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Spielerportraits

„Ich hab aufs Herz gehört“

Am 3.9.2013 unterschrieb Patrick Helmes beim FC. „Back to the roots“. Wir skizzieren seinen Werdegang und sind ein wenig begeistert. Ein Spielerportrait.

11Freunde August 2012 © effzeh.com
11FREUNDE  August 2012 © effzeh.com

11FREUNDE August 2012
© effzeh.com

Im 11FREUNDE Magazin sagte Christoph Daum über den  Stürmer Patrick Helmes: „Er kann aus keiner Chance ein Tor machen und behält auch in Drucksituationen seine Stärken bei.“ Eben der Coach, der mit Helmes als Kapitän dem FC den letzten Aufstieg 2008 bescherte. „Schlechte Phasen hakt er so schnell ab wie vergebene Torchancen. Deshalb wird er auch nach seinem zweiten Kreuzbandriss zurückkommen.“ -prophezeite das Magazin für Fußballkultur im Jahre 2012.

Wir schreiben das Jahr 2013 und Patrick Helmes ist dorthin zurückgekehrt wo er sich heimisch fühlt – in die Nähe, wo Freunde und Familie sind und wo er als Jugendlicher sich durchsetzte die Bundesliga aufzumischen. Ein Mittelfußbruch und zwei Kreuzbandrisse später ist der mittlerweile 29jährige wieder in seiner Heimat gelandet. Eine Rückkehr, die kein Mensch für möglich hielt und  die laut Helmes selbst diesmal nicht auf Raten sei. „Ich will meine Karriere hier beenden“ verkündete er jüngst dem Kölner Express.  Es scheint durchaus ernst zu sein mit ihm und seinem FC.

„Auch mal mit den Jungs was unternehmen.“

Seine ersten Fußballschuhe schnürte der kleine Patrick im Siegerland bei TuS Alchen und der SpVgg Bürbach.
Ab 1992 spielte er für die Sportfreunde Siegen, bis er dann 1997 in die Jugendabteilung seines Lieblingsvereins 1.FC Köln wechselte. Sein Herzensklub schickte ihn in der B-Jugend aber wieder nach Siegen, wo er sich neu beweisen musste und zunächst für die zweite U17 der Sportfreunde auflief. „Da hatte ich dann den Spaß am Fußball verloren“ sagt er heute. Patrick wollte seine fußballerische Laufbahn an den Nagel hängen . „Meine Kumpels zockten auf der Wiese, ich war immer im Fahrdienst unterwegs zum Training. Ich hab gesagt: ‚Mir reicht’s, ich will auch mal mit den Jungs was unternehmen.‘ Ich hatte schon zu viel verpasst.“* Während seine Mutter das durchaus akzeptierte, traute Pat es nicht seinen Vater ins Gesicht zu sagen, sondern legte ihm einen Zettel mit der Info auf den Küchentisch. Uwe Helmes, in den Achtzigern  selbst aktiver Profi beim MSV Duisburg und der Fortuna aus Köln, verbrachte unendlich viele Nachmittage damit, seit Patricks 13. Lebensjahr, seinem Sprösslings das 1×1 des Fußballs beizubringen. Dem entsprechend viel Respekt hatte Patrick vor seinem Vater. Uwe Helmes wartete auf seinen Jungen, nachdem er seine Entscheidung gelesen hatte und sprach mit ihm. Er skizziert die damalige Situation so: „Ich habe ihm gesagt: ‚Wenn du das machst, dann kannst du dir eine Wohnung suchen.‘ Ich hätte ihn natürlich nicht rausgeworfen, aber man musste ihn ja ein bisschen triezen.“* Das war die Schlüsselszene zum späteren Aufstieg des Ausnahmestürmers. Der Filius spielte also weiter – in der zweiten B-Jugend – in jedem kleinsten Dorf auf jedem Aschenplatz des Siegerlandes.
Laut Selbstaussagen in diversen Interviews brachte Helmes die damalige Dorfjugend mit seinem Killerinstinkt vor dem Tor zur Weißglut. Da hieß es nach den Spielen oft ‚schnell weg‘, bevor die dritte Halbzeit begann.
Der Erfolg stellte sich ein: Erst in der B-, dann in der A-Jugend.
2005 war das größte Jahr der Sportfreunde Siegen. Mit satten 21 Toren schoss Helmes fast im Alleingang die Mannschaft in die zweite Bundesliga. Das war auch nicht unserem effzeh verborgen geblieben, der ihn für 200.000 Euro dann schließlich zurückholte. Zurück zu seinem FC.

Der Aufstieg

Am Geißbockheim gelang Helmes ad hoc der Sprung zu den Profis, wo er zunächst für die rechte Außenbahn vorgesehen war. Am siebten Spieltag der Saison 2005/06 schoss er bei seinem zweiten Bundesligaeinsatz für den effzeh,  bei dessen 2:1-Niederlage in Leverkusen,  seinen ersten Bundesligatreffer. Dennoch verlief die Saison nicht sonderlich gut und man fand ihn sogar sieben mal bei den Amateuren wieder, wo er Spielpraxis erlangen sollte und viermal einnetzte.

Der damalige FC Coach Hanspeter Latour setzte im Sturm neben Podolski eher auf Matthias Scherz und Imre Szabics, so dass Pat erst am Ende der Saison in drei Partien von Beginn an auflaufen durfte. Zu spät! Der FC stieg wieder einmal ab und verlor auch Lukas Podolski an den FC Bayern München.
Die Chance für Helmes sich in der zweiten Liga im Kader festzuspielen?
Die Saison 2006/2007 lief gut an. In den ersten fünf Partien schoss Helmes allein sieben Tore, doch am 25.09.2006 kam es dann zum ersten Schicksalsschlag seiner Karriere. Beim  1:0 Heimsieg gegen Rot-Weiss Essen zog sich Helmes einen Mittelfußbruch zu, der ihn nicht davon abhielt das Siegtor für den FC zu erzielen. Satte vier Monate laborierte Helmes an diesem Bruch.
Trotz der schwerwiegenden Verletzung kam er in der Saison insgesamt noch zu 19 Einsätzen, legte viermal für ein Tor auf und netzte selber satte 14 mal ein. Traumquote und doch kein Aufstieg. Die Aufholjagd zur Rückrunde mit dem neuen Coach Christoph Daum kam zu spät.

Das sollte sich dann in der Saison 2007/2008 ändern. Mit Christoph Daum und einem Sammelsurium an guten Einzelspielern aus aller Herrenländern gelang der Aufstieg in die Bundesliga.
Helmes sagte kürzlich beim FC-Mitgliederstammtisch dazu: „Wir hatten damals viele gute Einzelspieler, aus denen es schwierig war ein Team zu formen. Wir sind letztendlich aufgestiegen, weil wir individuell zu stark waren.“
Daum ernannte ihn damals zum Kapitän, weil er „das Sieger-Gen hatte“ und mit der Binde absolvierte er glatte 33 Spiele und trug einen großen Teil  mit 17 Toren zum Erfolg bei, obwohl er zur Rückrunde verkündete, den FC  im Sommer verlassen zu wollen in Richtung Autobahndreieck. Bei vielen FC Fans war er fortan eine Persona non grata.“Für ihn war das eine schlimme Zeit“*, sagte Vater Uwe im Interview 2012. Als er den Sohn besuchte, sah er, dass an dessen Auto die Reifen aufgeschlitzt waren. Nicht schön! Helmes redet heute von einem „Missverständnis“ und es täte ihm Leid wie es damals abgelaufen sei. Er geht sogar soweit, dass er die Fans verstehen würde, da sie ja die ganzen Hintergründe nicht gekannt hätten. Bis heute wird nichts über den genauen Ablauf und die eventuellen Fehler gesprochen. „Das ist Schnee von gestern.“-betonte der Stürmer in seiner Vorstellungs-PK. „ Ich bin ja auch älter und erwachsener geworden und habe damals bestimmt auch Fehler gemacht.“
Helmes wurde im Aufstiegsjahr 2008 als Kölner Zweitligaspieler in den Kreis der Nationalmannschaft berufen, wo er bis 2010 dreizehn mal auflief und zwei Tore für das deutsche Team erzielte.

Zeit bei den Werksmannschaften

In Leverkusen schlug Helmes sofort ein. In den ersten sechs Ligaspielen 2008 / 2009 traf er immer und verdrängte so Theofanis Gekas aus der Werkself. In seiner Debutsaison schoss Helmes 21 Tore für Leverkusen. Alles schien perfekt zu laufen, doch in der Sommerpause erlitt der Kölner beim Freizeitkick mit Freunden einen Kreuzbandriss und fiel fast die komplette Saison aus. Fortan kam Helmes des öfteren nur noch von der Bank, da Bayer mit einem starken Eren Derdiyok gut aufgestellt war.

In der  Saison 2010/2011 konnte Helmes seinen Stammplatz nicht zurückerobern und obwohl er in der Hinrunde fünf Treffer erzielte, wurde er bei seinen elf Einsätzen meist ein- oder ausgewechselt, so dass er sich entschied Bayer in Richtung Wolfsburg zu verlassen. Auch nicht schöner!

Am 23. Spieltag der Saison 2010/11 schoss Helmes in seinem dritten Spiel für die Wölfe sein erstes Tor. Trotzdem konnte er sich für den Rest der Saison auch bei den im Abstiegskampf steckenden Wolfsburgern nicht etablieren, die den Klassenerhalt dann auch ohne seine Mithilfe sicherstellten. Unter dem damaligen Wölfe-Trainer Felix Magath wurde es nicht besser – eher schlimmer! Am 17. November 2011 wurde Helmes vom Übungsleiter in die zweite Mannschaft (U-23) degradiert. „Es ist ihm nicht gelungen seine Spielweise umzustellen. Und deswegen sehe ich auch nicht die Chance, dass ihm das jetzt in der Drucksituation gelingen wird.“ – so Magath zu seiner Entscheidung.
Bereits zuvor hatte er ihn wegen schlechter Laufleistung zu einer Geldstrafe von 10.000 Euro verdonnert. „Helmes hat nie gelernt, defensiv mitzuhelfen“, sagte Magath damals im 11FREUNDE-Interview.
Nach einem in der Winterpause geplatzten Wechsel zu Eintracht Frankfurt durfte er wieder mit der ersten Mannschaft trainieren, bevor er am 25. Februar 2012 zum ersten Mal nach fünf Monaten wieder in der Startelf der Wolfsburger stand.

In den letzten zehn Saisonspielen der Saison 2011/2012 traf er noch  zehnmal für Wolfsburg.
Aus allen Lagen versenkte er die Kugel – per Kopf, mit links, mit rechts – zehn Tore in zehn Spielen. Felix Magath sagte danach, er hätte nicht die Absicht Helmes abzugeben, zumal er noch einen laufenden Vertrag bis 2014 hätte.

In der Vorbereitung auf die Saison 2012/13 erlitt Helmes im Testspiel gegen den englischen Meister Manchester City seinen zweiten Kreuzbandriss und fiel für die gesamte Bundesliga-Hinrunde aus. Nach sechs Monaten Pause gab er am 15. Februar 2013 im Spiel gegen den FC Bayern München (0:2) dann sein Comeback im Trikot des VfL Wolfsburg. Doch unter dem jetzigen Trainer der Wölfe Dieter Hecking hatte Helmes zuletzt nicht mehr diesen Vertrauensvorschuss, so dass sich Helmes für einen weiteren Wechsel entschloss.

„Ich hab aufs Herz gehört“

© effzeh.com

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Am 3. September 2013 unterschrieb Paddy, wie ihn seine Freunde nennen, einen Dreijahresvertrag bei den Geißböcken. Jörg Schmadtke und Klaus Allofs wickelten die Modalitäten innerhalb eines Wochenendes ab. Der Vertrag in Wolfsburg wurde aufgelöst und nun spielt der Stürmer für geringere Bezüge wieder in Köln.
”Ich will wieder neu anfangen, und das hier in meiner Heimat”, erklärte Helmes seine Motivation zurück an den Rhein zu wechseln. „Ich hab einfach auf mein Herz gehört.“, gab er den Pressevertretern bei Amtsantritt zu Protokoll. Sätze wie Sahnebaiser in den Ohren aller FC-Anhänger.

Schon nach ein paar erfolgreichen Wochen in Rot-Weiss ist es so, als wäre der Spieler mit der Nummer 16 nie weg gewesen – und er hat auch eine klare Zielvorgabe: Er will mit dem effzeh aufsteigen. So machte er beim Mitgliederstammtisch schon die ersten Unterschiede zur Vergangenheit aus: „Das Klima ist heute ein ganz anderes als beim letzten Aufstieg. Wir haben viele junge Spieler, die hungrig sind – dementsprechend stimmt es auch charakterlich. Wir versuchen die Spiele heute vielmehr als Team zu bestreiten! Wir haben in der Kabine und auf dem Platz eine gute Stimmung und der Erfolg trägt dazu bei. Natürlich hilft uns auch die Ruhe drumherum.“

Patrick Helmes brauchte 110 Sekunden in Cottbus, um sein erstes Tor für seinen effzeh, seit  dem Doppelpack beim Auswärtssieg in Augsburg am 07.05.2008, zu schießen.
Bis heute folgte noch der Treffer beim Karlsruher SC. In vier Pflichtspielen zwei Tore = 50%. Das ist quasi die Helmes Quote, ganz ohne Übertreibung.
11FREUNDE sollte recht behalten. Patrick Helmes hat auch seinen zweiten Kreuzbandriss überwunden.

Toreschießen wie Zähneputzen

Dem Berliner Tagesspiegel sagte Patrick Helmes einst: Toreschießen, das sei für ihn wie Zähneputzen.
Bis heute traf Patrick Helmes  insgesamt in 154 Spielen in erster und zweiter Liga schon 78 Mal ins Netz. Sein Schuss, dieses „Bang, Boom, Bang“ ist Weltklasse. Die Genauigkeit und Härte seiner abgefeuerten Bälle sucht ihresgleichen. Helmes vertraut seiner Fähigkeit den Ball genau dort zu treffen, wo es für jeden Torwart der Welt schwierig wird ihn zu parieren. „Er nimmt auch die Bälle, vor denen andere zurückschrecken. Die, die entweder in den Winkel oder auf die Tribüne gehen.“*

Helmes ist ein Spaßfußballer, ohne eine gewisse Lockerheit funktioniert es nicht, „das wäre so, als würde ein Musiker sein Gehör verlieren“*. Doch der Grat ist schmal vom Clown zum Helden. „Früher hat er im Trainingsspiel schon mal rumgealbert. Da sind seine Trainer ausgerastet“, erzählte sein Vater Uwe.

Dieses Phänomen des gebürtigen Kölners, seinen Spaß, seine Schussstärke und Treffsicherheit, können die Fans des 1.FC Köln seit dem 3. September 2013 nun fast täglich wieder am Geißbockheim bewundern.

Wir freuen uns einen der besten deutschen Stürmer noch lange im FC Trikot zu sehen.

Steckbrief:

Patrick Helmes

Geburtstag: 1. März 1984

Geburtsort: Köln

Größe: 182 cm

Nationalität: Deutsch

Position: Sturm

Bisherige Vereine: Sportfreunde Siegen (2003-2005), 1. FC Köln (2005-2008), Bayer Leverkusen (2008-2011), VfL Wolfsburg (2011 – 2013)

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*Zitate entnommen aus dem 11FREUNDE  Magazin August 2012

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