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Vorspiel

#KOEBVB-Vorspiel: Geduld gegen die Überflieger

Der heftigen Niederlage in Hoffenheim folgt für den effzeh ein Heimspiel gegen den BVB, der in der Champions League brilliert, in der Bundesliga allerdings um Konstanz ringt.

Foto: PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images

Der heftigen Niederlage in Hoffenheim folgt für den effzeh ein Heimspiel gegen den BVB, der in der Champions League brilliert, in der Bundesliga allerdings um Konstanz ringt.

Dass ein Champions-League-Abend trotz aller Diskussionen um Anstoßzeiten und Kommerz immer noch eine gewisse Magie ausstrahlen kann, durften Fans, Spieler und Verantwortliche von Borussia Dortmund am Mittwoch in Madrid erleben – zugegeben: Die Mannschaft von Thomas Tuchel war bereits qualifiziert, es ging „nur“ um den Gruppensieg, für den die Borussia bekanntermaßen mindestens einen Punkt brauchte. Doch insgesamt gibt es wohl einfachere Aufgabenstellungen, als dies gerade im Santiago Bernabeu zu erfüllen. Der BVB sollte sie aber dennoch erfüllen: Den zwischenzeitlichen 0:2-Rückstand durch Karim Benzema glichen die Schwarz-Gelben durch Aubameyang und Reus aus – und sorgten abermals dafür, dass der BVB in Europa anerkennend als eines der aufregendsten Fußball-Projekte beklatscht wurde. Die spanische Zeitung Marca sah ein „wunderschönes Spektakel“, die Kollegen von AS betitelten den BVB als ein „Geschenk für die Augen“. Zwar sind spanische Medien durchaus für ihre blumigen Worte bekannt, die Elogen auf den BVB haben allerdings schon eine gewisse Grundlage.

In Europa berauschend, in der Bundesliga nicht so

Zuletzt war dies so unter Jürgen Klopp, dem großen Architekten der Dortmunder Renaissance, als der BVB sich in der Außendarstellung etwas zwanghaft über die „Echte Liebe“ definierte, sportlich aber absolut außergewöhnlich war. Das intensive Gegenpressing, gut funktionierendes Umschalten in beide Richtungen und rasante, unterhaltsame Spiele formten den bisweilen etwas überstrapazierten Begriff „Vollgasfußball“, den jetzt mittlerweile im zweiten Jahr der Fußball-Ästhet Thomas Tuchel weiterentwickelt. Entgegen dem in der Öffentlichkeit als Malocher liebgewonnenen Jürgen Klopp ist der feingeistigere Tuchel für die Medien etwas unnahbarer, was sich dann auch in der etwas kritischen Berichterstattung rund um den BVB äußert. Dass die Schwarz-Gelben momentan in der Liga hinterherhinken, spielt dabei ebenso eine Rolle wie die immer weiter fortschreitende Internationalisierung des Vereins, der rund um den Borsigplatz nicht überall auf Gegenliebe stößt.

Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images

Wenn dann in schöner Regelmäßigkeit in der Bundesliga Punkte liegengelassen werden, werden natürlich Stimmen laut, die mal mehr und mal weniger deutlich Kritik äußern. Die mangelnde Konstanz in der Bundesliga, in der der BVB momentan nur zwei Punkte mehr aufweist als der effzeh, verhindert dann auch, dass die euphorische Stimmung in Anbetracht der Leistungen in der Champions League (Torrekord in der Gruppenphase eingestellt, vor Real Madrid Gruppenerster geworden) am Wochenende eher Ernüchterung weicht. Dafür gibt es genügend Beispiele in dieser Saison: Nach den teils rauschhaften Nächten in der Königsklasse gegen Madrid und Warschau folgten Auswärtsniederlagen in der Bundesliga in Leverkusen und Frankfurt. Nach dem Unentschieden in Lissabon erreichte Dortmund mit Mühe und Not noch ein 3:3 in Ingolstadt.

BVB: Regeneration und Spielvorbereitung erschwert

Ob das jetzt als Grundlage dafür reicht, dass der effzeh seine durchaus positive Serie in jüngster Vergangenheit gegen den BVB ausbauen kann, ist dennoch fraglich. Trotz der (möglichen) Ausfälle von Akteure wie Götze, Guerreiro oder Kagawa wird Tuchel eine Mannschaft aufstellen können, die insbesondere in Bezug auf Schnelligkeit, Kreativität und Abschlussstärke in Europa ihresgleichen sucht, wie auch Peter Stöger auf der Pressekonferenz anmerkte. Marco Reus’ Rückkehr nach sechsmonatiger Verletzungspause war mehr als beeindruckend, auch Aubameyangs Torquote in dieser Saison ist außergewöhnlich. Mit Julian Weigl, Emre Mor, Christian Pulisic, Ousmane Dembélé und Felix Passlack verfügt der BVB über europaweit wahrscheinlich die aufregendste Gruppierung an jungen Talenten, die irgendwann einmal eine Generation prägen werden. Jeder der genannten Spieler bringt mindestens ein Attribut mit, welches sich sonst im europäischen Klubfußball eher selten findet. Doch bei all diesen Lobreden auf den Kader des BVB gibt es natürlich auch Problemfelder: Die Inkonstanz nach Auftritten in der Champions League erklärt Tuchel damit, dass die jungen Spieler an diese Strapazen noch nicht gewohnt seien.

Regeneration und Spielvorbereitung müsse man in einer Woche mit internationalen Spielen eben grundsätzlich anders planen, weswegen eine komplette Trainingswoche zwangsläufig am Wochenende andere Ergebnisse einbringe. Viele Spiele, verbunden mit Ortswechseln,wenig Zeit zur Pflege und geringe Trainingszeiten können natürlich sorgen, dass es leistungsmäßig Ausschläge nach oben und nach unten gebe. Der Trainer hofft ebenfalls auf eine größere Sensibilierung für die Spieler für diesen Zusammenhang, allerdings schiebt er nach, dass es auch keine „vorauseilende Entschuldigung“ sein solle für das, was am Samstag in Müngersdorf passiert. Für den effzeh hatte Tuchel dann noch sehr viele lobende Worte übrig. In der Aufzählung sind es „Konstanz in der sportlichen Leitung mit Schmadtke und Stöger, Qualität, Ruhe, schlaue Transfers und eine sehr gut zusammengestellte, homogene Mannschaft, die in sich ruht und in die eigene Leistungsfähigkeit vertraut“, die verdientermaßen dafür sorgen, dass der effzeh da steht, wo er steht.

Modeste und Zoller wohl dabei

Peter Stöger, sein Kollege auf Kölner Seite, fuhr mit der gegenseitigen Bauchpinselung dann auf der eigenen Pressekonferenz fort. Für ihn habe der BVB eine „richtig gute Mannschaft“, die dafür sorge, dass auf den effzeh einiges an Arbeit zukomme. Die bereits angesprochene Qualität der Einzelspieler mache die Aufgabe nicht leicht, sodass es eine über 90 Minuten konzentrierte Leistung brauchen wird, um gegen den BVB zu bestehen. Diese Aufgabe wird folgerichtig dadurch nicht leichter, dass dem 1. FC Köln auch am Samstag wichtige Akteure fehlen werden: Mit Timo Horn, Dominic Maroh, Matthias Lehmann, Leonardo Bittencourt und Marcel Risse fehlen fünf wesentliche Stützen der Mannschaft, die nicht zu ersetzen sind. Stöger hat dennoch das Gefühl, dass seine Mannschaft durch diese Situation „enger zusammengerückt“ sei und „alle gut mitziehen“.

Foto: PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images

Unter der Woche bangte man am Geißbockheim zu allem Überfluss auch noch um die beiden Offensivkräfte Anthony Modeste und Simon Zoller, die allerdings augenscheinlich beide am Samstag zum Einsatz kommen dürften, da sie das Abschlusstraining absolvieren konnten. Für einen Kaderplatz sollte es dementsprechend in jedem Fall reichen, fraglich ist nur, wer von beiden wie lange belastbar sein wird. Aber es soll ja auch schon Heimspiele gegen den BVB gegeben haben, in denen Modeste als Joker zum Sieg traf.

Matchplan: geduldig sein, auf Chance lauern

Auch ohne die Verletztensituation wäre der effzeh wahrscheinlich eher nicht in die Verlegenheit gekommen, gegen den BVB das Spiel machen zu müssen, weswegen man von einer klaren Struktur des Spiels ausgehen kann: BVB mit Ball auf Lösungssuche, Köln abwartend und kompakt. Der effzeh könnte versuchen, durch eine Fünferkette in letzter Instanz möglichst konsequent zu verteidigen und gleichzeitig Schnittstellenpässe zu verhindern. Dadurch dürften die Einsatzchancen von Pawel Olkowski steigen, einem der Spieler aus der zweiten Reihe, die bislang in dieser Saison noch nicht häufig zum Einsatz kamen.

Der Plan, mit dieser klaren Defensivstrategie geduldig auf Chancen zum schnellen Umschalten nach vorne zu nutzen, wird durch die Verfügbarkeit von Zoller und Modeste natürlich erleichtert: Osako dürfte als Zielspieler gesetzt sein, der Bälle festmacht und nach vorne transportiert. Mit Modeste und Zoller verfügt der effzeh über zwei dynamische Akteure, die die sich bietenden Räume in der Hintermannschaft des BVB nutzen könnten. Dort offenbarten Sokratis und Bartra zuletzt regelmäßig Abstimmungsprobleme, sodass sich durchaus Chancen ergeben dürften. Ein Augenmerk dürfte auch darin liegen, Julian Weigl im Aufbauspiel früh zu attackieren und in Pressingsituationen zu verwickeln, sodass die Passmaschine des BVB nicht ungestört die Bälle verteilen kann.

[accordions] [accordion title=“Bilanz“ load=“show“]Es ist 95. Aufeinandertreffen zwischen dem effzeh und dem BVB, von denen die Kölner bisher 33 gewannen und 37 verloren. In Heimspielen ist die Bilanz allerdings positiv: von 47 Partien konnte der effzeh 25 gewinnen, zehn Partien endeten unentschieden und zwölfmal verließ der BVB den Platz als Sieger. Die beiden letzten Heimspiele gewann der 1. FC Köln jeweils mit 2:1, in Dortmund trennte man sich zuletzt 2:2 und 0:0. Damit sind die Geißböcke aktuell seit vier Spielen gegen Dortmund unbesiegt.[/accordion] [accordion title=“Schiedsrichter“ load=“hide“]Zum 14. Mal leitet Felix Zwayer eine Partie mit effzeh-Beteiligung: Die Bilanz in der Bundesliga ist äußerst positiv. Vier Siege, fünf Remis und lediglich eine Niederlage fuhren die Kölner ein, wenn der 35-jährige Berliner an der Pfeife war. Die einzige Pleite ist jedoch kein gutes Omen: Es war ein 1:6 vor heimischer Kulisse. Gegner: Borussia Dortmund![/accordion] [/accordions]

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