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Peter Stöger kehrt erstmals nach Köln zurück. Vorher hat der Ex-Trainer in Interviews auf die Hinrunde und seinen Abschied aus Köln zurückgeblickt – und sich dabei auch durchaus kritisch über Armin Veh und den Vorstand der „Geißböcke“ geäußert.

Am Freitagabend kommt Borussia Dortmund nach Köln. Und mit den Schwarzgelben kehrt auch der ehemalige Trainer des 1. FC Köln, Peter Stöger, an seine alte Wirkungsstätte zurück. Dass der Abschied aus Köln auch beim Österreicher nach viereinhalb erfolgreichen Jahren seine Spuren hinterlassen, merkt man auch den jüngsten Interviews des jetzigen BVB-Trainers an.

„Für uns als Trainerteam und Alex Bade im Besonderen, weil er noch viel länger beim FC war, ist das natürlich eine sehr spezielle Partie“, erklärt der Wiener im Gespräch mit dem „Express“. In Köln herrsche zwar gerade viel Begeisterung, doch „von der Grundsubstanz her sollte der BVB das Spiel gewinnen können“, führt Stöger aus.

Das sportliche Geschehen rückt im Vorfeld der Partie allerdings ohnehin etwas in den Hintergrund – zu viele Fragen sind rund um die katastrophale Hinrunde des FC mit Stöger an der Seitenlinie offen geblieben. Der schnelle Wechsel des Österreichers, inklusive neuem BVB-Outfit, sorgte bei einigen Kölner Fans für Verwunderung bis Kopfschütteln. „Was hätte ich sonst tragen sollen? Ich bin jetzt beim BVB, dazu stehe ich“, sagt Stöger dazu. Er verstehe zwar, dass die Kurzfristigkeit der neuen Aufgabe hinterfragt werde, allerdings sei er in Köln nun einmal entlassen worden. „Der FC hätte die Möglichkeit gehabt, das bis zum Winter mit uns zu machen. Oder bis zum Sommer. Aber das alles wollten sie nicht mehr. Ich wollte nur Klarheit, kein Geeiere von Woche zu Woche.“

Stöger: „Ruthenbeck hatte es bereits kommuniziert“

Erstmals nach seinem Abschied lässt der Österreicher aber auch ein paar Details aus den turbulenten Wochen am Geißbockheim durchblicken. So sei es durchaus so gewesen, dass die Club-Führung nach dem Remis auf Schalke ob der Trennung von Stöger noch einmal ins Wanken gekommen sei. „Aber die Spieler waren informiert, Stefan Ruthenbeck hatte es bereits kommuniziert – ich kann mich jetzt gerne noch entschuldigen, dass wir auf Schalke 2:2 gespielt haben, aber ich glaube, dass das auch ein Ergebnis der Klarheit war, die wir dann gefunden hatten.“

Insgesamt sei es dennoch ein vernünftiger Abschied aus Köln gewesen, resümiert Stöger. „Ich bin vor allem mit Alex Wehrle absolut im Reinen. Dass das Ergebnis mit drei Punkten aus 14 Spielen zu wenig war, darüber brauchen wir nicht zu reden.“ Dass es kurzfristige Überlegungen gegeben habe, Stöger als Sportchef im Club zu halten, bestätigt der Österreicher. „Dass ich die Position aus Wien kenne und das eine Option gewesen wäre, mag sein. Aber das war wohl nicht mehrheitsfähig im Vorstand.“

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Als Gründe für den sportlichen Niedergang nennt Stöger, der sich nicht unbedingt übermäßig selbstkritisch äußerte, derweil zum einen die Offensivschwäche nach dem Abgang von Anthony Modeste, falsche Transferentscheidungen, mangelndes Glück, fatale Schiedsrichterentscheidungen und die vielen Verletzungen, „deren Gründe Armin Veh ja ausdrücklich erklärt hat.“

„Nicht alles als richtig nehmen, was gesagt wird“

Der neue Kölner Geschäftsführer hatte den Ex-Trainer in den letzten Wochen mehrfach öffentlich ohne Not attackiert und als Alleinverantwortlichen für die Verletzungsmisere ausgemacht – Vorstand, Geschäftsführer-Vorgänger Jörg Schmadtke, der Rest des Trainerteams und auch die Mannschaft des 1. FC Köln blieben von Vehs Attacken derweil stets unberührt. Ein Gespräch mit Veh werde es deshalb allerdings nicht geben, erklärt Stöger: „Er hat jetzt seine Funktion, die glaubt er so ausfüllen zu müssen. Wenn das alles so sein sollte, wie er es sagt, dann habe ich mich bekanntlich schon dafür entschuldigt. Aber ich muss auch nicht alles als richtig nehmen, was gesagt wird.“ Auch mit seinem Nachfolger Stefan Ruthenbeck wolle Stöger kein gesondertes Gespräch suchen. „Ob das jetzt ideal war, dass er mein Aus vermeldet hat? Vermutlich nicht. Aber irgendwer wird es ihm auch gesagt haben. Er braucht mir nichts erklären, sich nicht entschuldigen. Ich wünsche ihm wirklich viel Glück!“

COLOGNE, GERMANY - OCTOBER 15: Manager of Koel Joerg Schmadtke (L) and Head Coach Peter Stoeger stay together prior to the Bundesliga match between 1. FC Koeln and FC Ingolstadt 04 at RheinEnergieStadion on October 15, 2016 in Cologne, Germany. (Photo by Lukas Schulze/Bongarts/Getty Images)

Schmadtke und Stöger | Foto: Lukas Schulze/Bongarts/Getty Images

„Vielleicht hätten wir im Erfolg einen größeren Schnitt machen müssen“, zeigt sich der Ex-Trainer grundsätzlich noch nachdenklich in Bezug auf seine letzten Monate in der Domstadt. „Rein egoistisch hätte ich im Sommer aufhören müssen“, sagte der Österreicher auch im Gespräch mit „Eurosport“, doch das habe er schlichtweg nicht gewollt. Dass der Streit mit Ex-Geschäftsführer Jörg Schmadtke der Hauptgrund für die Entwicklungen am Geißbockheim gewesen sei, will der Österreicher unterdessen nicht unbedingt bestätigen. „Wenn sie das so sehen möchten, ist das so.“

„Weiß nicht, ob alles richtig dargestellt wurde“

In der Kommunikation sei zwar nicht alles optimal gewesen, man habe sich aber nicht jeden Montag im „Boxring getroffen“, erklärt Stöger und äußert dann zwischen den Zeilen deutlich Kritik an der Kölner Vereinsführung: „Ich weiß bis heute nur von Dritten, warum Schmadtke gegangen ist. Und wenn ich all das höre, was aus dem Verein hinterher über mich gesagt wurde, weiß ich jetzt auch nicht, ob das im Fall von Jörg alles so richtig dargestellt wurde.“ Ein Schicksal, das der Ex-Trainer mit Mitgliedern und Fans des 1. FC Köln übrigens teilt: Der Vorstand um Präsident Werner Spinner hat die Gründe der schnellen Trennung von Schmadtke bis heute nicht kommuniziert, sondern den Geschäftsführer mit einer üppigen Abfindung kurzerhand einfach gehen lassen.

Kontakt zu Schmadtke, Treffen geplant

Mittlerweile habe er mit seinem Ex-Vorgesetzen auch wieder Kontakt gehabt, man werde sich treffen, um die Dinge persönlich zu besprechen, erklärt Stöger mit Blick auf Schmadtke. „Als wir beide nach Köln kamen, waren da ein paar Spieler und 30 Millionen Euro Schulden. Man kann jetzt alles schlecht reden, aber ich denke der Verein steht viel besser da als 2013.“

Nichtsdestotrotz hält Stöger die sportliche Rettung des 1. FC Köln für möglich. „Ich habe oft genug erlebt, welche Wucht diese Fans, diese Stadt, entwickeln können. Ich halte es nicht für ausgeschlossen und würde mich sehr freuen, wenn es final gelingt.“ An diesem Wochenende wolle er die Kölner Rettung zunächst aber mit dem BVB und einem Auswärtssieg etwas schwieriger gestalten.

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