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In der letzten Aktion im ersten Spiel nach der Rückkehr direkt zum Derbyhelden werden? Was nach Hollywood klingt, wurde am Sonntag in Müngersdorf für Simon Terodde beim 1. FC Köln zur Realität.

Beim Schlusspfiff sank Simon Terodde auf die Knie und schrie seine ganze Freude heraus, während seine Mannschaftskollegen auf ihn zu stürmten. 96 Minuten hatte sich der Stoßstürmer des 1. FC Köln im Derby gegen Borussia Mönchengladbach in vorderster Front aufgerieben, um bei seiner Rückkehr zu den „Geißböcken“ mit einer Aktion in die Herzen der Fans zu gelangen. Die perfekte Flanke des eingewechselten Konstantin Rausch nickte der Neuzugang vom VfB Stuttgart mustergültig zum 2:1-Erfolg in letzter Sekunde ein und drehte das Müngersdorfer Stadion auf links.

„In der 96. Minute, in der sich schon alle auf das Remis eingestellt hatten, doch noch den Siegtreffer zu erzielen, ist einfach unbeschreiblich. Die Flanke von Kocka Rausch war sehr gut, ich bekomme den Körper noch hinter den Ball, der dann hinten einschlägt. Besser kann man bei seinen neuen Mannschaftskollegen nicht ankommen“, beschreibt Terodde die entscheidende Szene im lange umkämpften Duell der rheinischen Rivalen. „Den Rest habt ihr ja selbst gesehen. Ich kann mich an die Szenen gar nicht mehr so genau erinnern. Ich glaube, da lagen zehn oder 15 Leute auf mir drauf“, sagte der Matchwinner nach der Partie mit einem breiten Grinsen im Gesicht. „Ich habe kaum Luft bekommen, aber das sind Emotionen, die kann uns keiner mehr nehmen. Das war enorm wichtig, wir freuen uns sehr über den Sieg!“

Teamplayer und Torjäger: Terodde wird zum Volltreffer

Zuvor war es kein einfaches Spiel für den neuen Kölner Angreifer, der bereits von 2009 bis 2011 beim FC unter Vertrag stand und fünf Kurzeinsätze in der Bundesliga für die „Geißböcke“ absolvierte, gewesen – gegen die zweikampfstarke Defensive der Gladbacher um den Dänen Jannik Vestergaard hatte Terodde als einzige Kölner Spitze einen schweren Stand. Doch der Zweitliga-Torschützenkönig der Vorsaison steckte nicht auf, lief als erster Verteidiger seiner Mannschaft die gegnerische Abwehrreihe an und scheute kein direktes Duell. Torjäger Terodde als Teamplayer – für den 1,92 Meter großen Sturmhünen eine Selbstverständlichkeit, der sich und seine Kollegen bei seinem einzigen Torschuss an diesem Nachmittag für die Schwerstarbeit belohnte.

Wie Simon heute gegen den Ball gearbeitet hat, wie er sich gegen Vestergaard aufgerieben hat, wie er nachgesetzt und gegrätscht hat – das ist ein Typ, den wir vorne gebraucht haben. Das ist genau das, was wir wollten.

Nicht umsonst heimste der Rückkehrer nach seinem ersten Bundesliga-Treffer im effzeh-Dress ein Sonderlob des Trainers ein. „Wie Simon heute gegen den Ball gearbeitet hat, wie er sich gegen Vestergaard aufgerieben hat, wie er nachgesetzt und gegrätscht hat – das ist ein Typ, den wir vorne gebraucht haben. Das ist genau das, was wir wollten. Und wenn er dann noch entscheidende Tore macht, ist es umso besser“, schwärmte Stefan Ruthenbeck von der Einsatzbereitschaft seines Stoßstürmers, der aufgrund der kurzen Winterpause nur wenige Einheiten mit seinen neuen Kollegen absolvieren konnte. Erfolgreich war es am Ende trotzdem – weil Terodde bei der Rausch-Flanke trotz all der vorher geleisteten Fleißarbeit so agierte, wie ein Torjäger auf diesem Niveau eben agieren muss. Für Ruthenbeck ist der Fall klar: „Simon, das kann ich jetzt schon sagen, wird ein Volltreffer werden!“

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Schlussakkord in einem packenden Derby

Einen Volltreffer hat Terodde bereits auf dem Konto – eine Szenerie, die sich kein Drehbuchautor besser hätte einfallen lassen können. Bei seinem ersten Einsatz im FC-Trikot nach ziemlich genau sieben Jahren Abstinenz ist Terodde der umjubelte Held in einer kämpferisch überzeugenden Kölner Mannschaft. „Man macht sich ab der 80. Minute schon seine Gedanken, ob man vielleicht noch den Lucky Punch setzen kann“, schildert der 29-Jährige sein Innenleben vor dem entscheidenden Treffer. „Beide Mannschaften haben nach dem 1:1 mit offenem Visier gespielt, das war für die Zuschauer sicher sehr schön anzuschauen. Am Ende hatten wir das glücklichere Ende für uns, aber das hat sich der Verein und die Mannschaft ganz einfach auch verdient“, betont Terodde, der beim FC unter Beweis stellen möchte, dass er auch in der Bundesliga seine Extraklasse als Torjäger zeigen kann.

COLOGNE, GERMANY - JANUARY 14: Simon Terodde of Koeln heads his teams winning goal during the Bundesliga match between 1. FC Koeln and Borussia Moenchengladbach at RheinEnergieStadion on January 14, 2018 in Cologne, Germany. (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Einen ersten Eindruck davon erhielt die Borussia nahezu mit dem Abpfiff. Teroddes Treffer war der Schlussakkord in einem äußerst packenden Derby, das eigentlich keinen Sieger verdient hatte. Doch auch hier war Teroddes Traumstart das Sinnbild für die Kölner Leistung an diesem Sonntagnachmittag: Nicht alles gelang auf Anhieb und mitunter tat sich der FC gegen die individuell stärker besetzten Gäste aus Mönchengladbach schwer, doch mit viel Herz und enormer Leidenschaft stemmten sich die „Geißböcke“ in diesem Duell dem Favoriten entgegen. Die Führung durch Frederik Sörensen (34.) verteidigten mutige Kölner bis zur 69. Minute, als Raffael die aufkommende Borussia mit dem verdienten Ausgleich belohnten. In der Schlussphase wogte das Derby hin und her, beide Teams hatten die Chance zum prestigeträchtigen Erfolg auf dem Fuß.

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Derbysieg „ganz wichtig für die Köpfe“ beim 1. FC Köln

Am Ende entschied aber ein Rückkehrer mit Köpfchen das Aufeinandertreffen der rheinischen Rivalen – und schürt damit beim FC die Hoffnung, die verkorkste Hinrunde vergessen zu machen und das Wunder des Bundesliga-Verbleibs doch noch zu schaffen. „Mit so einem Siegtor das Derby zu beenden ist natürlich überragend. Tolle Flanke von Rausch und dann hat Terodde einfach gezeigt, was er kann. Das ist ganz wichtig für die Köpfe“, betonte Innenverteidiger Dominique Heintz nach dem Last-Minute-Triumph, der von den Kölner Fans begeistert mit „Derbysieger FC“-Gesängen gefeiert wurde. Auch der Kölner Torwart Timo Horn stimmte nach dem emotionalen Ende der Partie in den Chor der Optimisten ein: „Wenn der Funken Hoffnung jetzt nicht zündet, weiß ich es auch nicht.“

Hinweis: Dieser Artikel ist zuerst auf bundesliga.de erschienen.

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