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Auswärtsspiel

„Köln ist doch schon sehr präsent“

Im Rahmen unserer „Auswärtsspiel“-Rubrik sprechen wir mit Bayern-Fan Jan über die Favoritenrolle, Guardiolas Rotation und Münchens Angstgegner.

© miasanrot.de
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Zu den Spielen unseres geliebten und glorifizierten ersten Fußballclubs Köln werden wir in dieser Saison einem Fan der gegnerischen Mannschaft ein paar Fragen stellen. Und weil Gegner ja immer irgendwie “auswärts” sind, egal ob der effzeh zu Hause oder auf fremdem Platz antritt, und weil die Sichtweise von “auswärts” kommt, heißt die Kategorie folgerichtig “Auswärtsspiel”. Wir sind nicht nur gespannt, wieviel effzeh in den Anhängern der anderen Bundesligisten steckt, sondern erwarten auch eine Einschätzung zur Situation der eigenen Mannschaft.

Vor dem Spiel gegen Rekordmeister Bayern München baten wir Jan von miansanrot.de uns einige Fragen zu beantworten. Dieser Bitte kam er gerne nach.

effzeh.com : Hallo Jan, schon über den verkorksten Saisonstart mit sage und schreibe zwei Punktverlusten hinweggekommen? Oder rumort es etwa in München?

Jan: Es war hart, aber nach vielen schlaflosen Nächten zwischen den Spieltagen konnte man die Schmach der verloren Punkte überwinden. Nein, jetzt mal im Ernst: Nach der Weltmeisterschaft und mit Blick auf die Vielzahl an verletzten oder zumindest angeschlagenen Spieler konnte man mit einem etwas holprigen Start in die Saison 2014/15 rechnen. Natürlich hätte es auf Schalke und in Hamburg gern auch ein Sieg sein dürfen, aber man grüßt ja derzeit ohne Niederlage von der Tabellenspitze, da auch die Konkurrenz Nerven zeigt. In München rumort es immer ein wenig, aber meiner Einschätzung nach im Moment nicht mehr als sonst. Der letzte Heimsieg gegen den ehemaligen Tabellenführer aus Paderborn, der äußerst souverän errungen wurde, ist eben beruhigend.

effzeh.com : Mitunter galt der effzeh in den vergangenen Jahren als ein kleiner Angstgegner für Euch. Habt ihr Euch in unserer Abstinenz davon erholen können?

Jan: Spiele gegen Köln waren bisher immer spannend. Ich musste gerade ein wenig recherchieren, aber in den 70ern gab es sogar mal eine herbe Pokalpleite gegen den Effzeh. Ansonsten schaut das recht ausgeglichen beziehungsweise zumindest auf Seite der Siege positiv für den FC Bayern aus. Nur das Tore-Gegentore-Verhältnis könnte man beim Spiel am Samstag gern noch ein wenig aufbessern. Aber ob man erneut ohne Gegentor in Köln besteht? Puh, warten wir mal ab.

effzeh.com : Der effzeh als kleiner Aufsteiger, ihr als Rekordmeister und Champions-League-Teilnehmer- wie viel nimmt man da überhaupt vom Gegenüber wahr?

Jan: Persönlich kann ich den effzeh gut leiden und stehe mit einigen Fans in Kontakt. Und lieber 1.FC Köln als Fortuna Köln, denn über den Abschluss der Aufstiegsrelegation vor einigen Monaten (Fortuna vermieste den Bayern-Amateuren in nahezu letzter Sekunde den Sprung in die 3. Liga, Anm. d. Red.) sprechen wir lieber nicht mehr. Doch zurück zur eigentlichen Frage: Köln ist doch schon sehr präsent – nicht zuletzt in der Medienwahrnehmung. Mitunter ist es ja bei euch ähnlich wie in München. Es ist immer etwas los, gibt ständig irgendetwas zu schreiben, diskutieren, besprechen oder sich aufzuregen. Außerdem seid ihr als Aufsteiger sehr solide in die Bundesligasaison gestartet und wir müssen nach Köln fahren – immer etwas anders als ein Heimspiel. Beim Rennen um die Meisterschaft wird man sich wohl am Ende nicht duellieren, aber die Effzeh-Fans haben ja mindestens (irgendwann) Europapokalambitionen im Blut.

effzeh.com : Wie ist es überhaupt, in 95 Prozent aller Bundesliga-Spiele als der haushohe Favorit zu gelten? Sind da die Erwartungen und Ansprüche an den Spielverlauf gänzlich andere?

Jan: Trotz der Favoritenrolle, die man quasi ständig zugeschrieben bekommt, sind die Spiele nicht weniger spannend, wobei so richtiger Nervenkitzel natürlich nur vor den Topspielen oder im Europapokal entsteht. Viel mehr – das kann ich zumindest für mich so behaupten – wird über das Ergebnis hinaus tiefer auf das Spielgeschehen geblickt. Taktiken, Anpassungen während der Partie, welche Rollen werden von einzelnen Spielern übernommen, wie hat man sich auf den Gegner vorbereitet, um ihn zu knacken. An dieser Stelle ist es seit der Verpflichtung von Pep Guardiola noch spannender und abwechslungsreicher geworden. Liest man heute vor dem Anpfiff eine Aufstellung, dann weiß man eigentlich nie wirklich genau was gespielt wird.

effzeh.com : Während Köln als Stimmungshochburg gilt, wird bei den Bayern häufig von „Erfolgsfans“ und einer Stimmung wie auf dem Chicagoer Zentralfriedhof gesprochen. Wieviel Wahrheit steckt in der Aussage?

Jan: Leider hat der Beginn der letzten Saison gezeigt, dass es große Problemen zwischen den aktiven Fans und dem Verein gab. Stimmungsboykott, Heimspiele mit gespenstischer Ruhe und anderer Protest haben das „keine Stimmung in der Allianz Arena“ Image natürlich bestärkt. Inzwischen kann man aber zum Glück deutliche Verbesserungen bei vielen Themen feststellen und die Zusammenarbeit funktioniert klasse. Vor einigen Monaten hätte man das noch nicht für möglich gehalten. Stimmungswillige (junge) Fans kommen besser in die Blöcke der Südkurve, es gibt einen freien Mitglieder-Ticketverkauf für die Südkurve, Tauschkarten und ein Auswertungssystem, um die besonders bemühten Unterstützer in Zukunft zu belohnen. In der letzten Spielzeit wurden wenig genutzte Dauerkarten an die aktivsten Südkurven-Fans neu vergeben. Außerdem haben wir nun bei nationalen Spielen dank neuer Konstruktion eine echte Stehplatzkurve und die Koordination mit unseren Nebenblöcken funktioniert immer besser. Natürlich ist stimmungstechnisch noch nicht alles perfekt, oder auf einem ähnlich guten Niveau, wie wir es zum Beispiel auswärts erreichen, aber es geht bergauf. Stille wie auf dem Chicagoer Zentralfriedhof haben wir nicht mehr.

effzeh.com : Nach dem Duell beim FC geht’s für Euch nach Moskau zur Partie in der Königsklasse. Können wir uns etwa auf das 1b-Team der Bayern einstellen?

Jan: Guardiolas Rotation wird vermutlich noch bis zur Winterpause ein sehr entscheidender Faktor sein. Nichtsdestotrotz können wir nicht übertrieben stark wechseln, wie uns die bisherigen Partien gezeigt haben. Hamburg war da wohl eine Mahnung. Ich rechne mit einer ähnlichen Startformation wie gegen Paderborn, viel Druck in den Anfangsminuten, um möglichst direkt in die Erfolgsspur zu finden, und anschließend frühen Auswechslungen in der zweiten Hälfte. Die Reise nach Moskau wird anstrengend – die Bundesliga darf dennoch nicht darunter leiden.

effzeh.com : Zum Abschluss – wie lautet dein Tipp?

Jan: Ein druckvoller Start der Bayern mit Toren von Lewandowski und Müller. Danach wird es etwas ruhiger werden und eventuell schlägt der FC einmal zu. Am Ende wird es Robben sein, der den „Deckel drauf“ macht, sodass unsere Roten mit einem 3:1-Erfolg zurück nach München kommen.

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