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FC-Neuzugang Max Meyer: Dem frühen Höhenflug folgt die Stagnation

Horst Heldt hat nach Emmanuel Dennis Bonaventure mit Max Meyer noch einen zweiten Spieler in der Wintertransferperiode ans Geißbockheim gelotst, der helfen soll, das Saisonziel Klassenerhalt zu erreichen. Nach dem lauten Abschied aus Schalke wurde es bei Crystal Palace zuletzt ruhiger um ihn, beim 1. FC Köln will der mittlerweile 25-jährige aber wieder einen Fuß in die Bundesliga bekommen.

Foto: Alex Broadway/Getty Images

Der 1. FC Köln hat im Wintertransferfenster der Saison 2020/2021 den nächsten Spieler unter Vertrag genommen: Max Meyer, der bis vor kurzem noch ein Spieler des Premier-League-Teams von Crystal Palace gewesen war, schließt sich den „Geißböcken“ bis Saisonende an. Nach Emmanuel Dennis kommt nun also der zweite Neuzugang aus dem Ausland, um den 1. FC Köln in den nächsten Monaten beim Unterfangen Klassenerhalt zu unterstützen. Dass sich Meyer dem FC anschließen konnte, lag offensichtlich an zwei Gründen: Einerseits bestand wohl ein kurzer Draht zu Horst Heldt, der in Meyers Zeit beim FC Schalke 04 als Manager aktiv war. Andererseits kam Meyer in den letzten sechs Monaten bei Crystal Palace nur zu zwei Einsätzen und spielte in den Planungen von Trainer Roy Hodgson keine Rolle mehr.

„Für mich war die Perspektive entscheidend, spielen zu können. Ich will die Chance beim FC nutzen, um mich auf Top-Niveau zu präsentieren und dabei mithelfen, dass der Club die Klasse hält“, erklärte Meyer bei der Vorstellung auf der FC-Homepage. Horst Heldt ergänzte: „Der Wechsel zum FC wurde nur möglich, weil Max uns in finanzieller Hinsicht extrem entgegengekommen ist.“ Das verwundert nicht, schließlich ist die finanzielle Lage beim 1. FC Köln durch die Corona-Pandemie dem Vernehmen nach verheerend. Für Meyer, der 2018 auf die Insel wechselte und nun nach zweieinhalb Jahren nach Deutschland zurückkehrt, bietet sich laut Heldt die Chance, „seine Qualitäten wieder in der Bundesliga unter Beweis“ zu stellen.

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Bei Schalke war er die Zukunft – und ging im Streit

Nach einem guten ersten Jahr bei Crystal Palace in der Saison 2018/2019, in dem der 1,73m große Mittelfeldspieler auf 29 Spiele in der Premier League (ein Tor, drei Assists) kam, sank seine Spielzeit beim Londoner Stadtteilklub danach schnell. Im Folgejahr spielte er nur noch 17 Mal und kam dabei überwiegend als Einwechselspieler zum Zug. Die richtige Wettkampfhärte fehlt ihm seit etwa einem Jahr, weil er bei Palace vor der Corona-Unterbrechung in England (ab März) zuletzt Anfang Februar richtig im Saft stand und regelmäßig im Kader war bzw. spielte. Nach dem Re-Start der Premier-League im Juni spielte er noch einmal 75 Minuten bei einer 0:4-Niederlage gegen den FC Liverpool, danach kam er nur noch zu Kurzeinsätzen. Die aktuelle Saison war er überwiegend nicht im Kader bei den Eagles, bis auf 90 Minuten im EFL-Cup gegen den AFC Bournemouth war Meyer weitestgehend im Wartestand.

LONDON, ENGLAND - AUGUST 03: Max Meyer of Crystal Palace during the Pre-Season Friendly match between Crystal Palace and Hertha BSC Berlin at Selhurst Park on August 3, 2019 in London, England. (Photo by Marc Atkins/Getty Images)

Foto: Marc Atkins/Getty Images

Vor seinem Wechsel auf die Insel gehörte der heute 25-Jährige zum Stammpersonal beim FC Schalke 04, dort sammelte er in etwas mehr als fünf Jahren 146 Einsätze, bei denen ihm 17 Tore und 16 Vorlagen gelangen. Sein Debüt gab der hochveranlagte Rechtsfuß im Februar 2013, als ihn der damalige Schalker Trainer Jens Keller erstmals einwechselte. In den Folgejahren entwickelte sich Meyer zu einer Konstanten bei den „Knappen“, auch in der Champions League konnte er trotz seines jungen Alters damals bereits Erfahrungen sammeln. Eingesetzt wurde er dabei überwiegend im offensiven Mittelfeld, die Lieblingsposition in der Anfangszeit der Karriere von Max Meyer war die Zehn. Bei den Schalkern trug er allerdings die Rückennummer 7, die zuvor niemand geringeres als Fußballlegende Raúl getragen hatte. Bei dessen Abschiedsspiel wurde Meyer für den scheidenden Weltstar eingewechselt – eine Szene mit Symbolcharakter, schließlich gaben sich hier Schalker Vergangenheit und Schalker Zukunft die Klinke in die Hand.

Meyers Berater Roger Wittmann pokerte zu hoch

Und ja, Max Meyer war durchaus die Zukunft auf Schalke: Gerade in der Saison 2017/2018, in der die Schalker am Ende Vizemeister unter Trainer Domenico Tedesco wurden, entwickelte sich Meyer zu einem der besten Sechser in der Bundesliga. Nachdem er zuvor eher im offensiven Bereich zum Einsatz gekommen war, schulte ihn Tedesco zu einem defensiven Mittelfeldspieler um. Der in Oberhausen geborene Blondschopf erledigte diese Aufgabe überwiegend gut, weil er neben seiner spielerischen Klasse auch die notwendige Körperlichkeit entwickelte, um auf dieser Position dauerhaft spielen zu können. Durch seine Ballsicherheit und Laufstärke wurde er einer der Schlüsselspieler in der Schalker Mannschaft, die allerdings damals offenbar auf dem absoluten Leistungshöhepunkt war. Tedesco und Meyers Kumpel Leon Goretzka verließen den Verein – und auch für Meyer sollte das Kapitel bei den Gelsenkirchenern enden, zu denen er im Alter von 13 Jahren gewechselt war.

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Grund dafür war eine in ihrer Verve wohl einmalige Auseinandersetzung über eine mögliche Vertragsverlängerung. Im April jedoch teilte der damalige Schalker Sportvorstand Christian Heidel mit, dass Meyer seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängern und den Verein verlassen würde. Das konnte und wollte Meyer in dieser Form nicht auf sich sitzen lassen: Er konterte, dass er mit Heidel nicht mehr länger zusammenarbeiten wolle. „Mir ging es nie ums Geld, sonst hätte ich ja das zweite verbesserte Angebot angenommen“, lautete die Version des Neu-Kölners damals. Meyer sprach auch von einer „Sauerei von Clemens Tönnies“. Der viermalige deutsche Nationalspieler sprach gar von Mobbing. Daraufhin entgegnete Heidel: „Ich finde es sehr mutig, sich als Mobbing-Opfer zu bezeichnen, wenn man weiß, wie es Mobbing-Opfern wirklich geht. Das ist an den Haaren herbeigezogen.“

Die Geschichte bekam noch eine besondere Note, weil Meyers Berater Roger Wittmann von der Agentur Rogon später Details aus den Gesprächen mit Christian Heidel verriet. Demnach soll Wittmann gesagt haben, dass Meyer ein „Weltklasse-Spieler“ sei, „der in jeder europäischen Spitzenmannschaft Stammspieler“ sein würde und „aller Voraussicht nach zur Weltmeisterschaft nach Russland“ fahre. Nur wenn Heidel bereit gewesen sei, für diesen Spieler ein Angebot zu schicken, könne man sich unterhalten. Heidel entgegnete, dass er Meyer zwar für einen „sehr, sehr guten Bundesliga-Spieler“ hielte, schon aber eine Ahnung habe, worauf dieses Gespräch hinauslaufe. Er deutete es zwar nur an, aber unausgesprochen blieb der Vorwurf im Raum stehen, Meyer und sein Berater hätten sich bei den Verhandlungen um mehr Geld verzockt.

Meyer verließ die Bundesliga daraufhin, fuhr auch nicht mit zur Weltmeisterschaft in Russland. Stattdessen schlug er bei Crystal Palace seine Zelte auf, wo seine Zeit jetzt aber auch nicht in die Vereinsgeschichte eingehen wird. Dabei ist das eigentlich schade, denn Max Meyer hat schon unter Beweis gestellt, ein sehr talentierter Fußballer zu sein. Aufgrund seines niedrigen Körperschwerpunktes kann Meyer Situationen in engen Räumen durch eine schnelle Körpertäuschung gut auflösen, weil er auch über die nötigen technischen Fertigkeiten mitbringt. Der spielstarke Rechtsfuß bringt auch die nötige Übersicht mit, um aus Pressingsituationen mit einem öffnenden Ball für einen Überraschungsmoment zu sorgen – gewiss eine Problemstelle im Kölner Kader derzeit. Daher gilt Meyer schon als gute Ergänzung für das Spiel im letzten Drittel, wo es beim 1. FC Köln in der jüngeren Vergangenheit durchaus haperte.

Wie will der FC Meyer einsetzen?

Dennoch bleiben bei seiner kurzfristigen Rückholaktion in die Bundesliga einige Fragen. Bereits zu seiner Schalker Zeit hatte Horst Heldt enge Verbindungen zu Roger Wittmann, derer er sich auch dieses Mal bedient zu haben scheint. Einen früheren Wegbegleiter nicht hängen zu lassen, das scheint ein Teilaspekt bei diesem Transfer gewesen zu sein – auch wenn Heldt natürlich weiß, dass der 1. FC Köln in den verbleibenden Spielen dringend punkten muss, um in der Bundesliga bleiben zu können. Dann ist die noch die Frage nach Meyers Wettkampfhärte, die in den letzten Monaten durchaus gelitten haben dürfte. Es ist aktuell offen, wie schnell der Neuzugang eine Option für die Startelf sein dürfte.

LIVERPOOL, ENGLAND - JUNE 24: Mohamed Salah of Liverpool battles for possession with Max Meyer of Crystal Palace during the Premier League match between Liverpool FC and Crystal Palace at Anfield on June 24, 2020 in Liverpool, England. (Photo by Paul Ellis/Pool via Getty Images)

Foto: Paul Ellis/Pool via Getty Images

Zudem ist fraglich, wie Meyer in dem auf lange Bälle ausgelegten Spielsystem seine Stärken einbringen soll. Beim FC werden aktuell nur wenige flache Pässe über die Linien gespielt, sodass es häufig darauf hinausläuft, um den zweiten Ball zu kämpfen, wofür eigentlich andere Spieler in Frage kämen. Hinzu kommt, dass der FC im zentralen Mittelfeld durchaus zahlreiche andere Akteure zur Verfügung hat: Ellyes Skhiri, Jonas Hector, Elvis Rexhbecaj und Salih Özcan gehören hier zu den von Markus Gisdol bevorzugten Kandidaten. Weiter vorne sind es Dominick Drexler und Ondrej Duda, die eigentlich die Spieler sind, die dem Attribut „Kreativspieler“ beim 1. FC Köln noch am nächsten kommen.

Wie Meyer in diesem Konstrukt seinen Platz finden soll, ist noch unklar: Vielleicht ja als zweiter Zehner mit Duda hinter dem anderen Neuzugang Emmanuel Dennis, wer weiß. Als einzige Sechser, wie damals unter Tedesco, dürfte Meyer beim FC nicht zum Einsatz kommen. Und da sei noch die Frage nach dem finanziellen Hintergrund der jüngsten Transferaktivitäten gestellt: Rund um das Geißbockheim ist immer wieder von einer desaströsen finanziellen Lage zu hören, die den Verein gerade im Falle eines Abstiegs vor erhebliche Probleme stellen könnte.

Dass nun zwei Transfers gelangen, ist wohl in erster Linie der Tatsache zu schulden, dass Markus Gisdol und Horst Heldt erkannt haben dürften, dass es in der aktuellen Konstellation schwer werden dürfte mit dem Klassenerhalt. Wie schon in der vergangenen Winterpause, als man sich mit Mark Uth, Toni Leistner und Elvis Rexhbecaj verstärkte, musste der FC hier nachbessern, um die Ziele nicht zu verfehlen. Gelingt das mit Meyer in den kommenden Wochen, ist Heldts Plan aufgegangen – und Meyer hat seinen Namen nach einigen schwierigen Jahren in der Bundesliga wieder einigermaßen reingewaschen.

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