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#HSVKOE-Auswärtsspiel: “Der Druck könnte die HSV-Beine lähmen”

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Gelingt dem 1. FC Köln die Revanche für die Pokalpleite? Was den effzeh in Hamburg erwartet und wie es sich im Abstiegskampf so lebt, sagt uns im #HSVKOE-Auswärtsspiel HSV-Fan Sascha.

Zu den Spielen unseres geliebten und glorifizierten ersten Fußballclubs Köln werden wir auch in dieser Saison einem Fan der gegnerischen Mannschaft ein paar Fragen stellen. Und weil Gegner ja immer irgendwie “auswärts” sind, egal ob der effzeh zu Hause oder auf fremdem Platz antritt, und weil die Sichtweise von “auswärts” kommt, heißt die Kategorie folgerichtig “Auswärtsspiel”. Wir sind nicht nur gespannt, wieviel effzeh in den Anhängern der anderen Bundesligisten steckt, sondern erwarten auch eine Einschätzung zur Situation der eigenen Mannschaft.

Der Auftakt eines wegweisenden Dreierpacks findet für den 1. FC Köln in Hamburg statt – mit dem HSV hat der effzeh nach der vermeidbaren 0:2-Niederlage im Pokal durchaus noch eine Rechnung offen. Aber für die “Rothosen” ist es ein wichtiges Duell, befindet sich das Team von Trainer Markus Gisdol trotz Aufschwung immer noch mitten im Abstiegskampf. Wie es sich dort so lebt, woran das real existierende Hamburger Hoch festzumachen ist und warum die Englische Woche die HSV-Beine lähmen könnte, das erklärt uns HSV-Fan Sascha Rebiger.

Sascha, aktuell rangiert der Hamburger SV auf dem 16. Platz, der die Relegation um den Erstliga-Verbleib bedeutet. Steuert der HSV etwa auf den dritten Showdown in den letzten vier Jahren zu?

Natürlich nicht. Der HSV hat in den kommenden Tagen ein echt hartes Programm. Ihr Kölner, der BVB und Hoffenheim – das ist alles keine Laufkundschaft. Im schlimmsten Fall (der natürlich nicht eintreten wird) holen wir da gar nichts. Danach aber haben wir noch sechs Partien gegen die mehr oder minder direkte Konkurrenz. Da machen wir dann die entscheidenden Sprünge in der Tabelle, so dass wir auch diesmal nicht nachsitzen müssen.

Der HSV hat in den kommenden Tagen ein echt hartes Programm. Ihr Kölner, der BVB und Hoffenheim – das ist alles keine Laufkundschaft. Im schlimmsten Fall holen wir da gar nichts.

Trotz der starken Rückrundenauftritte, trotz zehn Punkten in den bisherigen vier Heimspielen 2017 steckt ihr noch unten drin. Wie sehr frustriert dich diese Entwicklung?

Es ist gerade die Entwicklung, die einen NICHT frustriert. Frustrierend war der Beginn der Saison, als wir nach zehn Spielen mickrige zwei Zähler geholt und vier Tore geschossen hatten. Nimmt man diese Ergebnisse raus und schaut sich nur die Tabelle ab dem 11. Spieltag an, sieht das Ganze schon rosiger aus. Das lässt hoffen.

Foto: Marc Mueller/Bongarts/Getty Images

Der Aufschwung unter Markus Gisdol ist jedenfalls unverkennbar. Was macht er anders, was macht er besser als seine Vorgänger?

Als Gisdol kam, hat das nicht gerade ein Freudenfeuer in mir entfacht. Allerdings gebe ich gern zu, dass ich mich stark in ihm getäuscht habe und eventuell Vorbehalte hatte. Inzwischen halte ich ihn für einen guten Trainer. Als er Bruno Labbadia ersetzt hatte, stellte sich der Erfolg nicht sofort ein. Nix mit “Neue Besen kehren gut”. Er hat sich den Kader und die vorhandenen Möglichkeiten aber genau angesehen, hat Verschiedenes an der Ausrichtung ausprobiert. Einiges davon ging in die Grütze, zum Beispiel der Versuch, unseren Rechtsaußen Nicolai Müller links und unseren Linksaußen Filip Kostic rechts spielen zu lassen. Anderes aber hat bestens geklappt. Unsere Außenverteidiger Gotoku Sakai und Matthias Ostrzolek auf die Doppelsechs zu setzen zum Beispiel. So stabilisierte sich die Defensive enorm – ein wichtiger Faktor bei uns, war die Abwehr bis dato zuweilen vogelwild. Hinzu kommt, dass Gisdol auch außerhalb des Platzes an Stellschrauben gedreht hat. Als Beispiele seien hier genannt, dass er den Deutschunterricht für ausländische Spieler wieder zum Pflichtprogramm ausgerufen hat und dass die Mannschaft deutlich mehr Zeit auf dem Trainingsgelände sowie in der Pflege und im Kraftraum verbringt als zuvor.

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und warum Revanche wohl kein Thema für Samstag ist

In der Winterpause habt ihr noch einmal nachgelegt, es kamen mit Mergim Mavraj, Kyriakos Papadopoulos und Walace drei Abwehrakteure. Ist das ein wichtiger Faktor im Hamburger Hoch?

Absolut. Man muss sich mal vorstellen, wie die Innenverteidigung des HSV in der Hinrunde aussah: Da dümpelten ein meist überforderter Kapitän (!) Johan Djourou und eine in die Jahre gekommene, tickende Zeitbombe Emir Spahic herum und wurden hin und wieder mal von dem Hallodri Cleber Reis vertreten. Gisdol hat schnell erkannt, dass mit denen kein Staat zu machen ist. Spahic wurde schnell aussortiert, Cleber Reis im Winter verkauft und Djourou, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, wird den Klub demnächst verlassen. Bis dahin ist er Backup für unsere nun ordentliche Abwehrreihe. Ein fitter Papadopoulos ist ein Monster, Mavraj ein abgeklärter Mann. Das Duo erinnert an goldene Zeiten mit Khalid Boulahrouz und Daniel van Buyten.

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Besonders an Mergim Mavraj haben wir sehr gute Erinnerungen, er hat hier im ersten Halbjahr starke Leistungen gezeigt. Wie bewertest du den Transfer, wie seine bisherigen Leistungen beim HSV?

Der HSV ist in den sozialen Medien ja wie so häufig dafür angegangen worden, dass er Mavraj im Winter geholt hat. WIe kann man nur? Er wäre doch im Sommer ablösefrei gewesen! Ja, aber dann wären wir eventuell in der Zweiten Liga. Der Transfer fand nicht zu früh, sondern eher zu spät statt. Es ist hypothetisch, aber: Hätten wir Mavraj schon im Sommer gehabt, hätten wir fünf, sechs Pünktchen mehr auf dem Konto und die Probleme wären kleiner. Mergim Mavraj ist ein zwar langsamer, aber routinierter Mann mit gutem Auge. Ein Ruhepol, einer, auf den man sich verlassen kann. Und: Er ist ein schlauer Mensch, kein Doofie. Ich freue mich sehr darüber, dass wir ihn haben. Top-Transfer.

Der effzeh hat mit Hamburg nach der Pokalpleite vor zwei Monaten noch eine Rechnung offen. Könnte dieses Spiel ein Nachteil für den HSV sein?

Ich glaube nicht, dass auch nur ein Spieler nach dem Anpfiff denkt: “So, und jetzt laufe ich noch ‘n Kilometer mehr und grätsche noch wilder, weil wir das Pokalspiel verloren haben.” An jedem Spieltag gibt es irgendwo offene Rechnungen. Der effzeh muss punkten, weil sonst das lange Zeit sicher geglaubte internationale Geschäft vielleicht doch noch in die Binsen gehen könnte. Auf Twitter las ich neulich einen Tweet eines mir sehr geschätzten effzeh-Fans. Der gute Mann fragte (abgekürzte Version), ob es wegen der Setzliste in der Europa League besser sei, Bundesliga-Sechster oder -Siebter zu werden. Ich meine: Wenn man das Fell des Bären schon teilt, bevor dieser erlegt ist, geht das oft nicht gut – und am Ende wird Köln Achter. Allerdings steht auch der HSV unter Zugzwang. Viel mehr sogar als der effzeh. Das könnte die Beine lähmen. Und das wäre dann der eigentliche Nachteil – kein gewonnenes Pokalspiel und eine damit verbundene “Rache”.

Ein Blick auf den Spielplan zeigt: In der Englischen Woche warten auf Euch drei schwierige Aufgaben. Ist angesichts der drohenden Partien in Dortmund und gegen Hoffenheim ein Heimsieg über den effzeh schon fast Pflicht?

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Im Grunde ja. Was aber die Aufgabe nicht leichter macht. Ich sprach vor kurzem mit kicker-Redakteur Sebastian Wollf, der mit allem Respekt vorm effzeh sagte: “Köln ist der schlagbarste Gegner von diesen dreien.” So sehe ich das auch – ebenfalls mit allergrößtem Respekt vor Eurem Klub, den ich im übrigen seit jeher sehr gern mag. Ich hatte auch schon mal das Glück, mich kurz mit Peter Stöger unterhalten zu dürfen. Ein Supertyp in allen Belangen. Und Schmadtke ist eh toll.

Auf der nächsten Seite: Warum dem HSV nichts besseres als Heribert
Bruchhagen passieren konnte und warum das Chaosklub-Image nicht so sehr nervt

Gehen wir etwas vom Sportlichen weg: Ende des vergangenen Jahres ersetzte Heribert Bruchhagen Dietmar Beiersdorfer als Aufsichtsratsvorsitzender beim HSV. Wie ist dein bisheriger Eindruck des neuen starken Manns an der Elbe?

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Ich glaube, dass dem HSV nichts besseres hätte passieren können. Bruchhagen mag auf andere wie ein alter, zauseliger Onkel wirken, der seine beste Zeit hinter sich hat. Ich sage: Er bringt so viel Erfahrung und Coolness und Rückgrat mit, dass er sich nicht bei noch älteren, stinkreichen Gönnern anbiedern muss. Natürlich ist es so, dass der HSV abhängig von Kühnes Kohle ist. Aber Bruchhagen bettelt nicht um sie und versucht Wege zu finden, aus dieser Abhängigkeit zu entfliehen. Das finde ich hervorragend.

Insgesamt gilt der HSV im Land als „Chaosklub“, der nicht zur Ruhe kommt. Nervt dich diese Einschätzung?

Ach, sie stimmt ja. Und der HSV hat sich diesen Ruf über Jahre – oder sind es schon Jahrzehnte – auch schön aufgebaut. So schnell wird man den nicht wieder los. Es ist nicht immer einfach, da drüber zu stehen und zu sagen: “Lass sich andere das Maul über den HSV zerreißen.” Manchmal nervt’s. Andererseits ist es aber auch so: Wollte ich Fan eines Langweiler-Klubs sein, könnte ich zu Leverkusen, Augsburg oder den Bayern gehen.

Das, was ihr jetzt imagetechnisch seid, waren wir vor Jahren. Hättest du gedacht, dass die einstige Skandalnudel 1. FC Köln bereits in dieser Saison um eine Teilnahme am Europapokal mitspielt?

Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images

Die laufende Saison ist die dritte, in der ihr wieder oben bei uns seid, richtig? Insofern seid Ihr nach meinem Dafürhalten voll im Plan, oder wenn man ein bisschen Druck aufbauen möchte: Jetzt muss das internationale Geschäft drin sein. Ich finde, der effzeh ist das beste Beispiel für den alten Spruch, dass der Abstieg reinigende Wirkung haben kann. Aus meiner Distanz empfinde ich das so bei Euch.

Zum Abschluss: Dino Hermann oder Geißbock Hennes – wer darf sich Samstag über drei Punkte freuen?

Der Hennes darf ein bisschen Rasen im Volkspark rausrupfen und genüsslich verspeisen, aber die Punkte bleiben hier. Aber danach schlagt Ihr dann bitte jedes Team bis Saisonende.

→ Spilldaach: Alles zu #HSVKOE

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