In der Bundesliga erreicht der 1. FC Köln einen neuen Tiefpunkt gegen Berlin, doch ein Spieler macht auf sich aufmerksam: Yann Aurel Bisseck überzeugte durch eine gute Leistung.

Den Medien wird häufig vorgeworfen, in der Berichterstattung zu sehr auf skandalisierende Texte zu setzen, die mehr oder weniger große Probleme in den Fokus rücken. Zugegeben, beim 1. FC Köln gibt es momentan wenig Dinge, über die man in positiver Weise berichten könnte. Die sportliche Lage ist desaströs, auch auf Vereinsebene präsentiert sich der Verein derzeit alles andere als professionell. Die Stimmung rund ums Geißbockheim kommt Verzweiflung gleich, da der nächste Abstieg bevorsteht. In den sozialen Medien sind Frustration und Ärger förmlich zu greifen und es ist davon auszugehen, dass auch die effzeh-Profis momentan nicht gut schlafen. Und wenn man sich einen Aspekt heraussuchen möchte, über den man positiv berichten kann, so kommt man an Yann Aurel Bisseck nicht vorbei.

Am Sonntag gab der Innenverteidiger gegen Hertha sein Bundesliga-Debüt – zu diesem Zeitpunkt war er 16 Jahre, elf Monate und 28 Tage alt. Erst am heutigen Mittwoch wird Bisseck 17 Jahre alt. Mit seinem Einsatz gegen Berlin hat er aber einen Eintrag in den Geschichtsbüchern sicher: Nur Nuri Sahin war einst bei seinem ersten Bundesliga-Einsatz jünger. Bereits am vergangenen Donnerstag gab es für Bisseck einen großen Moment, als er aufgrund der Verletzungsproblematik beim 1. FC Köln im Kader des Europa-League-Spiels gegen den Arsenal FC gestanden hatte.

Am Sonntag eröffnete ihm Peter Stöger dann erst am Nachmittag, dass er in der Startelf stehen würde. Somit hatte der junge Mann weder Zeit, viel über sein erstes Spiel nachzudenken noch seiner Familie und seinen Freunden Bescheid zu sagen. Der gebürtige Kölner, der seit der U8 und somit dem Jahr 2007 für die „Geißböcke“ spielt, sagte zur langen Zeit bei den Geißböcken unlängst dem vereinseigenen Magazin: „Da wird man automatisch Fan, weil es ein geiler Verein mit geiler Atmosphäre ist.“ Nun konnte der junge Fan also schnell seinen Traum vom ersten Spiel im Profibereich wahr machen.

Yann Bisseck of Germany and Lincoln (L) of Brazil compete for the ball during the quarterfinal football match of the FIFA U-17 World Cup at the Vivekananda Yuba Bharati Krirangan stadium in Kolkata on October 22, 2017. The FIFA U-17 Football World Cup is taking place in India from October 6 to 28. / AFP PHOTO / Dibyangshu SARKAR (Photo credit should read DIBYANGSHU SARKAR/AFP/Getty Images)

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Durch den Einsatz gegen Berlin hat sich die Karriere von Bisseck rasant beschleunigt, nachdem er bereits im Oktober bei der U17-Weltmeisterschaft auf sich aufmerksam machen konnte. Bisseck saß dort zwar in den ersten beiden Spielen auf der Bank, konnte aber gegen Guinea überzeugen und sich so in die Startelf spielen. Beim 4:0-Erfolg gegen Kolumbien traf er per Kopfball zum 2:0, bevor die Mannschaft im Viertelfinale gegen Brasilien ausschied. „Ich habe auf meine Chance gewartet und im Training alles gegeben. Als es dann soweit war, habe ich es ganz ordentlich gemacht“, befindet der 1.94 Meter große Defensivspieler in erstaunlich reifer Weise.

Weltmeisterschaft in Indien als erstes Highlight in diesem Jahr

Für den jetzt 17-Jährigen, der zusammen mit seinem Teamkollegen Dominik Becker aus der U19 in Indien für den DFB unterwegs war, stellte sich die Weltmeisterschaft insgesamt als überragendes Erlebnis dar – trotz des Ausscheidens. „Am Abend saßen wir noch lange zusammen, haben miteinander geredet und die Stimmung wieder aufgehellt. Wir gehören in unserem Jahrgang zu den besten acht Nationen der Welt. Das ist nichts, worüber man traurig sein muss“, erklärte Bisseck vor kurzem im „GeißbockEcho“. Zwar habe auch er bittere Tränen vergossen, doch die positiven Erinnerungen überwiegen: Insbesondere sein erstes Länderspieltor sei für ihn ein „unbeschreibliches Gefühl“ gewesen. Bisseck gab sein Debüt für den DFB vor etwa einem Jahr, aus seinem Jahrgang war der Hamburger Jan-Fiete Arp der erste Spieler, der in der Bundesliga debütierte.

Jetzt zog mit Bisseck der zweite Spieler nach, der A-Jugendliche durfte sich in der Bundesliga beweisen und lieferte dort gegen Berlin ein überzeugendes Spiel ab. Eine dermaßen gute Zweikampfquote und hohe Anzahl an angekommenen Pässen im Debüt abzuliefern, und das als noch 16-Jähriger, erfordert eine ungemeine mentale und natürlich auch körperliche Reife – mit seinen 1,94m ist Bisseck aus physischen Gesichtspunkten sowieso über jeden Zweifel erhaben. Seine mentale Reife zeigt sich daran, dass Bisseck mit 16 Jahren bereits sein Abitur abgelegt hatte und aktuell bereits an der Universität Köln Volkswirtschaftslehre studiert. Wenn der Verfasser überlegt, was er so im Alter von 16 und 17 Jahren gemacht hat, stellt sich ein leichter Schwindel ein – damals war ich froh, einigermaßen fehlerfrei den Weg in die Schule zu finden.

Yann Aurel Bisseck: Mit Gelassenheit zur Erfüllung des Kindheitstraums

Komischerweise wird Bisseck von seinem U19-Trainer Stefan Ruthenbeck gegenüber dem „Express“ als „klassischer Spätentwickler“ bezeichnet, was dann aber wohl eher für den Fußballplatz gelten dürfte. „Durch seine Gelassenheit und Körpergröße“ würde Bisseck „enorm viel“ mitbringen, unterstreicht sein Trainer und fügt an: „Seine Ruhe auf dem Platz ist angesichts seines jungen Alters von 16 Jahren wirklich bemerkenswert.“ Wirklich bemerkenswert war sein Debüt auch und es dürfte nicht überraschen, wenn Bisseck auch in den nächsten Woche einen Kaderplatz von Peter Stöger bekommt. Über seinen ersten Einsatz sagte Bisseck gegenüber dem „Geissblog.Köln“: „Ich war weniger nervös als froh. Ich spiele schon mein ganzes Leben lang für diesen Klub. Jetzt für die Profis in der Bundesliga aufzulaufen, da ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. Aber ein Debüt will man natürlich nicht mit einer Niederlage beenden. Deswegen bin ich eher unglücklich.“

COLOGNE, GERMANY - NOVEMBER 26: Sehrou Guirassy of Koeln is seen with Yann Aurel Bisseck after loosing the Bundesliga match between 1. FC Koeln and Hertha BSC at RheinEnergieStadion on November 26, 2017 in Cologne, Germany. (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Für die Fans des 1. FC Köln war es am vergangenen Sonntag aber gut zu wissen, dass während des Tiefpunktes der letzten fünf Jahre ein weiterer Spieler auf dem Feld steht, dem das Wohl und Wehe des Vereins am Herzen liegt – und mit dem man sich identifizieren kann. Es wird in den kommenden Wochen und Monaten die Aufgabe sein, ein Team aufzubauen, mit dem man sich einigermaßen souverän aus der Liga verabschieden kann – Bisseck könnte dabei auch eine Rolle zukommen, obwohl man aufgrund seines Alters natürlich auch ein wenig auf die Bremse treten muss. Ihn jetzt als Hoffnungsträger hochzujazzen wäre genauso falsch wie – und da wären wir wieder am Anfang des Textes – in dieser schwierigen Phase nur über negative Dinge zu schreiben. Und trotzdem war sein Debüt etwas, an dem man sich aufrichten kann.

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