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Vorspiel

1. FC Köln auswärts bei der TSG Hoffenheim: Kann Salih Özcan das, was Ellyes Skhiri kann?

Auf den 1. FC Köln kommt am Freitag bei der TSG Hoffenheim ein ganz schweres Auswärtsspiel zu. Die dank des starken Saisonstarts bereits gestiegenen Ansprüche lassen in Sinsheim trotzdem auf einen Sieg hoffen. Salih Özcan wird in Hoffenheim aller Voraussicht nach auf der Sechs auflaufen und muss dort Dauerläufer Ellyes Skhiri ersetzen.

Foto: Christian Kaspar-Bartke/Getty Images

Wie abhängig ist der 1. FC Köln von seinem bisher besten Mann der Saison, Ellyes Skhiri? Das dürfte die Frage sein, die die Mannschaft von Steffen Baumgart im Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim zu beantworten hat. Denn bei aller Euphorie um den Trainer und bei aller berechtigten Freude über einen überraschend ansehnlichen Fußball der Kölner Kicker ist der tunesische Mittelfeldmotor eben doch eine herausragende Figur, der zentrale Mann nicht nur vor der Abwehr, sondern auch beim Spielaufbau und nicht zuletzt beim Einlaufen in den gegnerischen Sechzehner. Was also kann Baumgarts FC ohne Skhiri, der sich auf Länderspielreise beim Spiel in Mauretanien am Knie verletzt hat?

Wie schwer und wie lange der Stamm-Sechser fehlen wird, das verraten die Kölner Verantwortlichen nicht. Aber Steffen Baumgart verriet auf der Pressekonferenz vor der Partie am Freitagabend um 20:30 Uhr, dass Salih Özcan in die Bresche springen wird, da auch Dejan Ljubicic mit Wehwehchen von seiner Länderspielreise zurückkehrte. “So wie es aussieht, wird Salih auf dem Rasen stehen und beginnen.(…) In Salih haben wir einen sehr guten Sechser, auf den wir bauen. Salih macht einen guten Job, er kommt ja auch immer wieder rein, arbeitet gut und hat viel Potenzial. Es gibt aber auch Dinge, die er noch besser machen kann. Darüber sprechen wir beide offen.“

Salih Özcans Bewährungsprobe

Salih Özcan also, den Baumgart vor der Spielzeit starkredete und so zum Bleiben bewegen konnte. Nun erhält das Eigengewächs die Bewährungschance, die sich Özcan auf der einen Seite verdient hat: Das FC-Eigengewächs hängt sich rein, trainiert gut, arbeitet intensiv an sich. Andererseits ist die Aufgabe auch immens schwer, denn ausgerechnet den Dauerläufer und besten Mann 1:1 zu ersetzen, das erscheint von außen betrachtet so nicht möglich. Und auch Steffen Baumgart sieht sein ganzes Team in der Pflicht: “Eine Verletzung wiegt immer schwer, zumal Ellyes in den vergangenen Wochen gute Leistungen gezeigt hat. Dennoch haben wir einen breiten und guten Kader. Ich bin mir sicher, dass wir seine Verletzung auffangen werden. Ich bin überzeugt, dass wir keine Verschlechterung erfahren. Wir werden seinen Ausfall als Mannschaft kompensieren.“

Foto: Frederic Scheidemann/Getty Images

Die Spielidee des Trainers ist dabei sicher hilfreich, denn egal wer welche Position spielt: Die Aufgabenbeschreibung ist klar. Und das ist es, was den Kölner Spielern die Sache erleichtert. Sie wissen endlich einmal, was sie zu tun haben, was der Trainer ganz genau von ihnen erwartet. Angefangen beim unbedingten Einsatzwillen, über die läuferische Leistung bis zum schnörkellosen Spiel nach vorne. Und Salih Özcan hat einen ähnlichen Fußball bei der U21-Nationalmannschaft oft genug gezeigt, körperlich robust, stark im Umschaltspiel. Nicht genau wie Ellyes Skhiri, sondern mit seinem ganz eigenen Stil.

“Wir haben einen breiten und guten Kader. Ich bin mir sicher, dass wir Ellyes Skhiris Verletzung auffangen werden.”

Im Gegensatz zu seinem Pendant in Köln plagen Sebastian Hoeneß, den Hoffenheimer Übungsleiter, weniger Verletzungssorgen als noch zuletzt. Vielmehr konnte ein zentraler Akteur auf Hoffenheimer Seite die Länderspielpause zur Genesung nutzen. Der österreichische Nationalspieler Christoph Baumgartner ließ seine Kölner Pendants Dejan Ljubicic, Florian Kainz und Louis Schaub alleine verreisen, blieb in Hoffenheim und kurierte sich aus, um nun rechtzeitig zur Partie gegen Köln wieder topfit zu sein: “Baumi ist im Laufe der Woche eingestiegen. Er hat noch nicht alles, aber sehr viel mitgemacht. (…) Er ist dann für mich auch eine klare Option für Freitag”, gab Sebastian Hoeneß zu Protokoll.

Wundertüte Hoffenheim

In der zweiten Saison unter dem Coach mit dem bekannten Namen kommt die TSG abermals als Wundertüte daher. Im vergangenen Heimspiel gegen das Spitzenteam aus Wolfsburg gab es einen 3:1-Erfolg. Da ansonsten aber auch eine 0:2-Niederlage zu Hause gegen Mainz oder ein 0:0 in Bielefeld zu Buche stehen, rangiert Hoffenheim als graue Maus der Liga auf Platz 11 mit acht Punkten aus sieben Spielen. Besonders das letzte Spiel, eine schwache Vorstellung samt Niederlage gegen Stuttgart, will die Heimmannschaft gegen Köln wieder gutmachen.

Steffen Baumgart weiß um die Qualität des Gegners, will aber wie gewohnt seine Linie durchdrücken. „Unser Glück ist, dass wir auf uns schauen, was wir spielen wollen. Hoffenheim hat eine gewisse Art und Weise, wie sie Fußball spielen. Es ist eine technisch starke Mannschaft mit hoher individueller Qualität auf dem Platz. Wir wissen, was für eine Partie auf uns zukommt. Wir wollen unser Spiel durchbringen – darauf kommt es an. Es ist wichtig, dass wir an uns denken. Sie sind nicht so gut in die Saison gestartet, wie sie sich das vorgestellt haben. Es ist eine Mannschaft, die sich noch findet. Wir haben eine sehr gute Möglichkeit, ein gutes Spiel zu machen und dementsprechend ein gutes Ergebnis einzufahren.”

“Es ist wichtig, dass wir an uns denken. Wir wollen unser Spiel durchbringen – darauf kommt es an.”

Baumgart will natürlich die nächsten drei Punkte. Und die würden aus einem guten Kölner Saisonstart tatsächlich einen hervorragenden machen. Einerseits, weil der Kader so beweisen würde, dass er auch ohne Skhiri gut genug für die obere Tabellenhälfte der Bundesliga ist. Andererseits, weil der achte Spieltag so ein wenig auch das Ende des Saisonstarts darstellt. Jetzt sind alle Teams angekommen, jetzt geht es darum, stabil zu bleiben, auch einmal zu punkten, wenn die Leistung vielleicht nicht ganz optimal ist. Jetzt wird der Weg geebnet, auf dem der 1. FC Köln diese Spielzeit absolvieren wird. Zwölf Punkte nach sieben Spielen sind super, zwölf Punkte nach acht Spielen wären auch vollkommen in Ordnung. Aber 15 Zähler nach acht Partien: Das wäre wirklich hervorragend und der neue FC würde sich damit eben auch unter den derzeit sieben besten Teams der Liga festsetzen.

Pro Spiel zwei Tore

Um das zu erreichen, müssen Tore her. Bislang erzielte der FC pro Spiel fast zwei Treffer, 13 sind es insgesamt und damit haben gerade mal vier Mannschaften häufiger getroffen: Bayern München, Bayer Leverkusen, Borussia Dortmund und RB Leipzig. Im Sturm hat Steffen Baumgart ein wenig überraschend auch eher die Qual der Wahl, keine Verletzungssorgen in dem Mannschaftsteil, der vor der Saison hier eigentlich als am anfälligsten angesehen wurde. Auch in Hoffenheim wird es wohl wieder eine Doppelspitze werden aus Sebastian Andersson und Anthony Modeste. “Tonys Entwicklung zur laufenden Saison hat wohl alle überrascht und die von Seb genauso. Seb konnte bislang jede Trainingseinheit mitnehmen und hatte keine Verletzungsschwierigkeiten und kann 90 Minuten durchspielen. Er hat gute Spiele gezeigt, auch was das Festmachen der Bälle angeht. Zudem hat er gegen Fürth sein erstes Saisontor erzielt”, so Baumgart auf der abschließenden Pressekonferenz.

Foto: Frederic Scheidemann/Getty Images

Mit den gezeigten Leistungen seiner beiden Sturmhünen ist der FC-Coach zufrieden, wenngleich das Zusammenspiel untereinander noch besser werden soll. “Für uns alle war das nicht zu erwarten, dass die Beiden in eine solche Form kommen. Das ist der Grund, warum beide spielen. Was ich mir wünsche, ist, dass beide noch mehr miteinander spielen, sich unterstützen und helfen. Es ist immer so, dass, wenn man zwei Alphatiere vorne drin hat, die Laufwege auf den jeweiligen nochmal abgestimmt werden. Das ist der nächste Schritt”, sagt Baumgart.  Ob zudem Mark Uth oder Ondrej Duda spielen oder Tim Lemperle und Jan Thielmann einen Startelfeinsatz bekommen, ließ der Trainer noch offen.

“Wir haben  mit Tim und Jan zwei junge und sehr fleißige Spieler, die jedoch nicht immer kontinuierlich die richtigen Entscheidungen treffen. Das ist aber klar die Entwicklung, wo wir mit unseren jungen Spielern hinwollen.”

“Über die Qualität von Mark und Ondrej müssen wir nicht reden. Dennoch glaube ich, dass sich beide noch an die Geschwindigkeit beim Spiel gegen den Ball gewöhnen müssen. Das haben sie meines Erachtens in der vergangenen Zeit sehr gut gemacht und eine gute Entwicklung genommen. Gleichzeitig haben wir mit Tim und Jan zwei junge und sehr fleißige Spieler, die jedoch nicht immer kontinuierlich die richtigen Entscheidungen treffen. Das ist aber klar die Entwicklung, wo wir mit unseren jungen Spielern hinwollen. Und Florian Kainz hat sich auf Länderspielreise nicht verletzt, steht also auch bereit”, beschreibt der FC-Coach die Auswahl im Mittelfeld. Bis auf den schweren Schlag, den der Skhiri-Ausfall darstellt, sowie der Erkrankung von Dejan Ljubicic sind also Alternativen en masse gegeben. Sie müssen nun nachweisen, dass sie dieser Aufgabe gewachsen sind.

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