Folge uns
.

Vorspiel

1. FC Köln auswärts bei der TSG Hoffenheim: Der Druck wird nicht weniger

Die Verantwortlichen des 1. FC Köln ziehen ein positives Fazit der Hinrunde, die Realität jedoch heißt nach 17 Spielen: Platz 16 in der Tabelle und keine bundesliga-taugliche Offensive. Bei der TSG Hoffenheim bietet sich am Sonntag jedoch immerhin die Chance, vom Relegationsrang zu springen.

COLOGNE, GERMANY - SEPTEMBER 19: Andrej Kramaric of TSG 1899 Hoffenheim competes for the ball with Marco Hoger of 1. FC Koln during the Bundesliga match between 1. FC Koeln and TSG Hoffenheim at RheinEnergieStadion on September 19, 2020 in Cologne, Germany. Fans are set to return to Bundesliga stadiums in Germany despite to the ongoing Coronavirus Pandemic. Up to 20% of stadium's capacity are allowed to be filled. Final decisions are left to local health authorities and are subject to club's hygiene concepts and the infection numbers in the corresponding region. The match in Cologne is played behind closed doors due to the high number of new Covid-19 cases in the city of Cologne. (Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)

Vier Punkte aus den letzten beiden Spielen hat der 1. FC Köln in der ersten englischen Woche des Jahres geholt. Dem mauen 0:0 gegen Hertha folgte eines der absurderen Spiele der Saison beim FC Schalke 04, welches die „Geißböcke“ durch Jan Thielmanns Last-Minute-Treffer bekanntermaßen 2:1 gewannen. Doch trotz dieser vier Punkte kann sich am Geißbockheim nicht entspannt werden: Auch wenn Arminia Bielefeld eine empfindliche 1:5-Pleite gegen Frankfurt hinnehmen musste, kam durch den Sieg der Mainzer in Leipzig am Samstag Nachmittag ganz am Boden der Tabelle zunehmend Leben rein.

Ein Sieg am Sonntag zum Abschluss des 18. Spieltags bei der TSG Hoffenheim – und die Kölner verlassen nicht nur den Relegationsplatz, sondern ziehen den Kontrahenten zum Rückrundenauftakt mit in den Abstiegskampf. Eine Niederlage jedoch und der FC würde statt auf Platz 14 zu springen eher einen Verfolger im Rückspiegel aufkommen sehen. Horst Heldt zog trotz der weiterhin prekären Lage dennoch ein positives Hinrundenfazit: „Wir sind gut dabei, haben im Vergleich zu letzter Saison nach 17 Spielen nur zwei Punkte weniger“, so der FC-Sportchef.

Hoffenheim zeigte sich zuletzt defensiv verbessert

Sicherlich keine komplett falsche Aussage, bei Tabellenplatz 16 und lediglich 15 Punkten ist es jedoch gewagt, davon zu reden, man sei gut dabei. Seinem anschließenden Satz, man hätte in den 17 Spielen alles dabei gehabt, man hätte mehr punkten können und hätte aber auch mal glücklich gewonnen, darf man allerdings entgegen halten, dass ein spielerisch überzeugender Sieg oder zumindest einer mit zwei Toren Vorsprung eben in der kompletten Halbserie noch nicht dabei war. Doch es scheint Strategie am Geißbockheim zu sein, die eigene Erwartungshaltung in dieser Saison in salbungsvolle Worte zu kleiden. Wer sich klein redet, braucht nicht sonderlich groß aufzuspielen.

Etwas anspruchsvoller unterwegs ist hingegen der kommenden Gegner aus Hoffenheim. Die Mannschaft von Trainer Sebastian Hoeneß rangiert mit 19 Punkten auf Rang zwölf, spielt bislang jedoch keine konstante Saison. Am zweiten Spieltag siegten die Kraichgauer mit 4:1 gegen die Bayern und hatte im Herbst überzeugende Leistungen im Europapokal, im heimischen DFB-Pokal verlor man allerdings zuhause kurz vor Weihnachten mit 6:7 nach Elfmeterschießen gegen den Zweitligisten aus Fürth. Und in das neue Jahr startete man mit einer 1:3-Niederlage gegen Freiburg, bevor man das Kunststück vollbrachte, in Gelsenkirchen mit 0:4 unterzugehen. Zuletzt aber stabilisierten sich die Kraichgauer, beim 0:0 in Bielefeld blieb man das erste Mal in der Bundesliga-Saison ohne Gegentor und wiederholte diesen Erfolg beim 3:0-Sieg in Berlin bei der Hertha.

Foto: Matthias Hangst/Getty Images

„Wir sind stabiler. Personell, von den Abläufen her“, erklärte Trainer Hoeneß nach dem Sieg in Berlin. Das auch ein gehaltener Elfmeter von Torhüter Oliver Baumann in der Anfangsphase in Berlin bei der Stabilität eine Rolle spielte, sieht Hoeneß als Zeichen von erarbeitetem Glück: „Stabilität ohne Ball erleichtert das Spiel mit Ball. Und Spielglück ist eben auch sehr wichtig. Man hat gemerkt, wie wir uns minütlich daran hochgezogen haben.“

Ein weiteres gutes Zeichen für Hoffenheim ist die Rückkehr des tschechischen Nationalspielers Pavel Kaderabek. Der rechte Verteidiger fiel seit dem dritten Spieltag aus, zunächst wegen Corona-Quarantäne, danach setzte ihn eine Wadenverletzung für den Rest der Hinrunde außer Gefecht. „Die vier Monate waren sicher keine einfache Zeit für ihn“, fasste sein Trainer den Gemütszustand des Leistungsträgers sicherlich recht zutreffend zusammen. Ob Kaderabek direkt spielen wird, bleibt abzuwarten, doch auch als Einwechselspieler ist der Routinier definitiv eine Verstärkung.

Rafael Czichos fällt aus, Sebastian Anderson fehlt noch länger

Auf der anderen Seite muss FC-Coach Markus Gisdol auf Verteidiger Rafael Czichos verzichten, der 30-jährige musste in Gelsenkirchen mit Oberschenkelproblemen zur Halbzeit ausgewechselt werden und wurde nicht rechtzeitig bis zur Abfahrt des Teams fit. Für ihn wieder im Kader ist Jorge Meré. Der Spanier wurde nach der 0:5-Niederlage in Freiburg zweimal in Folge nicht nominiert. Jetzt könnte er jedoch theoretisch wieder in die Startelf rücken. Gegen Schalke wurde der eigentliche Außenverteidiger Jannes Horn für Czichos eingewechselt und kam so in der Dreierkette zum Zug.

Doch seine Idealposition ist dies nicht, und Sava Cestic machte überdies unter der Woche keine gute Figur. „Sava ist ein junger Spieler, da ist es wichtig, dass man die eine oder andere Situation direkt nach dem Spiel bespricht. Mit ihm bin ich oftmals sehr zufrieden in einzelnen Spielphasen, dann gibt es aber auch wieder Phasen, die nicht so optimal sind“, so Gisdol nach dem Spiel gegen Schalke. Eine Dreierkette mit Horn und Cestic:Sicherlich keine optimale Lösung. Meré darf also angesichts der Personalsituation zum Ende der Englischen Woche auf seine Chance hoffen.

Cologne’s German defender Rafael Czichos celebrates scoring the opening goal during the German first division Bundesliga football match Schalke 04 v 1 FC Cologne in Gelsenkirchen, western Germany, on January 20, 2021. (Photo by Leon KUEGELER / POOL / AFP) / DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS AS IMAGE SEQUENCES AND/OR QUASI-VIDEO (Photo by LEON KUEGELER/POOL/AFP via Getty Images)

Während die Lage in der Innenverteidigung zwar kurzfristig Fragen aufwirft, hat der FC auf der Position jedoch genügend bundesliga-taugliche Spieler zur Verfügung, zumal bei Czichos von keiner langen Verletzungspause ausgegangen wird. Im Sturm sieht die Situation anders aus: Sebastian Anderson entwickelt sich immer mehr zum Sorgenkind. Der „Express“ berichtet nun, dass Anderson frühestens in zwei Monaten sein Comeback feiern kann. Er soll sich richtig erholen und zum Saisonende wieder ein Faktor werden. Konkurrent Anthony Modeste wurde auf Schalke zuletzt nicht einmal eingewechselt, der junge Tolu Arokodare erhielt den Vorzug vor dem französischen Torjäger.

Wie der FC gegen eine zuletzt stabile Hoffenheimer Hintermannschaft ohne einen Mittelstürmer in Form offensiv zum Zug kommen will, dürfte eine der Schlüssel des Spiels werden. Zuletzt ist das Angriffsspiel bekanntermaßen fast komplett zum Erliegen gekommen, Abschlüsse sind zumeist Zufallsprodukte, Tore fallen fast nur nach ruhenden Bällen oder groben Fehlern des Gegners. Statistisch ist der FC eine der harmlosesten Mannschaften der Liga. In Sinsheim hat der FC jetzt die nächste Chance zu zeigen, dass sich dies ändert. Es wäre wichtig, wollen die „Geißböcke“ am Ende der Saison den Klassenerhalt feiern. Der Druck ist auch nach dem Sieg gegen Schalke nicht weniger – egal, ob der FC gut dabei zu sein scheint oder nicht.

Mehr aus Vorspiel

.