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Interesse von Topklubs an Jorge Meré: Eine Frage der Identität

Viel Interesse an Jorge Meré: Europäische Topklubs scouten den Kölner Innenverteidiger völlig zurecht. Der 1. FC Köln muss nicht nur deswegen seinen Status als Ausbildungsverein akzeptieren.

COLOGNE, GERMANY - DECEMBER 16: Jorge Mere, Timo Horn and Tim Handwerker of FC Koeln celebrate after victory in the Bundesliga match between 1. FC Koeln and VfL Wolfsburg at RheinEnergieStadion on December 16, 2017 in Cologne, Germany. (Photo by Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images)
Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images

Es ist schon eine gewisse Zeit her, dass sich Vereine wie der FC Barcelona, Atlético de Madrid und nun auch Inter und der FC Sevilla für einen Spieler des 1. FC Köln interessieren. Denn während die gerade genannten Vereine in ihren Ligen zur absoluten Elite gehören, sieht sich der effzeh als Jorge Merés derzeitiger Arbeitgeber vor der Aufgabe, im kommenden Jahr genügend Punkte für den Wiederaufstieg in die Bundesliga zu sammeln.

Wenn das gelingen sollte, stünde der erste Bundesliga-Meister wieder vor der Aufgabe, sich im deutschen Oberhaus zu etablieren und die unvergessen schlechte Spielzeit 2017/2018 endgültig auszumerzen. Dabei gilt der spanische U21-Kapitän (27 Einsätze), der im Sommer 2017 für eine hohe einstellige Millionenablöse aus Gijón zum 1. FC Köln wechselte und seither 40 Pflichtspiele für die „Geißböcke“ absolvierte, als einer der wichtigen Bausteine.

Perfekte Mischung: Jung und dennoch erfahren

Schon bei seinem Jugendverein hatte 56 Spiele in der spanischen Primera Division auf dem Buckel – trotz seines jungen Alters von 21 Jahren gilt der 1,82 Meter große Innenverteidiger schon als einigermaßen erfahren. Wertgeschätzt wird er in seinem Heimatland sowieso: Die Tatsache, dass er die spanische U21 als Kapitän anführt, spricht Bände.

Und auch die Anzahl der Spiele für die höchste Jugendauswahlmannschaft lässt erkennen, dass der spanische Fußballverband große Stücke auf Meré hält: Mit seinen bis dato 27 Einsätzen liegt Meré auf Rang drei der Rekordspieler. Vor ihm liegen die beiden (ewigen) spanischen Talente Gerard Deulofeu (ausgebildet in La Masia, 36 Einsätze) und der Baske Iker Muniain, der für Athletic Bilbao spielt und 31 Mal eingesetzt wurde. Läuft diese Länderspiel-Saison genauso weiter, dürfte Meré zumindest letzteren überholen.

Jorge Meré: Nach Anlaufschwierigkeiten nun gesetzt

Gefolgt wird der Rechtsfuß in kölschen Diensten von illustren Namen wie David de Gea, Saúl Niguez und Xavi – drei Namen, die den spanischen Fußball langfristig geprägt haben und auch noch prägen werden. Von daher sollte sich der effzeh immer wieder vor Augen führen, was für ein Juwel die „Geißböcke“ in ihren eigenen Reihen wissen. Nachdem Meré in der vergangenen Saison noch ein wenig mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen hatte, etablierte er sich in einer nicht einfachen Saison als Abwehrspieler und sammelte Erfahrungen auf höchstem Niveau in einem für ihn fremden Land.

In dieser Saison musste er abermals Geduld beweisen, setzte Trainer Markus Anfang zu Beginn der Saison doch vermehrt auf Lasse Sobiech im Abwehrzentrum der Kölner. Nach der Verletzung des ehemaligen St. Paulianers übernahm Meré dessen Posten und profitierte zudem von der Umstellung auf drei Innenverteidiger. Der Spanier agiert dabei im Zentrum und wird flankiert von Czichos und Schmitz auf den Halbpositionen.

Mit großer Ruhe und Übersicht löst Meré die ihm gestellten Aufgaben zuverlässig – dass er für mehr als die zweite Liga qualifiziert scheint, ist keine Überraschung. Als ballspielender Innenverteidiger demonstriert der Spanier seine gute technische Ausbildung, weil er sauber mit beiden Füßen passen kann und die notwendige Pressingresistenz für das Aufbauspiel der Kölner mitbringt. Er ist quasi ein Mittelfeldspieler, der in der Verteidigung eingesetzt wird.

Neuer Vertrag und viel ausländisches Interesse

Seine Wertschätzung in Köln wurde vor kurzem dadurch goutiert, dass sein Vertrag bis 2023 verlängert wurde. Im Sommer gab es wohl keine Interessenten, die bereit waren, die Ausstiegsklausel in zweistelliger Millionenhöhe zu berappen, sodass diese letztlich ablief – der aktuelle Vertrag soll hingegen immer noch eine solche enthalten. Das Zweitligajahr soll dem Spanier dem Vernehmen nach durch eine Gehaltserhöhung schmackhaft gemacht worden sein, so dass Meré seinen Teil zum erhofften Wiederaufstieg beitragen kann.

Interessenten gibt es unterdessen mittlerweile mehr als genug:  Die spanische Fußballzeitschrift „Marca“ gilt im Vergleich zu anderen (halbseidenen) Presseprodukten auf der iberischen Halbinsel als überwiegend seriös und berichtete zuletzt davon, dass sich neben den spanischen Topvereinen auch Inter den 21-Jährigen auf ihrer Scouting-Liste haben.

Foto: Juergen Schwarz/Bongarts/Getty Images

Bisweilen war sogar davon die Rede, dass bereits im Winter ein Wechsel nach Spanien anstehen könnte – Barcelona braucht einen Ersatz für den verletzten Weltmeister Samuel Umtiti, Atlético könnte einen Ersatz brauchen, wenn der FC Bayern Lucas Hernandez verpflichtet. Im Winter kann die Ablösesumme durch den effzeh allerdings frei verhandelt werden, die Lage im Sommer 2019 wird dann davon abhängig sein, ob der 1. FC Köln die Rückkehr in die Bundesliga schaffen wird. Eine neue Ausstiegsklausel dürfte dann allerdings dem Vernehmen nach greifen. „Marca“ berichtete von einer Summe in Höhe von 30 Millionen Euro.

Ein Wechsel nach Spanien? Völlig nachvollziehbar!

Aus Merés Sicht würde es natürlich Sinn ergeben, nach den beiden „Ausbildungsjahren“ als gereifter Profi nach Spanien zurückzukehren und dort im Kader eines Champions-League-Teilnehmers um einen Platz in der Innenverteidigung zu kämpfen. In einem Interview mit dem Blog „La Magia del Brujo“ (geführt im April 2018) sagte der 21-Jährige, dass er in Deutschland neue Konzepte in Bezug auf Zweikampfführung, Aggressivität und Direktspiel lernen würde. Im spanischen Fußball gehe es mehr um Ballbesitzspiel und Bewegung, in Deutschland eher um lange Bälle und Kopfballduelle.

Mit einem Wechsel zurück in die Heimat würde er auch seine Chancen auf eine Nominierung für die A-Nationalmannschaft erhöhen. Ob und wie sich Meré in Köln wohlfühlt, wird genau dann unerheblich, wenn ein seriöses Angebot aus seiner Heimat reinflattert, über das er nachdenkt – das kann ihm niemand verdenken. Für den Innenverteidiger wäre es nur zwangsläufig, in sein Heimatland zu einem ambitionierten Club zurückzukehren.

Was würde ein Transfer für den effzeh bedeuten? Klar ist, dass Meré eine wichtige Rolle in den Planungen Vehs einnimmt. Gleichermaßen muss sich der 1. FC Köln seinem Status und seiner Identität als Ausbildungsverein abfinden, zu dem junge, entwicklungsfähige Spieler wechseln, sich dort weiterentwickeln und dann für eine höhere Ablösesumme weiterverkauft werden. Vereine wie Mainz oder Frankfurt machen das in der ersten Liga mit jungen Spielern aus Frankreich und Spanien vor.

Abgang oder Verbleib? Für den 1. FC Köln zahlt sich beides aus!

Ein Wechsel im Winter würde die Ziele des Vereins gefährden, weswegen er nur dann realistisch scheint, wenn eine wirklich hohe Ablösesumme für Meré gezahlt werden würde. Im Sommer hingegen dürften schon realistische Chancen bestehen, dass er sich für einen größeren Klub entscheidet und den effzeh verlässt. Ob Abgang oder Verbleib: So oder so dürfte es sich für die „Geißböcke“ auszahlen.

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