschied: Griesbecks traf ins rechte kurze Eck, Haidara ins linke.

“Wir müssen die Phasen abstellen, wo wir zu passiv werden, wo wir dann wieder Druck auf den Ball machen müssen.”

~ Jonas Hector

Was war gut? Wieder einmal die Leistungen der beiden Innenverteidiger Timo Hübers und Luca Kilian. Auch wenn letzterer nicht ganz frei von Schwächen im Stellungsspiel ist, macht er vieles durch sein gutes Tempo wett. Im Mittelfeld wussten Ellyes Skhiri und Salih Özcan zu gefallen – was bei deren Leistungskonstanz allerdings wenig überraschend ist. Dejan Ljubicic sorgte nach seiner Einwechslung wie auch Louis Schaub für frischen Wind. Und ansonsten? Man darf gespannt sein, wie lange Steffen Baumgart noch an Sebastian Andersson festhält. Argumente für seine Berücksichtigung als erster Einwechselspieler für den Angriff konnte er jedenfalls auch in Fürth kaum geliefert haben.

Das nächste Spiel: Die Erinnerung an eine 0:5-Niederlage

Mit der TSG stellt sich ein Champions League-Aspirant am nächsten Sonntag (17.30 Uhr) in Müngersdorf vor. Sie kommen mit dem Rückenwind eines glücklichen Last-Minute-Sieges gegen den VfB Stuttgart nach Köln, der sie auf den 4. Platz der Bundesliga-Tabelle katapultierte. Die Offensivkraft der Hoeneß-Schützlinge dürfte den Kölnern noch aus dem Hinspiel nachhaltig im Gedächtnis sein, das 0:5 am 8. Spieltag stellte die bislang höchste Saisonniederlage dar. Steffen Baumgart wird in der nächsten Trainingswoche sicherlich auch an eben diese Partie erinnern.

Im Hinspiel köpft Stefan Posch zum 5:0 gegen den 1. FC Köln ein (Foto: Simon Hofmann/Getty Images)

Das Spiel gegen die TSG stellt das erste in einer Reihe von drei Begegnungen dar, nach deren Abschluss sich der weitere Weg des 1. FC Köln in dieser Saison herauskristallisiert. Nach Hoffenheim geht es nach Leverkusen, bevor der BVB am 20. März nach Köln kommt. Holt man fünf oder sechs Punkte aus diesen Partien, wird vieles möglich sein. Werden es drei Zähler oder weniger, wird man zwar nichts mehr mit dem Abstieg zu tun haben, verortet sich aber um den 12. Platz herum – und der war vor der Spielzeit das eigentliche Saisonziel. Dass aber nicht primär die Gedanken an Punkte und Plätze das Bewusstsein der Verantwortlichen des 1. FC Köln bestimmt, zeigten sie durch den Aufruf an Mitarbeiter, Fans und Mitglieder, am Rosenmontag an einem Friedenszug teilzunehmen. Vieles prasselte bisher – oft zu Recht – an Kritik auf den Vorstand nieder, diese Aktion jedoch ist ausdrücklich lobenswert. Gemeinsam für den Frieden – gut so!

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