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Spielerportraits

FC-Neuzugang Emmanuel Dennis Bonaventure: Der Real-Madrid-Schreck, der kein Stürmer sein will

Auf Leihbasis wechselt Emmanuel Dennis Bonaventure vom Club Brügge zum 1. FC Köln. Wir stellen den nigerianischen Angreifer vor, der die „Geißböcke“ zum Klassenerhalt schießen soll.

Emmanuel Dennis Bonaventure 1. FC Köln
Foto: 1. FC Köln

„Meine Jugend war nicht einfach. Besonders im konservativen Yola, wo es wenig Fußballplätze gab. Ich hatte Glück, dass mich meine Eltern unterstützt haben und mir und meinen Geschwister die Chance gaben, uns im Sport zu versuchen. Etwas, das viele Kinder in Yola nicht durften“, erklärte Dennis Anfang des Jahres gegenüber „PanAfrican Football“: „Yola war größtenteils muslimisch geprägt, es gab eine Menge Einschränkungen. Daher haben meine Eltern überlegt, mich für meine weitere Entwicklung fortzuschicken. So früh nach Abuja zu ziehen, war hart – ganz besonders ohne meine Eltern“, schildert der Angreifer seinen harten Weg in den Profifußball, der ihn mit 19 Jahren in die Ukraine führt.

Bei der Accademia di Abuja in der nigerianischen Hauptstadt ausgebildet schlägt sich Dennis derart gut, dass europäische Vereine auf ihn aufmerksam werden. Er wagt den Sprung auf einen anderen Kontinent – und landet 2016 bei Zorya Luhansk. Kein leichtes Unterfangen für Dennis, der sich als junger Sportler in einem fremden Land zurechtfinden muss und auch mit Rassismus konfrontiert wird. „Als schwarzer Teenager in der Ukraine: Eine sehr herausfordernde Zeit“, betont der Nigerianer: „Ich wurde beleidigt, ich wurde bedroht und so weiter. Das härtete mich mental ab. Im Rückblick bin ich froh, dass ich es dort geschafft habe“, so Dennis, der sich mit seinen Leistungen beim ukrainischen Spitzenteam für Höheres empfiehlt. „The Nigerian Neymar“, wie ihn die Fans in der Ukraine angeblich nannten, wechselt 2017 für 1,2 Millionen Euro zum Club Brügge.

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Dennis: “Fußball ist Unterhaltung für mich”

Beim belgischen Renommierverein startet der Nigerianer richtig durch, erzielt fünf Tore in seinen ersten sechs Spielen und avanciert bei den „Blau-Schwarzen“ direkt zum Publikumsliebling. „Fußball ist Unterhaltung für mich. Wenn ich mich gut fühle, möchte ich dribbeln. Es ist wie Tanzen, einfach magisch“, beschreibt Dennis seine Spielweise einmal in einem Interview. Extrovertiert auf dem Platz und neben dem Platz: Der Nigerianer ist ein Paradiesvogel in der belgischen Jupiler League. Zum konstanten Torjäger entwickelt sich der Außenstürmer in Brügge allerdings nicht, eher zum Spezialisten für die großen Momente in den großen Partien. „Ich liebe diese Spiele“, betont der Stürmer: „Ich bin immer doppelt motiviert, wenn solche Begegnung anstehen, weil ich da meine Qualitäten zeigen kann. Nicht jeder kann in solchen Spielen glänzen.“

“Ich spiele dort, wenn ich es muss. Aber ich bin kein Mittelstürmer. Ich bin ein Außenstürmer!”

Seine Qualitäten: Enormes Tempo, enormer Zug zum gegnerischen Tor. Und den Schuss Verrücktheit und Unberechenbarkeit, den ein Angreifer manchmal braucht. „Emmanuel Dennis ist ein körperlich starker Stürmer, der massive Geschwindigkeit mit einem guten Auge für den Abschluss verbindet“, schreibt beispielsweise das Onlinemagazin „Football Bloody Hell“ in ihrem Scoutingbericht zum damals von vielen englischen Vereinen umworbenen Angreifer: „Er agiert am besten in einem Zwei-Mann-Sturm mit einem Zielspieler neben sich, der ihn in Szene setzen kann. Das ermöglicht es Dennis, aus dem Hintergrund in die entsprechende Räume durchzubrechen“, so die Analyse der Spielweise des Nigerianers. Der sieht sich allerdings mehr auf dem Flügel als im Zentrum: „Ich spiele dort, wenn ich es muss. Aber ich bin kein Mittelstürmer. Ich bin ein Außenstürmer“, erklärte Dennis einst in einem Gespräch mit „Het Laatste Nieuws“ und fügte direkt hinzu: „Schreib das in Großbuchstaben über das Interview!“

Der 1. FC Köln? Ein Neustart für Emmanuel Dennis Bonaventure

Unberechenbar auf dem Platz für seinen Gegenspieler, unberechenbar neben dem Platz offensichtlich für die Verantwortlichen beim Club Brügge: Die Undiszipliniertheiten des Emmanuel Dennis Bonaventure, der sich auf Instagram gerne mit ausgefallenen Klamotten und teuren Autos präsentiert, wurden bei den „Blau-Schwarzen“ hingenommen, solang der Angreifer auf dem Platz extravagante Auftritte zeigte. Doch seit dem Traumabend im Santiago Bernabeu zeigte Dennis’ Leistungskurve steil nach unten, lediglich drei weitere Treffer (einer davon allerdings gegen Manchester United) folgten für den pfeilschnellen Stürmer vor der Beendigung des Spielbetriebs in Belgien infolge der Coronavirus-Pandemie. Im Mai sprach dann der damalige Trainer Ivan Leko laut aus, was alle beim Club Brügge dachten: „Es ist Zeit für ihn, den nächsten Schritt zu machen.“

Den macht Emmanuel Dennis nach einem ernüchternden Halbjahr nun beim 1. FC Köln. Auf Leihbasis bei einem abstiegsbedrohten Bundesligisten anstatt in der Champions League mit dem anderen Schwergewichten des europäischen Clubfußballs um Ruhm und Ehre zu kämpfen. Ein Neustart für Dennis, dessen Karriere wohl am Scheideweg steht. Bei den „Geißböcken“ kann der 23-Jährige zeigen, dass er doch für höhere Aufgaben gemacht ist. Und zeigen, dass er aus den Problemen in Brügge gelernt hat, wie der Angreifer nach der Bus-Eskapade reumütig bekundete. Sein Tempo, seine Qualitäten im Abschluss und im Dribbling könnten für das Gisdol-Team wichtige Puzzlestücke im Kampf um den Klassenerhalt werden. Vor elf Jahren hat das bei Zoran Tosic auch funktioniert – einer Wiederholung dieser Geschichte wären die FC-Fans sicherlich nicht abgeneigt.

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