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Kurz & Knapp

Doublehelden kritisieren 1. FC Köln: „Eines Traditionsvereins unwürdig“

Kein Respekt vor dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte? Die Doublehelden erheben harsche Vorwürfe gegen den 1. FC Köln – der Club widerspricht vehement.

Foto: effzeh.com

Vor 40 Jahren war der 1. FC Köln das Nonplusultra des deutschen Fußballs: Neben der Titelverteidigung im DFB-Pokal gelang den „Geißböcken“ in einem spektakulären Endspurt die dritte Meisterschaft der Vereinsgeschichte. Das Double ist auch heute noch der größte Erfolg in der glorreichen effzeh-Historie, doch entsprechend gewürdigt fühlen sich die Helden der damaligen Mannschaft derzeit von Vereinsseite nicht.

„Wir haben nichts vom Verein gehört. Der FC, einer der großen deutschen Traditionsclubs, hat das ganze Thema wohl leider vergessen“, schildert Dieter Prestin, der 246 Bundesliga-Spiele für die „Geißböcke“ absolvierte, beim „FC-Stammtisch Talk“. „Ich finde das traurig, ich finde das beschämend. Eine solche Leistung hat es beim 1. FC Köln sonst nicht gegeben, die Funktionäre sollten dem Respekt zollen. Es gehört sich einfach nicht, dass man den größten Erfolg des Verein stillschweigend zur Seite schiebt. Ich mache mir schon Sorgen, ob Vorstand und Management des 1. FC Köln wirklich wissen, was Tradition bedeutet“, klagt der 62-Jährige. Pikant: Toni Schumacher als Torhüter der erfolgreichen Doublehelden ist aktuell Vizepräsident des Vereins.

Verein weist Kritik vehement zurück

Prestins damaliger Mannschaftskollege Harald Konopka pflichtet ihm bei: „Das Verhalten der Offiziellen des 1. FC Köln ist für mich unsäglich, ich finde das einfach nicht in Ordnung. Der FC hat sich eine Charta gegeben, in der steht, dass man vernünftig miteinander umgeht. Wenn ich sehe, dass man diesen riesengroßen Erfolg überhaupt nicht würdigt, dann ist das eines Traditionsvereins nicht würdig“, erklärt die Kölner Abwehrlegende. Nicht einmal eine Glückwunschkarte hätte es zum 40-jährigen Jubiläums gegeben – ihn schmerze es, wenn er sehe, wie beispielsweise bei Bayer Leverkusen der Jahrestag des UEFA-Cup-Siegs gefeiert wurde. „Ein Double zu gewinnen ist etwas Besonderes, das wird für immer bleiben. Man muss bedenken: Das ist der größte Erfolg des 1. FC Köln in seiner 70-jährigen Vereinsgeschichte. Es gibt nur wenige Clubs, die das Double gewinnen konnten – dass der FC dazu gehört, kann man nicht hoch genug bewerten“, so Konopka.

Der Verein weist die Kritik seiner ehemaligen Spieler vehement zurück: „Der 1. FC Köln hat das Double 1977/78 in diesem Jahr mehrfach und zu verschiedensten Gelegenheiten gewürdigt, nicht zuletzt in der Sonderausstellung im Deutschen Sport- und Olympiamuseum. Zu deren Eröffnung waren alle 78er-Legenden eingeladen. Zudem wird es in diesem Jahr eine Gala zu 70 Jahren FC geben, bei der das Double eine gewichtige Rolle spielen wird. Insofern ist dieser Vorwurf für uns nicht nachvollziehbar“, heißt es in einer Stellungnahme des 1. FC Köln. „Wir würden uns wünschen, dass verdiente ehemalige Spieler wie Dieter Prestin oder Harald Konopka sich direkt und persönlich an den FC wenden, wenn sie Fragen oder Kritikpunkte haben.“

Sorgen um FC-Legende Herbert Neumann

Ganz besonders brannte den beiden Doublehelden allerdings ein trauriges Thema auf der Seele: „Wir reden von Tradition, reden davon, wie verdiente Spieler eingebunden werden könnten. Ganz besonders trifft mich die Situation eines Herbert Neumann, dem es extrem schlecht geht. Darüber verliert man kein Wort“, sagte Prestin. Neumann, der von 1972 bis 1980 sowie in der Saison 82/83 über 200 Pflichtspiele für den 1. FC Köln absolvierte, habe seit geraumer Zeit persönliche Probleme – sogar Gerüchte über eine etwaige Obdachlosigkeit des einstigen Mittelfeldspielers und Trainers machten die Runde. Mehrfach hätten die ehemaligen Spieler darüber mit dem Verein gesprochen, passiert sei nichts. „Das gehört sich nicht für einen solchen Verein. Es wäre relativ einfach, Herbert die Hand zu reichen und ihm zu helfen. Da sollte sich der FC ein Beispiel an Bayern München und Uli Hoeneß nehmen. Tradition verpflichtet. Wenn es einem Spieler persönlich, körperlich, seelisch sehr schlecht geht, erwarte ich, dass ein Club dort etwas tut. Dass das nicht geschehen ist, wie ich gehört habe, macht mich sehr traurig.“

Liebe FC-Stammtisch Freunde, liebe FC-Fans,Im gestrigen zweiten Teil des FC-Stammtisch Talk war eigentlich nur eine…

Gepostet von Ralf Friedrichs am Mittwoch, 5. September 2018

Ein Vorwurf, den der 1. FC Köln nicht auf sich sitzen lassen möchte: „Die Vorwürfe von Dieter Prestin sind vollkommen falsch und treffen diejenigen, die sich seit Monaten intensiv um Herbert Neumann bemühen, zutiefst. Sowohl FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle als auch insbesondere Toni Schumacher und Bernd Cullmann haben sich mehrfach mit Herbert Neumann getroffen und alles unternommen, um ihm zu helfen“, teilt der Verein auf effzeh.com-Anfrage mit. Mit Rücksicht auf Herbert Neumann werde der FC weder Details zu seinen gesundheitlichen Problemen noch zu den Hilfsangeboten des FC öffentlich machen. „Bisher hat Herbert Neumann alle Angebote und Versuche abgelehnt oder abgebrochen“, heißt es in der Stellungnahme: „Herr Prestin ist herzlich eingeladen, seinen Teil beizutragen, um seinem ehemaligen Mitspieler Herbert Neumann zu helfen.“

Schaut Euch das Stammtisch-Segment zum Double 1978 an: 

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