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Rudelbildung

Der FC braucht Skandale!

Warum, um Himmelswillen, spielt der FC eigentlich so jämmerlich schlecht? Wie konnte es anders sein – die Redaktion ist sich so ziemlich uneinig.

RUDELBILDUNG-ThumbWie man sich denken kann, sind die Artikel, die auf dieser Seite erscheinen, nur eine Quintessenz, ein Bruchteil dessen, was wir innerhalb der Redaktion Tag für Tag diskutieren, worüber wir uns aufregen oder was uns glücklich macht. Um Euch einmal in losen Abständen Einblicke zu gewähren, was wir diskutieren, worüber wir uns aufregen und was uns glücklich macht, haben wir diese Rubrik ins Leben gerufen. ‘Rudelbildung’ wird künftig dokumentieren, wie wir uns bestimmten Themen nähern, um uns fortlaufend auch oft wieder davon zu entfernen. Denn so läuft ja Kommunikation: Man hat Standpunkte, tauscht sie aus, vergisst manchmal, was der ursprüngliche Ausgangspunkt war und am Ende haben sich alle lieb. Oder auch nicht.

Eigentlich ist es um den effzeh recht ruhig geworden – kaum Schlagzeilen, nichts dringt aus der Kabine. Also muss sich unsere Redaktion künstlich selbst befruchten.
Warum, um Himmelswillen,  spielt der FC eigentlich so jämmerlich schlecht?
Wie konnte es anders sein: Wir waren uns so ziemlich uneinig:

Clonelow: Was ist das denn für ein Verein? Von so einem bin ich nicht Fan geworden! Ich will Skandale! Ich will Schlagzeilen!!! Man ist mir langweilig.

gerosimo: Ich habe vorhin einen VW Passat gesehen, der hatte zwei Aufkleber hinten auf dem Auto: einen vom 1. FC Köln und einen von Werder Bremen … vielleicht kannst Du darüber etwas schreiben?

midget: Der Kommentar vom KStA  ist aber wirklich wieder diskussionswürdig. Das ist ein SKANDAL! Weil nichts Schlimmeres passiert reden sie den FC nun schlecht trotz Sieg. Pass auf die steigen ausversehen auf und Dumont macht den Laden dicht! Ich will nichts schön reden, das war nicht gerade toll gegen Pauli, aber der FC hat den Anschluss hergestellt und alle sind am weinen. Kotzt mich manchmal an diese Mentalität! Die würden lieber mit fliegenden Fahnen untergehen wie Dortmund gegen den HSV…

taneu: Ich halt das echt nicht aus, wenn die geil spielen aber verlieren hat der Stani keine Ahnung, wenn die scheiße spielen aber gewinnen hat der Stani keine Ahnung. Laut Ansicht der meisten „Fans“ müssen wir wie Barcelona spielen, schöne und erfolgreich. Ok, vielleicht würde Dortmund schon reichen. ICH KANN NICHT MEHR! Und der Stani stellt sich hin und sagt „Geiles Spiel, Alter!“ Ich find den Typ stark!

gerosimo: Am Montag war nicht alles rosig … also … eigentlich … äh … kaum etwas … ich erinnere mich aber daran, dass wir drei Punkte aus Hamburg mitgenommen haben … nur mal so am Rande … in drei Wochen sind wir auf dem Relegationsplatz …

midget: Mal unter uns Klosterschwestern:  Klar war das Spiel nicht gerade faszinierend. Bis zum 16er war das aber alles gar nicht so falsch. Maierhofer ist halt kein Poldi und Ujah war auch unterirdisch. Ich weiß nicht, was da einige gesehen haben wollen. Fakt ist aber auch, auf Pauli gewinnen nicht sehr viele Mannschaften, wenn sie  das Herz von Montag abruft! Dieses Geheule find ich halt furchtbar….

Thomas Re: „Bis zum 16er war das aber alles gar nicht so falsch.“ – da war soviel falsch, dass ich das bis heute noch nicht in Worte fassen kann. Das hatte sehr, sehr wenig mit der Sportart zu tun, die ich liebe. Und zwar von beiden Seiten. Und das macht es ja gerade so schlimm: Der Gegner war so unfassbar schlecht (und in Unterzahl!!!) – und wir haben es geschafft, das Ganze fußballerisch noch einmal zu unterkellern.
Das Einzige, das die schlimmen spielerischen Leistungen des Teams erträglich machen, sind die Punktgewinne. Und das ist bitter in einer Saison, die eigentlich unter anderen Voraussetzungen stand. Ich hätte Geduld, wenn ich etwas sehen würde, was zumindest ansatzweise nach Fußball aussieht. Und kein „Der Zweck heiligt die Mittel“-Gerumpel, keinen Lehmann, keinen Maierhofer.
Wir werfen die Chance weg, etwas unter Wettbewerbsbedingungen, aber dennoch in gebotener Ruhe und Geduld zu entwickeln. Weil wir anscheinend oben angreifen wollen. Das, mit Verlaub, kotzt mich gewaltig an. Und ich war derjenige, der den Jungs + Verantwortlichen alle Zeit der Welt für den postulierten Weg gegeben hat. Und wenn mich eins noch mehr kränkt als dieses Gerumpel mit dem Geißbock auf der Brust, ist, wenn mir Versprechungen gemacht und diese unter den besten Voraussetzungen nicht gehalten werden. Auch deshalb fahre ich nicht mehr zu den Amateuren I. Ich lasse mich ungern verarschen!

taneu: Über Lehmann und Maierhofer lässt sich in der Tat streiten. Über die Spielweise auf Pauli nicht. Das war genau so zu erwarten und nicht anders möglich. Ein Einsatz auf Pauli bringt keinem jungen Spieler was. Auf dem Platz, gegen 29.000 Menschen, dann noch die Hucke voll kriegen….

Clonelow: Ich gebe übrigens auch Thomas recht! Der Grund, dass alle sich nun aufregen kommt ja nur daher, dass der Verein vor der Saison von Neuaufbau und behutsamer Systemlehre gesprochen hat.
Nun aber wird mit Kampf und Krampf ein 1-0 gegen Pauli verteidigt damit man unbedingt die Punkte holt.
Warum sagt man nicht einfach: „Ok….für diese Saison reichts. Absteigen können wir eigentlich nicht mehr. Wir wechseln jetzt unsere Perspektivspieler ein und lassen die frei aufspielen!“ Das wäre geil!

gerosimo: Wenn Maierhofer das 2:0 gemacht hätte bei der 4-gegen-1-Situation, dann würde es diese ganze Diskussion grad nicht geben. Worüber reden wir also?

Thomas Re: Gero, das stimmt nicht. Die hätten sogar 4-0 gewinnen können, ich hätte die miserable spielerische Leistung thematisiert. Weil das Ergebnis eben nicht alles ist. Ich dachte, das hätten wir nach den Rumpel-Aufstiegen a la Funkel und Stevens gelernt. Anscheinend nicht.
Und wie „Das war nicht anders möglich?“ Da muss ich schlicht und ergreifend Thomas Doll zitieren: „Da lach ich mir doch den Arsch ab!“ – es war nicht anders möglich, als jeden Ball McKenna’esk ins Nirwana zu prügeln, insgesamt keinerlei Spielkontrolle zu zeigen, sich in Überzahl gegen einen spielerisch unfassbar schlechten Gegner in der eigenen Hälfte einschnüren zu lassen und jeden Konter wie eine x-beliebig zusammen gestellte Schülerelf auszuspielen? Wenn das die Wahrheit sein sollte, dann sollte der Verein jedweden Versuch, noch um den Aufstieg mitspielen zu wollen, mit sofortiger Wirkung einstellen. Denn, wenn das das höchste der Gefühle darstellen soll, muss ich mich schwer an die Rübe fassen.

taneu: Ihr würdet die, zugegeben geringe, Chance auf den Aufstieg abschreiben, nur um ein paar Jungs Einsatzzeit zu verpassen? Nächstes Jahr kommt aller Voraussicht nach Hoffenheim runter. Die kaufen sich den Wiederaufstieg. Wenn dann Lautern nicht absteigt, gibt das Land Rheinland-Pfalz wieder mal einen Zuschuss, dann können die auch noch zulegen. Ein Aufstieg käme nicht verkehrt, die Chance sollte man versuchen zu nutzen.

Thomas Re: Ja. Diesem Brechstangen-„Der Zweck heiligt die Mittel“-Denken haben wir schon einmal die Entwicklung einer viel versprechenden Mannschaft geopfert. Schöne Grüße nach Siegburg und den Schalker Jahrhundert-Trainer. Ich persönlich habe keine Lust mehr, mich nochmals hochzurumpeln und oben Haue zu beziehen, weil es einfach nicht reicht.

Und zum Aufstieg: Die Unruhe hatten sie selber produziert. Niemand hat den Vorstand, den Trainer und die Spieler dazu gezwungen, in der Winterpause alle 30 Minuten in der Presse den Relegationsplatz bis zum Erbrechen anzupeilen. Aber gut – der Verein hat sich dafür entschieden, aus vermeintlich guten Gründen. Ich sehe das komplett anders und habe daraus meine Konsequenzen gezogen!

gerosimo: Thomas, Dir hätte ich abgenommen, wenn DU mit einem 4:0-Sieg unzufrieden gewesen wärest – EXPRESS, KSTA, BILD usw. hätten einen 4:0-Auswärtssieg aber keinem geneigten Leser als spielerischen Offenbarungseid verkaufen können. Never ever!!!
Und taneu,  ich werde mich auch nicht gegen einen Aufstieg sträuben. Falls das Trainergespann jetzt konsequent auf Nascimento, Schnellhardt etc. setzen würde, wäre die Unruhe in Köln sofort wieder in vollem Maße da – insofern kann m.E. nur ein Weg der richtige sein: Alles zu probieren, so lange es noch geht!

taneu:  Thomas, aber das ist ja nicht generell so, für Pauli galt diese Devise, und da muss sie gelten, wegen Platz und Zuschauern. Im RES sehen wir doch beileibe andere spielerische Qualität. Überwiegend waren alle Heimspiele spielerisch gut.

Thomas Re: Platz und Zuschauer? Wenn das die Gründe für unsere spielerische Armut sein sollen, sollten wir besser den Spielbetrieb einstellen. Das ist so bitter, dass der Trainer diese Grütze auch noch VOR dem Spiel als Entschuldigung frei Haus liefert. Das geht selbst in der Kreisliga in die Hose.

gerosimo: Seit wann ist denn Realismus schädlich? Stani hat das Spiel von Beginn an genau richtig eingeschätzt. Dass daraus drei Punkte wurden, bedeutet am Ende, dass mehr oder weniger jeder ein Tor mehr gesehen und zwei Punkte mehr bekommen hat als erwartet. Ein toller Montag!

midget: Ich sehe es wie taneu. Ich würde auch ungern Verbindungen zu Funkel oder Stevens ziehen, da völlig andere Philosophien als heute! Alle tragen den Umbruch mit, dass die Kiste was länger dauert verzeihen FC fans ungern. zumindest einige. die Trainer wissen selbst am besten, dass das nicht alles gut war in den letzten Auswärtsspielen. Fakt ist dennoch, dass die Mannschaft sich entwickelt, denn solche spiele hätten sie vor 4 monaten noch verloren!
Das reicht aber dem Kölner nicht.
Ich will nicht, dass der FC aufsteigt weil die Mannschaft noch nicht soweit ist! Das Ganze in Verbindung früherer Saisons zu setzen,  ist meiner Ansicht nach nicht sehr seriös, weil der FC in einer Situation steckt,  die so noch nie vorhanden war. Heulen hilft da wenig, guckt euch die Spiele von Braunschweig an. Die gewinnen serienweise 1-0 ohne zu überzeugen, allerdings flattern die auch weniger als der FC. Müssen halt noch üben.

taneu: Thomas, welche spielerische Armut meinst du? Ich sehe eine spielerisch starke Mannschaft zur Zeit. Auf Pauli ist es einfach zu riskant, gewisse Dinge spielerisch zu lösen, der Ball verspringt, bleibt liegen etc. Ich hätte es genau so gemacht, der Erfolg gibt recht. Auswärts auf diesen Holperplätzen muss man spielerische Abstriche machen: vermutlich müsste das Barcelona nicht, womit wir wieder bei meinem ersten Kommentar wären

Dominik: Nur um die Unterhaltung mal mit ein paar Zahlen anzufüttern: Erstaunlich finde ich Folgendes:
7:9 Fouls hieß es am Ende der Partie. Insgesamt gab es 10 gelbe Karten,, also eine für jedes zweite Foul. Auf Vereinsebene für jedes dritte Kölner Foul und für sieben von sieben Hamburger Fouls (!)
68% Passquote für St. Pauli sowie den effzeh (schlechtester Wert für den effzeh, diese Saison, zweitwenigste Pässe und Passversuche für den effzeh, nur das Spiel letzte Woche in Cottbus war schlechter)
16:15 Torchancen (schlechteste gegen zweitschlechteste Verwertung der Liga)
53,4%:46,6% Ballbesitz
51%:49% Zweikämpfe
9:3 Ecken

Thomas Re: Also ich habe da keinen schlechten Rasen gesehen, aber egal. Wenn wir allerdings die Zuschauer mit in die Rechnung nehmen: Genau die haben wir mit unserer hektischen „Bloß weg die Kirsche“-Spielanlage doch erst immer wieder ins Spiel gebracht. Abgesehen davon, dass sich die Mängel durch die letzten Begegnungen ziehen. Wir sind aus meiner Sicht auf dem Weg zu einer „Lang, hoch, weit“-Truppe. Ich brauche keine Unterstellungen, ich würde Ansprüche a la Barcelona stellen. Ich werfe den Befürwortern dieser Spielweise ja auch nicht vor, einen Kick zwischen dem VfL Erp und dem CFR Buschbell schon CL-reif zu finden.

gerosimo: midget, der Vergleich mit Braunschweig hinkt insofern, dass die Eintracht offenkundig alle Zeit der Welt hatte, eine erfolgreiche Mannschaft zusammen zu stellen, bei der bis heute keiner wirklich kapiert, warum die dauerhaft von Platz 1 grüßt. Beim effzeh ist die allgemeine Erwartungshaltung das Problem. Hätte mir jemand zu Saisonbeginn Platz 4 oder 5 für den 1. FC Köln zum Sommer 2013 angeboten, hätte ich sofort angenommen.

Dominik: Wie Gero schon sagt, der Vergleich mit der Eintracht ist nur bedingt hilfreich. Wenn man sich allerdings den ‚eingespielten‘ Teil unseres Teams ansieht, dann funktioniert das prinzipiell ähnlich, wenn nicht gar genauso gut. Zumindest gemessen daran, dass die Jungs in gelb-blau schon eine halbe Ewigkeit in der Kombination zusammenspielen.
Wir haben jetzt auch immerhin zehn Spiele nicht verloren, bloß eins in 16. Klar, da war gelegentlich auch Glück dabei, in Regensburg oder gegen Aue, das kann man aber auch das Glück des Tüchtigen nennen. Schaut euch die ersten Saisonspiele an, spielerisch überlegen wie nur was und trotzdem permanent ausgekontert worden. Das einzige Spiel, in dem wir danach noch ebenso überlegen waren und gewinnen konnten war, richtig, in Regensburg.

Fußballspielen und Gewinnen ist scheinbar eine Kombination, die dem effzeh nicht sonderlich gut liegt, immerhin gewinnen wir jetzt ab und an diese Spiele mit dem oft als Phrase verdroschenen „dreckigen Einszunull“.
Klar, damit kann man in der ersten Bundesliga nicht bestehen, zumindest nicht sonderlich lange, bedenkt man aber, wie sehr die Mannschaft zusammengewachsen ist und immer noch zusammenwachsen kann um spielerische Momente zu erzeugen und dann durch Qualität zu überzeugen, dann versteht man auch, dass da noch Einiges an Potential ist.

gerosimo: Guter Punkt, Dominik. Kann also eine Mannschaft, die 0 aus 10 bzw. 1 aus 16 Spielen verloren hat, so verkehrt sein? Ich meine, dass diese Zahlen am Ende eine deutliche Sprache sprechen. Für die Mannschaft. Für den Trainer. Die zur Spitze der Liga fehlenden Punkte hat der effzeh letztendlich sogar durch unnötige Unentschieden abgegeben.

Dominik: Und nicht zuletzt sei mir auch der Hinweis darauf gestattet, dass es kaum ein Profiteam in Deutschland gibt, das eine noch schlechtere Chancenauswertung hat. Pauli, ja, vielleicht auch Augsburg und Fürth. Aber das kann man abstellen, das ist ein negativer Lauf, der kaum ewig so weitergehen kann. Ein, zwei Erfolgserlebnisse und schon gehen die Bälle auch wieder rein. Sind wir an einmal an dem Punkt angekommen, mag das Torverhältnis am Ende keine große Rolle mehr spielen bei der Vergabe der Plätze. Ganz im Gegensatz zu jetzt.

Thomas Re: Man könnte es auch für mangelnde Qualität halten, wenn andauernd die besten Chancen liegen gelassen wird. Und, Gero,  natürlich kann eine Mannschaft falsch liegen, auch wenn sie viele Spiele gewinnt bzw. eine ungeschlagene Serie hinlegt. Aber ich darf ja keine Vergleiche mit der Vergangenheit ziehen, hehe.

Dominik: An welche Unentschieden denkst Du da, Gero? Das letzte unnötige Remis war meiner Meinung nach gegen Duisburg. Vielleicht in Sandhausen. Aber die Spiele gegen Cottbus oder Berlin hätte der effzeh durchaus auch verlieren können, wenn nicht gar müssen. Braunschweig? Unglücklich, okay, aber nicht unverdient. Zumindest nicht in Summe.

Thomas, klar, die Chancenauswertung spricht bestimmt nicht für die Offensivqualitäten im Kader, andererseits wissen wir von allen Spieler auf dem Feld, dass sie es grundsätzlich besser können. Und dabei ist völlig egal, ob das ein Stefan Maierhofer ist, der kürzlich erst Torschützenkönig in Österreich wurde (die Tore sind in etwa genauso groß dort, hab ich mir sagen lassen) oder wegen mir ein Thomas Bröker, der bisher ja auch bloß zwei Elfmeter in der Liga getroffen hat.

Ich kann und will mich nicht auf den Gedanken einlassen, dass die Spieler das im Trikot mit dem Geißbock auf der Brust komplett verlernt haben. Und ja, in solchen Momenten denke ich auch an den Werdegang von Milivoje Novakovic, der auch eine grottenschlechte Saison gespielt hat, bevor er mit dem Toreschießen angefangen hat. Also immer schön ruhig bleiben und Vertrauen haben. Der einzige (!) wirklich schlechte statistische Wert der Mannschaft ist keiner für die Ewigkeit.

Thomas Re: Ich will ja nichts sagen, aber bspw Milivoje Novakovic hat in seiner ersten „grottenschlechten“ Saison mehr Tore gemacht als Maierhofer in seiner besten Zweitligasaison (die ja von allen bei seiner Verpflichtung abgefeiert wurde). Letztlich ist es aus meiner Sicht eben eine Qualitäts- bzw. Erfahrungsfrage. Und letzteres wird zumindest einigen Spielern verwehrt, weil der Trainer lieber auf großartige Kicker wie Maierhofer oder Lehmann setzt. Ich habe mir von dieser Saison etwas anderes versprochen. Aber anscheinend möchte der Verein unbedingt auf „Zweckfußball“ setzen. Und ja: Angesichts der absehbar erneut vergebenen Entwicklungschance bleibt mir leider nichts übrig, als in beißenden Spott, Zynismus und Lakonie zu verfallen. Der Verein lässt mir mittlerweile keine andere Wahl mehr.

Dominik: Thomas, nehmen wir beispielsweise einen Daniel Royer zuhilfe. 28 Torchancen, ein Tor. Mit der Quote wären wir gerade mit ziemlicher Sicherheit Tabellenletzter. Umgerechnet sind das übrigens 31 Minuten pro Torchance, spielte er durch, drei pro Chancen pro Spiel. Mit einer für einen Offensivspieler ’normalen‘ Quote von ~10% wären es drei Tore. Zwei Tore mehr. Gemessen daran, dass wir in über 50% der Spiele mit einem Tor mehr auch mehr Punkte gemacht hätten, unterstellen wir mal, dass eine brauchbare Verwertung zwei Punkt mehr wären.

Dasselbe gilt grundsätzlich für Thomas Bröker, ebenfalls zwei Tore. Matthias Lehmann, ein weiterer Treffer. Matuszczyk, der noch gar nicht getroffen hat, ebenfalls zwei Treffer. Statistisch gesehen sind das sieben fehlende Tore. Umgerechnet 4 Tore, die Einfluss auf die Punktvergabe gehabt hätten. Verteilt man diese gleichmäßig, stünden da eine Niederlage weniger (+1 Punkt) sowie drei Siege mehr anstatt der lästigen Remis (+6 Punkte). 7 Punkte. Wo wären wir damit? Tabellendritter? Och. Und das mit der Gurkentruppe. Die keiner will. Die nichts kann. Und wenig richtig macht, wenn überhaupt.

Fangen unsere Offensiven mal an zu treffen, wie gewohnt, wie es sich gehört, erledigt sich der Rest von alleine. Auch wenn es häufig spielerisch nicht hochklassig aussieht, man sollte nicht vergessen, dass wir hier in Köln und nicht in einer spanischen Metropole sind. Oder auf einer Insel. Im Ruhrgebiet. Sonstwo. Das ist zweite Liga. Genau so sieht das auch aus und es fühlt sich auch so an. Bei allen 17 Teams, außer der Hertha.

Hat eigentlich heute schon jemand behauptet, dass das Trainerteam und der Vorstand gemeinsam die Vorgabe an die Spieler ausgeben, die Spiele möglichst unschön und dabei erfolgreich zu bestreiten? Vorzugsweise unattraktiven Fußball anzubieten, keine zu guten Leistungsdaten zu produzieren und nicht für übermäßig viel Aufmerksamkeit zu sorgen?

Warum? Der Verkauf von Christian Clemens, der ohnehin schwer zu halten sein dürfte – ohne den Aufstieg, und Sascha Riether (wahlweise auch Miso Brecko) reichte um die ausgeliehenen Spieler Strobl, Royer, Burno und Ujah zu verpflichten, die offensichtlich deutlich eher von den jeweiligen Heimatvereinen gehen gelassen würden, je weniger Leistung sie zeigen. Ist aber bloß so ein Gedanke.

Aber mal kurz zurück zur Realität. Wo ich ohnehin gerade die Kaderübersicht vor der Nase habe, mal noch ein Umstand, über den man nachdenken kann. Sieben der aktuell 28 Spieler im Profikader des effzeh waren in der vergangenen Saison teil von selbigem. Zwei Neuzugänge im Winter, fünf Rückkehrer von Leihgeschäften, vier Neuzugänge aus Leihen, vier ertauschte, gekaufte oder aufgesammelte Spieler, sechs die aus der Jugend hochkamen.

Wie soll dieser zusammengewürfelte Haufen überhaupt funktionieren? Zumal die Spieler nicht alle in der kompletten Vorbereitung dabei waren. Die Ergebnisse nach dem 19 Spieltag kann man zählen, da waren es noch zwei Neue, das Gerüst stand und man hatte ausreichend Zeit sich aneinander zu gewöhnen und gemeinsam ein Konzept zu erarbeiten, das zu funktionieren hat. Schaut man sich die Ergebnisse seitdem an, gibt es keinen Grund unzufrieden zu sein. Drei Spiele, sieben Punkte, extrapoliert wären das 79 – damit ist noch niemand am Aufstieg vorbeigekommen (zumindest nicht aus sportlichen Gründen).

Oder vergessen wir einfach nur die ersten sechs Spieltage. Sah sportlich alles total super aus, hätte aber schlechter kaum laufen können, tabellarisch. Ohne die Wochen der Selbst-/Team-/Sonstwas-Findung wäre der effzeh Dritter. 31 Punkte seitdem, nur Braunschweig (35) und Hertha (38) wären davor. Kaiserslautern (27), Frankfurt (19), Union (28) und Cottbus (17) teils weit abgeschlagen. Besonders Cottbus und Frankfurt zehren noch deutlich vom guten Saisonstart.

gerosimo: Dominik, Du kamst eben auf 7 Punkte bei Deiner Rechnung. Ich habe kurz nachgedacht und komme auf die folgenden Unentschieden, die uns die wichtigen Punkte gekostet haben:
– gegen Sandhausen
– gegen St. Pauli
– gegen Dresden
– gegen Kaiserslautern
– gegen Duisburg
– in Sandhausen
Das sind sechs Spiele, die alle einen Dreier hätten bringen können – wenn nicht sogar müssen.

… Das Schöne ist, dass wir aktuell viel darüber reden, wie es wäre, auf Platz 3 zu stehen … oder unter welchen Umständen wir auf Platz 3 stünden … wartet einfach noch 3 Wochen – dann stehen wir auf Platz 3.

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