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Spielerportraits

Neuzugang Elvis Rexhbecaj: Aus dem Kosovo über die Autostadt nach Köln

Der 1. FC Köln hat den zweiten Winterneuzugang unter Dach und Fach gebracht: Elvis Rexhbecaj kommt auf Leihbasis aus der Auto- in die Domstadt. Wir stellen euch den Mittelfeldspieler im Porträt vor.

Foto: Cathrin Mueller/Getty Images

Luftveränderung für Elvis Rexhbecaj: Der 22 Jahre alte Mittelfeldspieler wechselt nach fast zehn Jahren beim VfL Wolfsburg für die nächsten 18 Monate nach Köln. Diesen Transfer macht ein Leihkonstrukt möglich, bei dem der 1. FC Köln sich dem Vernehmen nach im Sommer 2021 mit einer Kaufoption die Dienste des Linksfußes dann auch für längere Dauer sichern kann. Nach Mark Uth ist Rexhbecaj der zweite Neuzugang in diesem Transferfenster und damit auch die zweite Verpflichtung der neuen sportlichen Leitung um Horst Heldt. Der frühere Wolfsburger gehört ab sofort dem Kölner Kader an, der sich in Spanien auf die Rückrunde vorbereitet.

Bei seinem Ausbildungsverein aus der Autostadt war er in dieser Saison nur bedingt relevant für die Startelf: Je einem Einsatz im DFB-Pokal und in der Europa League standen drei Spiele in der U23 der Wolfsburger gegenüber, die in der Regionalliga Nord antritt. In der Saison 2018/2019, als der VfL unter Bruno Labbadia Sechster wurde, gehörte Rexhbecaj fast immer zum Kader. Er stand in 13 Spielen in der Startelf und kam elf Mal von der Bank zum Einsatz. Die letzte Saison galt damals als sein Durchbruch im Profifußball, obwohl er bereits im Januar 2018 sein Debüt feierte. Im März 2018 stand er das erste Mal über 90 Minuten auf dem Feld. Doch erst unter Bruno Labbadia, der die „Wölfe“ erst in der Relegation vor dem Abstieg in die 2. Bundesliga rettete und dann in den Europapokal führte, entwickelte sich der Deutsche mit kosovarisch-albanischen Wurzeln zu einem wichtigen Kaderspieler.

Der Rückhalt der Familie nach den Kriegswirren in der Heimat

Zwischen 2010 und 2017 durchlief der 1997 geborene Mittelfeldspieler die fußballerische Ausbildung beim Fußballverein des großen Autokonzerns. Zuvor war er mit seiner Familie aus dem Kriegsgebiet im Kosovo nach Deutschland geflohen, wo sich die Rexhbecajs in Brandenburg niederließen. Dass aus dem ehemaligen Flüchtlingskind ein Profifußballer werden konnte, findet Fabian Wohlgemuth eine „wahre Aufsteigergeschichte“, wie er im Sommer dem Fußballmagazin 11Freunde erklärte.

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Wohlgemuth kennt Rexhbecaj noch aus der Jugend beim VfL Wolfsburg, danach war er bis Oktober 2019 Sportdirektor bei Holstein Kiel. Der Neu-Kölner habe im Kosovo „die Nächte im Luftschutzbunker verbringen müssen“, sein Vater sei „dankbar, zu jeder Tag- und Nachtzeit arbeiten zu dürfen“, beschrieb der Fußball-Funktionär den familiären Hintergrund des Mittelfeldspielers. Er ergänzt: „Diese Belastbarkeit seines Vaters hat Elvis adaptiert und konditioniert.“

„Ich würde nichts ohne die Familie machen.“

Die Verbundenheit zu seiner Familie wird dabei in allen Interviews deutlich. Dem Sportbuzzer erklärte Rexhbecaj über seine Kindheit in Brandenburg und die Zeit nach der Flucht: „Für uns Kinder war das Leben dort gut, für unsere Eltern hingegen nicht einfach. Mein Vater etwa war fast nie zu Hause, weil er viel arbeiten musste – und trotzdem war er am Wochenende bei den Spielen dabei.“ Noch heute verbringe er die meiste Zeit mit seiner Familie, sein Bruder und er teilten sich bis vor kurzem noch ein Zimmer. „Ich würde nichts ohne die Familie machen“, bekräftigte er im Interview. Rexhbecajs Vater arbeitete zwischenzeitlich als Platzwart beim VfL – fortan wird er die Spiele seines Sohnes aber in einer anderen Stadt verfolgen müssen.

Die Beharrlichkeit bringt Rexhbecaj den Erfolg

Ohne Probleme verlief die fußballerische Entwicklung Rexhbecajs aber nicht, wie Wohlgemuth erklärt. „Die Kader werden ja vor jeder Saison neu zusammengestellt und da wurde es einige Male ganz schön eng für ihn. Noch bei den A-Junioren gab es große Zweifel. Aber wir entschlossen uns, es zu probieren.“ Die wichtigste Eigenschaft des Nachwuchsfußballers war offenbar dessen Beharrlichkeit, auch bei Misserfolgen. „Elvis hinkte in der biologischen Entwicklung stets hinterher; und das in einer Zeit, als der Fußball gerade sehr viel athletischer wurde. Er hatte auch mal längere Phasen auf der Bank verbracht“, erinnerte sich der Kieler Sportdirektor im Gespräch mit 11Freunde. Die Reaktion auf diese Phasen allerdings habe allen imponiert – weil Rexhbecaj nie aufgesteckt habe. „Nach fünf Wochen auf der Bank ist Elvis im Training immer noch am meisten gelaufen.“

Auf der nächsten Seite: Rexhbecajs fußballerischer Stil und die Perspektive in Köln

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