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Vorspiel

Vor dem Derby des 1. FC Köln gegen Gladbach: Durst nach positiven Schlagzeilen

Ohne Hector, Bornauw und Wolf muss der 1. FC Köln auswärts bei Borussia Mönchengladbach zum Derby antreten und will aus einer im Gesamtkontext des Vereins äußerst mediokren Woche eine gute Woche machen. Beim Gegner aus Gladbach führt man derweil eine Luxusdebatte über den Trainer und tritt zum Derby mit voller Kapelle an.

COLOGNE, GERMANY - OCTOBER 03: Jannes Horn of 1. FC Koln battles for possession with Tobias Sippel of Borussia Monchengladbach during the Bundesliga match between 1. FC Koeln and Borussia Moenchengladbach at RheinEnergieStadion on October 03, 2020 in Cologne, Germany. A limited number of fans have been allowed into the ground as COVID-19 restrictions ease in Germany. (Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)

Die bereits zweite englische Woche des noch jungen Jahres lief für den 1. FC Köln bis dato durchwachsen. Dabei fing sie sehr gut an: Der 3:1-Heimsieg gegen Arminia Bielefeld war extrem wichtig für den Abstiegskampf und schubste die Rheinländer wieder über den Strich, welcher Platz 15 von Platz 16 trennt. Doch mit der Verkündung des neuen Mediendirektors Fritz Esser am Montag war es vorbei mit der Herrlichkeit. Es folgte, weil dieser in der Vergangenheit unter anderem bedenkliche Tweets absetzte, ein Shitstorm und am Mittwoch Nachmittag ein Rückzieher von der Personalie. Ein kompletter und im Zustandekommen absolut peinlicher Fehlgriff von Vorstand und Geschäftsführung, der nachhallen dürfte und das Potential hat, Gremien, Fans und damit den Verein zu spalten.

Und schließlich verloren die „Geißböcke“ an diesem Mittwoch ein paar Stunden später beim Zweitligisten SSV Jahn Regensburg das Achtelfinale im DFB-Pokal nach 2:0-Führung im Elfmeterschießen, in welchem das Gisdol-Team überdies den Vorteil besaß. Und schon redet keiner mehr über den wichtigen Sieg gegen Bielefeld, sondern man schüttelt bundesweit nur noch den Kopf über den „Chaosclub vom Rhein.“ Ein Derbysieg gegen die Borussia aus Gladbach im Topspiel des Wochenendes am Samstagabend freilich könnte die Gemüter zum Ende der Woche genau so schnell wieder beruhigen, wie die Gefühle ab Montagnachmittag hochgekocht sind.

Mit dem Derby als Auftakt: Schweres Programm vor der Brust

Doch Derbysiege, die leidgeprüften FC-Fans wissen dies nur allzu gut, sind in der Geschichte rar gesät und seit die Gladbacher in den letzten Jahren den Kölnern nicht nur sportlich, sondern auch ökonomisch entflohen sind, umso seltener. Dies macht es umso süßer, wenn die Würfel richtig fallen, allerdings sollte sich der Verein nicht darauf verlassen, dass die Mannschaft schon für positive Schlagzeilen sorgen wird. Dies gilt vor allem für die derzeitige Truppe, deren Inkonstanz greifbar ist und von der man auch im Februar, also sechs Monate nach Start der Saison, überhaupt nicht sagen kann,  was für eine Leistung man bekommen wird. Sie hat sich gesteigert, 15 Punkte aus den letzten elf Spielen sind ein ordentlicher Leistungsnachweis. Aber reicht es nach dem unglaublich schwachen Saisonstart auch für den Klassenerhalt?

Foto: imago

Im Moment steht man auf dem 14. Platz, allerdings auch nur einen Punkt vor dem Relegationsplatz, welcher derzeit von Bielefeld belegt wird. Auf den direkten Abstiegsplatz sind es allerdings auch schon acht Punkte und acht Tore Vorsprung. Es sieht also im Moment ganz gut aus, es kann sich allerdings auch schnell wieder ändern. Nach dem Spiel gegen Gladbach wartet das Auswärtsspiel in Frankfurt, gefolgt von einem Heimspiel gegen Stuttgart, bevor man nach München reist. Die nächsten vier Spiele werden also schwer, eine Schwächeperiode kann und darf sich der FC eigentlich nicht leisten. Immens wichtig wäre es, auf dem Platz endlich Konstanz in der Leistung zu finden, um auch nach eventuellen Niederlagen gegen Gladbach, Bayern und Co. mit positiven und mutmachenden Gefühlen in die Schlussphase der Saison zu starten.

„Das macht mich kirre und verrückt“

Ein Gedanke, den Trainer Markus Gisdol vielleicht teilt, weswegen er die die Zügel nach der Pokalniederlage und vor dem Derby verbal anzieht: „Da haben wir zwei gute Tage nach dem Bielefeld-Spiel und dann brocken wir uns so eine Niederlage ein. Es wäre so einfach gewesen, noch ein Erfolgserlebnis zu haben. Und dann bringen wir uns wieder in die Situation, dass wir mit einem negativen Gefühl rausgehen. Diese Wellenbewegungen machen mich kirre und verrückt.“ Ein Satz, der sich nicht mehr nach dem Trainer anhört, der sich lange vor seine Mannschaft stellte. Doch damit nicht genug, legte Gisdol anschließend sogar weiter nach: „Wenn sie unsere Mannschaft nach den Wellenbewegungen fragen, kann es keiner beantworten.“

„Wir wollen in Zukunft noch ganz viele Derbys gegen Köln spielen. Wir wollen sie am Wochenende besiegen und ihnen dann im Abstiegskampf die Daumen drücken.“

Gladbachs Manager Max Eberl

Worte, die zeigen: Zwischen Mannschaft und Trainer knistert es, im besten Fall ist in Gladbach also genau so viel Feuer drin wie bei der Verabschiedung der Mannschaft bei der Abfahrt durch Teile der aktiven Fanszene. Allerdings musste die Mannschaft ohne diverse Schlüsselspieler in Richtung Niederrhein aufbrechen. Der Ex-Nationalspieler und Kapitän Jonas Hector kämpft weiterhin mit muskulären Probleme, Abwehrchef Sebastiaan Bornauw laboriert an Rückenproblemen und Marius Wolf verletzte sich in Regensburg am Knöchel. Eine enorme Schwächung für die Domstädter, auch wenn Emmanuel Dennis sich im Pokal nicht nur durch sein Tor als die erhoffte Verstärkung entpuppte und hoffentlich auch in der Liga die gegnerische Verteidigung beschäftigt. Cestic und Ehizibue rückten in den Kader, neben Wolf schaffte es Höger nicht in den Spieltagskader.

Gladbach sieht sich unfreiwillig einer Trainerdiskussion ausgesetzt

Beim VfL aus Mönchengladbach sieht die personelle Lage währenddessen sehr viel entspannter aus. Mittelfeldspieler Valentino Lazaro ist nach überstandener Muskelverletzung wieder fit, ansonsten hat die Borussia keine gesundheitlichen Fragezeichen hinter einen ihrer Spieler gesetzt. In der Pressekonferenz vor dem Derby ging es deswegen auch eher um die Zukunft des Trainers Marco Rose, der immer wieder mit Borussia Dortmund in Verbindung gebracht wird. „Marco ist unser Trainer. Wir haben eine erfolgreiche Saison. Ich verstehe, dass wir euch endlich mal aufklären sollen. Aber das ist eine Sache zwischen Borussia und Marco Rose. Fakt ist: Marco hat Vertrag bei uns“, versuchte Manager Max Eberl die Diskussionen vermutlich einmal mehr umsonst zu ersticken.

Foto: Adam Pretty/Getty Images

Der Versuch des Abwerbens eines Erfolgscoaches: Etwas, das man aus Köln so nicht kennt – ein Problem allerdings, welches man gerne hätte. Der Weg dahin ist weit, der Klassenerhalt und die Etablierung in der Bundesliga muss für die Kölner allerdings der erste Schritt zu einem erfolgreichen und funktionierenden Verein sein. Man darf die Hoffnung ja nicht aufgeben. Diese Woche mag Kontrast und Unterschied zwischen dem FC und dem VfL noch einmal überdeutlich aufgezeigt haben, innerhalb von 90 Derbyminuten ist allerdings alles möglich.

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Um wieder in den Genuss zu kommen, ein Derby gegen Gladbach mit vollen Müngersdorfer Stadion und knisternder Atmosphäre zu erleben, muss die Liga einfach gehalten werden. Warum den Schlusssprint in der Liga eine Woche vor dem schlimmsten Karneval seit langem nicht mit einem Derbysieg beginnen? Es wäre Balsam für alle leidgeplagten FC-Fans und würde die kommende Woche vielleicht sogar etwas erträglicher gestalten.

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