Folge uns
.

Nachspiel

Ansichtssache

Überlegenheit und eine handvoll Torchancen reicht nicht für einen Punkt gegen Ingolstadt. Fehlende Qualität oder Pech?

fotocredits: Rote Böcke (www.roteboecke.de)
fotocredits: Rote Böcke (www.roteboecke.de)

fotocredits: Rote Böcke (www.roteboecke.de)

Es ist die berühmte Frage nach dem halbleeren oder halbvollen Glas. Oder wie in der Kindergeschichte mit dem blauen und dem roten Kerl, die sich darüber, ob die Sonne auftaucht oder verschwindet, so in die Wolle kriegen, dass sie den Grund für ihren Zwist einfach aus dem Weg räumen: einen Berg, der dem einen nur die Sicht auf den Sonnaufgang, dem anderen auf den Sonnenuntergang beschert. Fakt ist, am Ende bleibt kein Punkt für den effzeh. Wie das zustande kam, ob das eine Serie wird, wie es in Zukunft aussehen wird mit Aufstieg, Pokalerfolgen, Europa etc. darüber darf eifrig diskutiert werden. Wir wollen dabei mitmachen.

Ausgangslage

Selbst unser Vorspiel war sich in diesem Punkt nicht einig. Titelte es doch so schön „Ein dankbarer Gegner“, wurde dies in den Stimmen zum  Spiel weitestgehend widerlegt. Trainer Peter Stöger sah dem Spiel auch mit gemischten Gefühlen entgegen. Insbesondere weil er die Arbeit seines Landsmannes Ralph Hasenhüttl schätzt. Und Köln bekanntlich für Österreicher ein gutes Pflaster ist. Patrick Helmes war es flau im Bauch, dadurch verpasste er ein Training und fand sich zunächst mal auf der Bank wieder. Für ihn durfte Ujah von Beginn ran, das System mit einem Stürmer fand Fortsetzung. Aus Ingolstadt reisten 200 Fans an, somit war es unmöglich mehr als 47.000 Zuschauer ins Müngersdorfer zu bringen. Trotzdem ist die Stimmung im Stadion keine Ansichtssache.

Spielverlauf

Könnte man sich einfach machen: Ingolstadt stand hinten drin, taktisch diszipliniert und mit großem Kampf. So ließ man dem effzeh eine handvoll Chancen zu, kommt selbst zu zweien und gewinnt das Spiel mit 1:0. Ansichtssache ist jetzt: ob es den Ansprüchen eines Aufsteigers genügt, gegen eine solche Taktik zu einer handvoll Chancen zu kommen, ob das Offensivspiel zu zentral orientiert ist, ob das Kurzpassspiel zu sehr vernachlässigt wird und so einiges mehr.

© effzeh.com

© effzeh.com

Die Gegner haben erkannt, dass wenn man gegen den effzeh die erste halbe Stunde ohne Gegentor überstanden hat, dann kann man sich was ausrechnen. So kam es auch in der ersten Halbzeit zu wenigen nennenswerten Szenen. Die erste halbe Stunde gehörte dem effzeh, ganz klar, aber ohne dass es wirklich gefährlich wurde. Nach einigen Minuten narrte Brecko zwei Gegenspieler. Mit der Flanke konnte Peszko allerdings wenig anfangen. Nach 15 Minuten kam Ujah mit dem Kopf an den Ball, aber verfehlte das Tor recht deutlich. Nach einem Halfar Freistoß schloss Lehmann vom Sechzehner ab, sein Schuss wurde kurz vor der Torlinie geklärt.  Auch Hector durfte eine Chance verbuchen, wurde durch eine Drehung an der  Strafraumgrenze seinen Gegenspieler los und verzog, diesmal etwas knapper, am langen Pfosten vorbei, Minute 28. Die einzige Ingolstädter Chance verzeichnete Caiuby, der auch Lehmans Schuss klärte, mit einem Fernschuss. Wirklich gefährlich war der aber nicht, Horn hatte keine Probleme.

Wenn man das jetzt als Chance zählen will, war es die zweite Chance der Schanzer, die das Führungstor brachte. In der Entstehung sehr unglücklich, wenn auch dieses einzige Mal jeder Kölner Abwehrspieler ein wenig zu weit von seinem Gegenspieler entfernt war. Horn pariert zwar die Chance von Eigler aus spitzem Winkel, aber leider nur nach vorne. Hier kann Lehmann nicht wirklich klären und der Querschläger landet bei Hartmann, der aus 20 Metern die Kugel an den Innenpfosten setzt. Eventuell hat Gerhardt sogar noch abgefälscht. Unglücklich. Der effzeh hatte aber noch so seine Chancen. Maroh köpft nach einer Ecke deutlich drüber, Ujah versucht es aus der Distanz, zumindest mal Halbchancen. Die nächste Ansichtssache ist das Straucheln von Hector in der 60. Minute im Strafraum. Einige wollen hier einen Elfer gesehen haben. Fünf Minuten später verzieht der zuvor eingewechselte Helmes knapp am rechten Pfosten vorbei, die bisher beste Chance. Diese wird nur von ihm selbst fünf Minuten vor Schluss getoppt, indem er freistehend vor dem leeren Tor nur an die Latte köpft. Auch Ujah hat noch eine Kopfballmöglichkeit in der Nachspielzeit.

Fazit

Insgesamt liegt die diese Niederlage irgendwo zwischen „unglücklich“ und „so reicht das nicht zum Aufstieg“. Ansichtssache. Offensichtlich hat sich herumgesprochen, wie man dem effzeh ein Bein stellen kann. Hinten sehr eng stehen, viel arbeiten, im richtigen Moment das Quentchen Glück haben, wenn Köln seine handvoll Chancen bekommt und die einzige eigene Chance im Spiel nutzen. Dass dies zwei mal hintereinander klappt, damit hätte selbst Hasenhüttl nicht gerechnet. Der war nach dem Spiel sichtbar happy. Aber wenn Fußball berechenbar wäre, gäbe es ja auch nichts mehr zu diskutieren. Indiskutabel ist auch, dass die gegnerischen Mannschaften gerade gegen den effzeh eine ihrer besten Saisonleistungen abrufen. Da werden immer noch ein mal ein paar Prozentchen mehr herausgekitzelt. Das einleuchtendste Fazit, darüber lässt sich kaum diskutieren, liefert wieder mal unser Trainer: „Das mit der Serie starten, war anders gemeint.“ verkündet Peter Stöger via Facebook.

Spieler im Fokus

 

© effzeh.com

© effzeh.com

Anthony Ujah: hat sein Startelfcomeback genutzt und den Druck im Sturm erhöht, das wird nötig sein, weil die Offensive in Zukunft gefordert sein wird

Matthias Lehmann: Stabilisationsfaktor für die Defensive, diesmal auch offensiv mit zwei guten Schüssen aus der zweiten Reihe auffällig

Patrick Helmes: ein bischen vom Pech verfolgt, im Normalfall macht er in Bochum und gegen Ingolstadt mindestens drei Tore

Jonas Hector: kommt auch immer besser in den Tritt, hinten stabil und nach vorne immer wieder für eine Aktion gut

Stimmen zum Spiel

Peter Stöger: Ich muss Ingolstadt und dem Hasi hier und jetzt gratulieren. Sie haben defensiv eine sehr gute Leistung gebracht. Sie haben die Räume dicht gemacht und auf die Gelegenheiten, aus denen sie profitieren können, gewartet. Das ist nicht so oft passiert. Mit dem Gegentor kurz nach der Pause hatten sie noch einige Chancen, die sie nicht gut zu Ende gespielt haben. Ansonsten habe ich uns über 90 Minuten als bessere Mannschaft gesehen mit etlichen guten Möglichkeiten und mit sehr vielen guten Gelegenheiten, bei denen der letzte Pass nicht ankam. Sei es durch eigene Ungenauigkeiten oder die gute Arbeit des Gegners, auch das sollte man nicht vergessen. Der Support der Fans war wieder mal großartig, das gibt uns positive Energie für die nächsten Wochen.

Timo Horn: Ziemlich unnötige Niederlagen, weil wir über das komplette Spiel die bessere Mannschaft waren und Ingolstadt hinten reingedrückt haben. Man kann sich immer so ein Tor fangen. Und wenn man dann vorne die Chancen nicht nutzt, kann man so ein Spiel verlieren. Gerade als Torwart ist das bitter, wenn du zwei Schüsse aufs Tor kriegst, davon ist einer drin, an dem du nichts machen kannst. Es weiß ja jeder Gegner um unsere Qualität. Wir haben oft genug gegen mitspielende Gegner bewiesen, dass wir auch hoch gewinnen können. Ich freu schon riesig auf Pauli, da ist immer Riesenstimmung. Da müssen drei Punkte her.

Daniel Halfar: Die haben ja gar nicht am Spiel teilgenommen, die standen nur hinten drin. Schießen ein mal aufs Tor und der Ball geht rein. Sehr, sehr unglücklich. Wir wollten drei Punkte holen und waren auch die bessere Mannschaft. Wir hatten vorher Spiele, in denen wir aus dem Nichts Tore machen, jetzt haben wir eine Phase da geht fast nichts rein. Aber wir wollen gestärkt aus dieser Phase rausgehen. Am Ende wird abgerechnet.

1. FC Köln: Horn – Brecko, Maroh, Wimmer, Hector – Lehmann, Gerhardt (75. Bröker) – Risse, Halfar, Peszko (54. Helmes) – Ujah

FC Ingolstadt: Özcan – da Costa, Gunesch, Matip, Danilo – Morales, Roger, P. Groß (90. Mijatovic) – Mo. Hartmann (79. Buchner) – Eigler (65. Hofmann), Caiuby

Tore: 0:1 Hartmann (48.)

Gelbe Karten: Lehmann | Morales

Schiedsrichter: Robert Kempter (Sauldorf)

Zuschauer: 47.000

Mehr aus Nachspiel

.