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Simon Terodde erzielt beide Treffer im Hamburger Kellerduell und lässt den Funken Hoffnung weiter lodern. Der 1. FC Köln hat nun vier Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz.

Nach dem glücklichen Last-Minute-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach stemmt sich der effzeh auch gegen den Hamburger SV erfolgreich gegen den scheinbar besiegelten Abstieg. Mit dem ersten Auswärtssieg seit rund einem Jahr (damals gegen Darmstadt) holen die Kölner nicht nur weiter auf, sondern tanken vor allem weiteres Selbstvertrauen. Schon gegen die Gladbacher hatte das Team von Coach Stefan Ruthenbeck das Glück des Tüchtigen – jetzt war neben dem nötigen Glück aber auch eine entscheidende Portion Kaltschnäuzigkeit dabei.

Die gibt es vor allem dank des Winterneuzugangs Simon Terodde. Der Rückkehrer erzielte nicht nur drei Tore in zwei Spielen, sondern sorgt dafür, dass die Mannschaft permanent Torgefahr ausstrahlt. Was Jhon Cordoba gar nicht und Sehrou Guirassy nur selten gelang, schafft der Ex-Stuttgarter mit beachtlicher Selbstverständlichkeit: Torgefahr erzeugen, die Gegner verunsichern, Präsenz zeigen und die eigene Mannschaft mitreißen. Terodde hat zwar bei weitem nicht die spielerischen Fähigkeiten eines Anthony Modeste, aber die muss er auch gar nicht besitzen. Er hat aber, wie der Franzose ebenfalls, einen erstaunlich guten Torabschluss, der zu Toren „aus dem Nichts“ führen kann.

Der 1. FC Köln im Jahr 2018: Spürbar verbessert

Abseits vom Neuzugang gerät der zweite Erfolgsgarant des effzeh fast in Vergessenheit: Keeper Timo Horn zeigte gegen Hamburg wieder einmal eine bärenstarke Leistung und parierte mehrfach in herausragender Weise gegen die Rothosen. Egal ob André Hahn, Filip Kostic oder Aaron Hunt – sie alle sollten an Horn oder dem Pfosten scheitern. Trotz in der Hinrunde teils dilettantischer Abwehrarbeit lieferte der 24-jährige stets fast makellose Leistungen ab. Viele nehmen die Qualität von Timo Horn mittlerweile als Selbstverständlichkeit wahr – ungewöhnlich und diskutabel angesichts der Tatsache, dass der effzeh ohne Horn wahrscheinlich noch weiter abgeschlagen wäre als ohnehin schon. Es ist eigentlich überflüssig, zur Hinrunde den Konjunktiv zu bemühen, aber mit mehr zurechnungsfähigen Leistungen von Horns Vorderleuten stünde der effzeh nicht dort, wo er jetzt ist.

„Was wäre wenn“-Fragen stellt man sich dieser Tage unaufhörlich, vor allem bezüglich der Transfer- und Trainerfragen in der Hinrunde. Stefan Ruthenbeck gelang es zwar bislang nicht, die Defensive zu einem Bollwerk zu machen, aber er hat der Mannschaft neues Leben eingehaucht und ihr die Basiskompetenzen des Profifußballs präsent gemacht: aufreibende Laufarbeit betreiben, Sprints durchziehen, Zweikämpfe hart führen, Entschlossenheit ausstrahlen und dabei den Kopf eingeschaltet lassen. Kompliziert ist die Taktik Ruthenbecks nicht, aber sie stabilisiert die Mannschaft erheblich. Das nötige Glück spielt auch eine Rolle, doch gerade die Defensive wirkt im 4-4-2-System deutlich aufmerksamer als unter Peter Stöger.

HAMBURG, GERMANY - JANUARY 20: Players of Koeln celebrate after the Bundesliga match between Hamburger SV and 1. FC Koeln at Volksparkstadion on January 20, 2018 in Hamburg, Germany. (Photo by Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

Die Offensive sieht auch unter Ruthenbeck maximal pragmatisch aus, allerdings hat er es anscheinend geschafft, dass die Aktionen wieder mit der nötigen Konsequenz ausgespielt werden. Erkennbare Verbesserungen gibt es allerdings in einem enorm wichtigen Bereich: den Standardsituationen. Wurden diese unter Ruthenbecks Vorgänger eher planlos in den Strafraum geschlagen, resultierten aus einstudierten Varianten nun bereits zwei Führungstreffer – für einen Abstiegskandidaten das Mittel der Wahl. Standardtrainer Kevin McKenna scheint gute Pläne zu haben, die von der Mannschaft auch umgesetzt werden. Die Präsenz von Simon Terodde, welche von Marco Höger nach dem Spiel nochmal hervorgehoben wurde, hilft dabei natürlich enorm weiter – genauso wie das nötige Quäntchen Glück.

Der Gegner aus Hamburg: Am Boden zerstört

Ganz anders sieht die Lage nun beim HSV aus: nach der sechsten sieglosen Partie in Folge und der Niederlage gegen den effzeh stehen die Hamburger nur noch drei Punkte vor den Kölnern, aber psychisch an der Wand. Die erste Konsequenz war der Rauswurf von Markus Gisdol. Sein Ex-Team lieferte zwar engagierte Anfangsminuten, aber planlose restliche. Abgesehen von zuweilen übertriebener Zweikampfhärte boten die Rothosen wenig an, was sie für den Erhalt der Klasse qualifizieren könnte. Wer Gisdol nachfolgt, ist aktuell unklar, doch der Job an der Elbe ist enorm unattraktiv: seit Bruno Labbadia den Job zur Saison 2009/10 antrat, saßen insgesamt 13 (!) verschiedene Cheftrainer auf der Bank (die beste Siegesquote bei mehr als zwei Spielen hat übrigens effzeh-Sportchef Armin Veh mit 42,3%).

Will der HSV weiter in der Bundesliga spielen, muss er entweder schnell das Spiel stabilisieren oder auf das (schier endlose) Glück der vergangenen Jahre vertrauen. Dazu muss er nächste Woche bei Red Bull Leipzig antreten. Für den effzeh geht der Marathon, bestehend aus 17 Zwischensprints, nächste Woche gegen Augsburg weiter. Immerhin: Tasmania Berlin hat man schon jetzt hinter sich gelassen, den HSV wieder in Schlagweite gebracht. Wofür es dann in Zukunft reicht, wird man sehen – mit Timo Horn und Simon Terodde hat der effzeh allerdings momentan wichtige Faktoren auf seiner Seite.

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