Nach 184 Ausgaben macht Ralf Friedrichs Schluss mit dem FC-Stammtisch-Talk. Im Exklusiv-Interview spricht er mit uns ausführlich über das Ende – und seine Pläne.
“Das war der FC-Stammtisch-Talk. Die 185. Ausgabe findet im Mai 2018 in Lyon statt” – mit diesen humorvollen Worten von Michael Trippel endete am Montagabend in der “KölschKultur” in Sülz eine Ära. Seit 2009 hatte Ralf Friedrichs mit dem FC-Stammtisch-Talk die Diskussionen um den 1. FC Köln aufgearbeitet, bereichert und zeitweise sogar geprägt. Nach acht turbulenten Jahren sagte der Grandseigneur des kölschen Fußballtalks zum Ende “Tschö” – auf dem Höhepunkt des Europapokal-Einzugs nimmt Friedrichs den Hut. Mit effzeh.com sprach er zum Abschied über das Ende des Stammtischs, dessen Anfang und die Geschichte sowie seine Zukunftsplanungen.
Ralf, der 184. und letzte FC-Stammtisch endete emotional: Eine Rede deines Sidekicks Thomas Wagner, ein Geschenk des 1. FC Köln, Sprechchöre für dich im Kneipenrund. Wie schwer fällt Dir da der Abschied?
(atmet tief durch) Das ging schon ganz tief rein. Es war eine Bestätigung für viele Jahre Arbeit, am Puls des FC zu sein und vielen Fans das zu geben, was sie offenbar haben wollten.
Ich hatte das Gefühl, dass es den Spielern beim Stammtisch gefallen hat. Es ist aus Sicht des Vereins aber so, dass sich das Ganze mehr auf Mitgliederabende verlagert, wo natürlich weniger der kritische Ansatz und dafür mehr Folklore im Vordergrund steht.
Was war denn für Dich ausschlaggebend, nach dieser Saison den Hut zu nehmen und den FC-Stammtisch einzustellen? Du trittst nach dem Europa-League-Einzug quasi auf dem Höhepunkt ab.
Für den FC-Stammtisch würde ich es gar nicht einmal den Höhepunkt nennen. Das war für das Format sicherlich bis vor einem Jahr, als öfters auch FC-Spieler zu Gast waren. Jahrelang war das normal, leider hat sich das dann etwas gedreht. Der Verein hat einen neuen Weg eingeschlagen, macht jetzt in diesem Bereich mehr selbst und will die Meinung nun durch eigene Veröffentlichungen prägen. Das empfinde ich als Fan sogar richtig, für den Stammtisch war das aber nicht so gut.
Es gab also vom FC die Ansage, dass keine Spieler mehr zum Stammtisch kommen werden?
Genau. Das wurde mir fairerweise im vergangenen Sommer frühzeitig mitgeteilt. Ich akzeptiere diese Entscheidung, aber finde es natürlich schade. Ich hatte das Gefühl, dass es den Spielern beim Stammtisch gefallen hat. Es ist aus Sicht des Vereins aber so, dass sich das Ganze mehr auf Mitgliederabende verlagert, wo natürlich weniger der kritische Ansatz und dafür mehr Folklore im Vordergrund steht.
Also hat letztlich die Entscheidung des Vereins, den Stammtisch nicht mehr in der Form zu unterstützen, für Dich den Ausschlag zum Aufhören gegeben?
Eines vorweg: Ich habe das nicht persönlich genommen, das ist mir wichtig zu betonen! In dem Moment war mir klar, dass ich den Stammtisch am Ende der Saison in Würde beenden möchte. Ich habe in letzter Zeit schon gemerkt, dass unsere Themenansätze nicht immer so erwünscht sind, wie ich es mir vorstelle. Ich liebe diesen Verein, ich bin FC-Fan, aber ich will nicht alles nur hochjubeln und Dinge, die ich anders sehe, unter den Tisch fallen lassen. Konstruktive Kritik ist genauso wichtig wie das berechtigte Lob.
Ich liebe diesen Verein, ich bin FC-Fan, aber ich will nicht alles nur hochjubeln und Dinge, die ich anders sehe, unter den Tisch fallen lassen. Konstruktive Kritik ist genauso wichtig wie das berechtigte Lob.
Dabei war das immer der Ansatz des Stammtischs, beispielsweise auch und gerade beim vorherigen Vorstand. Hast Du das Gefühl, dass die wohlwollende, aber mitunter kritische Begleitung eine Rolle gespielt hat?
Foto: Dieter Voß
Auch, ja. Wir sind gerade Fünfter geworden, haben sensationell den Einzug in die Europa League feiern dürfen, es gibt also wenig Grund zur Kritik. Im Gegenteil: Es wird gejubelt, was das Zeug hält, auch hier beim Stammtisch wurde vom Europapokal gesungen. Es macht derzeit einfach Spaß, FC-Fan zu sein. Der Stammtisch war aber auch immer dafür bekannt, den Verein auch ob mancher Entscheidung zu hinterfragen. Aber nie um der Kritik willen, sondern weil man es gut mit dem FC meint. Es ist mein Verein, die Verantwortlichen machen einen herausragenden Job – das darfst du fünfmal unterstreichen –, aber sie sind auch nur Menschen. Und Menschen machen Fehler. Niemand kann alles richtig machen, auch ich nicht. Dann gibt es eben Kritik an mir – manches empfinde ich als überzogen, manches sind gute Anmerkungen. Warum sollte das, bei all der hervorragenden Arbeit, nicht auch für den FC gelten?
In der Historie des 1. FC Köln ist die Beziehung zum Medienstandort schon immer schwierig gewesen, zeitweise ist der Klub förmlich in den Keller geschrieben worden. Dass man versucht, dem entgegenzuwirken, ist völlig in Ordnung. Wir müssen aber aufpassen, dass der 1. FC Köln nicht im Prinzip das alleinige Meinungsmonopol hält. Ein bisschen Reizklima ist manchmal nicht schlecht!
Was gibt es denn überhaupt für Reaktionen auf den Stammtisch aus dem Verein?
Bis auf den heutigen Abend, wo ich für meinen Einsatz vom FC geehrt wurde, war es doch so, dass zwar keine Beschwerden kamen, aber man spürt, dass unsere Herangehensweise nicht immer Gefallen findet. Ich kann das sehr gut verstehen: In der Historie des 1. FC Köln ist die Beziehung zum Medienstandort schon immer schwierig gewesen, zeitweise ist der Klub förmlich in den Keller geschrieben worden. Dass man versucht, dem entgegenzuwirken, ist völlig in Ordnung. Wir müssen aber aufpassen, dass der 1. FC Köln nicht im Prinzip das alleinige Meinungsmonopol hält. Ein bisschen Reizklima ist manchmal nicht schlecht!
Ist es daher vielleicht sogar schwieriger, in ruhigem Gewässer kleine Korrekturen am Kurs zu fordern als in rauer See, weil die geschlagenen Wellen dann mehr auffallen?
Genau das. Wenn es rund läuft, ist es leicht zu sagen: Alles ist super. Wenn man aber sieht, dass es Punkte gibt, über die man reden muss, sollte man das auch tun. Warum auch nicht? Alles hochzujubeln kann doch auch nicht der Sinn der Sache sein. Der FC macht aktuell sehr, sehr viel richtig – aber es gibt eben immer auch Dinge, die man kritisch sehen und besprechen kann. Fundiert, konstruktiv und belegt durch Argumente! Ich habe jedoch manchmal das Gefühl, dass es Strömungen rund um den Klub gibt, die selbst das nicht zulassen wollen und das als Stimmungsmache einschätzt. Auch deshalb hört der FC-Stammtisch nun auf!
Was beim 1. FC Köln seit 2013 passiert ist, ist einfach phänomenal. Ich frage mich, wo das alles noch hinführen soll: Aufstieg, souveräner Klassenerhalt mit Platz zwölf, dann Platz neun und jetzt Europa League. Das ist kein Zufall, dieser Verein entwickelt sich gerade in eine fantastische Richtung.
Dabei ist das Große und Ganze beim FC äußerst positiv zu bewerten. Hättest Du 2009 beim Start des FC-Stammtischs es dir erträumt, dass wir heute Abend beim letzten Stammtisch zusammensitzen und vom Erreichen des Europapokals singen?
Erträumt habe ich es mir immer, realistisch war das natürlich nicht. Was beim 1. FC Köln seit 2013 passiert ist, ist einfach phänomenal. Ich frage mich, wo das alles noch hinführen soll: Aufstieg, souveräner Klassenerhalt mit Platz zwölf, dann Platz neun und jetzt Europa League. Das ist kein Zufall, dieser Verein entwickelt sich gerade in eine fantastische Richtung.
Ob der Stammtisch einen kleinen Teil dazu beigetragen hat?
Jetzt muss ich aufpassen, was ich sage (lacht). So toll alles war, so rauschend der Abschied war, muss ich eines klar festhalten: Wir füllen nur die Zeit zwischen zwei Spielen, das danach und das davor. Ich will es aber auch nicht kleinreden. Besonders in der Ära Overath war ein Dialog unglaublich notwendig. Das ist das eigentliche Verdienst des Stammtischs, denn diesen Dialog gab es zu dieser Zeit de facto nicht. Ich denke – bei aller Bescheidenheit – schon sagen zu können, dass der Stammtisch ein einzigartiges Format war, das sich fan-orientiert mit diesen Themen auseinandergesetzt hat. Die Bereiche Medien, Fußball und Fans wurden zusammengebracht und es wurde debattiert, Bewusstsein wurde geschaffen. Das hat schon etwas bewirkt!
So toll alles war, so rauschend der Abschied war, muss ich eines klar festhalten: Wir füllen nur die Zeit zwischen zwei Spielen, das danach und das davor. Ich will es aber auch nicht kleinreden. Besonders in der Ära Overath war ein Dialog unglaublich notwendig. Das ist das eigentliche Verdienst des Stammtischs, denn diesen Dialog gab es zu dieser Zeit de facto nicht.
Foto: Dieter Voß
Ist diese Nähe zu den Fans auch der Grund, weshalb das Format so gut ankommt? Das Erfolgsgeheimnis, dass der Stammtisch ganz nah am Verein war, aber gleichzeitig die nötige Distanz hatte?
Ich denke, dass es das war. Auf der einen Seite die totale Liebe zum FC, auf der anderen aber auch, sich von dieser Liebe zu lösen. Bei Kindern ist das doch ähnlich: Ich liebe meine Kinder, aber würden sie weiterkommen, wenn ich sie nicht kritisieren dürfte? Ich will meine Rolle jedoch nicht überhöhen, viel hat beim Stammtisch mit den Gästen zu tun. So mancher hatte hier das Gefühl, dass er etwas sagen kann, was er im Boulevard oder anderen Medien so nicht sagen konnte.
Lag das auch an der Stimmung des Talks?
Da mag auch die Kneipenatmosphäre eine Rolle gespielt haben. Ich gebe auch offen zu, dass ich damit so manches Mal gespielt habe. Dadurch kamen einige Aussagen heraus, die sonst nicht gekommen wären. Auch Michael Trippel hat vom alten Vorstand Ärger für Äußerungen beim Stammtisch bekommen. Es ist eben beim Stammtisch etwas Anderes, ich habe ja auch den Heimspiel-Talk bei Center.TV gemacht. Das war im Studio, da sieht es ein bisschen aus wie beim Zahnarzt – und da wurde eben anders gesprochen. Das war der Stammtisch-Vorteil, den wir auch genutzt haben und der das Format so beliebt gemacht hat.