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Geißbockheim

Rückblick auf die Saison des 1. FC Köln (1): Top aufgestellt in der falschen Liga

Mit großem Druck startete der 1. FC Köln in die abgelaufene Saison. Die Erwartungshaltung kam aber nicht von den Fans, sondern zu großen Teilen aus dem Club selbst.

COLOGNE, GERMANY - APRIL 15: Timo Horn, goalkeeper of Koeln reacts after the Second Bundesliga match between 1. FC Koeln and Hamburger SV at RheinEnergieStadion on April 15, 2019 in Cologne, Germany. (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)
Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Endlich Sommerpause. Für den 1. FC Köln. Während sich ein Großteil der Herren Profis nach einer schlauchenden Spielzeit aufmacht nach Dubai, um seine Instagram-Follower zu bespaßen, laden die effzeh-Fans im Anschluss an eine schwierige Saison, der eine noch schwierige Saison folgen dürfte, die Akkus im fußballlosen Alltag wieder auf. „Das war ein mental anstrengendes Jahr, aber wir haben zusammen das Ziel erreicht. Darauf können wir stolz sein“, verkündete beispielsweise der Kölner Routinier Marco Höger nach dem abschließenden Testspiel in Porz.

>>> Zweiter Teil des Saisonrückblicks: Vorentscheidung bei der Mitgliederversammlung

Das Ziel, das war die direkte Rückkehr in die höchste deutsche Spielklasse. Nach einem desaströsen Absturz vom Europapokal-Teilnehmer zum schlechtesten Team der schillernden Bundesliga-Geschichte der „Geißböcke“ war vor allem Wiedergutmachung beim eigenen Anhang, der diese Katastrophe nahezu klaglos über sich ergehen ließ und stattdessen in den Schunkelmodus geschaltet hatte, angesagt. Den Aufstieg erreichte der effzeh, am Ende sogar souveräner als zwischendurch gedacht. Doch der Weg dorthin war holpriger als geplant, einigen Schlaglöcher konnte die Mannschaft um Nationalspieler Jonas Hector nicht ausweichen.

Als klarer Aufstiegsfavorit neben dem HSV in die Saison

Es wurde ein wilder Ritt, um den „Unfall“ namens Abstieg wieder wettzumachen. Mit neuem Trainer ging der effzeh die Mission Bundesliga-Rückkehr an: Markus Anfang sollte die „Geißböcke“ wieder flottmachen, mit offensivem und intensivem Fußball die Herzen des Publikums zurückzugewinnen und gleichzeitig erfolgreich sein. Eine schwierige Aufgabe, an der der gebürtige Kölner letztlich scheitern sollte. Der Druck, die Erwartungshaltung: Themen, die sich durch die gesamte Saison ziehen sollten. Der effzeh, er ging dank seiner finanziellen und sportlichen Wucht neben dem Zweitliga-Debütanten Hamburger SV als klarer Favorit auf den Aufstieg in das zurückliegende Jahr.

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Schon früh hatten die Verantwortlichen diese Rolle angenommen – und mit einigen Aussagen angeheizt. „Der Hamburger SV und wir sind die Favoriten. Dem müssen wir uns stellen. Ob wir es am Ende auch schaffen, ist aber eine andere Frage. Dafür muss vieles passen“, erklärte FC-Sportgeschäftsführer Armin Veh beim Trainingsauftakt der „Geißböcke“. Die Mannschaft, so ließ der einstige Meistertrainer des VfB Stuttgart stolz wissen, sie sei in seinen Augen besser als die Abstiegstruppe aus dem Vorjahr. „Das ist jetzt mein Kader. Das ist jetzt eine Mannschaft, die guten Fußball spielen kann, kombinieren kann, schneller umschalten kann, nicht abhängig ist von einem Stürmer vorne.“

Der wohl beste und teuerste Zweitliga-Kader der Geschichte

Worte, die Nachhall hatten. Allerdings: Der 1. FC Köln ging tatsächlich mit einem äußerst prominent besetzten Kader in die Saison. Umworbene Leistungsträger wie Torwart Timo Horn, Innenverteidiger Jorge Meré oder Jonas Hector hatten dem Verein ebenso die Treue gehalten wie die kölschen Jungs Marco Höger und Marcel Risse. Auch Simon Terodde und Vincent Koziello, die Veh in der Winterpause 2018 geholt hatte, waren weiterhin an Bord.

Drexler

Foto: 1. FC Köln / Thomas Faehnrich

Dazu kamen noch hoffnungsvolle Neuzugänge wie Dominick Drexler, den der effzeh für viel Geld aus seinem erst kurz davor geschlossenen Vertrag im dänischen Midtjylland herausgekauft hatte, oder der aus Wien verpflichtete Louis Schaub. Auf dem Papier stand der wohl beste, aber auch der wohl teuerste Zweitliga-Kader der Geschichte. Doch die Mannschaft hatte durchaus Probleme, dieser vor allem seitens des Vereins geschürten Erwartungshaltung gerecht zu werden. Die Favoritenrolle, sie war unangenehmer als gedacht.

„Es sind keine Blinden, die da gegen uns spielen. Sie werfen alles in die Waagschale, um in Köln zu bestehen. Köln ist das Spiel, wo sie am wenigsten Druck haben.“

„Es ist für uns eine neue Situation. Nach der schlimmen letzten Saison, in der wir so viel verloren haben, mit der Erwartung umzugehen, dass wir gegen jeden gewinnen müssen und auch können“, schilderte Marco Höger nach der Heimniederlage gegen Tabellenschlusslicht Duisburg in einem Blogeintrag auf der FC-Webseite. „ Auch wenn es zweite Liga ist: Es sind keine Blinden, die da gegen uns spielen. Sie werfen alles in die Waagschale, um in Köln zu bestehen. Köln ist das Spiel, wo sie am wenigsten Druck haben. Wenn die Mannschaften gegen uns verlieren, sagt jeder: ist ja normal. Für die Gegner ist das eine gute Ausgangslage. Das macht uns das Leben nicht leichter.“

Trotz teils schwerer Kost: Große Geduld beim Kölner Publikum

Die eigenen Ansprüche, die grundsätzliche Erwartungshaltung, der große Druck als Aufstiegsfavorit: Der effzeh schien unter der Last schier zu ächzen. Dabei waren es selten die als so kritisch angesehenen Kölner Fans, die dieses Spielchen spielten. Weit weg von einer Attitüde à la „Sandhausen, Aue oder Heidenheim: Sowas haben wir früher in Adiletten aus dem Stadion geschossen“.

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Mit großer Geduld ertrug das Kölner Publikum, dass gerade die Heimspiele zu einer Bewährungsprobe für das angespannte Nervenkostüm werden sollten. Gegner, die den Mannschaftsbus vor dem eigenen Tor parken. Gegner, die offensiv bis auf wenige Ausnahmen nichts anzubieten hatten. Schön anzusehen war es nun wahrlich nicht, was in der sogenannten „Schweineliga“ mit Kölner Beteiligung ablief.

„Wir sind top aufgestellt, nur in der falschen Liga.“

Dabei wäre es kaum verwerflich gewesen, wenn die effzeh-Fans eine solche Erwartungshaltung an den Tag gelegt hätten, hatten doch die Vereinsverantwortlichen schon vor dem Saisonstart ein enormes Selbstbewusstsein ausgestrahlt. „Wir sind top aufgestellt, nur in der falschen Liga. Ich gehe davon aus, dass wir das schnell reparieren und aufsteigen“, erzählte der damalige Clubpräsident Werner Spinner unter tosendem Beifall auf der Saisoneröffnung. Sein Vize Toni Schumacher ging noch einen Schritt weiter: „Ich habe im Urlaub einige Hamburger getroffen und mit ihnen beschlossen, dass wir uns den Rest vom Hals halten“, so der einstige Weltklasse-Torwart. Sätze, die sich vermutlich jeder Gegner an die Kabinentür nageln konnte, um auch noch das letzte Fünkchen Motivation aus sich herauszukitzeln.

Der 1. FC Köln – für die Gegner das Highlight des Jahres

Viel zu gewinnen gab es für den effzeh in der 2. Bundesliga daher nicht: Für jeden Kontrahenten war das Duell mit den „Geißböcken“ das Highlight des Jahres, in der es nichts zu verlieren gab. Dementsprechend leidenschaftlich traten sie auch an, während die Kölner Mannschaft über weite Strecken mit der Favoritenrolle zu fremdeln schienen. Nur in einigen Phasen souverän pflügten die Jungs in rot-weiß über die Provinzplätze und versuchten zu erspielen, was für den Aufstieg letztlich auch reichen sollte. Dienst nach Vorschrift? Mitunter wirkte es so, denn von den Vorsätzen zu Beginn der Saison, offensiv und intensiv zu agieren, waren zwischendurch nur noch Schemen zu erkennen.

Foto: Juergen Schwarz/Bongarts/Getty Images

Doch die Mission, die Rückkehr in die Bundesliga zu verwirklichen, wurde am Ende des Tages erreicht. Überzeugt hat der effzeh dabei beileibe nicht, auch wenn der Aufstieg als Zweitliga-Meister letztlich deutlich daherkommt. Die anderen Zielen dagegen hat das Team verfehlt: Die Herzen des Publikums konnten in dieser Saison nur einzelne wie Jhon Cordoba zurückerobern. Eine Grundlage, die auch eine Spielklasse darüber bessere Zeiten verspricht, konnte auch nicht gelegt werden. Am Druck, an der Erwartungshaltung und den Ansprüchen lag es dabei sicherlich nicht. Es war rund um den 1. FC Köln ein anstrengendes Jahr – vor allem mental. Vergnügungssteuerpflichtig war es definitiv nicht. Gut, dass jetzt erst einmal Sommerpause ist!

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