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Nachspiel

Unentschieden in Kiel: Kölner Schläfrigkeit wird spät bestraft

Später Nackenschlag in Kiel und nur ein Punkt – unser Nachspiel übt Kritik an der Spielanlage des 1. FC Köln, der sich zu oft auf individuelle Klasse verlässt.

Foto: Thomas Eisenhuth/Getty Images

Die Ausgangslage war eindeutig: Nach der unnötigen Heimniederlage gegen Duisburg wollte der effzeh auswärts in Kiel nachlegen. Obwohl das Team von Markus Anfang einige verletzungsbedingte Wechsel vornehmen musste, reiste es als Favorit an die ehemalige Wirkungsstätte des Trainers. Auswärts gewannen die Kölner bislang jedes Spiel, was zusätzliches Selbstvertrauen bedeutete. Das Team aus Norddeutschland war zuhause bis dato ungeschlagen – und ist es auch heute noch. Nach einem großen Patzer von Timo Horn und Jorge Meré gab der 1. FC Köln drei sicher geglaubte Punkte aus der Hand.

Eine Erklärung für den Punktverlust könnte so lauten: Es gab nur einen Fehler im gesamten Kölner Spiel, der bestraft wurde und zur falschen Zeit am falschen Ort passierte. Die Kieler hatten nur wenige Torchancen und der effzeh verpasste es, das Spiel durch einen zweiten Treffer zu entscheiden. Die offensive Ladehemmung wurde durch den Ausfall Louis Schaubs noch zusätzlich verstärkt. Und Kiels Heim- und Willensstärke war ebenfalls ein relevanter Faktor.

Ein lascher und mutloser Auftritt

Allerdings greift dieser Ansatz zu kurz. Denn die Mannschaft aus der Domstadt zeigte vor allem in den Offensivaktionen kaum Mut und Durchschlagskraft. Simon Terodde blieb sehr blass und konnte nur wenige Zuspiele verarbeiten, Simon Zoller zeigte, weshalb Markus Anfang ihn oft nicht berücksichtigte, Niklas Hauptmann kam über solide Ansätze nicht hinaus und Salih Özcan zu selten in offensive Räume. In diese bewegte sich eigentlich nur Dominick Drexler: Der Ex-Kieler war mit Abstand der beste Offensivakteur des effzeh. Er war auch der einzige, der ab der 70. Minute noch bei Konterangriffen zum jeweiligen Stürmer nach vorne sprintete. Obwohl Kiel defensiv alles andere als sattelfest agierte, schaffte es der effzeh kaum, Torchancen herauszuspielen. Es ist bezeichnend, dass das Tor per Elfmeter erzielt wurde.

In der Defensive spielte der effzeh ruhig und konzentriert, man konnte so immerhin die vielen Fehler im Spielaufbau aus den vorherigen Partien vermeiden. Insbesondere Jorge Meré agierte technisch wesentlich stärker als zuvor Lasse Sobiech. Benno Schmitz zeigte ein solides Debüt mit Luft nach oben, trotzdem sollte er sich nun einen Platz in der Startelf gesichert haben. Sein Pendant auf der anderen Seite war defensiv aufmerksamer als sonst, dafür zeigte sich Jannes Horn kaum präsent im Offensivspiel. Keeper Timo Horn musste nur selten eingreifen, patzte aber in der 88. Minute folgenschwer und ließ so den Ausgleich zu.

Anfang ist gefordert

Insgesamt war der Auftritt des effzeh zu lasch und mutlos. Der Mannschaft fehlt die Balance zwischen Entschlossenheit in der Offensive und Kompaktheit in der Defensive. Immer noch entscheidet nur die individuelle Klasse einiger weniger Spieler über Erfolg und Misserfolg. Patzen allerdings auch die Leistungsträger, wie etwa Timo Horn in Kiel, greift Ratlosigkeit um sich. Der Mannschaft fehlt eine Spielanlage, die individuelle Fehler auffangen kann. Hier ist Markus Anfang seit Wochen gefordert, diese herzustellen, was ihm bislang allerdings noch nicht gelingt.

Der Trainer, der von Präsident Werner Spinner noch vor Wochen als „König von Köln“ angepriesen wurde, muss erkennen, dass er das Potential der Mannschaft bislang nicht ausgeschöpft hat. Trotz einiger Verletzungen und einer teilweise konfusen Kaderplanung ist die Mannschaft noch immer die individuell am besten besetzte der Liga. Das sieht man auf dem Platz nur selten. Anfang muss sich daran messen lassen, diesen Umstand in den nächsten Wochen zu verändern. Die Erwartungshaltung im Umfeld ist, anders als er es darstellt, aus Sicht des Autors eigentlich nicht besonders hoch und besteht nur im Ziel, aufzusteigen. Spielt der effzeh so weiter wie gegen Duisburg und Kiel, wird er das Ziel allerdings deutlich verpassen – so viel kann man schon vorwegnehmen.

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