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effzeh-Keeper Timo Horn äußert sich im ausführlichen Interview über das vergangene Jahr, die Gründe für den Niedergang des 1. FC Köln und seine persönliche Zukunft.

Im Gespräch mit dem Vereinsmagazin „Geißbockecho“ offenbart Horn, ein sehr reflektierter und durchaus auch (selbst)kritischer Geist zu sein, der in Betrachtung des nahenden Abstiegs auch bereit ist, den Finger in die Wunde zu legen. Die vergangenen zwölf Monate bilanziert er wie folgt: „Es war ein extrem anstrengendes Jahr mit vielen negativen Erlebnissen. Zu den vielen Niederlagen kamen zum Beispiel die Diskussionen über den Videoschiedsrichter und einige Schicksalsschläge, wie der Tod von Hans Schäfer. In diesem Jahr ist alles zusammengekommen, was zusammenkommen kann.“ Die Gründe für das so schlechte sportliche Abschneiden sieht Horn darin, dass man „im Erfolg die größten Fehler“ mache – was auch beim 1. FC Köln der Fall gewesen sein könnte.

Bereits in der Vorbereitung auf diese Spielzeit sei nicht so konzentriert gearbeitet worden wie in den Jahren zuvor. Weiterhin sieht er in der Dreifachbelastung und den Verletzungen vieler Leistungsträger die Gründe dafür, dass der effzeh mit nur sechs Punkten in die Rückrunde gehen konnte. Horn dazu: „Uns ist früh aufgefallen, dass es nicht läuft – auch dem Trainer. Wir haben darüber gesprochen, es aber geschehen lassen. Wir hätten genauer hinschauen müssen. Damit meine ich nicht nur den Trainer, sondern auch alle Spieler.“ Denn auch im Binnenklima der Mannschaft hätten sich Dinge verändert, wie der Torwart beschreibt: „(…) teilweise sind Dinge aus der Mannschaft an die Öffentlichkeit geraten. Das hatte es zuvor seit Jahren nicht gegeben. Das belastet die Vertrauensbasis enorm.“ Es sei nicht so leicht, auch im Misserfolg zusammenzustehen, weshalb sich das Teamgefüge verändert habe.

Timo Horn: „Wir haben alle versagt“

Horn, seit 2012 Stammkeeper beim 1. FC Köln, konstatiert deswegen: „Wir haben alle Fehler gemacht.“ Für ihn selbst sei die Statistik mit den meisten Gegentoren „extrem enttäuschend“, was er damit begründet, dass der Mannschaft „die Stabilität der Vorjahre“ abgegangen sei. Persönliche Fehler wie das Gegentor gegen Stuttgart nutze Horn dafür, „noch etwas konzentrierter zu trainieren, noch genauer hinzuschauen, noch fester zuzupacken.“ Dass nun der Abstieg nahe, quittiert Horn mit folgenden Worten: „Wenn wir absteigen sollten, muss man klar und deutlich sagen: Wir haben alle versagt. Als Mannschaft und als Verein. So bitter das auch ist.“

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

In dieser Saison offenbarte Horn auch im Umgang mit den Medien, vorangehen zu wollen: „Grundsätzlich versuche ich, mich menschlich weiterzuentwickeln. Und es gehört natürlich auch zur Persönlichkeitsentwicklung dazu, sich in schweren Zeiten zu stellen. Man ist den Fans Erklärungen schuldig.“ Das Spieljahr 2017/2018 sei aber dennoch kein verlorenes, betont der Rondorfer. „Nach so einer Saison kann dich nicht mehr viel schocken. (…) Ich persönlich habe vor der Saison gedacht, dass ich mich über das internationale Geschäft vielleicht für die Nationalelf empfehlen kann. Dann ist es so schlecht gelaufen, dass ich daran keinen Gedanken mehr verschwendet habe. Es ist eine wichtige Erfahrung, dass es nicht immer bergauf geht in der Karriere.“

Zur Zukunft: „Frühzeitig eine klare Ansage machen“

Bereits unter der Woche war zu vernehmen, dass Horn einen Verbleib beim effzeh nicht ausschließe, was sich im Interview mit dem „Geißbockecho“ erneut bestätigte – in den nächsten Wochen würden mit den Verantwortlichen Gespräche geführt. Die sportliche Komponente sollte dabei nicht die einzige sein, wie der Torwart betont: „Man muss abwägen, was das Beste für einen persönlich ist. Da spielen auch andere Dinge eine Rolle. Ich bin hier beim 1. FC Köln zu Hause, fühle mich hier sehr wohl, bin mit den Menschen und den Abläufen vertraut. Ich kann mir hier über Jahre etwas aufbauen.“ Sein Herz hänge eben am effzeh, auch wenn sein Verstand ihm sage, dass auch die Nationalmannschaft, das internationale Geschäft und möglichst hohes Niveau die anderen Ziele seien. Deswegen sehe sich Horn „in der Pflicht, frühzeitig eine klare Ansage zu machen“, ob er seine Ausstiegsklausel ziehe oder nicht.

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