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Interessanterweise galt Sobiech während seiner Zeit bei der Spielvereinigung als einer der besten Innenverteidiger der Bundesliga – zumindest wenn man Fußballautor Christoph Biermann in seinem neuesten Werk „Matchplan“ Glauben schenken darf. Sven Mislintat, damals noch beim BVB tätig, hatte laut Biermann einen Algorithmus entwickelt, auf dessen Grundlage die beste Elf der Saison 2012/2013 festgelegt wurde. Der Algorithmus quantifizierte die Leistungen der Bundesliga-Profis, allerdings ohne sie entsprechend zu relativieren.

In jedem Fall wies er Lasse Sobiech als einen der Top-Innenverteidiger der Bundesliga aus. Dies lag in erster Linie an der sehr defensiven Ausrichtung der Fürther, die ihrem Gegner den Ball und das Feld überließen. Dementsprechend wurden viele Flanken geschlagen, die Sobiech dann aufgrund seiner Statur und Kopfballstärke aus dem Strafraum beförderte. Dem Algorithmus fehlte also die entsprechende Relativierung, Sobiechs Saison war allerdings trotz Abstieg dennoch ordentlich.

Groß gewachsen und neben dem Platz durchaus engagiert

Und damit wären wir auch schon bei seinem Spielstil: Sobiech ist ein groß gewachsener, zweikampfstarker Innenverteidiger, der sich in den letzten Jahren zu einem der konstantesten und besten Spieler seiner Zunft entwickelt hat. Darüber hinaus erhält der 1. FC Köln einen Spieler, dem auch die soziale und politische Komponente seines Berufs zumindest nicht verborgen geblieben ist: Im Jahr 2015 übernachtete Sobiech in einem Flüchtlingszelt und machte damit auf die Situation der Geflüchteten aufmerksam. Die offizielle Seite der Bundesliga zitiert ihn wie folgt: „Ich finde es richtig und wichtig, dass der Verein und wir als Mannschaft dort klare Botschaften und Zeichen nach außen gesandt haben. Außerdem engagieren sich der Club und unser Team für die Flüchtlinge in Hamburg.“

Sobiech im Trikot des HSV (r.) | Foto: Ronny Hartmann/Bongarts/Getty Images

Sobiech ergänzte in Bezug auf die Geflüchteten: „Einfach mal von Ihnen selbst zu hören, was ihre ganz  persönlichen Hintergründe sind, wie die Zustände in ihren Ländern sind, außerhalb von dem, was man in Deutschland mitbekommt. Das war etwas ganz Besonderes und Berührendes.“ Und dann sagte er ein paar Sätze, die man in dieser Form sicherlich nicht von allen Bundesliga-Profis zu hören bekommen wird:“ Der Fußball kann eine gute Plattform sein, um Botschaften zu vermitteln und damit eine breite Öffentlichkeit zu erreichen. Am Ende müssen aber all diese Botschaften mit Leben gefüllt werden. Jeder kann helfen, jeder kann etwas tun.“

Bemerkenswerte Worte über Homophobie im Fußball

Die Zeitung „Die Welt“ traf Sobiech im Jahr 2013, als er noch in Diensten des HSV stand und sprach mit ihm und einem Homosexuellen über das Thema „Homophobie im Fußball“. Sobiechs Worte dazu: „(…) trotzdem muss man ja konstatieren, dass Homophobie im Fußball auch heutzutage noch ein heikles Thema ist. Die Gesellschaft scheint da weiter als Teile der Fußballfamilie zu sein. Ich bin mir sicher, dass jeder Spieler, der über ein Outing nachdenkt, sich sehr wohl bewusst darüber ist, dass es kein einfacher Schritt wäre. Gerade deswegen wäre jede Unterstützung von allen Seiten nur wünschenswert, auch von DFL und DFB.“ Bemerkenswerte Worte eines Fußballers, auf den man sich aus dieser Perspektive in Köln dann wohl freuen darf.

Doch auch sportlich dürfte Sobiech, dessen Bruder Joran als Innenverteidiger beim rheinischen Regionalligisten Bonner SC aufläuft, in der zweiten Liga eine sinnvolle Verstärkung sein: In der abgelaufenen Spielzeit zählte er beim „kicker“ zu den notenbesten Spielern der Liga, überzeugte trotz der sportliche schwierigen Situation beim FC St. Pauli. Satte 74 Prozent aller Zweikämpfe entschied der Neuzugang des 1. FC Köln in 26 Partien für sich, brachte solide 85,15 Prozent aller Anspiele an den eigenen Mann und erzielte dazu noch drei Tore. Körperliche und charakterliche Präsenz erhoffen sich die „Geißböcke“ vom ehemaligen Kapitän des FC St. Pauli. Mit Kopf und Köpfchen – willkommen beim effzeh, Lasse Sobiech!

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