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Auswärtsspiel

„Man muss mit allem rechnen“

Wenn Alaaf auf Helau trifft, kann der Frohsinn nicht weit sein. Für ihr Team hofft auch „Nullfünferin“ Mara im effzeh.com-Auswärtsspiel auf gute Laune.

Foto: Anne Karn

 

Foto: Anne Karn

Foto: Anne Karn

Wenn Alaaf auf Helau trifft, kann der Frohsinn nicht weit sein. Für ihr Team hofft auch „Nullfünferin“ Mara im effzeh.com-Auswärtsspiel auf gute Laune.

Zu den Spielen unseres geliebten und glorifizierten ersten Fußballclubs Köln werden wir auch in dieser Saison einem Fan der gegnerischen Mannschaft ein paar Fragen stellen. Und weil Gegner ja immer irgendwie “auswärts” sind, egal ob der effzeh zu Hause oder auf fremdem Platz antritt, und weil die Sichtweise von “auswärts” kommt, heißt die Kategorie folgerichtig “Auswärtsspiel”. Wir sind nicht nur gespannt, wieviel effzeh in den Anhängern der anderen Bundesligisten steckt, sondern erwarten auch eine Einschätzung zur Situation der eigenen Mannschaft.

Im effzeh.com-Auswärtsspiel sprechen wir mit Mainz-Anhängerin Mara, die auf wortpiratin.de auch über ihren Lieblingsverein bloggt, über Fußball in Zeiten der Unsicherheit und die aktuelle Saison der „Nullfünfer“. Die Wahlmainzerin, die als freiberufliche Journalistin, Texterin und Sachbuchautorin arbeitet, erklärt uns, warum die Rheinhessen bei uns noch einen gut haben, wie wichtig der Ex-Kölner Christian Clemens für den FSV ist und wieso sie der effzeh an ihren Lieblingsverein erinnert.

effzeh.com: Über dem Duell der Karnevalshochburgen liegt nach den jüngsten Ereignissen ein kleiner Schatten. Könntest du aktuell fröhlich ins Stadion pilgern?

Mara: Man muss im Moment vorsichtig sein, sich nicht in Phrasen zu ergehen, aber: definitiv ja. Für mich stand schon länger fest, dass ich an diesem Wochenende nicht nach Köln fahre, aber ich hätte im anderen Falle definitiv nichts an meinen Plänen geändert und genauso keine Sekunde gezögert, ins Stadion zu gehen, wenn nun ein Heimspiel wäre. Man kann nicht nur, man muss sogar genau so weiter machen, wie bisher. Angst ist keine Option, wenn wir frei leben wollen.

effzeh.com: Fast genau vor vier Jahren musste die damalige Partie kurzfristig abgesagt werden, weil sich Schiedsrichter Babak Rafati das Leben nehmen wollte. Wie hast du das Ganze erlebt?

Mara: Mich hat das Geschehen damals sehr beschäftigt, sowohl als Privatmensch als auch in meiner beruflichen Rolle als Journalistin, und ich habe mich ganz intensiv damit auseinandergesetzt. Ich empfinde da eine Diskrepanz: Zum einen möchte man natürlich den zitierten Vorschlägen der DGS folgen, andererseits werde ich das Gefühl nicht los, dass wir medial den absolut Falschen das Feld überlassen, wenn wir mit dem Thema Suizid zu defensiv umgehen. Grundsätzlich bewerte ich es so, dass sich im Fußball seit dem Selbstmord von Robert Enke doch erschreckend wenig geändert hat, gerade gemessen an den zahlreichen Einlassungen damals. Und das ist ein Problem… All jenen, die sich von Enkes Geschichte ein besseres Bild machen möchten, empfehle ich übrigens die Lektüre von Robert Rengs Ein allzu kurzes Leben (Maras Rezension hier). Ein bleibendes Buch in einem schnelllebigen Geschäft.

effzeh.com: Die Mainzer Bilanz ist in Köln ähnlich erschreckend wie unsere bei Euch. Verliert der eigene karnevalistische Zauber etwa die Magie, wenn es zu den anderen Jecken geht?

Foto: Petra Tabarelli

Foto: Petra Tabarelli

Mara: Wenn sich daraus eine Regel ableiten ließe, hätte die uns ein grauenvolles Pokalerlebnis in Mainz erspart, und damit wäre ich spätestens in der Rückrunde wieder sehr zufrieden. Wenn ich wüsste, woran es liegt, dass wir gegen Köln auswärts selten (bis nie) gut aussehen, würde ich mich vor den Partien in die Mannschaftssitzung schmuggeln. So muss ich einfach hoffen, dass wir noch was gut haben. Ich erwähnte das Pokalspiel in Mainz, oder …?

effzeh.com: Martin Schmidt, eines der eher unbeschriebenen Blätter in der Bundesliga, sitzt derzeit bei Euch auf der Trainerbank. Was ist er für ein Typ, wie lässt er sein Team agieren?

Mara: Wer sich schon hin und wieder meine Einlassungen zum Fußball zu Gemüte geführt hat weiß, der Frage weiche ich konsequent aus. Ich tue mich grundsätzlich schwer damit, einen Trainer über das Offensichtliche hinaus zu beurteilen, weil ich mir sowas – überspitzt formuliert – ja auch bei einem Chirurgen nicht anmaße. Klar ist, Martin Schmidt ist ein Typ, wie er in Mainz von vielen nach Kasper Hjulmand herbeigesehnt wurde und der Wechsel ist diesbezüglich damals sicher auch aufgegangen. Was seine Spielidee angeht bin ich mir, abgesehen von der Leidenschaft fürs Umschaltspiel, immer noch nicht ganz sicher, wohin uns die Reise führen wird. Aber sagen wir es mal so, ich lasse mich gerne mitnehmen (nur nicht in die 2. Liga).

effzeh.com: Die Mainzer Saison wirkt bislang recht wechselhaft, starken Auftritten folgt mitunter eine Durststrecke. Zuletzt gab es ein starkes 2:0 gegen Wolfsburg. Auf was müssen wir uns am Samstag einstellen?

Mara: Darauf, dass man bei uns jederzeit mit allem rechnen kann, im Guten wie im Schlechten. So bereite ich mich zumindest aktuell auf die Bundesligaspiele vor.

Wortpiratin © Volker Ramspott

Foto: Volker Ramspott

effzeh.com: Mit Christian Clemens und Henrique Sereno stehen zwei Ex-Spieler von uns im Mainzer Kader. Während letzterer, auch aus Verletzungsgründen, kaum eine Rolle spielt, kämpft „Chrille“ um einen Stammplatz im Team. Wie ist dein Eindruck vom kölschen Eigengewächs?

Mara: Ich empfinde die Verletzung von Clemens in dieser Saison als ähnlich einschneidend wie die des vom BVB ausgeliehenen Jonas Hofmann in der vergangenen. Insofern freue ich mich sehr auf seine Rückkehr und darauf, noch viel mehr von ihm zu sehen.

effzeh.com: Auf der Gegenseite haben wir Marcel Risse, der bereits bei Euch aktiv war. Ist er jemand, dem man in Mainz angesichts seiner aktuellen Leistungen hinterhertrauert?

Mara: Auch hier möchte ich mich einerseits vor Phrasen hüten, andererseits bin ich der Meinung, es bringt grundsätzlich nichts, Spielern nachzutrauern. Die Wechsel gehören ganz natürlich zum Geschäft. Letztlich macht es einen Teil der Faszination dieses Sports aus, zu sehen, wie jede Saison aus den Spielern, die unter Vertrag stehen, ein Team im Sinne einer Einheit wird.

effzeh.com: Mainz gilt immer als der Prototyp, wenn es darum geht, sich trotz bescheidener Mittel durch solides Wirtschaften und ein kontinuierlich umgesetztes Konzept in der Liga zu halten. Wie lebt es sich mit solch einem Image?

Mara: Ich stelle in der aktuellen Situation, in der speziell der Boulevard alle 15 Sekunden Gerüchte erfindet, welchen Job unser Manager ab dem Winter übernehmen wird, fest, mit diesem sehr soliden Image lebt(e) es sich ganz wunderbar. Ich hätte es gerne vollumfänglich zurück.

Foto: Fotofarmer

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effzeh.com: Du bist unter anderem Co-Autorin des Buchs „111 Gründe, Mainz 05 zu lieben“. Was war denn der entscheidende Grund, weshalb du begonnen hast, den Klub in dein Herz zu schließen?

Mara: Obwohl die Geschichte nicht besonders spektakulär ist, erzähle ich sie immer gerne, weil sie so schlicht ist und deshalb für mich ganz besonders. Ich bin Ende der Neunziger zum Studium nach Mainz gekommen. Irgendwann hat mich ein Kommilitone mitgenommen ins Stadion. Fußball, das bedeutete für mich damals WM-Gucken mit meinem Papa, das war aber auch alles. Aber da oben am Bruchweg – na ja, wie soll man erklären, wie es ist, sich zu verlieben? Es hat mich einfach mit der ersten Sekunde erwischt. Du hast vorhin von Magie gesprochen, dieser Tag war für mich definitiv magisch.

effzeh.com: Und welche Gründe würden dir einfallen, den effzeh zu lieben? Was verbindest du mit unserem feinen Verein?

Mara: Einen anderen Verein zu lieben, das dürfte für die meisten Fußballfans unvorstellbar sein. Aber ich ziehe meinen Hut davor, wie der FC in den vergangenen Jahren das Chaos hinter sich gelassen hat und wie solide ihr aktuell agiert. Erinnert beinahe an Mainz 05. Hehe.

effzeh.com: Zum Abschluss: Helau oder Alaaf? Dein Tipp, bitte!

Mara: Ach, ich tippe so ungern wie schlecht, weil ich mich immer von meinen Wünschen leiten lasse… Insofern behaupte ich einfach, wir brechen alle Traditionen und gewinnen 3:2. Helau!

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