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Kurz & Knapp

Podolski über Ultras, Pyro und 50+1-Regel: „Generell habe ich nichts gegen Pyrotechnik“

Lukas Podolski hat in einem Podcast Rede und Antwort gestanden. Was „Poldi“ zu seiner Zukunft beim 1. FC Köln, seiner Beziehung zu den Ultras, Pyrotechnik und der 50+1-Regel zusagen hatte, haben wir für euch zusammen gefasst.

SUZUKA, JAPAN - OCTOBER 07: German football player Lukas Podolski poses for a photo on the grid before the Formula One Grand Prix of Japan at Suzuka Circuit on October 7, 2018 in Suzuka. (Photo by Mark Thompson/Getty Images)
Lukas Podolski beim Grand Prix in Japan | Foto: Mark Thompson/Getty Images

Während man in der Domstadt gespannt auf die Transferposse rund um die Rückkehr von Anthony Modeste schaut, weilt mit Lukas Podolski eine andere kölsche Legende weiterhin in Japan. Doch seiner Popularität hat der Transfer nach Asien keinen Abbruch getan. „Poldi“ ist weiterhin ein Thema in Köln – ob wegen einer möglichen Rückkehr zum 1. FC Köln oder wegen neueröffneten Döner- und Eisbuden. Im „Phrasenmäher“-Podcast der „Bild“-Zeitung hat Podolski sich nun ausführlich zu diversen Themen geäußert.

Während ein Großteil der Sendung sich mit der Karriere und dem Privatleben des Weltmeisters beschäftigt, geht Podolski auch auf Themen rund um den 1. FC Köln ein. Nachdem Rainer Calmund in einer vorherigen Folge des Podcasts dem kölschen Superstar durchaus die Eignung für einen Vorstandsposten attestiert hatte, wollte der Stürmer damit konfrontiert nicht widersprechen. „Damit hat er recht“, sagte Podolski. „Ich würde mich aber nicht direkt als Präsident sehen, sondern eher in einer anderen Funktion.“ Welche das sei, ist für Podolski derweil offen. „Vielleicht lande ich ja als Capo auf dem Zaun – wer weiß.“ Grundsätzlich wolle er dem FC und der Stadt Köln als „Botschafter“ auf Dauer und mit dem, was er gelernt habe, helfen. „Es ist nicht meine Aufgabe, der starke Mann im Verein zu sein.“ Eine Trainerkarriere kann Podolski sich derzeit allerdings nicht vorstellen: „Vielleicht kommt es so, aber Stand heute würde ich das ausschließen.“

„Was heißt nah dran? Ich bin einer der Fans.“

Insgesamt habe sich das Fußballgeschäft verändert, erklärt Podolski zudem. Das sei nicht nur, was die Ansprüche an Nachwuchsspieler angehe der Fall, sondern grundsätzlich scheint Podolski die Kommerzialisierung im Fußball kritisch zu sehen. „Richtig ist das nicht. Darum kämpfen auch die Kölner Fans darum, dass es so bleibt, um die Tradition und das kölsche Gefühl und dass es nicht weiter in die Richtung Kommerz geht. Da müssen wir uns vielleicht ein bisschen an alten Zeiten orientieren.“ Angesprochen auf seine Nähe zur Kölner Fanszene erklärt Podolski dementsprechend dann auch: „Was heißt nah dran? Ich bin einer der Fans.“ Auch aus seinen Kontakten in die Ultra-Szene macht Podolski kein Geheimnis. „Klar weiß ich, was da abgeht, ich kenne die Jungs ja auch privat und sehe die nicht nur im Stadion auf dem Zaun.“ Finanziell unterstützt habe er die Kölner Ultra-Gruppen bisher jedoch nicht. „Das ist auch nicht deren Ziel, da auf irgendwelche Leute angewiesen zu sein.“ Vielmehr würden die Ultras durch Mitglieder-Beiträge und durch eigene Finanzierung ihre Choreos aber auch soziale Projekte verwirklichen.

„Generell habe ich ehrlich gesagt nichts gegen Pyrotechnik in einem gewissen Maß, also so lange niemand verletzt wird. Und wenn wir mal ehrlich sind: Wie oft ist jemand im Stadion verletzt worden?“

„Mir haben sie bei vielen Projekten schon geholfen. Die Leute draußen sehen immer nur, dass Pyro gezündet wird und sagen `Die Ultras wieder‘ – aber das ist ja nur ein Klischee.“ Auch zum Thema Pyrotechnik hat der ehemalige Nationalspieler dementsprechend einen klaren Standpunkt. „Generell habe ich ehrlich gesagt nichts gegen Pyrotechnik in einem gewissen Maß, also so lange niemand verletzt wird. Und wenn wir mal ehrlich sind: Wie oft ist jemand im Stadion verletzt worden?“ Es sei doch viel wahrscheinlicher, dass im Kölner Nachtleben „irgendetwas passiere“ als im Stadion. „Dennoch wird immer in den Medien über die Ultras diskutiert und so getan als würden nach FC-Spielen immer hundert Krankenwagen hinter der Kurve stehen.“ Es sei schade, dass dieses Bild so verbreitet werde, obwohl vermutlich an einem Wochenende auf den Kölner Ringen mehr passiere als in einer ganzen Bundesliga-Saison, erklärte Podolski.

Investoren? „Mein Weg ist das nicht“

Er selbst sei ein „Ultra-Fan, aber kein Hooligan“, ließ der ehemalige Kölner Spieler zudem wissen. „Es ist ja auch immer die Frage, wie man den Begriff Ultra darstellt. Ich bin halt FC-Fan, ob ich nun ein normaler Fan oder Ultra bin, ich bin einfach Fan dieses Vereins und ich verkörpere den Verein vielleicht anders als andere das machen.“ Fans, die nicht in der Südkurve stehen, würde er das Fansein aber keinesfalls absprechen. „Ich glaube jeder speziell hier in Köln lebt einfach das FC-Gefühl. Sowohl die Fans in der Südkurve als auch die Leute im Osten oder Westen, die leben einfach diesen Verein – aber eben auf eine andere Art und Weise als zum Beispiel die Ultras.“ Angesprochen darauf, ob er Gewalt in der Ultra-Szene kategorisch ablehne, erklärte Podolski: „Es passiert ja nicht im Stadion. Wenn du die Zeitungen aufschlägst, liest du von Schießerei hier und Messerstecherei da, gleichzeitig wird aber so getan, als wären die Leute im Kölner Stadion die Verbrecher. Da muss man aufpassen.“

Dass die zunehmende Kommerzialisierung inklusive immer höherer Gehälter für Spieler die Fans vergraulen könnte, glaubt Podolski derweil nicht. „Die Fans und die Mitglieder, die bleiben immer.“ Da sei es egal, ob der eine, der vor Jahren noch fünf Millionen verdient hat irgendwann zehn Millionen verdiene, der eine Döner und der andere goldene Steaks esse. „Es wird kritisiert, aber am Ende steht man immer zu seinem Verein – und das ist das wichtigste.“

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Auch das immer wieder aufkeimende Thema „50+1-Regel“ wird im Podcast kurz angerissen – auch diesbezüglich hat Podolski eine klare Meinung. Die Regel sollte erhalten bleiben, findet der kölsche Weltmeister. „Schau dir mal das Beispiel 1860 München an, da war auch ein Investor drin und jetzt spielen sie in der Regionalliga. Wenn das der Weg ist, bitteschön. Aber mein Weg ist das nicht.“ Alleine entscheiden könne er das zwar nicht, aber er „hoffe, dass es in Köln so bleibt.“ Der FC sei ein Traditionsclub mit einer großen Geschichte. „Wir haben alles – es gibt viele Möglichkeiten, das auch ohne Investoren hinzukriegen.“ Der FC Bayern, Borussia Dortmund und auch Borussia Mönchengladbach seien dafür gute Beispiele.

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