ANZEIGE

Nach Nationalspieler Jonas Hector und Marco Höger hat sich auch Torwart Timo Horn zum 1. FC Köln bekannt und wird den wohl unvermeidlichen Gang in die 2. Bundesliga mit seinem FC antreten.

Mit Tränen in den Augen war der 24-Jährige nach dem 2:2-Unentschieden gegen den FC Schalke 04 gemeinsam mit seinen Teamkollegen vor die Südtribüne des Müngersdorfer Stadions getreten, wo die Fans der Kölner Mannschaft trotz des wohl unvermeidbaren sechsten Abstiegs der Vereinsgeschichte mit minutenlangen Standing Ovations und viel Applaus ihren Respekt zollten.

Es entstand eine emotionale Atmosphäre, die Horn und vielen seiner Kameraden sichtlich naheging: „Trotz einer schlechten Saison, in der wir sehr viel falsch gemacht haben, bin ich heute stolz auf die Mannschaft“, sagte der FC-Keeper angesichts der starken Moral, die die Kölner zuvor bewiesen hatten, als sie einen 0:2-Rückstand gegen den Tabellenzweiten wettmachten – und einen Punkt holten, der für das Tabellenschlusslicht in der Endabrechnung aber zu wenig sein dürfte. „Dass ein möglicher Absteiger in die Kurve geht und alle applaudieren, ist emotional unbeschreiblich. So etwas gibt es nur in Köln“, so Horn, der weiß wovon er spricht.

In Rondorf gelernt, beim effzeh veredelt

Im Alter von neun Jahren wechselte der gebürtige Kölner Timo Horn vom „Veedels“-Verein SC Rondorf ans Geißbockheim, wo der Junge mit den herausragenden Reflexen fortan sämtliche FC-Jugendmannschaften durchlief. Schon als Nachwuchs-Keeper durfte Horn regelmäßig gemeinsam mit den damaligen Profi-Torhütern Faryd Mondragon und Miro Varvodic trainieren. Und nicht Alexander Bade, bis Anfang des Jahres langjähriger Torwart-Trainer der Kölner, wusste, welch Juwel da in den eigenen Reihen heranreifte.

Zur Saison 2011/12 rückte Horn dann in den Profi-Kader auf und ging zunächst als Nummer drei hinter Michael Rensing und Miro Varvodic in die Saison. Ab dem 9. Spieltag saß Horn dann regelmäßig als möglicher Rensing-Ersatz auf der Bank. Zu einem Einsatz kam er nicht, die mitunter chaotischen Vorgänge in Verein und Mannschaft, die letztlich im Abstieg aus der Bundesliga mündeten, erlebte er aber aus nächster Nähe: „Damals haben wir eine sehr gute Hinrunde gespielt und standen mit 21 Punkten auf Platz 10. In der Rückrunde lief dann gar nichts mehr zusammen und die Mannschaft ist ein Stück weit auseinandergebrochen“, sagte Horn Anfang des Jahres im Interview mit bundesliga.de.

COLOGNE, GERMANY - JANUARY 14: Timo Horn of Koeln celebrates with Simon Zoller of Koeln after winning the Bundesliga match between 1. FC Koeln and Borussia Moenchengladbach at RheinEnergieStadion on January 14, 2018 in Cologne, Germany. (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Nach dem Abstieg avancierte der damals 19 Jahre alte Horn unter Trainer Holger Stanislawski zur Kölner Nummer eins und entwickelte sich seit seinem Profi-Debüt am 5. August 2012 (0:1 gegen Eintracht Braunschweig) zu einer wichtigen Größe im Kölner Team. Mittlerweile hat der Schlussmann über 200 Erst- und Zweitligapartien für den „Effzeh“ absolviert und sich mit dem Einzug in die Europa League in der Vorsaison einen Kindheitstraum erfüllt.

Horn: „Wichtige Erfahrung, dass es nicht immer bergauf geht“

Dass es allerdings nicht immer nur bergauf gehen kann, musste Horn in dieser Saison mehr als schmerzlich erfahren: „Ich persönlich habe vor der Saison gedacht, dass ich mich über das internationale Geschäft vielleicht für die Nationalelf empfehlen kann. Dann ist es so schlecht gelaufen, dass ich daran keinen Gedanken mehr verschwendet habe. Es ist eine wichtige Erfahrung, dass es nicht immer bergauf geht in der Karriere“, sagt der FC-Keeper in der aktuellen Ausgabe des Kölner Vereinsmagazins „GeißbockEcho“.

Trotz mitunter weiterhin vorhandenen Unsicherheiten in Sachen Strafraumbeherrschung und Schwächen im Spielaufbau hat Horn mit zum Teil herausragenden Reflexen und immensen Stärken im Eins-gegen-Eins in dieser Saison oftmals höhere Niederlagen verhindert. Auch wenn die Kölner mit aktuell 60 Gegentreffern die mit Abstand schwächste Defensive der Liga stellen.

COLOGNE, GERMANY - SEPTEMBER 20: Timo Horn of Kln lies on the pitch after the Bundesliga match between 1. FC Koeln and Eintracht Frankfurt at RheinEnergieStadion on September 20, 2017 in Cologne, Germany. The match between Koeln and DFrankfurt ended 0-1. (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Dies liege auch daran, „dass uns als Mannschaft die Stabilität der Vorjahre abhanden gekommen ist. Das ist extrem enttäuschend und mir persönlich auch noch nie passiert“, so Horn gegenüber dem Vereinsmagazin. Ohnehin übernimmt Horn, im Laufe der vergangenen Jahre sichtlich gereift, in dieser Saison auch abseits des Platzes viel Verantwortung und stellt sich auch nach bitteren Niederlagen der Öffentlichkeit.

„Es gab in der Hinrunde eine Zeit, in der wir mit sieben, acht Jungs von den Amateuren oder der U19 unterwegs waren. In der Zeit habe ich mich als Spieler, der etwas länger dabei ist, sehr verantwortlich gefühlt, vorwegzugehen. Grundsätzlich versuche ich, mich menschlich weiterzuentwickeln. Und es gehört natürlich auch zur Persönlichkeitsentwicklung dazu, sich in schweren Zeiten zu stellen. Man ist den Fans Erklärungen schuldig“, sagt Timo Horn, der sich viele Gedanken über einen möglichen Verbleib in der zweiten Bundesliga gemacht hat, aber stets betonte, sich einen Verbleib vorstellen zu können.

Horn: „Ich bin hier beim 1. FC Köln zu Hause“

Dass es nun so gekommen ist, ist ein weiteres positives Zeichen in einer sportlich höchst schwierigen Phase. „Die Frage ist: Ist das Sportliche das Einzige, was zählt? Ich finde, es sollte nie das alleinige Kriterium sein. Man muss auch abwägen, was das Beste für einen persönlich ist. Da spielen auch andere Dinge eine Rolle. Ich bin hier beim 1. FC Köln zu Hause, fühle mich hier sehr wohl, bin mit den Menschen und den Abläufen vertraut. Ich kann mir hier über Jahre etwas aufbauen. Das sind Dinge, die man berücksichtigen muss.“

Dinge, die Timo Horn berücksichtigt hat und auf Basis derer er eine Entscheidung getroffen hat, die – ebenso wie das Treuebekenntnis von Jonas Hector – für große Freude sorgt: Im Verein, in der Mannschaft, im Umfeld und insbesondere in der Stadt und bei den Fans“ Es ist nicht auszuschließen, dass die Reaktionen der Anhängerschaft auf sein Treuebekenntnis für weitere Tränen bei Kölns alter und neuer Nummer eins sorgen werden.

Dieser Text erschien zuerst auf bundesliga.de

Teilen:

Der Kommentarbereich ist geschlossen.