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Interviews

„Dä Jung is joot, den nemme mer!“

Frank Hartmann spielte sowohl für den effzeh als auch für den FCK. Bei uns plaudert er über seine Karriere, Trainer und was danach kam.

Mannschaftsfoto Frank Hartmann, SliderIch war ja nie wirklich ein passabler Fußballer. Körperlich ganz ok und fitnesstechnisch hatte ich als Sohn einer Sportlehrerin auch ganz gute Voraussetzungen, aber kicken? So gern ich das Spiel mochte, aber meist gab es Bessere. So fristete ich mein Dasein als rechter Verteidiger. Zu meiner Zeit gab es noch keine guten Linksaußen, also trafen sich auf der Position immer die schwächsten Spieler. Meist kam ich auch von der Bank. Bis zur C-Jugend. Da nämlich meinte mein damaliger Trainer in mir etwas zu sehen, was noch nie jemand vor ihm gesehen hat. Er setzte mich im defensiven Mittelfeld ein, eine Position, die wie er fand, mir auf den Leib geschneidert war. Und tatsächlich war ich für eine ganze Saison gesetzt, Startelf, ich war glücklich. Nachdem ich bei einem Heimspiel des effzeh, es muss ja irgendwann 83/84 gewesen sein, beobachten konnte, dass Frank Hartmann das Spiel so spielte wie ich es gern täte und ich glaubte, auch gewisse Ähnlichkeiten entdecken zu können, wurde er spontan für diese Zeit zu meinem Vorbild. Allein, mir hat es nicht viel gebracht. Irgendwann habe ich dann eingesehen, dass Basketball der bessere Sport für mich persönlich ist. Und Frank Hartmann wurde außerhalb von Köln noch erfolgreicher, aber das darf er uns doch gerne selber erzählen.

 

Hallo Frank. Vielen Dank, dass Du dir Zeit nimmst.

Viele deiner Kollegen streben nach ihrer Profikarriere ein Amt im bezahlten Fußball an. Du hast nach einem kurzen Intermezzo bei der SG Wattenscheid diesen Gedanken überworfen und dich dem Breitensport zugewandt. Was hat dich dazu bewogen, diesen Weg zu gehen und letztendlich pädagogischer Leiter im Landessportbund Rheinland-Pfalz zu werden?

Frank Hartmann nach dem Pokalsieg 1983

Frank Hartmann (rechts) nach dem Pokalsieg 1983

Nachdem ich über 13 Jahre als Fußballprofi in der 1. Bundesliga tätig war, kam für mich, auch wegen meiner Knieprobleme, die Frage, was machst du nach dem Fußball. Sicherlich war das Trainergeschäft eine sehr reizvolle Tätigkeit, aber ich wollte auch mal wieder ganz normal leben und in meine Heimat nach Binningen zurück, wo auch meine Freunde waren, die ich in all der Zeit nicht vergessen hatte. Ich habe mich dann zu einem Sportlehrerstudium an der Europäischen Sportakademie in Trier entschlossen. Nach dem ersten Semester wurde dann in Wattenscheid mein langjähriger Trainer Hannes Bongartz entlassen und ich bekam einen Anruf von den Verantwortlichen, ob ich nicht bis Saisonende die Mannschaft übernehmen könnte. Ich habe dann dieses Angebot angenommen und viel Spaß an dem Job gewonnen.

Und wie ging es dann weiter?

Leider konnte ich in den restlichen zehn Spielen den Abstieg nicht verhindern, aber die Mannschaft und die Fans von der SG Wattenscheid 09 wollten, dass ich auch in der 2. Liga weitermache. Ich habe dann gleichzeitig mit der Ausbildung zum Fußball-Lehrer an der Trainer-Akademie in Kön begonnen und später erfolgreich abgeschlossen. In der Zwischenzeit liefen natürlich die Planungen zur neuen Saison und da habe ich gemerkt, dass man mir als jungem Trainer (24Jahre) noch nicht alles zutraute und so haben die Verantwortlichen einfach drei Spieler verpflichtet, ohne mit mir darüber zu sprechen. Es kamen dann noch ein paar Dinge hinzu und ich habe mich entschlossen, meinen Zweijahresvertrag wieder zurückzugeben und habe mein Studium in Trier fortgesetzt. Nach bestandener Prüfung wurde eine Stelle des Bildungswerk Sport in Daun ausgeschrieben. Ich habe mich beworben und die Zusage bekommen. Nun bin ich seit September 1995 dort tätig.

Als 20 jähriger kamst Du zum 1. FC Köln. Wie kam damals der Kontakt zustande?

Das ist nicht ganz richtig. Ich bin schon mit 17 Jahren nach Köln gegangen. Damals war Hennes Weisweiler Trainer des 1. FC Köln und gerade hatte die Mannschaft das Double geholt. Ich habe dann ein Probetraining gemacht und Hennes Weisweiler sagte zum damaligen Manager Karl-Heinz Thielen: „Dä Jung es joot, den nemme mer.“ Und da ich noch A-Jugendlicher war, spielte ich auch zuerst A-Jugend, durfte aber schon immer mit der 1. Mannschaft trainieren. Gleichzeitig habe ich eine zweite Lehre zum Bürokaufmann gemacht und nach erfolgreichem Abschluss meinen ersten Profivertrag unterschrieben.

Für die Zeit vor Deiner Profikarriere findet man kaum Angaben. Kannst Du uns aufklären?

Ich habe mit 9 1/2 Jahren mit dem Fußballspielen in einer Mannschaft begonnen. Damals gab es bei uns auf dem Lande (Binningen) noch keine Jugend, lediglich im Nachbarort beim SV Forst eine B-Jugend. Trotz meines Alters habe ich dort meine ersten Meisterschaftsspiele gemacht und bin dann mit 12 Jahren zum TuS Treis-Karden gewechselt. Dort hat mich dann mein damaliger Trainer Ralph Herberholz unter seine Fittiche genommen. Er hat wohl mein Talent erkannt und mit mir, außer den zwei Einheiten mit der Mannschaft, fast jeden Tag ein Extra-Training absolviert. Dann bin ich zuerst in die Kreisauswahl und später in die Rheinland-Auswahl berufen worden. Beruflich hatte ich bis zu meinem Wechsel nach Köln bereits eine Lehre bei der Deutschen Bundesbahn abgeschlossen.

Die Jugendarbeit des 1. FC Köln ist heutzutage durch den vielbeschwörten Umschwung ein großes Thema. Wie war das damals?

1. FC Köln 1980-84

1. FC Köln 1980-84

Ich hatte damals das Glück, dass ich neben Hennes Weisweiler bei den Profis, den ehemaligen Nationalspieler Jupp Röhrig als Trainer der A-Jugend hatte. Die Jugendarbeit damals war, so denke ich, sehr gut. Aus der damaligen A-Jugend, die sieben oder acht Jugendnationalspieler hatte, bekamen Stefan Engels, Ralf Aussem und ich einen Profivertrag. Die B-Jugend wurde vom späteren FC-Trainer Erich Rutemöller trainiert und in meinen Spielen in der FC Amateur-Mannschaft habe ich mit Christoph Daum zusammengespielt. Also ich muss sagen, dass der FC sehr viel Wert auf seine Jugendarbeit gelegt hat.

Deine Ära beim effzeh wurde von einem Trainer betimmt: Rinus Michels. Ein harter Hund, oder?

Nach Hennes Weisweiler war Rinus Michels über drei Jahre mein Trainer. Damit hatte ich zwei der meiner Meinung nach weltbesten Trainer in meiner Zeit in Köln. Er war ein sehr harter Hund, aber auch immer ein fairer und ehrlicher Trainer, bei dem ich sehr viel gelernt habe. Er musste damals nach nur zwei Spielen zu Saisonbeginn gehen, weil die damaligen Nationalspieler des FC einen so großen Einfluss hatten und das beim Vorstand durchgesetzt haben.

Ein Wechsel vom 1. FC Köln zu Schalke 04 hat einen gewissen Seltenheitswert. Wie kam es dazu?

Da ich aus der Jugend des FC gekommen bin, hatte ich einen geringeren Stellenwert als zum Beispiel ein gekaufter Spieler. Ich hatte mir zwar immer wieder einen Stammplatz erarbeitet, aber wenn neue Spieler kamen, war ich der Erste, der den Platz räumen musste. Vor der Winterpause kam dann vom FC Schalke 04 die Anfrage an den FC, ob sie mich in der Winterpause verpflichten könnten. Ich war damit sofort einverstanden. Dort verbrachte ich eine sehr erfolgreiche und gute Zeit und wurde in den eineinhalb Jahren einer der torgefährlichsten Mittelfeldspieler in Deutschland und hatte mir einen guten Namen erarbeitet. Nachdem ich mich mit Herrn Assauer nicht über eine Vertragsverlängerung einigen konnte, wechselte ich dann für 1 Million D-Mark zum 1. FC Kaiserslautern.

Den Höhepunkt deiner Karriere verbrachtest Du beim FC Kaiserslautern. Unter anderem mit 5 Toren in einem Spiel, was bisher nur wenigen Spielern gelang. Wie war die Zeit auf dem Betzenberg?

Nach diesem besagten Wechsel waren natürlich die Erwartungen in der Pfalz sehr groß. In den ersten Spielen gelang mir lediglich ein Tor. Es kam dann am 01.11.86 zum Spiel gegen meinen ehemaligen Verein FC Schalke 04 und der Knoten platzte endlich. Dass es dann 5 Tore wurden, war für mich einer der größten Momente meiner Karriere.

Zum Abschluss deiner Karriere ging es nach Wattenscheid, wo später auch deine einzige Station als Profitrainer zustande kommen sollte.

Nachdem ich in Kaiserslautern schon fast zwei Jahre Kapitän war, kam dann als neuer Trainer Gerd Roggensack. Er wollte allen zeigen, was für eine Position er hat und verzichtete in den ersten Spielen auf meinen Einsatz. Ich habe gemerkt, dass eine Zusammenarbeit nicht mehr länger möglich war und Hannes Bongartz rief mich an und fragte, ob ich ihm und der Mannschaft in Wattenscheid helfen würde, den Aufstieg zu schaffen. Das war für mich eine reizvolle Aufgabe und ich war wieder mit meinem Lieblingstrainer zusammen. Wir schafften den Aufstieg und Wattenscheid 09 war vier Jahre in der 1. Bundesliga.

Findest Du heutztage neben dem Beruf Zeit Fußball zu spielen oder zu trainieren?

Wandertour mit Frank Hartmann

Wandertour mit Frank Hartmann

Ich habe bis vor zwei Jahren noch als Trainer in der Bezirksliga gearbeitet. Aber durch meine Tätigkeit im Bildungswerk Sport, wo ich nun seit fast 13 Jahren Wander- und Skireisen organisiere und selber leite, bin ich etwa vier Monate im Jahr in Europa unterwegs und das macht eine vernünftige Trainerarbeit nicht möglich. Ich möchte aber sicherlich irgendwann wieder als Trainer tätig werden, denn meine Fußball-Lehrer-Lizenz soll nicht umsonst gewesen sein. Durch meine acht Knieoperationen hat sich das Fußballspielen erledigt, leider geht das nicht mehr und ich bin froh, dass es mit dem Wandern noch so gut klappt. Wenn jemand mal mit mir wandern möchte, dann meldet euch beim Bildungswerk Sport.

Und wie sieht es aus mit Besuchen beim Profifußball? Bist Du ab und an im Stadion anzutreffen?

Ich fahre noch sehr gerne zu dem ein oder anderen Spiel, wenn es die Zeit erlaubt. Meine Kontakte zum FC sind nach der langen Zeit immer noch da und ich freue mich, wenn ich ehemalige Kollegen im Stadion treffe. Ebenso gerne fahre ich nach Kaiserslautern, da ja auch dort noch viele Freunde und ehemalige Mitspieler im Verein tätig sind. Mit Gerri Ehrmann habe ich in Köln zusammen gewohnt und wenn man die Zeit beim FCK dazu nimmt, über acht Jahre zusammengespielt.

Apropos: Mal angenommen, Du bekämst Freikarten für das anstehende „Endspiel“, aber nur für die jeweilige Fankurve, für welche Seite würdest Du dich entscheiden?

Ich habe von meinem Freund Stefan Kuntz zwei Karten für das Spiel am Freitag bekommen, worüber ich mich sehr gefreut habe. Es schlagen natürlich zwei Herzen in meiner Brust und ich weiß, dass leider nach dem momentanen Stand der Tabelle wohl nur einer meiner Lieblingsvereine um den Aufstieg in die 1. Bundesliga spielen kann. Es wäre für mich, ehrlich gesagt, eine sehr schwere Entscheidung. Ich würde eine Münze hochwerfen und Kopf oder Zahl müsste entscheiden.

Wird das ein Kampfspiel? Werden die Defensivreihen dominieren? Gibt die bessere individuelle Klasse der Lauterer den Ausschlag oder das bessere Mannschaftsgefüge des effzeh? Was erwartest Du?

FCK Hartmann

1. FC Kaiserslautern 1986-89

Ich glaube nicht, dass es ein Kampfspiel wird, denn beide Mannschaften haben sehr gute Einzelspieler und sind gerade im Sturm meiner Meinung nach gut besetzt. Dazu kommt noch, dass Köln mit Stanislawski und der FCK mit meinem ehemaligen Mannschaftskameraden Franco Foda zwei sehr gute, junge Trainer haben, die darauf bedacht sind, einen schönen und attraktiven Fußball zu spielen. Aber sicherlich wird der Betzenberg seinem Namen alle Ehre machen und so manche Gemüter erhitzen lassen.

Wer gewinnt das Spiel und wer erreicht den Relegationsplatz?

Ich glaube, dass der FCK zu Hause etwas stärker ist und das Spiel gewinnen wird, aber wer den Relegationsplatz erreicht, kann ich nicht sagen, weil auch der FC eine gute Rückrunde spielt und bis zum Schluss um diesen Platz kämpfen wird.

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