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„Immer Friede, Freude, Eierkuchen? Dafür sind wir nicht gewählt worden“

Der noch amitierende Mitgliederrat | Foto: 1. FC Köln

Nach dem 1:1 gegen die Filiale eines österreichischen Energy-Drink-Herstellers geht der 1. FC Köln als Verfolger von Bayern München in das direkte Duell mit dem Rekordmeister. Zuvor wartet allerdings noch ein offizieller Termin auf die effzeh-Fangemeinde: Bei der Mitgliederversammlung in der Kölnarena wird FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle nicht nur sehr gute Zahlen präsentieren, auch stellt sich das aktuelle Präsidium um Werner Spinner den Mitgliedern zur Wiederwahl. Einer Vergütung hatte das Triumvirat an der Vereinsspitze zuletzt eine Absage erteilt, da – angeblich – nicht alle Gremien davon überzeugt seien (effzeh.com berichtete).

Damit war zuvorderst der Mitgliederrat gemeint, der über die Vergütung und deren Höhe zu befinden hat. Im Vorfeld der Mitgliederversammlung sprach effzeh.com mit Stefan Müller-Römer, Vorsitzender des Kontrollgremiums, sowie dessen Stellvertreter Dr. Carsten Wettich über die zuletzt kolportierten Unstimmigkeiten, die überwiegend äußerst positive Entwicklung des Vereins sowie die grundsätzlichen Aufgaben und Projekte des Mitgliederrats.

Unsere Gesprächspartner: Stefan Müller-Römer (l.) und Dr. Carsten Wettich (Fotos: privat)

Sportlich stark gestartet, wirtschaftlich auf dem besten Wege der Gesundung, das Präsidium vor der verdienten Wiederwahl: Der Mitgliederrat dürfte äußerst entspannt in die Mitgliederversammlung am Montag gehen, oder?

Stefan Müller-Römer: Entspannt gehen wir immer in die Mitgliederversammlung, denn wir vertrauen ja unseren Mitgliedern (schmunzelt). Aber im Ernst: Natürlich hilft es, wie es aktuell sportlich und wirtschaftlich läuft. Ich kann mich nicht erinnern, wann wir als Verein bei einer Mitgliederversammlung derart gut dagestanden haben.

Sie haben das Trio um Werner Spinner zur Wiederwahl vorgeschlagen. Öffentlich kam der Eindruck auf, es hätte sich etwas hinausgezögert. Wie intensiv war der Besprechungsprozess vor der Nominierung?

Müller-Römer: Der Besprechungsprozess war nüchtern und vor allem sorgfältig, wie sich das gehört. Auch wenn die Bilanz sehr gut ist, muss man das in Ruhe miteinander besprechen. Was in der Öffentlichkeit dazu geredet wurde und wird, hat wenig mit der Realität zu tun, die aus gutem Grund intern stattfindet.

Dr. Carsten Wettich: Die Vorstandsnominierung ist die wichtigste Aufgabe des Mitgliederrates; entsprechend sorgfältig haben wir diese Aufgabe wahrgenommen. Zusätzlich bleibt noch zu sagen, dass wir im ständigen Gespräch mit dem Vorstand standen und das Trio bereits weit vor der offiziellen Nominierung informiert war. Intern war das also auch gar kein Thema. Dass die Verkündung sich etwas hinauszögerte, hatte vielmehr interne Gründe. Wir brauchten einfach einen Tag, an dem sowohl der Präsident als auch wir als Mitgliederratsvorsitzende verfügbar waren.

Zuletzt wurde im Zuge des Verzichts auf eine Vergütung von atmosphärischen Störungen berichtet, mehrfach kamen Interna ans Licht. Funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Mitgliederrat und Präsidium grundsätzlich noch reibungslos?

[perfectpullquote align=”left” cite=”Stefan Müller-Römer” link=”” color=”” class=”” size=””]Wir sind der Aufsichtsrat des Gesamtvereins, wir beraten und kontrollieren den Vorstand. Damit geht einher, dass wir auch einmal etwas kritisch sehen. Dies besprechen wir aber intern.[/perfectpullquote]

Müller-Römer: Die Frage ist doch, was „reibungslos“ bedeutet. Ich denke, in einem gut ausbalancierten, demokratischen Konstrukt ist es wünschenswert, dass man auch einmal verschiedener Meinung ist und sich nicht nur gegenseitig abklatscht. Das tun wir auch nicht, weil wir dafür nicht gewählt worden sind, sondern für genaues Hinschauen. Wir sind der Aufsichtsrat des Gesamtvereins, wir beraten und kontrollieren den Vorstand. Damit geht einher, dass wir auch einmal etwas kritisch sehen. Dies besprechen wir aber intern direkt mit dem Vorstand beziehungsweise im Gemeinsamen Ausschuss. Dass seit Anfang des Jahres einige Dinge in die Öffentlichkeit getragen wurden, hat uns daher negativ überrascht – das müssen wir klar sagen. Aus unseren Reihen kommt das nicht, auch das müssen wir festhalten.

Beim Thema „Vergütung“ wurde dem Mitgliederrat der „Schwarze Peter“ zugeschoben, ohne ihn explizit zu nennen. Warum gab es keine Einigung bei diesem Thema?

Müller-Römer: Es gibt in der Satzung eine klare Regelung, dass der Mitgliederrat die Vergütung vorschlägt und der Gemeinsame Ausschuss diesem Vorschlag lediglich zustimmen oder ihn ablehnen kann. Das heißt: Der Mitgliederrat entscheidet, welchen Umfang die Vergütung haben soll. Das haben Vorstand und Mitgliederrat auch bewusst so geregelt, als wir die Satzung geändert haben.

Wettich: Wir mussten bei diesem Thema auch die Finanzbehörden miteinbeziehen, da der FC ein gemeinnütziger Verein ist. Das ist kein ganz einfacher Prozess, das nennt sich „Einholung einer verbindlichen Auskunft“. Die Finanzbehörde setzt zwar nicht die Angemessenheit der Vergütung fest, gibt aber den rechtlichen Rahmen für die Höhe der Vergütung vor, in dem wir als Mitgliederrat uns dann bewegen können. Da schreibt man nicht einfach eine Seite, es ist deutlich komplizierter. Es gibt für die Vergütungen bei einem eingetragenen Verein, der eine ausgegliederte Profifußballmannschaft hat, keine festen Größenordnungen oder Beispiele, die man sich nehmen könnte. Wir haben also eine recht einzigartige Anfrage an die Finanzbehörde gestellt. Wir müssen uns die Konstruktion des Vereins vor Augen halten: Wir haben einen eingetragenen Verein mit 80.000 Mitgliedern, der vom Vorstand geführt wird. Die Musik spielt aber in der Profi-KGaA. Der Vorstand nimmt wiederum die Rolle des Vereinsvertreters als Alleingesellschafter in dieser Profi-KGaA für den Verein und dessen Mitglieder wahr.

Das Präsidium des 1. FC Köln (v.l.n.r.): Werner Spinner, Markus Ritterbach, Toni Schumacher (Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Müller-Römer: Die Möglichkeit, dass man eine angemessene Vergütung bezahlen kann, aber nicht muss, haben wir in der Satzung vor zwei Jahren ergänzt. Wir sind der Meinung, der Vorstand hat einen guten Job gemacht und der Arbeitsaufwand des Vorstands ist so hoch, dass es angemessen wäre, ihm eine Vergütung zu zahlen. Dazu haben wir uns viele Gedanken gemacht und sorgfältig alle Argumente wie beispielsweise Umsatzgröße, Vereinsverschuldung und die positive Entwicklung abgewogen. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass für die Tätigkeit, die wir im Grundsatz weiterhin als Ehrenamt sehen, eine Vergütung von 200.000 Euro angemessen ist. Der Vorstand hat sich letztlich dagegen entschieden und darauf verzichtet. So bleibt das Geld dem Verein erhalten.

Wenn seitens des Vorstands gesagt wird, die Gremien waren von einer Vergütung nicht überzeugt: Gab es denn innerhalb des Mitgliederrats größere Diskussionen um die Höhe?

[perfectpullquote align=”left” cite=”Dr. Carsten Wettich” link=”” color=”” class=”” size=””]Wir haben uns im Mitgliederrat intensiv mit dem Thema Vergütung beschäftigt. Alle Mitglieder des Gremiums waren angesichts der guten Arbeit des Vorstands überzeugt, dass eine Vergütung angemessen und richtig ist.[/perfectpullquote]

Wettich: Wir haben uns im Mitgliederrat intensiv mit dem Thema beschäftigt. Zunächst ging es darum, ob wir von der Möglichkeit Gebrauch machen und erstmals in der Geschichte unseres Vereins dem Vorstand eine Vergütung zahlen sollen: Da waren alle Mitglieder des Gremiums angesichts der guten Arbeit des Vorstands und auch des erheblichen Zeitaufwands und der Verantwortung der Personen überzeugt, dass eine Vergütung angemessen und richtig ist. Dann haben wir uns über die Höhe unterhalten – und ich muss nochmals sagen, dass das Problem ist, dass hier kein richtiger Benchmark existiert. Man muss schauen, welche Bundesligisten mit dem FC vergleichbar sind, also ihre Profi-Abteilung ausgegliedert haben, eine Vergütung zahlen und diese auch veröffentlichen. Da findet man nichts. Die fehlende Transparenz ist erstaunlich. Für den Mitgliederrat war jedenfalls immer klar, dass wir die Höhe der Vergütung – nach Festsetzung – den Mitgliedern offenlegen werden. Mainz 05 beispielsweise zahlt dem Präsidium eine Vergütung, die unter unserem Vorschlag liegt, obwohl die Profiabteilung nicht ausgegliedert ist, der Vorstand dort also auch operative Verantwortung trägt. Wir haben uns dann nach intensiver Überlegung für diese Höhe entschieden. Die große Frage ist letztlich, welchen Maßstab man anlegt. Für uns ist ein ganz wesentlicher Aspekt, dass wir ein eingetragener Verein sind, der nicht auf Gewinn ausgerichtet ist, und an dem 80.000 Menschen aus ideellen Gründen Mitglied geworden sind. Außerdem ist der Verein selbst nicht operativ tätig. Dafür haben wir die Profi-KG mit – zu Recht – gut bezahlten Geschäftsführern. Deswegen ist die Summe niedriger als beispielsweise ein Vorstand eines mittelständischen Unternehmens derselben Größe verdienen würde.

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Das Stichwort Ausgliederung ist bereits gefallen. Der Mitgliederrat kontrolliert qua Satzung den Vorstand des Vereins, ihr sitzt als Vorsitzender ebenso im Gemeinsamen Ausschuss zusammen mit der Geschäftsführung der KGaA. Nehmen Jörg Schmadtke und Alexander Wehrle mitunter auch an den Treffen des Mitgliederrats teil?

Wettich: Es ist schon richtig beschrieben: Wir kontrollieren den Vorstand des Vereins, nicht die Geschäftsführer. Aber wir kontrollieren den Vorstand natürlich auch und vor allem in Hinblick auf das Wirken als Vertreter des e.V. in der KGaA. Im Gemeinsamen Ausschuss nimmt die Geschäftsführung an den Treffen teilt und Alexander Wehrle informiert über die aktuelle Zahlen. Das macht er gut. Auch im Mitgliederrat ist das so: Der Vorstand berichtet gewöhnlich unserem Gremium und bringt dann beispielsweise Alexander Wehrle mit.

Haben großen Anteil an der positiven Entwicklung des 1. FC Köln: Jörg Schmadtke (l.) und Alexander Wehrle (Foto: Matthias Hangst/Getty Images For DFL)

Müller-Römer: Es ist aber nicht so, dass die Geschäftsführung regelmäßig in den Mitgliederrat kommt. Dafür gibt es ja den Gemeinsamen Ausschuss als höchstes Lenkungsgremium, in dem solche Dinge besprochen werden. Wir geben die Informationen, die wir dort erhalten, an den Mitgliederrat weiter – aber nicht eins zu eins, da wir einer gewissen Verschwiegenheitspflicht unterliegen. Es gilt, die grundsätzlichen Entwicklungen zu schildern.

Wie ist grundsätzlich die Zusammenarbeit des Mitgliederrats mit den Geschäftsführern? Jörg Schmadtke zeigte sich ja schon einmal recht unzufrieden ob des Eingreifens des Gremiums.

[perfectpullquote align=”left” cite=”Stefan Müller-Römer” link=”” color=”” class=”” size=””]Wir können nicht die ganze Zeit herumlaufen, uns abklatschen und „Friede, Freude, Eierkuchen“ singen – das ist nicht unsere Aufgabe. Dementsprechend ist man als Kontrolleur nicht ganz so beliebt, wie man vielleicht gerne wäre[/perfectpullquote]

Müller-Römer: Möglicherweise sehen wir das etwas entspannter als umgekehrt. Man darf nie vergessen: Am Ende sind wir Kontrolleure. Und wer lässt sich schon gerne kontrollieren, wenn er der Meinung ist, gute Arbeit zu leisten? Das ist naturgemäß eine Konfliktsituation, die immer da ist. Der Kontrolleur muss aber auch in guten Zeiten, das ein oder andere hinterfragen. Wir können nicht die ganze Zeit herumlaufen, uns abklatschen und „Friede, Freude, Eierkuchen“ singen – das ist nicht unsere Aufgabe. Dementsprechend ist man als Kontrolleur nicht ganz so beliebt, wie man vielleicht gerne wäre (schmunzelt)

Ist denn der Informationsfluss außerhalb der Sitzungen des Gemeinsamen Ausschusses gewährleistet? Kriegt der Mitgliederrat genug Input und Feedback seitens der Verantwortlichen in Verein und KGaA?

Müller-Römer: Der Verlauf ist, so würde ich sagen, wellenartig, aber im Prinzip haben wir Einblick in die wesentlichen Entwicklungen und kennen die Zahlen. Die sind auch gut, daran gibt es nichts zu deuteln. Insofern haben wir als Ergebnis den Vorstand wieder vorgeschlagen – das ist ein klares Bekenntnis. Und die Vergütung on top ist ein noch deutlicherer Vertrauensbeweis. Positiver können wir das gar nicht ausdrücken!

Die Frage nach einer Vorstandsvergütung ist nur aufgeschoben worden. Wird uns das Thema auch im kommenden Jahr wieder begleiten?

Müller-Römer: Der Mitgliederrat hat in der Vergütungsfrage klare und gut begründete Vorstellungen, die er nicht einfach über Bord werfen wird. Wir haben einen klaren Vorschlag in Beschlussform gemacht, den wir auch nicht zurückgezogen haben. Der Vorstand hat darauf verzichtet. Das Geld bleibt dem Verein erhalten und kann für andere gute Zwecke eingesetzt werden.

Als Vertreter der Mitglieder sieht sich das Gremium als „kritischer Begleiter“, aber auch als Impulsgeber. Welche Projekte sind dem Mitgliederrat aktuell wichtig?

Vielleicht bald im Besitz des 1. FC Köln? Ein Stadionkauf könnte mittelfristig ein Thema werden (Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images)

Wettich: Ein Projekt, das wir aktiv begleiten, ist der Ausbau des Geißbockheims – das dürfte sicherlich das wichtigste Anliegen in der kommenden Amtszeit für die weitere Zukunft des Vereins sein. Walther Boecker als einer unserer Mitgliederräte berät als langjähriger Bürgermeister Hürths und erfahrener Kommunalpolitiker Vorstand und Geschäftsführung bei diesem Thema und war auch zuletzt beim Zusammentreffen mit Oberbürgermeisterin Henriette Reker dabei. Ansonsten begleiten wir regelmäßig die Handball- und Tischtennisabteilung und haben uns erfolgreich für eine Budgeterhöhung eingesetzt, damit die Sparten etwas mehr Luft zum Atmen haben. Dazu kommen wichtige Bereiche wie Inklusion, Behindertenbetreuung oder auch die AG Fankultur, die Fritz Guckuk und ich begleiten. Auch auf Themen wie der Anpassung der Dauerkartenpreise zur neuen Saison werfen wir ein kritisches Auge und stimmen uns hierzu mit der Mitglieder- beziehungsweise Ticketabteilung ab. In der Trikotkommission sind wir auch vertreten.

Müller-Römer: Man darf nicht vergessen, dass der Mitgliederrat nicht dafür da ist, operative Arbeit zu erledigen. Das ist nicht unser Job, wir sollen beobachten, Fragen stellen, Anregung geben und notfalls Kritik üben. Das machen wir schon deutlich mehr als jedes unserer Vorgängergremien. Wir bringen uns aktiv ein, nicht zuletzt auch bei sozialen Themen wie der Behindertenbetreuung. Im Übrigen gibt es für alle Bereiche beim FC im Geißbockheim entsprechende Mitarbeiter, die einen tollen Job machen. Die fänden es zu Recht nicht so toll, wenn andauernd jemand aus dem Mitgliederrat ankommt und ihnen erzählt, wie sie ihren Job zu machen hätten. Dementsprechend halten wir uns angemessen zurück.

[perfectpullquote align=”left” cite=”Dr. Carsten Wettich” link=”” color=”” class=”” size=””]Die Diskussion um einen Investor? Das wäre für uns ein zentrales Thema. Wir werden uns damit in den kommenden Jahren beschäftigen, da es gilt, wenn die Diskussion aufkommt, gut vorbereitet zu sein. [/perfectpullquote]

Wettich: Mittelfristig stellt sich zusätzlich noch das Thema Stadionkauf und -ausbau. Wenn sich das realisieren lässt, wird auch die Diskussion um Investoren aufkommen. Das wäre für uns beide als Vorsitzende des Mitgliederrats, die im Gemeinsamen Ausschuss sitzen, natürlich ein zentrales Thema. Auch damit werden wir uns in den kommenden Jahren beschäftigen, da es gilt, wenn die Diskussion aufkommt, gut vorbereitet zu sein.

Wurde das Thema denn bereits im Mitgliederrat behandelt? Der Einstieg eines Investors oder gar mehreren dürfte angesichts der Einstellung vieler FC-Fans ja heikel werden.

Müller-Römer: Groß diskutiert wurde darüber noch nicht. Es macht aus meiner Sicht nur Sinn, über Dinge zu diskutieren, wenn diese ansatzweise in der Nähe sind. Wir haben auch entsprechend klare Regelungen in der Satzung, was möglich ist. Im Moment steht das Thema nicht zur Debatte, der FC entwickelt sich auch so sehr gut. Wenn wir allerdings morgen um die Deutsche Meisterschaft mitspielen müssten, dann hätten wir natürlich einen immens hohen Finanzbedarf. Das wollen wir so schnell aber auch gar nicht, wir wollen uns als Verein gesund und vernünftig entwickeln. Irgendwann wird man sehr sorgfältig schauen müssen, ob man jemanden ins Boot holt und wer das dann ist. Man kann ja sehr gut an anderen Vereinen ablesen, zu welchem Theater das auch führen kann.

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Die interne Arbeit des Mitgliederrats geschieht zumeist hinter geschlossenen Türen, für viele ist das Wirken daher völlig unbekannt. Wie arbeitet das Gremium überhaupt, wie oft trifft es sich, müssen immer alle anwesend sein?

[perfectpullquote align=”left” cite=”Stefan Müller-Römer” link=”” color=”” class=”” size=””] Wenn wir unsere Arbeit gut machen, und das würde ich behaupten, dann arbeiten wir unauffällig im Hintergrund. Das ist ein Qualitätsmerkmal und nicht etwa Anlass zur Kritik.[/perfectpullquote]

Müller-Römer: Generell sollten immer alle anwesend sein, das gelingt bei 14 Personen aber nicht immer. Wir haben aber eine extrem hohe Anwesenheitsquote, mit Sicherheit höher als im Bundestag (schmunzelt). Wir treffen uns fast monatlich, wenn es nötig ist auch häufiger. Dazu gibt es verschiedene Arbeitsgruppen, in denen sich die Leute je nach Interesse engagieren. Naturgemäß sind wir aber ein Gremium, das im Hintergrund wirkt. Da gibt es in der Öffentlichkeit keine Lorbeeren zu ernten, damit muss man aber leben, wenn man diese Arbeit macht. Der Vorstand führt den Verein nach außen, während der Mitgliederrat intern wirkt. Wenn wir unsere Arbeit gut machen, und das würde ich behaupten, dann arbeiten wir unauffällig im Hintergrund. Das ist also ein Qualitätsmerkmal und nicht etwa Anlass zur Kritik.

Ist es da schwierig, wenn Themen, die den Mitgliederrat betreffen, in der Öffentlichkeit diskutiert werden?

Müller-Römer: Es ist nicht gut, wenn Themen, die intern besprochen und gelöst werden sollten, nach außen getragen werden. Wie eben schon gesagt, haben wir das in den letzten drei Jahren aber nicht gemacht.

Wettich: Mitunter werden auch Sachverhalte in den Medien falsch dargestellt – aber sich dazu konkret zu äußern, ist aus meiner Sicht sinnlos. Denn letztlich schaden öffentliche Diskussionen dem Verein.

Müller-Römer: Genau. Es ist nicht immer sinnvoll, falsche Behauptungen richtigzustellen. Manchmal wird eben einfach etwas geschrieben, das nicht stimmt. Manchmal wird eine Geschichte schöner, wenn man sie ein wenig ausschmückt mit Dingen, die so tatsächlich nie stattgefunden haben. Damit müssen wir alle leben. Genauso müssen wir damit leben, dass es Themen gibt, zu denen wir uns gerne öffentlich äußern würden, es aber nicht können und auch gar nicht sollten, weil es dann unnötig Theater gäbe.

Zuletzt haben Sie sich noch den Mitgliedern auf einem Stammtisch gestellt. Wie wichtig ist es zu zeigen, dass es ein Gremium gibt, das für die FC-Mitglieder bei Problemen ansprechbar ist?

Die Fans des 1. FC Köln sind ein großes Faustpfand für den Verein (Foto: Juergen Schwarz/Bongarts/Getty Images)

Wettich: Wir haben jetzt zum dritten Mal ein paar Wochen vor der Mitgliederversammlung einen Stammtisch abgehalten, damit gilt das in Köln ja schon als Tradition (lacht). Einmal, um die Themen der Versammlung zu erläutern. Das war diesmal vor allem die Nominierung des Präsidiums, da wollten wir den Mitgliedern die Hintergründe schildern. Dazu geben wir einen Abriss dessen, was wir in den letzten Monaten gemacht haben, und geben den Mitgliedern die Möglichkeit, uns besser kennenzulernen und uns Fragen zu stellen. Da kommen auch immer gute Anregungen, die wir gerne aufgreifen. Darüber hinaus treffen wir uns aber auch regelmäßig mit verschiedenen Fanklubs, um mit diesen in Kontakt zu kommen und zu bleiben. Daher denke ich, dass wir bei den Leuten, die ins Stadion oder zur Mitgliederversammlung gehen, schon präsent sind. Ansonsten bekommen wir häufig Mails von Mitgliedern zu bestimmten Themen.

Müller-Römer: Wir haben den Mitgliederrat bei Neufassung der Satzung ganz bewusst Mitgliederrat getauft. Wir hätten ihn ja auch Aufsichtsrat nennen können. Damit wäre aber verbunden gewesen, dass den Mitgliedern vielleicht nicht so deutlich geworden wäre, dass das ein aus ihrer Mitte gewähltes Gremium ist. Das bedeutet eben auch, dass wir zu jeder Zeit für jedes Mitglied zu jedem Thema ansprechbar sind. Wir können sicherlich nicht bei jedem Thema Abhilfe schaffen, beispielsweise Kartenwünsche bedienen oder die Preise einfach nach unten korrigieren, was mitunter charmant an uns herangetragen wird (lacht). Aber grundsätzlich soll es so sein, dass der Mitgliederrat als Bindeglied zwischen den Mitgliedern und der Exekutive fungiert.

Abseits von Kartenwünschen: Was sind das für Anfragen, die ihr Gremium erreichen?

Wettich: Natürlich kommt häufiger die Frage, ob wir keine Dauerkarten besorgen könnten (schmunzelt). Aber es ist sicherlich so, dass sich vieles um Themen im Stadion dreht. Nach dem ersten Spieltag haben uns beispielsweise Mails erreicht, in denen sich über die Getränkeversorgung oder die erhöhten Parkplatzgebühren beschwert wurde. Auch wenn bei letzterem die Stadt und nicht der FC verantwortlich ist, haben wir das selbstverständlich in den Verein weitergetragen und setzen uns für eine Rücknahme der Erhöhung ein, auch wenn das bei der Stadt leider bislang auf taube Ohren stößt. Es trudeln bei uns aber auch allgemeine Anregungen ein, zum Beispiel zu Mitgliedschaftsvorteilen oder zur lebenslangen Mitgliedschaft, die zum Teil auch kritisch gesehen wird.

Müller-Römer: Die Preisanpassung bei den Dauerkarten zu dieser Saison war natürlich auch ein Thema, zu dem mehr Mails als üblich eintrafen. Das ist auch klar, waren davon doch einige Mitglieder betroffen. Keiner freut sich über eine Preiserhöhung und fragt sich natürlich, warum es ausgerechnet ihn getroffen hat. Da haben wir uns die Mühe gemacht, den Mitgliedern zu erklären, dass da schon System dahintersteckt und Ungerechtigkeiten beseitigt wurden. Aber wie bei jeder Reform gibt es leider nicht nur Profiteure.

[perfectpullquote align=”left” cite=”Dr. Carsten Wettich” link=”” color=”” class=”” size=””]Wir leben in einer sehr spannenden Zeit im Fußball mit vielen Entwicklungen in Sachen Internationalisierung, Fernsehgelder und Investoren. Wir werden uns weiter dafür einsetzen, dass wir als mitgliederstarker Traditionsverein leben[/perfectpullquote]

Der FC ist auf einem guten Weg – wenn sich der Mitgliederrat etwas wünschen dürfte: Was wäre es?

Müller-Römer: Eine weiterhin positive Entwicklung. So langweilig das auch klingen mag, so schwierig ist das in der Realität sicherzustellen. Fußball ist ein sehr schwankendes Geschäft, im sportlichen Bereich lassen sich Erfolge schwer prognostizieren. Daher ist das, was gerade stattfindet, wunderbar. Daran sollten wir uns erfreuen und schauen, dass wir das noch sehr lange erhalten und im Idealfall sogar noch ausbauen können.

Wettich: Wir leben in einer sehr spannenden Zeit im Fußball mit vielen Entwicklungen in Sachen Internationalisierung, Fernsehgelder und Investoren. Wir werden uns weiter dafür einsetzen, dass wir als mitgliederstarker Traditionsverein leben, und hoffen auf diesem Weg weiterhin erfolgreich zu sein. Dafür wollen wir die Mitgliederrechte weiter nach vorne bringen, weil wir glauben, dass dies der richtige Weg ist.

Müller-Römer: Es gibt im internationalen Fußball Entwicklungen, die ich sehr kritisch sehe. Da müssen wir schauen, dass das nicht zu starke Auswirkungen auf die Bundesliga hat. Es muss nicht auch noch das letzte Fitzelchen vermarktet werden, die Spieltage müssen nicht völlig zerrissen werden, um noch mehr Geld im Fernsehen einzunehmen. Da muss eine vernünftige Balance gefunden werden, die momentan in Gefahr ist. Wir müssen schauen, bei diesen Dingen gemeinsam mit den anderen Vereinen mit einer Stimme zu sprechen. Die Vermarktungsbemühungen dürfen nicht dazu führen, dass vor lauter Marketing das Idealistische am Fußballspiel und am Fan-Dasein völlig verloren geht.

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