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Vorspiel

Der 1. FC Köln zum Abschluss beim VfB Stuttgart: Auf der Suche nach dem i-Tüpfelchen

Der 1. FC Köln hat am 34. Spieltag die Europa Conference League sicher, will aber beim VfB Stuttgart noch das “Mehr” erreichen. Die schwäbischen Gastgeber bangen dagegen um den Klassenerhalt, haben aber das rettende Ufer gegen die “Geißböcke” noch im Blick.

Foto: Lars Baron/Getty Images

Hätte vor einem Jahr, als der Spielplan veröffentlicht wurde, jemand gesagt, dass es beim Duell zwischen dem VfB Stuttgart und dem 1. FC Köln für ein Team um den Einzug in die Europa League und die andere Mannschaft verzweifelt um den Klassenverbleib kämpft, dann hätten die meisten Experten wohl nicht auf die derzeitige Situation getippt. Die Schwaben waren in der vergangenen Saison eine der Überraschungen, während die “Geißböcke” mit Mühe und Not soeben den Verbleib in der höchsten deutschen Spielklasse gesichert hatten. Nur zwölf Monate später stellt sich die Situation gänzlich anders dar: Der FC träumt vom internationalen Geschäft, am Neckar ist das Abstiegsgespenst seit Monaten Dauergast.

So schnelllebig ist wohl nur der Sport: Hatte man rund ums Geißbockheim im Mai 2021 noch offen darüber gesprochen, ob der herabgewirtschaftete Verein einen erneuten Abstieg wirtschaftlich überhaupt verkraften könnte, wird ein Jahr später darüber diskutiert, ob ein Platzsturm beim Erreichen des Europapokals nun angebracht sei oder eben nicht. Wenig unterstreicht wohl die rasante Entwicklung, die der FC unter Steffen Baumgart seit dem doch recht glücklichen Klassenerhalt genommen hat, derart plastisch wie eine emotionale Debatte wegen einer solchen Petitesse. Der Kölner Coach bügelte das alles mit einer Referenz an Lukas Podolski (“Das sind Fans, die freuen sich halt!”) ab. „Das waren alles positive Situationen. Für mich gehört das zur gelebten Fan-Kultur”, so Baumgart: “Für mich war die Euphorie einfach nicht so groß, weil wir das Spiel verloren hatten. Aber ich fand alles sehr friedlich und in Ordnung.”

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Schnell war aber allen Beteiligten klar, dass nach den Feierlichkeiten zur Rückkehr ins internationale Geschäft noch ein ganz wichtiges Spiel ansteht. “Wir haben am Samstag nochmal ein Endspiel”, betonte Baumgart bereits zu Beginn der Woche und rekapitulierte, was jeder beim Effzeh aus dem Effeff herunterbeten kann: “Wir können nichts mehr verlieren. Wir werden auf jeden Fall Siebter. Aber wir können vielleicht noch einen Platz nach oben rücken“, so der FC-Coach. Dabei können die “Geißböcke” nicht auf Jan Thielmann zurückgreifen, der formstarke Youngster verletzte sich unter der Woche im Training am Sprunggelenk. Für ihn wird vermutlich Dejan Ljubicic in die Anfangsformation rücken. Ansonsten kann der FC nahezu auf denselben Kader bauen, der zuletzt in der Bundesliga den Einzug in den Europapokal gesichert hatte.

Ausgangslage

Die Kölner können, der VfB muss – zumindest, wenn er noch direkt in der Bundesliga bleiben möchte: Drei Punkte und sieben Tore Vorsprung hat Stuttgart auf Arminia Bielefeld, die derzeit den direkten Abstiegsplatz bekleiden. Nach unten dürfte also angesichts des Duells der Ostwestfalen mit Leipzig nichts mehr anbrennen. Aber nach oben haben die Schwaben noch das rettende Ufer in Sicht: Drei Zähler beträgt der Rückstand auf Hertha BSC, die eine schwere Aufgabe bei Borussia Dortmund vor der Brust haben und darüber hinaus noch das deutlich schlechtere Torverhältnis ausweisen. Ein Heimsieg gegen den FC und dann der bange Blick Richtung Westfalenstadion: Das ist der Plan, den der VfB für den abschließenden Spieltag an den Start bringt.

Auch der FC ist auf fremde Hilfe angewiesen, will er noch den Sprung auf den sechsten Platz schaffen, der zur direkten Teilnahme an der Gruppenphase der Europa League berechtigt. Zwei Punkte liegen die “Geißböcke” hinter Union Berlin, die den VfL Bochum zu Gast haben werden. Ein Patzer der “eisernen” Konkurrenz und ein gleichzeitiger Sieg in Stuttgart: Die Baumgart-Elf hätte am abschließenden Spieltag wie schon 2017 die Teilnahme am lukrativeren Wettbewerb unter Dach und Fach gebracht. Motivation zur Schützenhilfe ist in Bochum ordentlich vorhanden. „Wenn ich aus der Ferne dazu beitragen kann, dem FC diese Reise zu ermöglichen, die ich selbst schon miterleben durfte, dann werde ich es tun“, kündigte der Ex-Kölner Simon Zoller im “Express” bereits an. Es wäre das i-Tüpfelchen auf eine herausragende Saison des 1. FC Köln.

So lief das Hinspiel

Lange hatte der 1. FC Köln gegen den VfB Stuttgart zum Abschluss der Hinrunde auf die Erlösung warten müssen: In der 88. Minute köpfte Anthony Modeste die “Geißböcke” nach einer mustergültige Flanke des eingewechselten Kingsley Schindler zum 1:0-Heimsieg gegen die Schwaben. Zuvor hatte sich das Baumgart-Team über weite Strecken schwer getan, drehte aber am Ende einer kräftezehrenden Englischen Woche zum Jahresabschluss nochmals gewaltig auf. Diesen Kraftakt belohnte nach einigen vergebenen Chancen dann Top-Torjäger Modeste mit seinem Kopfballtreffer.

Foto: Lars Baron/Getty Images

Schlüsselspieler

Beim VfB Stuttgart ragt einer garantiert heraus: Mit zwei Meter Körpergröße ist Sasa Kalajdzic der Leuchtturm im Angriff der Schwaben, doch der Österreicher hat viel mehr zu bieten als nur Länge. Stark in der Luft, auch im Kombinationsspiel der gesuchte Mann in der VfB-Offensive: Dass die Stuttgarter noch um den Klassenerhalt bangen müssen, ist auch den längeren Ausfällen des Stoßstürmers zuzuschreiben. Bereits in der vergangenen Saison bekam der FC Kalajdzics Qualitäten zu spüren, der besonders im Zusammenspiel mit Linksverteidiger Borna Sosa für gewaltig Gefahr im gegnerischen Strafraum sorgen kann.

Auf Kölner Seite ist dagegen der Strippenzieher hinter der einzigen Spitze gefragt: Beim FC-Höhenflug war es Mark Uth, der nahezu an jeder gefährlichen Situation der “Geißböcke” beteiligt war. Dass es Wolfsburg geschafft hat, den Porzer zu großen Teilen aus dem Spiel zu nehmen, tat den Offensivbemühungen der Mannschaft von Trainer Steffen Baumgart enorm weh. Bekommen die Kölner am abschließenden Spieltag ihren Gestalter und Einleiter besser eingesetzt, dann sollten zumindest wieder einige hochkarätige Torchancen herausspringen – auch bei den eigenen Standardsituation, die Uth zuletzt hervorragend hereinbrachte.

“Wir haben die eigene Leistung in der Hand. Ich bin davon überzeugt, dass die Jungs alles raushauen werden.”

Top-Fakt

In den letzten 24 Bundesliga-Duellen zwischen beiden Mannschaften gewann nur zweimal (!) das Heimteam: Der VfB Stuttgart im Oktober 2017 (2:1) und der FC in der Hinrunde (1:0).

Das sagen die Trainer

Pellegrino Matarazzo (Stuttgart): „Wir haben in dieser Saison viele Rückschläge erlebt. Dennoch haben wir am letzten Spieltag noch die Chance, unser Saisonziel zu erreichen. Das ist für uns Motivation genug. Wir gehen in das Spiel mit dem Gefühl, nur gewinnen zu können. Wir wollen mit unserer Leistung alles dafür tun, um die drei Punkte zu holen und die Chance auf den direkten Klassenverbleib zu wahren. Köln pflegt eine extrem intensive Spielweise. Sie haben spielerische Ansätze, agieren aber auch mit sehr viel Tempo. Wir werden versuchen müssen, Druck auf die Außenspieler auszuüben und die Flanken zu blocken.“

Foto: Matthias Hangst/Getty Image

Steffen Baumgart (Köln): „Wir haben die eigene Leistung in der Hand. Ich bin davon überzeugt, dass die Jungs alles raushauen werden. Das haben sie die ganze Saison gemacht. Damit werden wir jetzt nicht aufhören. Uns erwartet eine Mannschaft, die alles dagegensetzen wird. Der VfB hat noch die Möglichkeit, den direkten Klassenerhalt zu erreichen. Für uns geht es darum, das Spiel zu gewinnen. Wir wollen nach Möglichkeit Platz sechs noch erreichen. Die Bundesliga ist mittlerweile so aufgestellt, dass jeder jeden schlagen kann. Ich bin mir bewusst, dass wir eine sehr gute Saison gespielt haben. Das lassen wir uns auch nicht von einem negativen Ergebnis am Samstag nehmen.“

So könnte der FC spielen

Schwäbe – Schmitz, Kilian, Hübers, Hector – Skhiri, Özcan – Ljubicic, Uth, Kainz – Modeste

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