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Analyse

Testspiel gegen Bologna: Der Plan ist erkennbar beim 1. FC Köln

Beim 1. FC Köln ist auch im Trainingslager in Kitzbühel einiges von der neuen Spielanlage erkennbar. Wir erklären, wie das Spiel mit und gegen den Ball bisher aussieht.

Foto: effzeh.com

Der 1. FC Köln hat das nächste Testspiel erfolgreich bestritten: Gegen den Tabellenzehnten der vergangenen Serie-A-Saison, den FC Bologna, gewann die Mannschaft von Trainer Achim Beierlorzer mit 3:1 (2:0). Die Italiener beginnen ihre Saison erst zwei Wochen nach dem effzeh, weswegen sie in der Vorbereitung natürlich ein wenig später dran sind. Dass Testspiele unabhängig vom Gegner und dessen Trainingszustand aber schon gewisse Erkenntnisse aufzeigen können, offenbarte die gestrige Partie: Der Bundesliga-Aufsteiger scheint auf einem guten Weg. Dementsprechend war Beierlorzer nach der Partie auch zufrieden, der Fußballlehrer sah eine „Fortsetzung“ von den jüngsten Testspielleistungen.

Wie gewohnt lief seine Mannschaft im 4-4-2 auf, in dem die Doppelsechs aus Verstraete und Drexler bestand. Beide sind an sich offensivere Spielertypen, die sich eher auf der Acht (Verstraete) oder auf der Zehn (Drexler) sehen. Die Doppelspitze bestand aus Cordoba und Modeste. Ansonsten dürften auf den Außenbahnen die Pärchen bereits einige Wochen vor Saisonstart feststehen: Jonas Hector ist hinten links ohnehin gesetzt, Florian Kainz vor ihm spielt eine starke Vorbereitung. Die rechte Seite dürfte sich allen Eindrücken zufolge aus den beiden Neuzugängen Ehizibue und Schindler zusammensetzen.

Tore aus Balleroberung und Aufbausituationen

Bologna selbst verteidigte ebenfalls in einem 4-4-2, ließ aber große Abstände zwischen den einzelnen Positionen. Im zentralen Mittelfeld versuchten es die Italiener über weite Strecken mit Mannorientierungen gegen Drexler und Verstraete. Das Führungstor erzielte der effzeh nach einem erzwungenen Ballverlust, bei dem Drexler den Ball aufnahm und auf der rechten Seite Schindler einsetzte. Der Ball in den Rücken der Abwehr fand Kainz, der nach elf Minuten auf 1:0 stellte. Das 2:0 entstand aus einer Aufbau-Situation, in der Ehizibue als Außenverteidiger den Weg in die Mitte suchte und damit den Passweg auf Schindler ermöglichte.

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Darauf folgte ein Tiefenlauf des Niederländers, Schindler setzte ihm mit einem Steilpass ein. Der Rückpass von der Grundlinie wurde erneut von Kainz aufgenommen, der dieses Mal in die lange Ecke traf. Beim 3:0 öffnete Marcel Risse das Spiel mit einem hohen Ball auf Terodde, der aufgrund der mangelnden Abstimmung bei der italienischen Innenverteidigung nicht im Abseits stand. Der mitgelaufene Churlinov durfte dann das 3:0 erzielen. Der 1:3-Anschlusstreffer Bolognas fiel nach einem robusten Einsatz Orsolinis, der sich gegen Bader durchsetzte und dann Sörensen aussteigen ließ – Krahl hatte gegen den Abschluss keine Chance.

Der 1. FC Köln mit Ball: Ein Plan ist erkennbar

Was beim Aufsteiger tatsächlich schon ganz gut läuft, sind gewisse Abläufe in Ballbesitz. Die Pärchenbildung auf den Außenbahnen ermöglicht es, durch viel Präsenz dort Situationen zu schaffen, in denen Torgefahr entstehen kann. Ehizibue und Schindler bringen auf der rechten Seite viel Tempo und Dribbelstärke mit, sie suchten gegen Bologna oftmals den Weg per Flanke. Da das Zentrum mit Cordoba und Modeste in dieser Partie durchaus wuchtig besetzt war, schien das auch ein gutes Mittel. Die linke Seite mit Kainz und Hector kommt weniger geradlinig daher, sucht häufiger das Dribbling und in Person des deutschen Nationalspielers auch den Halbraum im Mittelfeld.

Foto: effzeh.com

Was überzeugte, waren die vielen Kombinationen auf engem Raum, die der Bundesliga-Aufsteiger in dieser Partie zeigte. Speziell ab der 60. Minute und dem kompletten Wechsel versuchte es der effzeh dann auch mehr durchs Zentrum, weil Schaub und Koziello immer anspielbar waren und mit einfachen Steil-Klatsch-Kombinationen die Linien überspielten. Eine Gefahr bei einer Doppelspitze aus zwei echten Stürmern liegt unterdessen darin, dass beide zu sehr ähnliche Bewegungsmuster wählen – gegen Bologna sah man Cordoba und Modeste zum Teil auf einer Linie. Um Chaos beim Gegner zu stiften, braucht es gegenläufige Bewegungen, um auch mal einen Innenverteidiger aus der Kette herauszuziehen.

Der 1. FC Köln ohne Ball: Hohe Intensität, aber noch nicht fehlerfrei

Den Ball immer wieder zu erobern, wenn der Gegner ihn hat, kann natürlich nicht funktionieren. Und so gab es auch im Test gegen Bologna Szenen, die Beierlorzer und seinem Team in der Videoanalyse aufgefallen sein dürften. Nach 13 Minuten konnte Bologna einen öffnenden Ball spielen, weil das Angriffspressing der Kölner nicht funktioniert hatte. Gefährlich wurde es nicht, weil Rodrigo Palacio sich verzettelte und nicht wirklich Tempo aufnahm. Manchmal pressten gar die Innenverteidiger und setzten danach zu Läufen nach vorne an, was folgerichtig jede Menge offene Wiese hinter ihnen freiließ. In der Bundesliga wird es interessant zu beobachten sein, wie intensiv der 1. FC Köln die Gegner anläuft. Wenn die Offensivspieler der „Geißböcke“ den Ball verlieren und das defensive Mittelfeld nicht nachrückt, kann es sofort eng werden. Mit Ellyes Skhiri scheint in diesen Tagen noch ein passender Spielertyp für diese Form der Absicherung verpflichtet zu werden.

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Allgemein dürfte der Wechsel zwischen Kompaktheit und Nach-vorne-Verteidigen in den nächsten Wochen auf der Agenda stehen, wie auch der Trainer nach dem Spiel anerkannte: Das Schwierige sei es, genau den richtigen Moment zu erwischen, um aus der Kompaktheit wieder aggressiv zu verteidigen. Dazu gehört eben auch, dass sich der effzeh gegen den Ball sowohl vertikal als auch horizontal in kompakter Form präsentiert und die Außenseiten frei lässt. Die Gefahr bei solchen Situationen liegt darin, dass der Gegner durch ein paar kurze Pässe in einem bestimmten Raum die effzeh-Spieler lockt, damit diese den Raum attackieren und dann die gegenüberliegende Seite öffnen. Durch eine gute Verlagerung (und von denen spielte Bologna nicht viele) kann dann die Gegenseite eingesetzt werden – wenn die Offensivspieler dort Anschluss finden, kann es gefährlich werden.

Foto: effzeh.com

Das Fazit: Es schaut schon vernünftig aus

Der Verlauf des Testspiels gegen Bologna war insgesamt positiv – gegen Villareal am morgigen Sonntag dürfte es schon schwieriger werden. Der Tabellen-Vierzehnte aus der spanischen La Liga ist weiter in der Vorbereitung als Bologna und mit beispielsweise Santi Cazorla, Anguissa und Chukwueze sehr gut besetzt. Eine Woche vor der abschließenden Generalprobe gegen Southampton besteht also eine weitere Möglichkeit, die Bundesliga-Tauglichkeit der „Geißböcke“ abzuklopfen.

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