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Die Niederlage gegen den VfB Stuttgart war für den effzeh der vorläufige Sargnagel. Weniger schmerzhaft als der drohende Abstieg an sich war jedoch die Art und Weise, wie dieses Spiel verloren ging. Auch, weil sie perfekt zu dieser Saison passte. Unser Autor ist frustriert. 

44 Minuten lang lieferte der effzeh eines der besten Spiele ab, das man während der Saison sehen konnte. Man stand defensiv passabel, machte nach vorne Dampf und führte mit 1:0. Innerlich hoffte man wieder ernsthaft darauf, doch noch mal um den Klassenerhalt mitspielen zu können.

Dann kassiert man erst ein völlig überflüssiges Gegentor kurz vor dem Abpfiff, dann patzt Timo Horn. Und niemand weiß, warum man mit 1:2 in die Kabine geht. Nach dem Wiederanpfiff wirkt die Mannschaft traumatisiert, ein orientierungsloser Jonas Hector lässt Andreas Beck im Strafraum zu viel Platz, den dieser mit dem 1:3 ausnutzt. In der Folge rennen die Kölner hilflos an, das 2:3 von Milos Jojic taugt auch nicht als Mutmacher.

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Die Niederlage ist vielleicht diejenige, die in dieser Saison am meisten schmerzt, denn der Gegner war schlagbar und man hatte alle Möglichkeiten, zu gewinnen. Mit einem Sieg hätte die Saison aber vor allem wieder einen Zweck gehabt, es hätte wenigstens eine verzweifelte Aufbruchsstimmung erzeugt werden können. Aber wieder mal war der effzeh zu doof. Gefühlt war das Spiel schon nach dem 1:2 vorbei. Es ist nicht das erste Spiel, das man in dieser dämlichen Weise herschenkt, aber mit Sicherheit das bitterste.

Überall depressiver Frust

Während die Mannschaft nicht nur auf dem Platz rat- und hilflos wirkte, war die Stimmung der Fans überwiegend deprimiert und frustriert. Deprimiert, weil man in dieser Saison wieder mal vom Fußballgott einen kräftigen Tritt zwischen die Beine bekam und nicht absehbar ist, wie oft er das noch tun wird. Videoschiedsrichter? Spielverläufe? Individuelle Fehler von Spielern? Alles zur falschen Zeit am falschen Ort, nämlich stets zum Nachteil des effzeh. Das Last-Minute-Tor von Simon Terodde im Derby war da wohl nur die Ausnahme, die die Regel bestätigt.

COLOGNE, GERMANY - MARCH 04: Timo Horn of Koeln lies dejected on the pitch after losing 2-3 the Bundesliga match between 1. FC Koeln and VfB Stuttgart at RheinEnergieStadion on March 4, 2018 in Cologne, Germany. (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Frustriert waren die Fans aber vor allem, weil all das, was wir in dieser Saison sehen, vermeidbar gewesen wäre. Mit einem Geschäftsführer Sport, der nicht anderthalb Jahre die Arbeit eingestellt, sondern den Kader vernünftig und positionsbezogen verstärkt und dem man nicht für den eigenen Wunsch nach Vertragsauflösung eine Millionensumme hinterher geschmissen hätte. Mit einem Trainer, der sich nicht beleidigt zurückgezogen hätte, als längst klar war, wie zerrüttet das Verhältnis zum Sportchef ist und nur wenige Tage nach einem rührenden Abschied lachend bei einem der Topvereine der Liga anheuerte.

Was wäre gewesen, wenn …?

Mit einem Präsidium und einem Geschäftsführer, das dieses schädliche Treiben hätte erkennen und unterbinden müssen, anstatt in Dauerschleife die Vereinsmitglieder zu beleidigen und zu belügen. Mit einem Rekordeinkauf, bei dem nicht erst in der Winterpause aufgefallen wäre, dass er kein Deutsch versteht. Und mit einer Presselandschaft, die dem kritischen Journalismus nicht über den gesamten Sommer hinweg abgeschworen hätte, stattdessen irrwitzige Lobhudeleien hielt und erst nachdem in der Hinrunde schon quasi die gesamte Saison gelaufen war, damit begann, die Protagonisten zu hinterfragen.

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Während der letzte Abstieg mit all den Geschichten um Lukas Podolski, Volker Finke, Wolfgang Overath, Pedro Geromel und dem Taxirandalierer Slawomir Peszko nur die logische Konsequenz einer von Peinlichkeiten durchsetzten Saison war, ist der mittlerweile überaus wahrscheinliche Abstieg im Jahr 2018 vermutlich der, den man am einfachsten hätte vermeiden können. Deswegen fühlt er sich auch so quälend an. In der Rückrundentabelle ist der effzeh nach wie vor im Mittelfeld. Dank Stefan Ruthenbeck, Simon Terodde, Vincent Koziello und einigen anderen Faktoren, die in der Hinrunde fehlten, die man aber ohne große Aufwände hätte ergänzen können. Auch wenn die Voraussetzungen für einen Wiederaufstieg gut sein mögen, schmälert das nicht die schmerzliche Bitterkeit, die mit dem jetzt schon fast feststehenden Abstieg einhergeht und die in der zweiten Liga wahrscheinlich auch über die gesamte Saison hinweg nicht vollständig wird weichen können. Es ist einfach nur zum Heulen.

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