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Kurz & Knapp

Nachsitzen für Slapstick

Auf dem Mitgliederstammtisch stellen sich mit Christian Eichner und Sascha Bigalke zum ersten mal 2 Lizenzspieler den Fragen der Fans.

© effzeh.com

 

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Zum ersten Mal fand der Mitglieder-Stammtisch mit Lizenzspielern statt. Eigentlich hätte Kevin McKenna kommen sollen, aber weil der seine Verletzung schneller auskurierte als erwartet, musste er zur Nationalmannschaft. So kam es zu der eigentümlichen Konstellation, das genau die beiden Spieler, die mit ihrer Slapstick-Nummer für den Rückstand gegen Dresden gesorgt hatten beim Mitglieder-Stammtisch „nachsitzen“ mussten: Christian Eichner und Sascha Bigalke.

Christian Eichner hat jetzt schon so einiges erlebt beim effzeh, einen Gerade-noch-nicht-Abstieg und den Abstieg der letzten Saison, deshalb soll er die Unterschiede zu dieser Saison erläutern. Mit „Die Mannschaft ist diesmal hundertprozent fit“ holt er sich den ersten Szenenapplaus, hält aber gleich fest, dass dies kein Nachkarten sei, weil auch ein ganz anderer Fußball gespielt. Im weiteren Verlauf des Stammtischs gibt er allerdings zu, dass letzte Saison des öfteren verschiedene Spieler beim Trainerteam vorstellig waren „und mehr trainieren wollten“. Desweiteren gäbe es keine Grüppchenbildung wie letztes Jahr, wobei das auch eher ein generelles Problem von Mannschaften die unten drin stehen sei. Den Jungs macht es dieses Jahr Spaß, obwohl die Punkteausbeute gemessen am Aufwand und an der Leistung zu gering sei. Zum Saisonziel möchte er sich vorsichtiger äußern: „Wir sollten schauen, dass wir die Kurve kriegen, dass wir vorne die Treffer machen, um relativ zeitnah den Anschluss ans Mittelfeld herzustellen. Das Spiel am Samstag ist dabei ein Knack-Spiel.“

Sascha Bigalke ist angekommen in Köln, seit ca. 3-4 Wochen habe er eine eigene Wohnung, die Möbel sind da, die Mannschaft hat ihn fantastisch aufgenommen, er fühlt sich wohl. Zum effzeh zu wechseln war für ihn keine Frage. „Nach wie vor ist der 1. FC Köln mit Umfeld und Stadt einer der größten Vereine in ganz Deutschland“ – einzelne Lacher kontert er mit „Ja, das ist meine Meinung“. Schon in Berlin habe er ein paar andere Mannschaften beobachtet: Bayern, Dortmund, Schalke und dann kommt der 1. FC Köln. Für die Zukunft hoffe er die Unbekümmertheit aus Unterhaching, die er in seinem ersten Spiel für den effzeh zeigte und die inzwischen etwas verloren ging, wieder zu zeigen. Auf Holger Stanislawski angesprochen äußert sich Bigalke durchweg positiv. Es werden viele taktische Übungen und Spiele im Training gemacht, und die Mannschaft ist fit, die Vorbereitung muss also sehr gut gewesen sein. „Als Mensch gibt es nicht viele Trainer, die ihm das Wasser reichen können in Deutschland.“

Auf der Suche nach dem Druck

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Unter der Überschrift „Druck“ wurden viele Situationen geklärt. Eiche stellte klar, dass die Mannschaft kaum Druck verspüre, aber sich sehr wohl bewusst sei, dass der 1. FC Köln nicht um den Abstieg in der 2. Liga mitspielen möchte. Die vielen jungen Spieler brauchen viel Zeit, und speziell auf Sascha Bigalke bezogen (ein Fan aus der Nordkurve fragte nach dessen Unbekünmmertheit): „Das ist ein guter Junge. Der wird das schon machen“.  Für die mäßigen Leistungen der Einwechselspieler, wie es ein Mitglied formulierte, hat Christian Eichner Verständnis: „Ich war ja auch mal Fan einer Mannschaft und habe so einiges nicht verstanden, was auf dem Platz lief. Aber sie können mir glauben, dass jedes Mitglied unseres Teams immer und überall alles gibt.“ Eine Alibi-Funktion sieht Sascha Bigalke in der Aussage des Vereins, nicht sofort aufsteigen zu müssen, nicht. „Eine Mannschaft im Umbruch braucht Zeit. Aber klar ist auch dass der effzeh in 1-2 Jahren 1. Liga spielen will“ Nach der katastrophalen letzten Saison bezeichnet sich Eiche „auf der Suche nach mir selbst“, die Sicherheit der Grundlagen fehle noch etwas, so erklärt er zumindest die temporäre Unsicherheit in seinem Spiel, verschiedene Automatismen funktionieren nicht mehr so gut wie normal. Bigalke beschreibt die Situation so, dass es darauf ankommt ins Spiel zu kommen. Wenn am Anfang die einfachen Dinge funktionieren, kommt man meist gut ins Spiel. Der Druck kommt also nicht aus den Spielern selber. Wie sieht es aus mit der Benotung in der Zeitung? „Manche Zeitungen lese ich nur zur Belustigung“ erklärt Bigalke. Manchmal habe man in 4 Zeitungen 4 verschiedene Noten. „Ich versuche seit 10 Jahren meiner Mutter beizubringen, sich davon zu distanzieren.“ ergänzt Christian Eichner. Und „ohne den Herren zu nahe treten zu wollen“, könne das nur jemand beurteilen, der selbst mal gegen den Ball getreten hat. Allerdings erkläre sich das Thema Druck von selbst: „Stellen Sie sich vor, Sie spielen vor 50.000 Zuschauern, die eigentlich für Sie sind, aber die erste Situation gelingt nicht, aus welchen Gründen auch immer. Ich habe ein paar Freunde auf der Haupttribüne, die höre ich jedes Mal. Das komplett wegzuhalten von dir, das ist nicht leicht.“ Aber natürlich muss man damit umgehen können, wie in jedem anderen Beruf auch, auch wenn der Vergleich aufgrund der besonderen Situation etwas hinkt. „Unruhe ist meiner Meinung nach überhaupt nicht in der Mannschaft“ erklärt Bigalke die besondere Situation der Rotation. Der Kader sei sehr ausgeglichen, die vielen jungen Spieler in der Offensive haben eifach noch nicht die Konstanz, und da macht das durchaus Sinn zu rotieren.

Gerade, weil man die jüngste Mannschaft in der 2. Liga ist, braucht es viel Verständnis untereinander. und das wird auch trainiert, erklärt Eichner. Jeder muss auch mal eine ihm nicht angestammte Position im Training spielen, so dass eigentlich jeder weiß, was der Spieler auf den anderen Positionen so macht. „Und wenn es dieses Jahr nicht reicht, dann nächstes oder übernächstes aber doppelt“  Kurz hat er daran gedacht, nach den Sitzblockaden der Fans, den Verein zu verlassen. Letztendlich hat er sich aber vor 4 Jahren geschworen, eine Mannschaft nach einem Abstieg nie wieder im Stich zu lassen. „Wenn alles toll läuft, hat man sich in Hoffenheim den beim effzeh vorhandenen Kult gewünscht, wenn es aber schlecht läuft, hätte man sich gerne mal in den beschaulichen Kraichgau zurückbeamen lassen.“ beschreibt er den Unterschied zwischen Provinz und Stadt und fügt an „Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn Du in jedem Stadion dieses Landes auswärts den Gästeblock gerappelt voll hast.“ Der Umbruch im Verein ist in der Mannschaft eigentlich kein Thema. Natürlich wird über die ausgeliehenen Spieler im kleinen Kreis gesprochen.

Zum Abschluss erklärt Rainer Mendel die Fortschritte in der Problembewältigung „Gewalt“. Der vom neuen Präsidium angefangenen Dialog mit allen Fangruppen wird fortgesetzt. Gerade Mendel persönlich spürt auch deutlich mehr Unterstützung durch das Präsidium als vorher. Eine Kamerasystem für das Stadion ist angeschafft worden und der Wachdienst würde stichprobenartig überprüft. Immer wieder sollen Testpersonen versuchen verbotene Gegenstände ins Stadion zu bringen. Insgesamt sei man sehr erfolgreich, in den ersten 10 Pflichtspielen dieses Jahres kam es zu keinen nennenswerten Zwischenfällen.

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