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Meinung

Erfolgsdruck beim 1. FC Köln: Missachtung der B-Note

Wirklich brilliert hat der 1. FC Köln zuletzt in der zweiten Liga nicht – die Etablierung einer Spielidee stockt. In naher Zukunft geht es nur ums Gewinnen.

Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Nur drei Tage nach dem Heimsieg gegen den SV Sandhausen kann der 1. FC Köln am Mittwoch beim Auswärtsspiel in Aue tatsächlich auf Rang eins der zweiten Liga springen – erstmals seit dem elften Spieltag und dem Unentschieden gegen Heidenheim können die „Geißböcke“ also von dem Platz grüßen, der im Selbstverständnis von Verein und Mannschaft als Saisonziel angestrebt wird. Dass die letzten Wochen dabei nicht immer durchgängig erfolgreich verliefen, dürften Spieler und Trainer dabei genauso wenig vergessen haben wie die schwierigen Phasen im jüngsten Heimspiel gegen Sandhausen. Insgesamt jedoch, und auch da wird man sich wohl einig werden, ist es völlig egal, ob der 1. FC Köln Ende Februar auf dem ersten Tabellenrang in der zweiten Liga steht. Abgerechnet wird sowieso erst im Mai, bis dato muss der effzeh noch einige schwierige Spiele in der zweiten Liga überstehen.

Wichtig wäre es, nach den drei aufeinanderfolgenden Partien gegen die gut platzierten Mannschaften aus Kiel, Heidenheim und Hamburg einen der beiden ersten Plätze inne zu haben, um davon ausgehend Ende April in den Saisonendspurt zu starten. Die Ausgangslage ist somit rein neutral betrachtet also alles andere als schlecht. Wirft man jedoch einen genaueren Blick auf die Dynamiken der letzten Spiele, fällt auf, dass der Aufstiegsfavorit eigentlich nur im Heimspiel gegen den FC St. Pauli restlos überzeugte. Gegen Bochum und Berlin verlor der Absteiger auch aufgrund individueller Fehler, die Niederlage in Paderborn sorgte dann erstmals für handfeste Diskussionen rund um die Zukunft von Trainer Markus Anfang und dessen Mannschaft.

Spielidee des 1. FC Köln: Nicht wirklich durchgängig erkennbar

Einige der Kommentierenden zogen, ob berechtigt oder nicht, dabei das Argument heran, dass der 1. FC Köln „mit solchen Leistungen“ bei einem möglichen Wiederaufstieg „direkt wieder absteigen“ würde – zwar ist es im Sport sicherlich nie verkehrt, auch einen mittel- bis langfristigen Blick zu haben und die Entwicklung der Mannschaft darauf zu überprüfen. Die vorrangige Aufgabe für Anfang und die Mannschaft besteht jedoch darin, den direkten Wiederaufstieg sicherzustellen. Dafür wird es vielleicht noch sieben oder acht Siege brauchen, vielleicht auch weniger. Als kurzfristiges Etappenziel des 1. FC Köln gilt es, mit drei Siegen aus der Englischen Woche herauszukommen, um die aufkeimende Unruhe wieder zu ersticken.

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Dabei darf nicht vergessen werden, dass sowohl Markus Anfang als auch Armin Veh mit der Idee in die Saison gestartet sind, eine nachhaltige und vor allem attraktive Spielidee beim 1. FC Köln zu etablieren, mit der sich Fans und Stadt identifizieren können. Der Fußballlehrer wurde dafür extra frühzeitig aus Kiel losgeeist und mit der Aufgabe betraut, aus dem vorhandenen Kader (ergänzt um eigene Verstärkungen) eine Mannschaft zu entwickeln, die in der Lage ist, die zweite Bundesliga zu dominieren und ungefährdet aufzusteigen. Nach etwa zwei Dritteln der Strecke kann festgehalten werden: Der dominante Siegeszug des 1. FC Köln in dieser Saison hat bisher nicht stattgefunden. Dafür waren die Leistungen bei aller Qualität der Mannschaft zu wechselhaft, die fehlende Konstanz verhinderte eine bessere Position in der Tabelle und das Leitmotiv der Balance zwischen Defensive und Offensive begleitet den effzeh weiterhin.

Worauf muss sich der 1. FC Köln im letzten Drittel der Saison konzentrieren?

Nach dem Sieg gegen Sandhausen, der in erster Linie der individuellen Qualität der Einwechselspieler zu verdanken war, fiel in den Analysen häufig das Wort „Helden-“ oder „Heroenfußball“, weil die letztendlich erfolgreiche Darbietung nicht wirklich ersichtlich auf einem Konzept, sondern lediglich der Klasse von Akteuren wie Schaub oder Modeste beruhte. Dem gegenüber steht die von Veh beworbene Idee, Offensivfußball als Markenzeichen beim 1. FC Köln zu etablieren – daran ist grundsätzlich nichts verkehrt, denn für Fußball-Ästheten ist ein dominantes Auftreten der eigenen Mannschaft eigentlich immer eine Wohltat. Das Problem daran ist nur, dass die Abläufe und Strukturen des Fußballs, den der 1. FC Köln über weite Strecken im Jahr 2019 dargeboten hat, nur schemenhaft erkennbar sind.

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Die Gegenpole (Helden auf der einen, strukturierter Fußball auf der anderen Seite) brechen die Komplexität des Fußballs zwar sehr deutlich herunter, dienen allerdings ganz gut dazu, den Entwicklungsprozess von Mannschaften zu beurteilen. Ausgehend von starken Einzelspielern sollte es eben auch in Köln das Ziel sein, einen wiedererkennbaren und ansehnlichen Spielstil zu etablieren. Fest steht jedoch: Der dem „Heroenfußball“ gegenüber stehende „Konzeptfußball“ ist also nach mehreren Monaten unter Markus Anfang noch nicht zu 100 Prozent in Mark und Bein der Kölner Fußballer übergegangen.

Es geht bis April nur ums Gewinnen

Für das oben erreichte Ziel des direkten Wiederaufstiegs ist das nicht schlimm, da die Rückkehrer Koziello und Schaub und Neuzugang Modeste die Qualität in der Mannschaft gerade für die Offensive erheblich erhöhen. Damit steigt gleichzeitig auch die Wahrscheinlichkeit auf erfolgreich gestaltete Spiele, ergo drei Punkte und idealerweise den Wiederaufstieg. Eine B-Note für attraktives und flüssiges Offensivspiel gibt es im Fußball sowieso nicht, weswegen das Hauptaugenmerk beim effzeh momentan darauf liegen sollte, keine einfachen Gegentore zu bekommen.

Mit diesem pragmatischen Herangehen fühlt sich die Mannschaft nach den dürftigen Auftritten zuletzt vielleicht etwas wohler, um wieder Sicherheit in die Abläufe zu bekommen und Spiele vor allem über 90 Minuten durchgängig konzentriert zu bestreiten. Dabei wird der angestrebte „Konzeptfußball“ zwar auf der Strecke bleiben, das Ziel jedoch erreicht werden. Und danach kann im Sommer immer noch beurteilt werden, welche Schritte der 1. FC Köln unternehmen muss, um bei einem möglichen Wiederaufstieg auch in der Bundesliga zu bestehen. Vorrangig sollte es aber nur um eines gehen: Siege.

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