ANZEIGE

Der Serbe ist an fünf der letzten acht effzeh-Tore beteiligt und mittlerweile ein Fixpunkt in der Offensive, obwohl diese Entwicklung nicht zu erwarten war. Wir untersuchen Jojic‘ Zeit beim 1. FC Köln.

Es hat in der jüngeren Vergangenheit beim 1. FC Köln immer wieder Spieler gegeben, die über lange Zeit in der Öffentlichkeit und bei den Fans einen schweren Stand hatten. Man erinnere sich an die Kritik an Yuya Osako, dessen Spielweise und Körpersprache monatelang diskutiert und kritisiert wurde, bevor der Japaner spätestens in der vergangenen Saison zu einem absoluten Fixpunkt in der effzeh-Offensive wurde. Ähnlich war es bei Konstantin Rausch, dessen hohe Arbeitsrate in vielen Diskussionen dadurch überlagert wurde, dass er nicht jede Flanke an den Mann brachte. Ein weiteres Beispiel dafür ist der Serbe Milos Jojic, der seit Sommer 2015 beim 1. FC Köln im Mittelfeld spielt und auch nicht immer gut gelitten war. Zugegeben: Auch der Verfasser dieses Textes musste sich in den letzten zweieinhalb Jahren immer wieder mal die Haare raufen, wenn der ehemalige Dortmunder im Mittelfeld in einem Zweikampf den Ball verlor.

Nach dem fulminanten Start, den Jojic in der Bundesliga erlebte, kehrte relativ schnell Normalität ein: Vor vier Jahren wechselte der Serbe im Januar von Partizan Belgrad zu Borussia Dortmund, wo er unter Jürgen Klopp direkt in seinem ersten Einsatz ein Tor erzielte. In neun weiteren Einsätzen folgten drei weitere Treffer und eine Vorlage, was unter dem Strich eine gute Bilanz bedeutete. Die Folgesaison war jedoch sowohl für den BVB als auch für den serbischen Mittelfeldspieler ein wenig komplizierter: Jojic spielte zwar in den ersten sieben Spielen, danach folgten bis zum Saisonende jedoch nur drei Kurzeinsätze. Der 1. FC Köln verpflichtete den fünfmaligen Nationalspieler dann im Sommer 2015 für eine kolportierte Ablösesumme von etwa drei Millionen Euro. Der effzeh verstärkte damit in seiner zweiten Saison nach dem Wiederaufstieg sein Mittelfeld und versprach sich vom technisch beschlagenen Rechtsfuß insbesondere Optionen in der Spielgestaltung.

Der Serbe war fast schon abgeschrieben

Die erste Saison verlief dabei allerdings eher überschaubar: Jojic pendelte zwischen Startelf, Ersatzbank und Tribüne. In seinen 15 Einsätzen sammelte er 474 Minuten in der Bundesliga und damit durchschnittlich 30 Minuten pro Spiel – von einem Stammspieler konnte man damals beileibe nicht sprechen. Dennoch: Mit dem Ausgleichstor beim 3:2-Auswärtssieg in Mainz erzielte er einen extrem wichtigen Treffer, der von Anthony Modeste noch durch das Siegtor gekrönt wurde. Beim abschließenden Saisonspiel in Dortmund traf der technisch starke Mittelfeldmann dann mit einem sehenswerten Heber zur zwischenzeitlichen Führung.

In der Folgesaison, dem Spieljahr 2016/2017, kam Kölns Nummer Acht in den ersten vier Partien zum Einsatz – beim 3:1-Auswärtssieg auf Schalke stand er sogar in der Startelf. Danach allerdings sollte es bis zum nächsten Arbeitsnachweis ein wenig dauern: Beim Auswärtssieg in Darmstadt traf Jojic, der als Joker zum Einsatz gekommen war. Zuvor war der Serbe mehr als drei Monate lang jedoch keine Option für den damaligen Trainer Peter Stöger. Kritiker des früheren Partizan-Akteurs warfen ihm vor, dass er zu wenig Körperlichkeit für den Kampf im Bundesliga-Mittelfeld, eine zu geringe Handlungsschnelligkeit und eine ungenügende Zweikampfführung mitbringen würde – daher sei es für die meisten keine Überraschung gewesen, dass Jojic sich zumeist auf der Ersatzbank wiederfand.

Jojic‘ Entwicklung: Seit einem Jahr geht es bergauf

Und trotzdem: Seit etwa einem Jahr kann man beobachten, dass Milos Jojic sich zu einem wichtigen Baustein im Spiel des 1. FC Köln entwickelt. In der Rückrunde der vergangenen Saison kam er ab Februar in jedem Spiel bis zum ominösen 20. Mai zum Einsatz – da legte er Yuya Osako mit einem guten Ball in die Tiefe das 2:0 auf. Seine Gesamtbilanz der Rückrunde las sich positiv: In 15 Einsätzen erzielte er vier Tore und legte vier weitere auf. In 19 Einsätzen sammelte der Rechtsfuß mehr als 1000 Spielminuten, pro Einsatz standen nun 57 Minuten zu Buche – eine Steigerung im Vergleich zur Vorsaison. Unter dem Strich standen also acht Scorerpunkte in der besten effzeh-Saison seit Ewigkeiten, woran sich Jojic‘ gestiegene Bedeutung erneut verdeutlicht.

Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

Ob es nun an seiner Ernährungsumstellung gelegen hat oder an der Tatsache, dass er zu Beginn des Jahres 2017 mit Yoga begann – fest steht, dass Jojic seit nun fast einem Jahr ein uneingeschränkter Stammspieler beim 1. FC Köln geworden ist. In der aktuellen Saison 2017/2018 fehlte Jojic lediglich am dritten Spieltag gegen Augsburg, ansonsten stand er zwölfmal in der Startelf und wurde in sechs Spielen eingewechselt. Auch in den Pokalwettbewerben kam der Serbe in allen neun Partien (sechs in der Europa League, drei im DFB-Pokal) zum Einsatz, vier Startelfeinsätzen stehen zwei Einwechslungen gegenüber. Pro Spiel kommt der vielseitig einsetzbare Mittelfeldmann nun auf 64 Einsatzminuten.

>>> Hinten Horn, vorne Terodde: 1. FC Köln hält Hoffnung am Leben

Nachdem im Dezember Stefan Ruthenbeck das Amt des effzeh-Trainers übernommen hat, ist Jojic auch aus einem ganz anderen Grund in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt: Der Fußballlehrer hat in mehreren Interviews unter Beweis gestellt, dass er jede Menge vom Fußballer Jojic hält. Im Vorfeld der Rückrunde sagte der Trainer, dass er aus Jojic einen Führungsspieler machen wolle, eine Rolle, die dieser eigentlich schon innehat. Denn von den letzten acht Toren, die der effzeh erzielte, bereitete der Serbe fünf vor. Beim 2:0-Auswärtserfolg im Derby gegen Hamburg lieferte er den Eckball vor dem 1:0, vor dem 2:0 bediente er Terodde mit einem gefühlvollen Heber. Den Derby-Sieg gegen Gladbach leitete er mit einem Freistoß vor Sörensens 1:0 ein, beim Heimerfolg gegen Wolfsburg brachte er den Torschützen Clemens in eine Abschlussposition. Ohne den Serben wären die drei Siege, die der effzeh zuletzt feiern konnte, wahrscheinlich nicht möglich gewesen.

Milos Jojic: Der Szenen-Spieler im Kader des 1. FC Köln

Doch daran verdeutlicht sich, dass ein Spielertyp wie Jojic, der gewiss polarisiert, trotzdem eine immense Bedeutung für eine Mannschaft haben kann. In den entscheidenden Szenen zu liefern, einen guten Pass in die Tiefe zu geben und eine Mannschaft damit zu tragen – das kann auch möglich sein, wenn man nicht jeden Zweikampf gewinnt. Denn gerade eine Mannschaft wie die des 1. FC Köln, die sich seit wenigen Wochen erst wieder stabilisiert, braucht einen Szenen-Spieler, der die harte Arbeit der Mannschaft durch entscheidende Aktionen veredelt. Dort liegen nämlich die Stärken des Serben, der statistisch gesehen die meisten Schlüssel-Pässe in der effzeh-Offensive spielt – und das bei einer respektablen Passquote von 78 Prozent. Einfacher ist es natürlich, eine hohe Passquote aufzubauen, wenn man unter geringem Gegnerdruck steht. Das ist bei Jojic jedoch selten der Fall. Er ist momentan der Go-to-Guy im Kader des 1. FC Köln, wenn es um die Offensive geht – dabei wird der Serbe sowohl im Zentrum als auch auf den Außenbahnen eingesetzt.

>>> Transfer: Rausch verlässt den 1. FC Köln

Es kommt also nicht von ungefähr, dass Jojic Jahr für Jahr seine Einsatzzeiten vergrößern konnte. Seine Stärken in der Ballbehandlung und im Passspiel suchen im Kader des 1. FC Köln ihresgleichen, erst mit Vincent Koziello wurde ein ähnlicher Spielertyp verpflichtet, der ein ähnliches Profil aufweist. Das mag zwar nicht darüber hinwegtäuschen können, dass Jojic in gewissen Aspekten eher wie ein unterdurchschnittlicher Bundesliga-Spieler erscheint (Zweikampfführung!) – seine Bedeutung für die Offensive des 1. FC Köln soll das allerdings nicht schmälern. Und so ist der Serbe nach zweieinhalb Jahren in Köln doch noch zu einem Führungsspieler gereift – nachdem man das zwischenzeitlich nicht unbedingt erwarten konnte. Eine beeindruckende Entwicklung – Respekt, Milos Jojic!

Teilen:

2 Kommentare

  1. „… Bedeutung für die Mannschaft haben KANN“ – die zentrale Formulierung in dem Artikel und vor dem Hintergrund seiner Gesamt-Zugehörigkeit zum Effzeh … Jojic war bisher immer nur KANN …Ich würde mich gerne eines Besseren belehren lassen, glaube aber nicht mehr an Jojic … verkaufen!

  2. Was man nicht unterschätzen darf, ist seine Laufleistung. Die beeindruckend ist. Und sein Pässe die zu Toren führen sind auch gut.
    Also, er ist für uns ein echt guter und wichtiger Spieler geworden.

ANZEIGE