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Nachspiel

3 Seelen für den Teufel

In einer denkwürdigen Partie ergaunert der effzeh 3 Punkte in Regensburg. Waren höhere Mächte am Werk?

© effzeh.com

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Regensburg ist eine Reise wert. Ein kleines Städtchen in einer Senke, die von 3 Flüssen mit Feuchtigkeit genährt wird, verspricht in deutschlandweit die meisten Nebeltage. Neben dem Dom, ein kleiner Bruder des Kölner Doms, gibt es ein weiteres architektonisch erstaunliches Bauwerk: die steinerne Brücke. Mit nur 11 Jahren wurde das „8. Weltwunder“, wie es die Einheimischen nennen, in einer für damalige Verhältnisse erstaunlichen Zeitspanne erbaut. Wie konnte das geschehen? Hierzu gibt es eine Legende, deren ganzes Ausmaß vermutlich erst letzten Samstag sichtbar wurde. Der Brücken- und der Dombaumeister führten einen Wettstreit, wer wohl als erstes fertig würde. Daraufhin wandte sich der Brückenbaumeister an den Teufel und ging folgenden Handel ein: wenn der Teufel ihm half, erhielte er im Gegenzug die ersten 3 Seelen, die die Brücke überquerten. Zur damaligen Zeit war es üblich, dass Bürgermeister oder gar Könige als erste über frisch erbaute Brücken schritten, also freute der Teufel sich über diesen grandiosen Deal. Der Brückenbaumeister bediente sich allerdings einer List: noch als die Brücke bei der Eröffnungsfeier abgesperrt war, schickte er 3 Hühner darüber. Der Teufel war derart erbost, dass er von der Brücke in die Donau sprang. Den Strudel, den er hinterlassen hat, kann man heute noch hinter dem mittlersten Brückenpfeiler in der Donau bewundern. Liebe Regensburger. Ihr habt euch lange genug über diesen Handel erfreut, habt von der Brücke profitiert, die im Mittelalter die einzige sichere Donauüberquerung weit und breit war, ihr habt trotz misslicher Wetterlage eine florierende Handeslwirtschaft gehabt und es zu Wohlstand und Ansehen gebracht. Aber! Mit dem Teufel geht man doch keinen Pakt ein. Knapp 870 Jahre später holt er sich in Form eines gehörnten und hufigen Tieres (OK, die Verkleidung hätte man erkennen können) die 3 Seelen in Form von Toren und Punkten wieder zurück.

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Ausgangslage

„Wir wissen, dass der Gegner über Kampf ins Spiel kommen wird. Wir wollen aber dagegen halten und dann über unsere größere spielerische Veranlagung den Sieg einfahren“ – Beschwingt von diesen Worten fuhr ein ganzer Troß Rheinländer in die Oberpfalz, um mal eben 3 Punkte einzuheimsen. Christian Clemens war von seiner Grippe noch nicht ganz fit, McKenna muss seine Länderspielreise noch verkraften und Chong Tese findet zur Zeit nicht die richtigen Mittel, den Trainer zu überzeugen. Brecko und Maroh reisten direkt aus Sloweniein in Regensburg an und kamen noch in den Genuss eines Mannschaftstrainings vor Ort, zeitgleich am Tag vor dem Spiel. Die Mannschaft war einen Tag vorher mit dem Bus angereist, 5 Stunden kein Pappenstiel, aber durchaus machbar. So sollte auch die Akklimatisierung bei für Rheinländern ungewöhnlicher Wetterlage kein Problem sein.

Spielverlauf

Leider nahm der effzeh den Kampf im ersten Pflichtspiel der beiden Vereine überhaupt gar nicht an und konnte seine spielerische Überlegenheit auf diese Art und Weise überhaupt nicht ansatzweise zeigen. Es wurde hinten wieder halbwegs sicher kombiniert, aber sobald der Ball über die Mittellinie kam war es vorbei, keine Ideen, keine Überraschungsmomente, wieder viel Ballbesitz aber nichts Zählbares, einzig die Chance von Chihi Mitte der ersten Halbzeit. Die zweite Hälfte lief genau so. Man könnte im Prinzip die ersten 85 Minuten weglassen, aber das würde der Leistung der Regensburger nicht gerecht. Die machten das nämlich richtig clever. Die waren aggressiv hinten drin und wenn sich ihnen eine Chance waren sie auch bereit ein paar Meter zur Not sogar umsonst zu machen. Bereits nach 5 Minuten nutzten sie die Schläfrigkeit des effzeh und kamen mit einem Sonntagsschuss zur Führung. Unhaltbar, sicher. Unvermeidbar? Keineswegs. Wie kann ein Spieler 17 Meter vom Tor derart frei zum Abschluss kommen? Nach 5 Minuten? Immer wieder kamen die Oberpfälzer mit schnellem Spiel hinten raus zu passablen Chancen, der effzeh hatte keine nennenswerte mehr. Fünf Minuten vor der Halbzeit kommt es zu der Szene, die ein Regensburger laut Hörensagen kommentierte: „Wie kann es sein, dass ein Österreicher aus 39 Kilometers Höhe mit einem Fallschirm auf den Meter genau landen kann, und ein Landsmann aus 6 Metern das freie Tor nicht trifft“ Die Erklärung erübrigt sich.

Zur Halbzeit waren sich ein Kölner und ein Regensburger hinter der Tribüne bei W1 sicher, dass das hier ein klarer Heimsieg wird. Wobei der Regensburger anfügte: „Eigentlich haben wir aber ein Talent dafür, solche Spiele noch abzugeben“

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So kam es dann auch in Halbzeit zwei. Köln bemühte sich einigermaßen, aber es klappte nichts, der letzte Wille, die Aggressivität, die Lust am Spiel – Fehlanzeige. Brecko reißt den Torschützen im Strafraum um. Berechtigter Elfmeter – 2:0. Das Ding war gelaufen. Ganz sicher. Aber irgendwo in einem Loch des Stadions, in den Katakomben an einem unbekannten Fleck, in einem Räumchen kaum größer als eine Knastzelle sitzt ein kleiner Mann mit einem Huf, einem Schwanz und 2 Hörnern, der sich diebisch freut. Jetzt ist der Moment da, auf den er so lange gewartet hat. Aber was sind schon 870 Jahre für den Teufel, die Menschheit vergisst über diese Zeitspanne so einiges, er aber nicht. Der Zeitpunkt war da, sich seine Revanche zu holen, richtige 3 Seelen, nicht kümmerliche Hühnchen. Noch einen Moment, eine Minute, dann glaubt hier keiner mehr an eine Niederlage, das muss richtig weh tun. „Ich such mir auch einfach noch einen Österreicher aus“ dachte er sich und ließ Daniel Royer aus ca. 25 Minuten zum Schuss kommen. Den Ball kann Hofmann nur abklatschen lassen vor die Füße von Ujah, dessen Schuß er zunächst parieren kann beim 2. Nachschuss aber machtlos ist. Die Zuschauer nehmen es erstaunt zur Kenntnis. Aber ansonsten kaum eine Regung. Selbst Stani bleibt sitzen. Keiner glaubt hier an die Wende. Hihi, denkt sich Belzebub. So gefällt mir das. Also lässt er die Kugel im Strafraumwirrwarr umherirren bis sie Maroh vor die Füße fällt, der wiederum hält wenig von Schusstechnik und ballert das Ding mit der Picke in die Maschen. Bei Stani immer noch keine Regung. Das Stadion ist entsetzt und ruhig. Die ersten verlassen bereits die Ränge. Der Schiri wird gleich abpfeifen. Luzifer hält es kaum noch. Da gibt es noch einen kleinen blonden Spieler, bei dem muss er noch was gutmnachen, nachdem er ihn aus der Bundeshauptstadt vertrieben und in die bayrische Provinz geschickt hatte. Maßgenau lässt er den Ball Bigalke vor die Füße tropfen. 100 km/h Flatterschuss in die Mitte des Tores. Haltbar! Aber nicht wenn der Teufel die Finger im Spiel hat.

Im Fokus

Auswärtsfans: der zwölfte Mann war bei diesem Spiel der einzige der 90 Minuten Vollgas gegeben hat, egal was die Mitspieler fabrizierten, egal was der Gegner und die Heimfans brachten, es wurde immer weiter angefeuert. Fantastisch. Ohne diesen Zuspruch wäre diese Wendung nicht mögklich gewesen. Matchwinner!

Timo Horn: neben den Fans der zweitbeste Mann auf dem Platz, keine Fehler, unhaltbarer Sonntagsschuss – tadellos

Rest der Mannschaft: unterirdisch, es bleibt die Hoffnung, dass dieser glückliche Sieg Auftrieb gibt, es bleibt die Sorge, dass die spielerische Anlage, vor allem das schnelle Spiel nach vorne ein frommer Wunsch bleiben wird. Die Frage sei erlaubt, warum man seitens des effzeh so sicher hintenrum spielen kann, aber es nicht schafft den Ball mal schnell nach vorne mit etwas mehr Risiko zu treiben. Trainingsziel: Abschluss in 7 Sekunden. Schon mal gehört?

Tore: 1:0 Müller (5.), 2:0 Rahn (67.), 2:1 Ujah (87.), 2:2 Maroh (90.), 2:3 Bigalke (93.)

Aufstellungen

SSV Jahn Regensburg: Hofmann, Rahn, Laurito (29. Neunaber), Nachreiner, Klotzke, Müller (90. Erfen), Hein, Wießmeier, Kamavuaka, Sembolo, Djuricin (68. Weidlich)

1. FC Köln: Horn, Brecko, Maroh, Wimmer, Eichner, Lehmann, Matuschyk (54. Bigalke), Strobl (66. Przybylko), Chihi, Bröker (74. Royer), Ujah

Schiedsrichter: Robert Kempter

Stimmen zum Spiel

Holger Stanislawski: Ich hab jetzt gleich 500 Kilometer Zeit das Ganze mal zu verarbeiten, aber … 85 Minuten alles falsch gemacht, was wir falsch machen konnten, klar die unterlegenere Mannschaft gewesen, überhaupt keinen Zugriff bekommen auf das Spiel, keinen zweiten Ball gewonnen, keine Zweikämpfe gewonnen, keine Kopfballduelle gewonnen, wir waren in allen Belangen die schlechtere Mannschaft. Dann hat der Fußballgott ein Einsehen gehabt und uns 7 Minuten geschenkt, die wir uns in den ersten 9 Spielen erarbeitet haben. Auch beim Wechseln hatten wir dieses Quentchen Glück. Ich freu mich für Sascha, dass er getroffen hat. Manchmal kann man solche Spiele nicht erklären. Selbst nach dem 2:2 hatte ich noch das Gefühl dass wir dieses Spiel verlieren können. Großes Kompliment an meinen Kollegen und Jahn Regensburg, aber das wird sie nicht trösten, ich weiß wie das ist. Trotzdem freuen wir uns über eine etwas positivere Rückfahrt.

Miso Brecko: So was erlebt man selten und das kann auch die Wende sein. Heute haben wir nicht überragend gespielt. Nach dem Anschlusstreffer war der Wille wieder da und wir haben daran geglaubt.

Matthias Lehmann: Der Sieg war sicherlich nicht verdient, aber wir haben uns nie aufgegeben, das Spiel war eigentlich tot und gelaufen. Auf ein mal klappt das, wir haben das Glück zurück erzwungen, das wir in den letzten Wochen vielleicht nicht hatten.

Sascha Bigalke: Ich hab schon die ein oder andere Chance vergeben, aber heute ist endlich mal der Knoten geplatzt, ich denke auch bei der ganzen Mannschaft. Wir haben kein gutes Spiel gemacht, wenn aber mal ein Tor fällt, dann fallen auch mal 2 oder 3. Wenn jemand den Sieg verdient hat, dann diese Fans. Die haben uns selbst bei 2:0 noch angefeuert und nach vorne gepeitscht. Umso schöner, dass man sie mal so belohnen kann.

Dominic Maroh: So was hab ich auch noch nie erlebt. Man muss ganz klar sagen, trotz aller Euphorie, trotz der 3 Punkte haben wir heute eine Katastrophe zusammengespielt.

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