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Nachspiel

Der 1. FC Köln verliert das Derby: Etwas zu spät und ein bisschen zu wenig!

Der 1. FC Köln verliert ein Derby unter besonderen Bedingungen: Ohne Zuschauer fehlen den „Geißböcken“ letztlich Nuancen, um gegen Borussia Mönchengladbach Zählbares mitzunehmen.

Foto: Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images

Es war nass, es war kalt, es war gespenstisch. Ein Geisterspiel – selten hat ein Begriff der Fußballsprache einen Sachverhalt treffender abgebildet. Auch deswegen, weil es eigentlich ein Derby war, ein Spiel, in dem Emotionen hochkochen und Massen elektrisiert werden. Doch abgesehen von den Akteuren auf dem grünen Rasen fehlte eigentlich alles, was eine solche Partie zu einem Ereignis macht, dem man monatelang entgegenfiebert. Vor allem fehlten die Zuschauer. Dort, wo sonst 54 000 Fans mitfiebern, sich hitzige Gesangsduelle liefern, anfeuern und jubeln, herrschte Leere, gähnende Leere.

Für diese widrigen Bedingungen war es dann eigentlich ein ordentliches Fußballspiel, das hin und her wogte, bei dem sich die Teams nichts schenkten. Und trotzdem fühlte es sich nicht richtig an, auch nicht für Schiedsrichter Deniz Aytekin, dessen freudloses Lächeln und leichtes Kopfschütteln vor dem Anpfiff der Partie mehr ausdrückte als alle Worte.

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Die Gladbacher nutzen eine Chance zum 1:0

In der ersten Hälfte war es ein recht temporeiches Spiel ohne viele Torchancen. Der 1. FC Köln vergab seine wenigen Gelegenheiten, die Borussia traf. Embolos Schuss aus zwölf Metern wurde von Ellyes Skhiri noch leicht abgefälscht und landete unhaltbar neben dem linken Innenpfosten im Kölner Tor (31.). Der laufstarke Tunesier war es auch, der im Verbund mit Toni Leistner kurz vor dem Halbzeitpfiff den möglichen Ausgleich verpasste.

Foto: Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images

Die Gladbacher kamen mit viel Schwung aus der Kabine, und es war Timo Horn zu verdanken, dass es bei den Großchancen von Pléa (48.) und Herrmann (51.) zunächst bei dem knappen Rückstand blieb. Nachdem Florian Kainz aus 14 Metern recht kläglich abschloss, war es dann Jorge Meré, der nach einer Flanke von Breel Embolo ins eigene Tor traf (71.). Der Treffer war genauso unglücklich wie unnötig, Timo Horn hätte die Hereingabe des Gladbachers wohl sicher abfangen können.

In der Schlussphase verpassen die Kölner den Ausgleich

Der Torhüter auf der anderen Seite brachte die Kölner dann zehn Minuten später ins Spiel zurück. Yann Sommer rutschte beim Torabschlag weg, Mark Uth schnappte sich das nasse Leder, umkurvte noch zwei Abwehrspieler und traf mit einem fulminanten Linksschuss zum 1:2-Anschlusstreffer. Markus Gisdols Team entwickelte nun die Wucht, die man bis dahin etwas vermisst hatte, und drängte vehement auf den Ausgleich.

Jhon Cordobas Kopfball verfehlte das Tor nur knapp (83.), die größte Möglichkeit bot sich jedoch Mark Uth kurz vor Schluss. Aus acht Metern kam er frei zum Schuss, zielte jedoch zu mittig, so dass Yann Sommer abwehren konnte. Dominick Drexlers Schrägschuss strich am rechten Pfosten des Gladbachers Gehäuses knapp vorbei, dann pfiff Deniz Aytekin die Partie ab und besiegelte damit die 50. Niederlage des 1. FC Köln im 94. Bundesliga-Derby gegen die Elf vom Niederrhein.

Auf der Leistung können wir aufbauen und werden uns sauber auf die nächste Partie am Samstag ausrichten.

Es fehlte nicht viel, um zumindest einen Punkt aus dem Mönchengladbacher Nordpark mitzunehmen, es gab eine Reihe von Spielphasen, in denen die Kölner auf Augenhöhe mit Marco Roses Team waren. Aber es fehlte etwas, bisweilen waren die Gladbacher den einen Schritt schneller und die eine Nuance ballsicherer und zielstrebiger. Man hatte jedoch schon weitaus schwächere Auftritte des 1. FC Köln am Niederrhein gesehen, insgesamt hatte sich die Mannschaft ordentlich präsentiert.

Leere Hände trotz ordentlicher Leistung

Dies sah dann auch Markus Gisdol so: „Meine Mannschaft hat ein richtig gutes Auswärtsspiel gezeigt. Wir haben gute Ballbesitzphasen gehabt und vielversprechende Umschaltsituationen. Aber du musst natürlich höllisch aufpassen, und das haben wir zweimal nicht gut genug getan und zwei Tore kassiert. Nach dem Anschluss hatten wir kurz vor Schluss noch die Riesenchance. Auf der Leistung können wir aufbauen und werden uns sauber auf die nächste Partie am Samstag ausrichten.“ Auch die besonderen Bedingungen des Geisterspiels sprach er an: „Es war eigenartig, wenn Du auf einmal hören kannst, wie die gegnerische Bank coacht oder die Spieler sich untereinander Kommandos geben.“

Gegen eine Top-Mannschaft war das aber ein nächster Schritt, dass wir auf Augenhöhe mitgehalten haben.

Jonas Hector trauerte der verpassten Gelegenheit hinterher, etwas Zählbares aus Mönchengladbach mitzunehmen: „Unsere Chancen haben wir dann am Ende nicht genutzt, sonst geht es 2:2 aus. Ich denke, dass das ein ordentliches Ergebnis gewesen wäre. Gegen eine Top-Mannschaft war das aber ein nächster Schritt, dass wir auf Augenhöhe mitgehalten haben. Wir haben über 90 Minuten alles reingeworfen und haben ein gutes Auswärtsspiel gemacht. Bitter, dass wir uns nicht belohnt haben.“

Foto: Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images

Mark Uth ergänzte: „Der Ausgleich wäre gerecht gewesen. Es war für uns eine komische Atmosphäre. Wir müssen damit aber jetzt umgehen, auch im nächsten Spiel wieder. Die Emotionen gehen verloren. Das war nicht schön. Wir müssen versuchen, uns selbst zu pushen. Das ist nicht einfach, aber es hat ganz gut geklappt. Wir diskutieren über die Situation natürlich in der Kabine, wissen selbst nicht so genau, wie wir damit umgehen sollen.“

Am Samstag wartet das nächste Geisterspiel

Am Samstag geht es gegen Mainz 05, einen Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt. Auf die stimmgewaltige Unterstützung des Kölner Publikums wird Markus Gisdols Elf verzichten müssen. Viel wird darauf ankommen, wie schnell und gut die Spieler regenerieren können. Die Atmosphäre eines Geisterspiels haben sie im Unterschied zu den Gästen um den Kölner Ex-Coach Achim Beierlorzer schon kennenlernen können, vielleicht ist das ein kleiner Vorteil.

Niemand weiß, wie es danach weitergehen wird. In der nächsten Woche treffen sich die Vertreter der 36 Proficlubs, um über das weitere Prozedere zu beraten. Gibt es auch nach dem 26. Spieltag weitere Geisterspiele, werden Spieltage en bloc verschoben, wird die Saison verlängert? Eines ist sicher: Es wird keine einfachen Lösungen geben, es wird schmerzhaft werden. Für die Vereine, für die Fans, für den Fußball.

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