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Ehrentribüne

Zum Abschied von Matthias Lehmann: Symbolfigur einer großartigen Ära

Matthias Lehmann führte den 1. FC Köln als Kapitän nach Europa. Doch nicht nur deshalb gebühren ihm Respekt und Anerkennung – eine Würdigung.

Fotos: Getty Images / Montage: effzeh.com

Wenn verdiente Spieler ihr Abschiedsspiel bestreiten, wird häufig davon gesprochen, dass eine Ära zu Ende geht. Bei Matze Lehmann ist das mehr als angemessen, denn er prägte als Sinnbild eine Zeit, die trotz des Absturzes in der Saison 2017/18 nicht zu Unrecht als die beste und schönste der letzten 25 Jahre gilt. Sie folgte nach dem Abstieg 2012 auf das Zeitalter von Wolfgang Overath und Michael Meier, das unter dem Motto der elitären Arroganz stand. In dieser Zeit war der effzeh-Kader gespickt mit hochbezahlten, renommierten und undisziplinierten Spielern wie dem Portugiesen Maniche, die häufig über ihren Zenit hinaus waren und sich durch fehlende Identifikation mit dem Verein auszeichneten.

Spätestens mit dem Amtsantritt von Peter Stöger und Jörg Schmadtke rückten nun aber genau die Werte in den Mittelpunkt, die Matthias Lehmann verkörpert: Ehrlichkeit, Geradlinigkeit, Teamgeist, Ordnung und Einsatzwille. Daher war er auch der perfekte Kapitän für dieses Team. Weder Stöger noch Lehmann standen dabei für offensives Spektakel, sondern für eine stabile Defensive, taktische Disziplin und einen realistischen Blick auf die eigenen Möglichkeiten.

Matthias Lehmanns Bedeutung für den 1. FC Köln wurde lange unterschätzt

Die Bedeutung von Lehmann für den Erfolg des Teams wurde dabei jedoch in der Öffentlichkeit stark unterschätzt. Während Spieler wie Timo Horn, Leonardo Bittencourt oder Anthony Modeste im Fokus standen, blieb der Kapitän meist im Hintergrund. Sein sportlicher Wert wurde jedoch immer dann deutlich, wenn er fehlte. Denn der Punkteschnitt mit ihm war stets höher im Vergleich zu den Spielen, in denen er wegen Verletzungen oder Sperren mal nicht spielen konnte (Beispiele dafür finden sich hier und hier).

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Der Beginn seiner Zeit in Köln war dabei nicht wirklich vielversprechend. Von Holger Stanislawski nach dem Abstieg 2012 als Eckpfeiler für den Neuaufbau geholt war seine erste Spielzeit sehr durchwachsen. Nichts deutete nach dem verpassten Wiederaufstieg auf den dann folgenden Erfolg des Teams und seine tragende Rolle dabei hin. Er wirkte eher wie ein weiterer Fehleinkauf, der sich in eine lange Liste von Spielern einreihen würde, die nicht in der Lage waren, die in sie gesetzten Erwartungen in einem schwierigen Kölner Umfeld zu erfüllen. Dass Matze Lehmann nach diesem schlechten Start in der Lage war, den Stempel des Transferflops abzuschütteln und das Team erst zum Aufstieg und dann sogar nach Europa zu führen, hätte kaum jemand erwartet.

Seinen vorbildlichen Charakter zeigte er jedoch insbesondere dann, als es nicht lief. Weder im desaströsen Abstiegsjahr 2017 noch in der laufenden Saison mit nur wenigen Einsätzen waren von ihm negative Töne zu hören. Der Teamerfolg stand für ihn stets im Vordergrund und genau solche Spieler sind es, die unabhängig vom Talent gebraucht werden, um einen Verein dauerhaft in die richtige Richtung zu führen. Daher bleibt zu hoffen, dass sein Weg in Köln trotz dem nahenden Karriereende als Spieler noch nicht zu Ende geht. Denn egal ob als Trainer im Nachwuchsbereich oder in anderen Funktionen: Einen Typen wie ihn kann der effzeh auch in Zukunft brauchen, um der großartigen letzten Ära weitere Erfolge folgen zu lassen. Danke für alles, Matthias Lehmann!

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