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Meinung

Kaderplanung des 1. FC Köln: Modeste als Antwort auf alle Fragen?

Nach der Modeste-Verpflichtung hat Armin Veh die Transferaktivitäten des 1. FC Köln quasi für beendet erklärt, obwohl sein Trainer gerne noch Verstärkungen hätte. Wie passt das zusammen?

Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Beim Videospiel „Football Manager“ gibt es eine Option, die man wählen kann, wenn man einem Spieler beibringen will, auch auf einer anderen Position zu spielen. Das eignet sich insbesondere dann, wenn ein rechter Außenverteidiger auch auf der linken Seite eingesetzt werden soll oder umgekehrt. Das funktioniert natürlich in der Realität wie im Videospiel bei jüngeren, entwicklungsfähigen Spielern etwas besser, es dauert aber trotzdem seine Zeit, bis sich die ersten Erfolge einstellen. Im Kreisligafußball heißt es darüber hinaus bisweilen, dass aus einem schlechten Stürmer immer noch ein guter Verteidiger werden würde, was man dann im Profifußball zugegebenermaßen nur selten zu Gesicht bekommt.

Aufgrund mangelnder Kenntnisse über den chinesischen Fußball können wir nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, ob Anthony Modeste während seiner Zeit bei Tianjin Quanjian zum linken Außenbahnspieler umgeschult wurde. Ein Mindestmaß an Fußballverstand vorausgesetzt kann man allerdings davon ausgehen, dass Modeste dort auch in seiner Paradedisziplin als Zentrumsstürmer eingesetzt wurde. Für den 1. FC Köln, der den Franzosen vor etwa einer Woche unter Vertrag nahm, bedeutet das nun, dass man neben Simon Terodde, Jhon Cordoba, Serhou Guirassy und Simon Zoller nun alsbald einen fünften hochkarätigen Stürmer im Kader haben wird.

Anthony Modeste: Eine Verpflichtung gegen den Bedarf

Dass der effzeh Modeste unter Vertrag nahm, ergibt aus der Distanz betrachtet schon Sinn – wenn ein solcher Spieler auf dem Markt ist und zudem auch noch nach Köln zurück will, darf man sich eine solche Gelegenheit nicht nehmen lassen. Doch der eigentliche Bedarf des 1. FC Köln lag woanders: Nach den Sommertransfers und insbesondere der Verpflichtung von Dominick Drexler, der etwas später als gewöhnlich aus Midtjylland nach Köln stieß, war eigentlich das Anforderungsprofil für die Kandidaten in der kommenden Transferperiode klar. Gesucht wurde ein Dribbler, ein Flügelspieler der Marke Bittencourt oder Younes (oder Hartel), idealerweise deutschsprachig, idealerweise mit der Bundesliga vertraut. Zu erwarten war, dass der effzeh damit auf die Abgänge von eben jenem Bittencourt und dem zuvor noch am geeignetsten für diese Position erscheinenden Youngster Tim Handwerker reagieren würde.

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Doch Handwerker spielt seit Ende August auf Leihbasis bei Groningen in der Eredivisie – und ist dort Stammspieler. Für ihn persönlich läuft es ganz gut, er kommt auf viele Startelfeinsätze. Groningen selbst kämpft als Drittletzter derzeit gegen den Abstieg. Die Entscheidung, ihn auszuleihen, ergab zu Saisonbeginn durchaus Sinn. Für die kommende Saison erhält der effzeh dann hoffentlich einen Spieler zurück, der sein erstes richtiges Jahr im Profibereich hinter sich haben wird. Ob in jüngerer Vergangenheit abgesehen von Modeste ein weiterer Neuzugang am Geißbockheim auftauchen wird, ist derzeit allerdings eher fraglich.

Was möchte Anfang, was bietet Veh?

Denn wenn man den Worten von Armin Veh Glauben schenkt, der wie gewohnt lakonisch und leicht arrogant am Wochenende zu den Transferaktivitäten des effzeh Stellung nahm, dürfte im Winter beim Bundesliga-Absteiger nichts passieren. „Wenn ich als Trainer einen Modeste bekommen hätte, dann hätte ich zu meiner Frau gesagt: Ich brauche zu Weihnachten nichts anderes mehr“, diktierte er den Pressevertretern nach dem Auswärtssieg in Darmstadt in die Notizbücher. Etwa eine Woche zuvor, und damit auch noch vor der Bekanntgabe des Modeste-Vertrags, geisterte mit Florian Kainz ein durchaus attraktiver Name durch die Gazetten. Der Österreicher gilt derzeit bei Werder Bremen nur als Ergänzungsspieler und würde an sich ideal ins Kölner Anforderungsprofil passen.

„Dieser Kader braucht definitiv noch Verstärkungen.“

Doch der effzeh spielte danach auf großer Bühne und verkündete die Rückkehr des verlorenen französischen Torjäger-Sohns. Die Massen waren (durchaus zurecht) begeistert, der Ausnahmestürmer ist zurück – doch das Problem auf der Außenbahn besteht weiter, denn Modeste wurde nicht über Nacht zum Flügelspieler. Vielmehr wird er in Zukunft mit den momentan formstarken Terodde und Cordoba um einen Platz in der Spitze konkurrieren. Das zu managen dürfte eine entscheidende Aufgabe für Trainer Markus Anfang sein, der jetzt nicht unbedingt lautstark einen weiteren Mittelstürmer gefordert hatte. Er betonte gegenüber dem „Express“ zwar, dass gute Spieler immer willkommen seien, stellte gleichzeitig aber auch Folgendes klar: „Es geht nicht darum, was ich mir wünsche. Aber dieser Kader braucht definitiv noch Verstärkungen. Armin Veh hat ja selbst gesagt, dass wir für die linke Außenbahn noch was brauchen“.

Welche Strategie steckt hinter den Äußerungen?

Moment, Armin Veh und etwas brauchen? Hatte der Geschäftsführer seine Transferaktivitäten nicht gerade noch inoffiziell für beendet erklärt? Dementsprechend ist es etwas verwunderlich, dass er noch am 20. November ebenfalls im „Express“ darüber sprach, dass der Bedarf auf der linken Außenbahn immer noch existent sei. Mehrere Kandidaten hätte man im Auge und es könne sein, dass man dort im Winter nachbessere, gab er zu Protokoll.

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Vielleicht war sein Weihnachtsspruch vom Wochenende aber tatsächlich nur eine unbedachte Äußerung – eine kohärente Strategie in Sachen Kaderplanung, die sowohl durch den Trainer als auch durch den Geschäftsführer getragen werden, ist beim 1. FC Köln momentan dennoch nicht so wirklich zu erkennen. Während der eine gerne seinen Kader verstärken würde, sagt der andere, dass das eigentlich nicht notwendig sei – und dass Modeste im Grunde ausreiche.

Möglicherweise ist das eine Taktik, die für Laien nicht so recht nachzuvollziehen ist – wozu in diesem Kontext auch das (berechtigte) Starkreden von Jhon Cordoba gehören könnte. Denn einer der Stürmer wird den 1. FC Köln im Winter vermutlich verlassen wollen und müssen, um auf Spielzeit zu kommen und um das Gehaltsbudget beim FC nach der Modeste-Verpflichtung ein wenig zu entlasten. Das Transferbudget selbst hat darunter ja eigentlich nicht gelitten, ein finanzieller Spielraum für einen Transfer von rund drei Millionen Euro stand in den letzten Wochen im Raum. Also das heißt, wenn sich Trainer und Geschäftsführer einig sind.

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