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Spielerportraits

Nach Rückkehr aus Kiel: Salih Özcans Reifeprozess geht beim 1. FC Köln weiter

Als wohl einziger Spieler des 1. FC Köln kehrt Salih Özcan mit einem positiven Gefühl nach seiner Leihe ans Geißbockheim zurück. Der 22-Jährige konnte die Saison in Kiel zur Weiterentwicklung nutzen.

Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images

Mit dem Vorbereitungsstart am Geißbockheim war auch ein altbekanntes Gesicht wieder zu sehen: Salih Özcan nahm als Spieler des 1. FC Köln seine Arbeit wieder auf, nachdem er zwischen August 2019 und Juni 2020 bei Holstein Kiel in der zweiten Liga aktiv war. Der immer noch erst 22-Jährige gehörte zu den zahlreichen Spielern, die der FC in der vergangenen Saison ausgeliehen hatte – als einer der wenigen kehrt der U21-Nationalspieler mit einem positiven Zeugnis in seine Geburtsstadt zurück. Der 1. FC Köln und dessen Trainer Markus Gisdol können sich auf einen attackierenden Mittelfeldspieler freuen, der in seiner Entwicklung offenbar einen Sprung machen konnte. Bei den „Störchen“ kam der Ehrenfelder auf 28 Einsätze, nur zwei Mal kam er dabei von der Bank. Insgesamt schoss Özcan fünf Tore, sieben Tore legte er auf. Zwölf Scorerpunkte sind für einen zentralen Mittelfeldspieler auf den ersten Blick eine gute Bilanz. Und auch abseits dieser Kernstatistiken war das Leihgeschäft aus Özcans Sicht ein Erfolg – es darf nicht vergessen werden, dass Özcan trotz seiner bereits beeindruckenden Erfahrung ein junger Profi ist.

Nachdem er im September 2016 sein Debüt für den FC in der Bundesliga gegeben hatte, war er in der legendären Saison, in der sich sein Ausbildungsverein für die Europa League qualifizieren konnte, erstmal nicht mehr als ein Joker – mit seinen damals 18 Jahren sammelte er aber wichtige Erfahrungen. Pro Einsatz kam er während seiner Debütsaison auf 30 Einsatzminuten. Diese Statistik sollte sich in der kommenden Saison verbessern, als der FC in der Europa League randurfte, in der Bundesliga aber einen historisch schlechten Abwärtstrend hinlegte und quasi im Winter schon abgestiegen war. Özcan spielte in jener Saison aber relativ viel, trotz seines jungen Alters kam er auf mehr als 1600 Einsatzminuten allein in der Bundesliga. Für den geplanten Wiederaufstieg unter Markus Anfang rückte der Gewinner der Fritz-Walter-Medaille (2017) allerdings wieder ins zweite Glied, es reichte nur zu etwas mehr als 600 Spielminuten und 15 Einsätzen. Von daher war es eine nachvollziehbare Entscheidung im vergangenen Sommer, als der damalige Geschäftsführer Armin Veh und Trainer Achim Beierlorzer dem Rechtsfuß nahelegten, in der zweiten Liga Spielpraxis zu sammeln.

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Ein erfolgreiches Leihgeschäft mit Holstein Kiel

Als geeignete Station bot sich der Standort in Kiel an, zu dem der FC zuletzt enge Verbindungen pflegte – in der aktuellen Saison ist Mittelfeldspieler Niklas Hauptmann dahin ausgeliehen. Özcan übernahm dort während der Saison eine Führungsrolle und kehrt nun mit mehr als 2000 Einsatzminuten im Gepäck zurück ans Geißbockheim. Dem Kölner Stadt-Anzeiger sagte er nach seiner Rückkehr rückblickend: „Ich habe gute Erfahrungen gesammelt, mich fußballerisch weiterentwickelt und bin sicherlich auch torgefährlicher geworden. Und das alles in relativer Ruhe, denn in Kiel ist das Interesse an Holstein längst nicht so groß wie in Köln am FC.“ Für den gebürtigen Kölner, der als einziges Mitglied der „Durch et Füer“-Fraktion gerade erst am Anfang seiner Karriere steht, war der Aufenthalt im hohen Norden auch aus anderer Sicht ein Erfolg. „(…) ich bin sicher auch als Person gereift, da ich mal längere Zeit weg von der Familie war. Insofern hat mir die Zeit in Kiel sehr gut getan.“

Ein häufiges Bild der vergangenen Saison: Salih Özcan beim Jubeln | Foto: Stuart Franklin/Getty Images

Zuvor war seine Zeit beim FC nicht wirklich einfach gewesen: Der rauschhaften ersten Saison folgte der Abstieg, eine Erfahrung, die gerade für einen jungen Spieler prägend sein kann. In der zweiten Liga setzte Markus Anfang eher auf andere Spieler, auch weil Özcan vielleicht nicht an sein Leistungsmaximum herankam. „Ich denke, dass es da normal ist, wenn man als 19-, 20-Jähriger Leistungsschwankungen hat“, erklärte der Mittelfeldspieler im Gespräch mit dem Kölner Stadt-Anzeiger. „Vielleicht habe ich rückblickend zu viel nachgedacht, zu viel Angst gehabt, Fehler zu machen. Für junge Spieler ist es dann erst recht nicht einfach, wenn Du nicht das Vertrauen spürst.“ Das klingt nachvollziehbar – und zeigt wieder einmal auf, dass es für die Entwicklung eines Spielers eben auch Geduld braucht. Geduld, die in Köln nicht immer vorhanden ist.

Salih Özcan hat sich als Spieler verbessert

In Kiel jedoch hatte er genügend Gelegenheit, seine Stärken auszuspielen: Özcan, der beim FC in der Vergangenheit häufiger darunter litt, unter Druck falsche Entscheidungen zu treffen oder zu viel zu wollen, reifte als Spieler in allen Bereichen des Spiels. Offensiv erhöhte er seinen Output, traf fünf Mal und schoss im Durchschnitt 1,7 Mal auf das gegnerische Tor. Auch im Passspiel zeigte er durchgängig hohes Niveau: Seine Passquote lag über die gesamte Saison gesehen bei mehr als 80 %, daraus resultierten 1,6 key passes pro Spiel und insgesamt 7 Torvorlagen. In Erinnerung blieben zahlreiche Aktion im Dress der Störche, in denen Özcan den Ball eroberte, danach mit Tempo auf die gegnerische Kette zulief und einen filtrierenden Pass spielte – alleine an einer solchen Aktion lässt sich erklären, was für ein Spielertyp er ist.

Foto: Catherine Ivill/Getty Images

Sein Engagement in der Defensivarbeit gehört ebenfalls zu seinen Stärken und sorgte dafür, dass er bei den Kielern einen Stammplatz innehatte. Von daher überrascht es nicht, dass Markus Gisdol auf ihn setzt – dessen Credo, den Gegner durch aggressives Anlaufen und Mittelfeldpressing unter Druck zu setzen, dürfte Özcans Spielweise entgegen kommen. Vielleicht kann der 22-Jährige auch davon profitieren, dass beim FC derzeit die Position des Zehners vakant ist – seine Chance könnte darin liegen, dass Gisdol ihn auf dieser Position testet und dann die Leistungen stimmen.

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Das Eigengewächs kehrt motiviert in die Heimat zurück

In jedem Fall möchte Özcan nun nach der Leihe in die zweite Liga beim 1. FC Köln voll angreifen. Zusammen mit der Konkurrenz, bestehend aus Kapitän Jonas Hector, Ellyes Skhiri, Elvis Rexhbecaj und Marco Höger, möchte er sich für einen der Plätze im Defensiven Mittelfeld bewerben – wenn er nicht als Zehner eingeplant ist. Die Rückkehr nach Hause dürfte bei Özcan noch ein zusätzliches Stück Motivation freisetzen. „Mein Herz schlägt für den 1. FC Köln. Das ist doch logisch, wenn man in Köln geboren ist, die komplette Jugend des FC durchlaufen und für den Verein in der Bundesliga debütiert hat“, bekannte er im Interview. Nun darf er zum dritten Mal eine Vorbereitung mit den FC-Profis absolvieren und darauf hoffen, Einsatzzeit in der Bundesliga zu sammeln. Für ihn sind die Vorzeichen dieses Mal definitiv besser.

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