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Kolumnen

Der 1. FC Köln im Jahr 2017: Ein Pakt mit dem Teufel

Der 1. FC Köln verliert nach 3:0-Führung gegen Freiburg am Ende noch mit 4:3. Fast scheint es, als steckten teuflische Kräfte dahinter, findet unser Autor.

COLOGNE, GERMANY - DECEMBER 10: A general view of the action during heavy snow during the Bundesliga match between 1. FC Koeln and Sport-Club Freiburg at RheinEnergieStadion on December 10, 2017 in Cologne, Germany. (Photo by Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images)
Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images

Der 1. FC Köln verliert nach 3:0-Führung gegen Freiburg am Ende noch mit 4:3. Fast scheint es, als steckten teuflische Kräfte dahinter, findet unser Autor.

Ich bin der Geist, der stets verneint!
Und das mit Recht; denn alles, was entsteht,
Ist wert, daß es zugrunde geht;
Drum besser wär’s, daß nichts entstünde.
So ist denn alles, was ihr Sünde,
Zerstörung, kurz, das Böse nennt,
Mein eigentliches Element.*

Ich gebe es ja zu, ich habe geträumt. Ich habe geträumt, dass der 1. FC Köln, seit meiner Kindheit eine der wesentlichen Konstanten in meinem Leben, sich endlich, endlich einmal zu dem entwickeln würde, was ich mir vorstelle. Ein Verein, über den man in ganz Deutschland mit Anerkennung spricht, der seinen Millionen Fans gerecht wird und ansehnlichen Fußball spielt – für seine Fans. Denn sie sind es, die den Verein ausmachen – Vorstand, Geschäftsführung, Trainer und Spieler bekommen das Mandat, den 1. FC Köln und seine Fans zu vertreten. Nicht andersherum.

Während ich aufgewachsen bin, war meine Leidenschaft für den 1. FC Köln meistens allerdings nur die Grundlage für Spott und Häme seitens meiner Mitmenschen. Ich glaube sogar, dass es für die Ausbildung von Charakterstärke sogar ganz zuträglich ist, wenn man als Fan des 1. FC Köln sozialisiert wird, denn man lernt schnell, mit Misserfolgen umzugehen. Und so hat man die diversen Abstiege, die peinlichen Possen im Verein und unzählige lächerliche Transfers ganz gut ertragen können. Vielleicht ist es auch die Liebe zum 1. FC Köln, die dafür gesorgt hat, dass ich zum Zyniker wurde – ich weiß es nicht. In jedem Fall war es nicht leicht, Fan des 1. FC Köln zu sein.

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Und trotzdem, in den letzten Jahren schien mein Traum in Erfüllung zu gehen. Das zarte Pflänzchen des sportlichen Erfolgs, es schien langsam aber sicher zu wachsen in Köln. Nach dem letzten Abstieg im Jahr 2012, über den ich als erwachsener Mensch bittere Tränen vergoss, hatte man tatsächlich den Eindruck, dass der 1. FC Köln auf dem Weg dahin wäre, die katastrophalsten Jahre der Vereinsgeschichte endlich hinter sich zu lassen. Endlich!

Jahre des Aufschwungs

Man wurde mal Zwölfter, mal Neunter und dann sogar Fünfter in der Bundesliga – Wahnsinn! Der Lebenstraum, einmal mit dem 1. FC Köln international zu spielen, erfüllte sich. Man konnte es kaum glauben. Natürlich denkt man in einer solchen Phase dann nicht daran, was man irgendwann dafür bezahlen wird, wenn man sich ein verficktes (‚Tschuldigung) Mal wie ein König fühlen darf, weil der Verein sich endlich mal nicht in die Scheiße reitet, sondern auf zufälligem Wege in der Europa League landet.

Europapokal-Einzug in Köln | Foto: Jürgen Schwarz/Bongarts/Getty Images

Wie der fünfte Platz zustande gekommen ist, brauchen wir ja nicht mehr diskutieren – da war viel Glück und Modeste dabei. Und trotzdem: Wenn man schon die Chance hat, von Fortuna in den Himmel gehoben zu werden, dann sollte man sie auch wahrnehmen. Und so verlebte ich, so verlebten wir alle, den Sommer 2017 in der Hoffnung darauf, dass dieser gottverdammte 1. FC Köln es hinbekommen würde, aus dieser einmaligen Chance etwas zu machen – ein ernstzunehmender Bundesligist zu werden nämlich, mehr würde ich mir gar nicht wünschen. Ab und zu mal ein bisschen obere Tabellenhälfte, ansonsten viel seriöse Arbeit. Und irgendwann, irgendwann mal wieder an alte Zeiten anknüpfen, wieder zum Stammgast in Europa werden… aber was weiß ich schon.

Klar ist auf jeden Fall in diesem Jahr geworden, dass der 1. FC Köln es nicht mehr schaffen wird, irgendwann auch nur einmal wieder den Hauch von dem darzustellen, was er einmal war – damals, im vorherigen Jahrtausend und vor den ganzen Abstiegen. Denn das kurze Intermezzo zwischen 2013 und 2017, das einige handelnde Personen durch tatsächlich relativ konstruktive Arbeit ermöglichten, ist schneller vorbei, als man „Europapokal“ sagen kann.

Der tiefe Fall

Nur wenige Monate nach dem größten Erfolg meines bisherigen Fan-Lebens hat es der 1. FC Köln wirklich geschafft, noch tiefer zu fallen als je zuvor. Der überaus beliebte Erfolgstrainer ist weg und heuert eine Woche nach der an sich schon skandalösen Entlassung bei einem anderen Verein an. Die Fanszene, bestehend aus Leuten wie mir, die so dumm sind, im 1. FC Köln so etwas wie den Lebensinhalt zu sehen, scheint tief gespalten. Und zum krönenden Abschluss hat man es als erster Bundesligist geschafft, schon vor dem Jahreswechsel abzusteigen. Direkt im Nachgang der wohl bittersten und dennoch sehr symptomatischen Niederlage gegen Freiburg veröffentlicht der Vorstand des Vereins außerdem einen Brief, über dessen Inhalt man sich nur schämen kann. Bravo, 1. FC Köln!

Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images

Innerhalb nur weniger Monate ist man also derartig abgestürzt, dass die alten Wunden wieder aufreißen. Häme, Spott und leider auch Mitleid ergießen sich wieder über die Fans, die diese längst vergessen geglaubten Zeiten nun wieder durchleben müssen. Der 1. FC Köln ist wieder da!

>>> FC-Vorstand wendet sich mit Brief an Kölner Fans

Man wird den Gedanken nicht los, dass irgendjemand einen Pakt mit dem Teufel abgeschlossen hat. Einmal Europa League? Bitteschön! Aber nur, wenn es euch danach noch beschissener ergeht als jemals zuvor. Und offenbar haben wir diesem Deal zugestimmt, ohne es zu wissen. Wir sind freudetrunken bis ans Ende der Welt gereist und haben diesen gottverdammten Haufen unterstützt. Und jetzt, gerade einmal sieben Monate nach dem absoluten Höhepunkt, ist man tiefer gefallen als man es sich hätte ausmalen können. Da steh ich nun ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor.

* Mephistopheles in „Faust. Der Tragödie erster Teil“

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