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Spielerportraits

Höger: Eine Win-Win-Situation

Als Romantiker dient jede Verpflichtung eines Kölners dazu, den Herzschlag zu beschleunigen. Vorbei die Zeiten, in denen internationale Halbstars für teures Geld hinters Tor flankten: Habemus Höger.

Foto: SASCHA SCHUERMANN/AFP/Getty Images

Die Enttäuschung über die Derby-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach war noch nicht gänzlich abgeebbt, als der effzeh am Montag in einer Pressemitteilung einen Neuzugang bekannt gab. Ab der kommenden Saison wird Marco Höger die Schuhe für die Geißböcke schnüren. Dieser Transfer passt gut in die sportliche Weichenstellung für die Zukunft und im effzeh.com-Porträt zeigen wir auf, was für ein Typ Marco Höger ist und welche Elemente er in das Spiel des effzeh bringen könnte.

Die familiäre Vorprägung des Noch-Schalkers ließ dabei eigentlich gar nichts anderes zu, als dass der zentrale Mittelfeldspieler in seiner Karriere irgendwann einmal das Trikot mit dem Geißbock und dem Dom überstreifen würde – mit der Unterschrift des Vertrages geht für ihn nach eigener Aussage ein „Kindheitstraum“ in Erfüllung. Geboren wurde Marco Höger am 16. September 1989 in der schönsten Stadt Deutschlands, also in einer Zeit, in welcher der effzeh unter Christoph Daum Vizemeister wurde. Vater Michael Höger war einst für die Fortuna aktiv, während Marcos Opa Herbert in grauer Vorzeit auch für den effzeh unterwegs war.

Von daher kam es nicht von ungefähr, dass Klein-Marco in den mehr oder weniger glorreichen Jahren des effzeh gegen Ende des vorangegangenen Jahrtausends auch das ein oder andere Mal ein rot-weißes Trikot unter dem Weihnachtsbaum fand, Besuche im ehrwürdigen Müngersdorfer Stadion inklusive. Auch am Fernseher verfolgte Höger in seiner Jugend die Achterbahnfahrten unserer „Geißböcke“, während er das fußballerische Einmaleins beim TuS Höhenhaus im Nordosten Köln erlernte. Die fußballspezifische Sozialisation des heute 26-Jährigen fand also komplett im effzeh-Dunstkreis statt, selbst in Profizeiten verfolgte Höger die Aufs und Abs seines Herzensvereins aus der Ferne. Dass er aufgrund familiärer Bindung ohnehin häufig in der Stadt war, war der Entscheidungsfindung pro effzeh natürlich auch zuträglich.

Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images

Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images

Über Leverkusen und Aachen nach Schalke

Dennoch, und das war im Jahr 2001 wahrscheinlich keine Entscheidung gegen den effzeh, sondern eher eine für Bayer Leverkusen, entschied sich Familie Höger dazu, die fußballerische Ausbildung ihres Sprösslings Marco fortan unter dem Bayer-Kreuz stattfinden zu lassen. In einem „WAZ“-Leserinterview konstatiert Höger, dass er zu diesem Zeitpunkt „die Wahl zwischen dem FC und Bayer Leverkusen“ hatte. Aufgrund der „super Jugendarbeit, die deutschlandweit geschätzt wird“ entschied er sich für den Rivalen vom Bayer-Kreuz. Dort traf Marco auf seinen Altersgenossen Marcel Risse, der ebenfalls seine erste Station in Höhenhaus hatte, allerdings schon früher den Weg in das Umland nördlich der Stadt Köln wählte. Seither verbindet die beiden eine enge Freundschaft – knapp fünfzehn Jahre später treffen sich ihre Wege erneut, wenn sie ab Sommer gemeinsam für den effzeh auf dem Platz stehen werden.

Nach vier Jahren Ausbildung in Leverkusen führte den talentierten Kölner im Jahr 2005 der Weg nach Aachen, wo mit Jörg Schmadtke ein beim effzeh nicht ganz Unbekannter als sportlicher Leiter das Sagen hatte. Nachdem Höger dort B- und A-Jugend durchlaufen hatte, wurde er 2008 Mannschaftskapitän in der zweiten Aachener Mannschaft in der NRW-Liga – mit erst 19 Jahren. Bis 2010 kam er dort auf insgesamt 39 Einsätze, bevor er im März 2010 sein Debüt für die Alemannia in der zweiten Liga geben durfte. 48 Einsätze bis zum Mai 2011 unterstreichen, dass Höger sofort einen wichtigen Platz im Mittelfeld der Aachener einnahm. Seine Leistungen in der Saison 2010/2011, in der er mit 16 Scorerpunkten neben einem gewissen Benjamin Auer der wichtigste Offensivspieler der Aachener war, sorgten dann naturgemäß dafür, dass sich Vereine aus der ersten Bundesliga für ihn interessierten. Auch der effzeh in Person von Volker Finke sei einmal an ihn herangetreten, allerdings habe sich das Interesse niemals konkretisiert, wie Höger in einem Interview mit dem „Express“ beschreibt. Stattdessen sicherte sich der FC Schalke 04 für knapp zwei Millionen Euro die Dienste des Mittelfeldspielers, der ab Sommer 2011 in blau-weißer Arbeitskleidung malochen durfte.

Reifeprozess im Pott

In seiner ersten Bundesligasaison wurde Schalkes Nummer 12 unter Rangnick und Stevens überwiegend als Rechtsverteidiger eingesetzt. Bei den beiden hohen Siegen der Schalker gegen den effzeh (5:1 und 4:1) sammelte Höger drei Scorerpunkte (ein Tor, zwei Vorlagen). Muss wohl an der Extraportion Motivation gelegen haben. Darüber hinaus konnte der ehemalige Aachener Erfahrungen in der Europa League sammeln, in der seine Schalker erst im Achtelfinale gegen Athletic Bilbao ausschieden. Die Folgesaison gestaltete sich aus persönlicher Sicht etwas schwieriger für Höger, da er aufgrund von Problemen mit der Syndesmose auf nur 22 Einsätze in der Bundesliga kam. Dennoch, und das kam ihm entgegen, war die Folgezeit auf Schalke für ihn einfacher, da er vorrangig im Zentrum und nicht mehr auf der Position des Rechtsverteidigers eingesetzt wurde. Seine Lieblingsposition sieht er „auf der 6 oder 8“, „im Zentrum“ fühle er sich „am wohlsten“, wie er im „WAZ“-Leserinterview zugab.

Die Saison 2012/2013 sah ebenfalls sechs Einsätze in der Champions League vor, in der die Schalker etwas unglücklich zuhause gegen Galatasaray ausschieden. Im Oktober 2013 folgte der erste große Einschnitt in Högers Karriere, als ihn ein Kreuzbandriss im linken Knie monatelang außer Gefecht setzte. Nach erfolgreicher Rehabilitationsphase schaffte er es allerdings, sich wieder als Stammspieler auf Schalke zu etablieren – in der Saison 14/15 kam „Derby-Höger“ (so wird er aufgrund seiner starken Leistung und seines Siegtreffers in einem Derby gegen den BVB genannt) auf 26 Spiele. Allerdings wurde er nach der Niederlage im Mai 2015 gegen den effzeh (2:0, Tore durch Risse und Gerhardt, nä wat wor dat schön) für das abschließende Saisonspiel suspendiert, da laut Horst Heldt „Zweifel über die Loyalität gegenüber dem Verein“ bestanden. Ins Detail ging der Sportdirektor gegenüber dem „Kicker“ allerdings nicht und es ließ sich nur mutmaßen, was die genauen Gründe für die Suspendierung gewesen sein könnten.

Foto: PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images

Foto: PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images

Herangezogen muss an dieser Stelle natürlich erneut die Diskussion darüber, welche Position denn nun am besten zu Höger passe, der sich ja selbst als Mittelfeldspieler sieht und anscheinend gegen seine Aufstellung als rechter Verteidiger im Spiel gegen den effzeh revoltiert haben könnte. Dagegen spricht allerdings, dass Höger seine Polyvalenz „auf jeden Fall als Segen“ sehe, wie er in einem Interview mit „bundesliga.de“ betonte. Dass er variabel einsetzbar ist, war für seine Spielzeiten sicher nicht schädlich – warum genau er suspendiert wurde, scheinen nur die Schalker zu wissen, da er sich vorher als absoluter Musterprofi nie etwas zu Schulden kommen ließ und auch anschließend von der sportlichen Leitung der Schalker begnadigt wurde.

Zu Beginn der aktuellen Saison war Höger dann wieder fester Bestandteil der Schalker Mannschaft unter André Breitenreiter. Bei seinem vierten Saisoneinsatz in Hamburg zog er sich, in diesem Spiel als rechter Mittelfeldspieler eingesetzt, eine Teilschädigung des Kreuzbandes im rechten Knie zu. Im Interview mit der vereinseigenen Homepage des FC Schalke gab Höger zu, bereits sofort gewusst zu haben, dass es etwas Schlimmes ist: „Mir ist der Gegenspieler gegen das Knie gelaufen und ich habe es sofort knacken gehört.“ Meistens kein gutes Zeichen. Die Zeit nach der Verletzung war für Höger natürlich keine einfache, da sein Vertrag eigentlich nur bis Ende dieser Saison gelaufen wäre – im Oktober (und damit nur kurz nach der Operation) wurde sein Arbeitspapier aber um ein Jahr ausgedehnt. Horst Heldt hatte ihm laut Reviersport bereits in der Kabine in Hamburg zugesagt, dass sein Vertrag trotz Verletzung verlängert werden würde.

Für Höger (und auch jeden neutralen Beobachter) ein Zeichen dafür, dass es auf Schalke stimmt. Zu „Reviersport“ sagte er in diesem Zusammenhang: „Wir haben vor der Saison gesagt, dass wir mit dem neuen Trainerteam hier wieder eine Einheit werden wollen. Dass man meinen Vertrag verlängert hat, zeigt, dass das keine leeren Worte waren, sondern dass wir eine Mannschaft sind, in der es verschiedene Schicksale gibt und in der wir uns gegenseitig den Rücken stärken”, so der 26-Jährige. Seitdem befindet sich Höger im Aufbautraining und vorbehaltlich der medizinischen Untersuchung sollte er auch ab Sommer noch in der Lage sein, professionell Fußball spielen zu können – dann allerdings im effzeh-Dress.

Was sagen die Scouts?

Neben der bereits angesprochenen Flexibilität, die ihn sowohl auf außen als auch innen problemlos agieren lässt und damit zu einem Hector-Verschnitt macht, bringt Höger eine immense Laufstärke mit, die er für sein athletisches Spiel auch braucht. Dabei bearbeitet er als Verbindungsspieler zwischen Abwehr und Angriff jeden Quadratmeter zwischen den beiden Strafräumen, obwohl ihm die unmittelbare Torgefahr ein wenig abgeht. Nichtsdestotrotz wird er ab Sommer, sofern sein Körper es zulässt, seine ruhige und strategisch sichere Spielweise für den effzeh einbringen können. Dabei wählt Höger häufiger den sicheren Pass anstatt riskante Bälle zu spielen. Dadurch ist seine Fehlerquote gering und die Ballzirkulation geht flüssiger vonstatten. Darüber hinaus bringt er das Verständnis mit, das Aufrücken des Rechtsverteidigers angemessen abzusichern und seitlich in den entstehenden Raum abzukippen (sofern einerseits Höger nicht selbst Rechtsverteidiger spielt und andererseits der effzeh mit einem Dreiermittelfeld agiert).

Dass Höger keine besonderen Schwächen aufweist, macht ihn umso wertvoller für den effzeh, der mit ihm die taktische Weiterentwicklung auf einem neuen Niveau stattfinden lassen könnte. Ein Dreiermittelfeld bestehend aus Hector, Gerhardt und Höger würde mit Sicherheit für interessante Synergien sorgen, die entsprechend genutzt werden müssten. Unter dem Strich steht für den Verein aber eine sehr sinnvolle Verstärkung zu Buche, da Höger seine Bundesligatauglichkeit bereits mehrfach unter Beweis gestellt hat und auch international Erfahrungen sammeln konnte. Wenn es dann gelingt, einen Sohn der Stadt für geringes Geld zum effzeh zu locken, sollte man nicht zweimal überlegen.

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