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Spielerportraits

Neuzugang Marius Wolf im Portrait: #UnleashTheWolf bei den „Geißböcken“

Marius Wolf gilt als schneller und flexibler Außenbahnspieler mit Bundesligaqualität. Jetzt soll der Coburger bei der Mission Klassenerhalt in Köln behilflich sein und nach zwei schwierigeren Jahren wieder Konstanz in sein Spiel bekommen. Unser Spielerportrait.

1.FC Köln, Training, Marius Wolf 1.FC Köln, 06.10.2020, *** Sport 1 FC Köln, Training, Marius Wolf 1 FC Köln , 06 10 2020,
Foto: imago images / Herbert Bucco

Von Niclas Borner und Thomas Reinscheid

Schnell ging es am Ende der vergangenen Woche: Donnerstag kündigte Sportgeschäftsführer Horst Heldt auf der abschließenden Pressekonferenz vor dem Derby gegen Borussia Mönchengladbach an, dass der 1. FC Köln noch einen weiteren Spieler verpflichten wolle. Abends sickerte dann der Name Marius Wolf durch, den die „Geißböcke“ für den Rest der Saison von Borussia Dortmund ausleihen wollten. Einen Tag später: Medizincheck. Zwei Tage später: Wolfs Debüt für den FC, in der Halbzeit war der 25 Jahre alte Neuzugang für Abwehrchef Rafael Czichos in die Partie gekommen.

Schnelligkeit: Das ist auch die größte Qualität, die der offensive Außenbahnspieler auf dem Platz in die Waagschale werfen kann. Wolf gilt als schneller Außenbahnspieler, der vornehmlich auf der rechten defensiven und offensiven Außenbahn eingesetzt wird. „Marius passt genau in unser Profil“, betonte Heldt bei der Verkündung des Transfers: „Er ist ein schneller Offensivspieler, der flexibel einsetzbar und torgefährlich ist. Das hat er in der Bundesliga bereits oft unter Beweis gestellt“, so der der FC-Sportgeschäftsführer über den sechsten externen Neuzugang der „Geißböcke“, die sich zuvor mit den ebenfalls ausgeliehenen Ron-Robert Zieler (Hannover 96) und Tolu Arokodare (Valmiera FC) sowie den fest verpflichteten Sebastian Andersson (Union Berlin), Ondrej Duda (Hertha BSC) und Dimitris Limnios (PAOK Saloniki) verstärkt hatten.

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Durchbruch zum Profi bei 1860 München

Für Wolf ist der FC eine weitere Station in seiner bereits bunten Sammlung – nach 1860 München, Hannover 96, Eintracht Frankfurt, Borussia Dortmund und Hertha BSC schon der sechste Proficlub für den erst 25-Jährigen. „Es ist das Fußballgeschäft. Manche bleiben länger an einem Ort, andere nicht. Ich finde mich immer schnell zurecht. Es hat bisher immer gut geklappt. Und ich denke, es wird hier genauso gut klappen“, sieht der gebürtige Coburger die Vorteile in seinem bisherigen Dasein als Wandervogel. Schon im Jugendbereich kommt der talentierte Kicker ordentlich herum: Das Fußballspielen entdeckt Wolf schon mit drei Jahren für sich, 1998 startet er beim VfB Einberg in seiner Heimat, wo er bis 2004 spielt. Es folgten zwei Jahre bei JFG Rödenthal, nebenbei ist der Nachwuchskicker ein Jahr bei der Deutsch-Tschechischen Fußballschule am Start.

DUESSELDORF, GERMANY - APRIL 25: Marius Wolf of 1860 Muenchen runs with the ball during the Second Bundesliga match between Fortuna Duesseldorf and 1860 Muenchen at Esprit-Arena on April 25, 2015 in Duesseldorf, Germany. The match between Duesseldorf and 1860 Muenchen ended 1-1. (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

2008 schafft er den Sprung zum 1.FC Nürnberg, wo er bis zu seinem Wechsel zum TSV 1860 München im Jahr 2012 bleibt und zum ersten Mal andeutet, dass es bei ihm zum Profi reichen könnte. Wolf setzt alles auf die Karte Fußball, bricht seine Ausbildung zum Bankkaufmann ab, um sich auf seine Sportlerkarriere zu konzentrieren. „Ich habe in München A-Jugend gespielt und nebenbei eine Ausbildung gemacht. Die habe ich dann abgebrochen, weil ich gesagt habe: Ich bin so nah dran, ich will mich jetzt zwei Jahre einhundert Prozent auf Fußball fokussieren. Selbst wenn ich den Sprung damals nicht geschafft hätte, dann wäre ich 19 Jahre jung gewesen und hätte die Ausbildung immer noch beenden können“, erzählte Wolf während seines Berliner Intermezzos dem „Tagesspiegel“.

Wolf: „Frankfurt war meine letzte Chance“

Und tatsächlich: 2014 debütierte er nach Einsätzen in der zweiten Mannschaft bei den Profis der Münchener Löwen und schoss in 39 Spielen fünf Tore. Der nächste Karriereschritt folgte dann Januar 2016: Bundesligist Hannover 96 zeigt Interesse an einer Verpflichtung des talentierten Youngsters und sichert sich die Dienste Wolfs. Doch die Karriere des Flügelspielers stockt, bei den Niedersachsen findet er sich in der zweiten Mannschaft wieder. „Das war keine einfache Zeit, aber auch die Zeit, in der ich mit am meisten gelernt habe. Im Leben eines Fußballers geht es nicht nur nach oben, sondern auch hin und wieder mal runter. Aber es kann dann auch ganz schnell wieder nach oben gehen, man darf einfach nicht aufgeben. Das ist einfach so im Fußball“, bekennt der Rechtsfuß, der sich bei 96 allerdings nicht durchbeißen kann, sondern im Winter 2017 etwas überraschend zu Ligakonkurrent Eintracht Frankfurt wechselt.

„Wenn Marius Wolf kein Nationalspieler wird, höre ich auf!“

Ein Wendepunkt in Wolfs Karriere, denn nach Anlaufschwierigkeiten reift er zum Stammspieler eines erfolgreichen Teams. „Frankfurt war meine letzte Chance“, bekundet er später einmal. Und die ergreift er mit beiden Händen: Mit Mannschaftskollegen wie Ante Rebic oder Kevin-Prince Boateng, der zu einer Art Mentor für den jungen Leihspieler der SGE wird, steht Wolf gleich zweimal in Folge im Endspiel des DFB-Pokals. 2017 verliert er noch gegen seinen Herzensverein Borussia Dortmund, ein Jahr später steht Wolf auf dem Gipfel: Das 3:1 gegen Bayern München beschert der Eintracht den ersten großen Titel seit 30 Jahren – und der Außenbahnspieler ist als Leistungsträger mittendrin. Als Schienenspieler auf der rechten Seite oder als Achter im zentralen Mittelfeld: Wolf überzeugt die Verantwortlichen der Eintracht. Und nicht nur die: „Ich habe Marius einfach nur gesagt, dass er Vollgas geben muss. Und das macht er. Da gibt es gar keinen Halt“, schwärmt Führungsfigur Boateng von der Mentalität seines Mannschaftskollegen und prophezeit ihm eine große Karrier: „Wenn Marius Wolf kein Nationalspieler wird, höre ich auf!“

Karriereknick bei Borussia Dortmund

Frankfurt zieht die Kaufoption auf den umworbenen Jungstar, lächerliche 500.000 Euro muss die SGE nach Hannover für die Dienste des Rechtsfußes überweisen. Doch bei der Eintracht bleibt Wolf im Sommer 2018 nicht: Borussia Dortmund, ausgerechnet sein Lieblingsclub, zeigt erhebliches Interesse an einer Verpflichtung, eist den flexibel einsetzbaren Außenbahnspieler für kolportierte fünf Millionen Euro von den Hessen los. Eine große Perspektive attestiert ihm BVB-Sportchef Michael Zorc, die Kombination aus seinen sportlichen Fähigkeiten und seiner hervorragenden Mentalität mache ihn zu einem perfekten Spieler für die Schwarzgelben. Die Vorschusslorbeeren kann Wolf jedoch nicht in Leistung umsetzen, beim BVB bekommt der Franke in der Saison 2018/19 auch aus Verletzungsgründen kaum Einsatzzeiten.

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Deshalb zieht es den Rechtsfuß ein Jahr später schon weiter: Auf der Suche nach Spielpraxis schließt sich Wolf auf Leihbasis Hertha BSC an, die Berliner haben sogar eine Kaufoption auf den damals 24-Jährigen. Zeichen, dass es in Dortmund für ihn trotz langfristigem Vertrag keine Zukunft geben könnte. Wolf spielt also in der Hauptstadt einmal mehr um seine Karriere, kann trotz einiger Verletzungsprobleme überzeugen. Für eine Weiterverpflichtung reicht es jedoch nicht, die Forderungen der Dortmunder sind für die „Alte Dame“ zu hoch. Doch auch beim BVB möchte Wolf nicht bleiben, der Außenbahnspieler braucht Einsätze. Und lässt sich kurz vor Transferschluss für die ausstehende Saison zum 1. FC Köln ausleihen, der auf den Außenbahnen nach einer Verstärkung gefahndet hatte.

Rechts offensiv: Die Heimat des Marius Wolf

„Für mich war klar, dass ich spielen will. Das war momentan in Dortmund nicht gegeben, deswegen habe ich mich für den Wechsel zum FC entschieden“, erklärt Wolf die Beweggründe für seinen Wechsel ans Geißbockheim und bestätigt „gute Gespräche“ mit den Verantwortlichen. Markus Gisdol sei ein wichtiger Grund gewesen, weshalb er sich für den FC entschieden hat. „ Er hat mir das Gefühl gegeben, dass ich hier gebraucht werde. Hier kann ich der Mannschaft am meisten helfen, für mich persönlich Spielzeit sammeln und mich weiterentwickeln. Das waren die ausschlaggebenden Punkte“, so die 25 Jahre alte BVB-Leihgabe. Gelegenheit zu Einsätzen wird Wolf bei den „Geißböcken“ genügend erhalten: Durch die langfristige Verletzung von Florian Kainz gibt es Bedarf auf der rechten Seite, die zu Saisonbeginn Elvis Rexhbecaj noch ausfüllen musste, was ihm als zentralen Mittelfeldspieler nicht sonderlich lag.

03.10.2020, Fussball, Saison 2020/2021, Bundesliga, 3. Spieltag - 1. FC Köln - Borussia Mönchengladbach Marius Wolf 1.FC Köln DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS AS IMAGE SEQUENCES AND/OR QUASI-VIDEO. Köln RheinEnergieSTADION NRW Deutschland xRHR-FOTO/DEx *** 03 10 2020, Football, Season 2020 2021, Bundesliga, 3 Matchday 1 FC Köln Borussia Mönchengladbach Marius Wolf 1 FC Köln DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS AS IMAGE SEQUENCES AND OR QUASI VIDEO Köln RheinEnergieSTADION NRW Germany xRHR FOTO DEx

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Zudem kann Wolf eine Verstärkung für die rechte Verteidigerposition sein, die er in Dortmund eine Zeit lang gut ausfüllte. Eine Position, auf der der FC fast schon traditionell Probleme hat. So musste Wolf bei der Derby-Niederlage gegen Mönchengladbach nacheinander rechts vorne und nach der Auswechslung von Kingsley Ehizibue auch rechts hinten spielen. Flexibilität als Vorteil: Genau das hatten die „Geißböcke“ auf dem Transfermarkt gesucht. „Rechts offensiv komme ich am besten zurecht. Ich kann auch Rechtsverteidiger spielen und habe auch schon auf der Acht gespielt“, gibt sich der Neuzugang entspannt, was seine zukünftige Rolle in der FC-Mannschaft angeht, und schiebt den Standardsatz eines jeden Profis hinterher: „Letztlich spiele ich da, wo der Trainer mich aufstellt und wo ich der Mannschaft helfen kann.“

Ein Typ – mit dem Hashtag #UNLEASHTHEWOLF

Auf dem Platz gilt Wolf als Mentalitätsmonster, als jemand, der stets alles in die Waagschale wirft und Vollgas gibt. „Ich bin ein hungriger Spieler, der sich immer voll in den Dienst der Mannschaft stellt und in jeder Situation 100 Prozent gibt“, beschrieb sich der 25-Jährige einst nach seiner Verpflichtung bei Hertha BSC selbst. Seine Devise: „Man darf den Glauben und das Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit nie aufgeben“ – ein Motto, das auch zur schwierigen Situation des 1. FC Köln passen dürfte. Auf seinem eigenen Instagram-Kanal gab sich Wolf, der bei den „Geißböcken“ die Rückennummer 31 erhielt, kämpferisch: „Lasst uns in diesem Jahr kämpfen, laufen und schönen Fußball spielen“, schreibt er. Tugenden, die dem FC auf jeden Fall gut zu Gesicht stehen würden.

„Ich bin ein hungriger Spieler, der sich immer voll in den Dienst der Mannschaft stellt und in jeder Situation 100 Prozent gibt.“

Auf dem Rasen jemand, der vorangeht. Neben dem Platz jemand, der sicherlich nicht unauffällig durch die Gegend geht. Wolf gilt als extrovertierter Charakter, trägt meist silberfunkelnde Ohrringe und ist Fan von Sportwagen. Während seiner Dortmunder Zeit hatte er Probleme mit der Justiz, wurde wegen Fahrens ohne Führerschein zu einer Geldstrafe in Höhe von 200.000 Euro verurteilt. Seine Haut verzieren Tattoos, unter anderem eine große Feder auf dem rechten Arm mit den Geburtsdaten seiner Eltern und der Schwester. Oder auf dem Schienbein eine große Abbildung des DFB-Pokals, den er 2018 mit Eintracht Frankfurt gewann. Zudem bringt er seine französische Bulldoge „Amou“ (französisch für Wolf) mit nach Köln, gilt darüber hinaus allgemein als sehr modeinteressiert. Was viele nicht wissen: In seiner Zeit als Hertha-Profi musste Wolf, der auf Instagram den Hashtag „Unleash the wolf“ (deutsch: Entfesselt den Wolf) für sich nutzt, gleich zweifach in Privatquarantäne, da er Kontakt mit Corona-infizierten Personen hatte.

Eine neue Chance beim 1. FC Köln

Das erste Mal, dass der FC den Wolf in der Bundesliga losgelassen hat, liegt bereits hinter uns: Im Derby deutete der 25-Jährige an, welche Qualitäten er den „Geißböcken“ bringen kann. „Ich will meine Chance hier nutzen und dabei helfen, mit dem FC in der Bundesliga zu bleiben“, betonte der schnelle Flügelflitzer bei seiner Verpflichtung. Und wenn sich Marius Wolf genauso schnell in die Herzen der Kölner Fans kämpft, wie er letztlich ins Team gekommen ist, dann dürfte der Rechtsfuß zumindest einen Teil dazu beitragen, dass der 1. FC Köln den Klassenerhalt schafft. Ob er dann auch in der nächsten Saison noch im Rheinland zuhause ist? Das wird sich zeigen – eine Kaufoption haben die „Geißböcke“ dem Vernehmen nach nicht. Auch das ist Profifußball.

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