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Meinung

Kein Livespiel des 1. FC Köln im Pokal: Retortenschlacht statt Traditionsduell

Die Entscheidung der ARD, das Pokalspiel zwischen dem 1. FC Köln und Schalke 04 nicht zu zeigen, stößt auf Unverständnis. Besonders die gewählte Alternative sorgt für Kopfschütteln allerorten.

COLOGNE, GERMANY - AUGUST 13: Supporters of Cologne lift their scarfs during the Second Bundesliga match between 1. FC Koeln and 1. FC Union Berlin at RheinEnergieStadion on August 13, 2018 in Cologne, Germany. (Photo by Juergen Schwarz/Bongarts/Getty Images)
Foto: Juergen Schwarz/Bongarts/Getty Images

Als am Donnerstag bekannt wurde, welche Spiele die ARD in der zweiten Runde des DFB-Pokals live übertragen werden, löste die Meldung dazu auf Twitter einen veritablen Shitstorm aus. Die ARD hatte sich zunächst für das Spiel des im TV ja nicht so selten vertretenen Traditionsvereins aus München entschieden (Dienstag, 30. Oktober). Das Spiel beim gastgebenden SV Rödinghausen, der im Osnabrücker Stadion spielen wird, verspricht dennoch auch ein gewisses Maß an Spannung. Werden es die Bayern zweistellig schaffen? Schießt Rödinghausen gar ein Tor?

Man kann natürlich argumentieren, das gerade die selten vertretenen Amateurvereine hier einmal gestärkt werden sollen und dies nun einmal gegen den unbestrittenen Primus des deutschen Fußballs. Und dann der Blick auf die immensen Einschaltquoten, die der Rekordmeister nahezu garantieret. Okay, dann kann man so eine Auswahl zähneknirschend noch akzeptieren.

Begegnungen im Westen zum Zunge schnalzen

Vor allem hätte man meckernde Fußballfans mit dem zweiten Livespiel besänftigen können, denn die Auswahl der Spiele am 31.10. war exquisit. 1. FC Köln gegen Schalke 04, Borussia Dortmund gegen Union Berlin und Borussia Mönchengladbach gegen Bayer Leverkusen: All diese Duelle lassen Traditionalisten, trotz des Mitwirkens des semi-beliebten Werksvereins, mit der Zunge schnalzen.

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Bei vielen galt das Duell des effzeh (103.323 Mitglieder) gegen Schalke (156.110 Mitglieder) als Favorit, mehr Tradition und Fanansammlung geht kaum und es gab bereits unvergessene Pokalschlachten zwischen den Vereinen. Ein absoluter West-Schlager! Die Ausgangslage, Zweitligafavorit Köln gegen Champions-League-Teilnehmer Schalke, passte ebenso. Was sollte schiefgehen?

Alles ging schief! Man möchte es schon gerne wissen, wie so etwas abläuft. Denn unter halbwegs normalen Umständen käme wohl kein Fußballinteressierter auf den schrägen Gedanken, das Spiel RB Leipzig (750 Fördermitglieder!) gegen die TSG Hoffenheim (10.425 Mitglieder) auszuwählen. Ausgerechnet die beiden „Vereine“, die wie keine anderen für die Kommerzialisierung des Fußballs stehen. Für Klatschpappen und Retorte!

Die dunkle Seite der Macht im direkten Duell

Auf der einen Seite, das lediglich als Werbemittel für Dosenlimonade im Reagenzglas gezüchtete Fußballkonstrukt aus Leipzig, auf der anderen das private Spielzeug eines ehemaligen IT Top-Managers und Milliardärs, der im gesetzteren Alter ein wenig im Fußball mitmischen will und dafür seinen Herkunftsverein vom Dorf (be)nutzt.

Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images

Fußball-Traditionalisten sehen in diesen beiden Fußballprojekten nichts anderes als die „dunkle Seite der Macht“ und ihre Protagonisten Dietrich Mateschitz, Oliver Mintzlaff sowie Dietmar Hopp haben bei ihnen ähnliche Beliebtheitswerte wie die Star Wars Antagonisten Darth Vader , Snoke und der Imperator.

Nun gibt es auch Befürworter, die durchaus nachvollziehen können, dass dieses Duell ausgewählt wurde. Schließlich treffen zwei Vereine aus der ersten Liga aufeinander, beide spielen durchaus einen attraktiven Ball und beide haben berechtigte Ambitionen den übermächtig gewordenen Bayern mittel- bis langfristig Paroli bieten zu können. Nicht wenige sehen in diesen beiden Vereinen die Zukunft des Fußballs. Klar strukturierte, nach vernünftigen Plänen operierende Fußballfirmen, die – dank vorhandener Wirtschaftskraft – in ihren auf die Wiese platzierten Leistungszentren nach wissenschaftlichen Erkenntnissen den Fußball quasi im Labor weiter entwickeln.

Auf der nächsten Seite: Diese Entscheidung ist ein
weiterer Stich ins Herz der Fußball-Fans

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